162
Wie die Sonne, wenn sie an einem Orte mit derMacht ihrer Strahlen den dicken Nebel zerthcilt, undan einem andern durch ihre gewaltige Hitze neueDünste erzeugt, Wolken bildet und Gewitter bewirkt,so war auch die Antwort des Miseno. Mustafawar verwundert über diese kluge Ansicht, cs wurdehell in seinem Kopfe, und er sah die Wahrheit ein,aber bei Efigenien und dem Grafen bewirkte eseine solche Verwirrung, daß sie dieselbe nicht verber-gen konnten, und Neukasis vermehrte den Sturmnur immer mehr durch seine Schmeichelei. In derVerwirrung und im Kampfe mit allen diesen Gefüh-len mußte das Herz des Grafen, welches hinter sei-ner Maske nicht sicher war, sich zum Theil entdecken,und denl Miseno durch die Verstellung seine wahrenAbsichten durchblicken lassen.
Mustafa, ganz aufmerksam auf das, was Mi-seno gesagt hatte, hatte noch nicht genug erwogen,wie leicht uns unsere Leidenschaften betrügen, undwie oft wir, ohne es zu merken, in solche Fehler ge-rathen, welche wir an Andern verdammen; Misenoerklärte ihm den Ursprung dieses Betrugs in folgendenWorten: Die Gegenstände, welche uns unsichtbar sind,sind es entweder, weil sie so fern liegen, oder weil siezu nahe sind. Wer sah wohl je seine eigenen Augen?Und doch sehen wir nur durch sie, was unseremGesichte näher kommt. Aber wir müssen uns ein we-nig von demjenigen entfernen, was wir sehen wollen.