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Über deutsche Volksetymologie
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Widerspruch. Für das Verständnis des im gewöhnlichen Lebenbeinahe veralteten, sprachlich interessanten Wortes männiglichkommt es auf richtige Abtheilung der Kompositionsglieder an:der volksthümliche Ausleger wird hinten die der Zusammensetzungdienende Silbe -lieh vermuthen und das erste Wort etwa mitmannig, manch in Verbindung bringen; dagegen weist die wissen-schaftliche Etymologie ein ahd. mit dem Gen. Plur. von man(mannö) und dem Adj. gilih (gleich) zusammengesetztes Wortmannögilih, manniclih nach, welches der Männer (Menschen) Ge-sammtheit, Jedermann, bedeutet 1 )- Durch Misverstand, als obGeld in dem Worte stecke, wird häufig (seit Adelung) unentgeld-lich geschrieben, anstatt unentgeltlich, ohne Entgelt (Bezahlung).Stattlich ist keineswegs, wie Adelung lehrt, aus „staatlich“ ent-stellt, gründet sich vielmehr mit dem mhd. Adv. stateliche, wel-ches ein Adj. statelich voraussetzt, auf das in mehrern abstraktenBedeutungen sehr gebräuchlich gewesene Subst. state, von dem wirnoch den Dat. Plur. in den präpositionalen Ausdrücken „vonStatten “ und „zu Statten“ besitzen. Da es früher ehrbietig hießmag daraus, wie Grimm vermuthet, durch einen Fehlgriff ehrer-bietig entstanden sein; vgl. die ältere Schreibung „eerbietig“ 2 3 ).Das Adj. selbständig gibt zu zweierlei Betrachtungen Anlaß: dieForm selbstständig, welche sich daneben findet, würde, auch wennZusammensetzung mit selbst, anstatt mit selb, bewiesen werdenkönnte, was jedoch keineswegs der Fall ist, Empfehlung nichtverdienen, weil der Wohlklang die Unterdrückung eines der beidenst mit Recht verlangen könnte; ferner scheint es, daß der zweiteTheil des Wortes, welcher auf das Subst. Stand hinweist 8 ), viel-mehr aus dem Part. Präs. (vgl. selbstende, selbstehend, aus dem14. Jahrh.) hervorgegangen und mit „lebendig“ zu vergleichenist 4 )- Kostspielig kann von Spiel, wie wenn „Kostenspiel“ (Menge

1) Ueber ahd. -gilih und -Uh in der Bedeutung „jeder“ vgl. GrimmGramm. 2, 569. 570. Wackernagel Wtb. 99. 179 b . Paul u. Braune Beitr.5 (1877) S. 51 fg. Im Mhd. begegnen vrouwengelich (jede Frau), ritertteh(jeder Ritter), dinglich (jedes Ding, alles) und andre Beispiele; als heuteauf dem Oberharz üblich wird „gewandlich“ in Herrigs Archiv 60, 430 bangeführt.

2) Luther hat einmal ehrerbietig geschrieben, sonst ehrbietig (DietzWtb. 485 b . 771 b ).

3) Vgl. inständig, verständig, zuständig.

4) Weigand Wtb. 2, 686.

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