Druckschrift 
3 (1825)
Seite
101
Einzelbild herunterladen
 

10 l

kleinmüthigen Rücksichten sich zurückzog. Seine Recht-schaffenheit erlaubte ihm nicht zu lügen; und ausFreundschaft für Miseno wollte er die Wahrheit nichtsagen. Da er nun kein anderes Mittel fand, dieser Ver-legenheit auszuweichen, machte er sich davon, und hin-terließ mir diesen Brief, den ich bis dahin zurückge-halten habe, weil er mir empfahl, nur im äußerstenNothfalle davon Gebrauch zu machen. Bald hielt ihndie Liebe znm Miseno davon zurück, bald die Furchtihn ganz zu verliehren; da aber Eure Befehke mir sowichtig sind, als göttliches Gesetz, so habe ich nichtsverbergen können. Der Fürst freute sich, und befahldem Teobald, denBrief aus Neukasis Händen zunehmen, und ihn öffentlich vorzulesen; dieß that er,und cs lautete also:

"Dringende Gründe, gnädigster Herr! nöthigtenmich, die Reise nach Nizäa aufzuschieben; aber meinVerfahren ist ein Beweis meines aufrichtigen Willens,Eilch zu gehorchen. Da ich weiß, daß es der ganzeZweck dieser Reise ist, zu untersuchen, wer die beidenGefangenen sind, welche sich in Eurer Gewalt befin-den, so erkläre ich, daß ich sie nur aus einem gewis-sen Zusammentreffen auf dem Schiffe kenne, woraufwir fuhren. Ich weiß, daß Miseno ein sehr klugerMann ist, dessen Grundsätze man schätzen und fürchtenmuß. Aymar besitzt eine feine List, und große Ver-schlagenheit, und ich freue mich aus Beider Gesellschaftzu entkommen, weil sie mir gefährlich sey« konnte.