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Über deutsche Volksetymologie
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Kosten) zu denken wäre, nicht wohl herrühren 1 ); dagegen gibtdie aus dem vorigen Jahrh. nachweisbare Form kostspillig ( kosten-spillig ) den guten Sinn „Kosten verschwendend“, vom niederd.spülen (verschütten, verlieren, vergeuden), engl, spill 2 ). Die heuti-gen Adj. wahnsinnig , wahnwitzig werden unwillkürlich auf dasSubst. „Wahn“, mhd. wän, bezogen und Ableitung von „Wahn-sinn, Wahnwitz“ vorausgesetzt: allein beides entbehrt der Richtig-keit, da vielmehr ein veraltetes Adj. „wahn“, d. h. wan (vgl. engl,want), mit der Bedeutung „leer, mangelnd“, zu Grunde liegt, undferner im Ahd. und Mhd. nur das Adj. wanawizi, wanwitze be-gegnet, welches im Nhd. durch -ig erweitert zu „wahnwitzig“wird, während „wahnsinnig“ und die beiden entsprechenden Subst.„Wahnwitz, Wahnsinn“ jüngere Bildungen sind 3 ). Wenn gleichals harmherzig sehr richtig derjenige bezeichnet werden kann, derein Herz für die Armen hat (vgl. lat. misericors), so ist doch dasWort höchst wahrscheinlich nicht aus „bearmherzig“ hervorgegan-gen, überhaupt „arm“ gar nicht in demselben enthalten, sonderndas mhd. barm (Busen, Schoß), woher „barmen“, misereri, heute„erbarmen“, stammt 4 5 ). Das seltene maßleidig enthält vorn ein imNhd. nicht mehr gebräuchliches Wort, altd. ma 3 , Speise (S. 206),und ist, wie mitleidig von Mitleid, abgeleitet von einem Subst.Maßleid (mhd. ma 3 leide), welches zuerst Ueberdruß am Essen,dann Ueberdruß im allgemeinen bezeichnet 6 ). In der Sprachejüngerer Geschäftsleute und auch sonst tritt häufig ein Adj. piek-fein oder piekfein auf, dessen erster Theil aus dem holl, puik

1) Vgl. Kirchspiel S. 190.

2) Vgl. „kossspillig“ in Honigs Wtb. d. Köln. Mundart S. 99a. Zugewissen Zeiten wurde das Wort als „kostbillig“ gefaßt; s. WackernagelKl. Sehr. 3, 55. 422. Bei J. Paul findet sich die Umdeutung „kosten-splitterig“. Die aus Rosenblüt in Frommanns Ztschr. 1, 258 angeführteund als „kostspielig“ verstandene Form „kosperlich“ gehört gar nichthierher, sondern steht für „kostbarlich“. Ueber das, was XanthippusMahnwort S. 23 vorbringt, „kostspielig“ scheine eine merkwürdige Meta-thesis des niederd. „köpselig“ (Mnd. Wtb. 6, 183) zu sein, braucht keinWort gesagt zu werden.

3) Vgl. Diefenbach Wtb. 1, 163. Weigand Wtb. 2, 1010. 1011.Frommann 3, 187. Höfer Germania 23 (1878), 5 fg.

4) Ausführlich handelt über alles, was hierher gehört, Grimm Wtb.1, 1134. 1135. Vgl. Weigand 1, 106.

5) Diefenbach Wtb. 2, 55. Im bair. oberpfälz. Dialekt bedeutet

„maßleidig“ grämlich, verdrießlich (Zaupser 50).