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Über deutsche Volksetymologie
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(ausgezeichnet) entstellt ist 1 ); besser lautet es in norddeutschenGegenden piilcfein, in Holstein bloß puk, namentlich vom Anzug.Obgleich windschief am meisten mit Beziehung auf Bretter undVerschlage gebraucht wird, die durch den Einfluß der Witterungeine schiefe Bichtung bekommen haben, und aus diesem Grundeder Gedanke an Wind unwillkürlich aufstößt 2 ), findet die Zusam-mensetzung doch nicht mit diesem Subst. statt, vielmehr mit einemaus winden stammenden Adj. wind , dessen nordische Formen vindr,vind lauten und „schief“ bedeuten 3 ). Unter „ plattdeutsch “ darfwohl nicht plattes d. h. niedriges, gemeines, unedles Deutsch (vgl.„platter Ausdruck“) verstanden werden, sondern „platt“ beziehtsich auf die niedrige, flache Gegend (vgl. „plattes Land“) Nord-deutschlands, das daher auch Niederdeutschland heißt, im Gegen-sätze zu „hoch“ in „hochdeutsch“ 4 5 ). Zur Erklärung von „ windel-weich“ in der Verbindung „windelweich schlagen (prügeln)“ bedarfes, wie es scheint, keiner weither geholten Vermuthungen überUrsprung, Bedeutung oder Beziehung des ersten Wortes 6 ); derAusdruck wird in der Volksprache entstanden sein, wo es nochandere Verstärkungen von „weich“ gibt, wie „butter-, feder-, seiden-weich“ 6 ), und daß eine Windel weich ist, kann ja nicht geleugnetwerden. Zwar läßt sich, wie „pudelnärrisch“, auch „ pudelnaß“auf Pudel als Thier beziehn, insofern diese zur Wasserjagd abge-richtete kraushaarige Hundeart oft durchnäßt aus dem Wasserherauskommt 7 ); weit annehmlicher aber lautet die VermuthungWeinholds 8 ), daß die Form aus „pfudelnaß“ (oberlaus, „pfitzefudel-naß“), von „pfudel“, Pfütze, Lache (vgl. oberlaus, „fudel“, Mist-lache) verderbt sei. In „ kreuzbrav , kreuzfidel“ scheint das steigernde

1) Leipz. Illustr. Zeit. 1882 S. 404°.

2) Vgl. winddürr.

3) Frommann 5, 181. Diefenbaeli Wtb. 1, 143. Weinhold Beitr. z.e. schles. Wtb. 82 b . Schmeller Wtb. 4, 108. Weigand Wtb. 2, 1085. 1087.Die rheinische Mundart hat „windsch“ in demselben Sinne (Bedburg.Progr. 1880 S. XXIX); vgl. windisch S. 75. 138.

4) Weigand 2, 391; vgl. Jahrb. d. V. f. niederd. Spr. 1875 S. 114 fg.

5) Vgl. Schambach Wtb. 299 a . Kehrein Onomat. Wtb. 269.

6) Frommann 1, 232 a . 5, 194.

7) Weigand Wtb. 2, 432; vgl. L. Tobler in Frommanns Ztschr. 5, 22.

8) Beitr. z. e. schles. Wtb. 69. Hierzu stimmen die oberd. undmitteld. Ausdrücke „pfütz-, pfutsch-, pütsch-, putschnaß“ (vgl. Weigand2, 376. Vilmar Idiot. 301) und das niederd. „miss-, messnatt“, hochd.gleichsam „mistnaß“ (vgl. Grimm Gramm. 2, 572. Schambach Wtb. 134 a ).