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Leidenschaften zu widerstehen, die uns zum Bösen hin«reisten.
Miseno, der aufmerksam zuhörte auf alles, wasvon beiden Seiten vorgetragen wurde, konnte doch beider zuletzt angebrachten Schlußfolge nicht mehr an sichhalten. Er unterbrach das Stillschweigen, und sprach:da alle ihre Meinung gesagt haben, so muß auch ichmit der meinigen hervortreten.
Die Eigenliebe, in ihrem Ursprünge wohl unter-sucht, ist eine gute, gerechte und pflkchtmäßige Leiden-schaft, weil wir uns natürlich selbst lieben sollen, sodaß die Vernunft befiehlt, daß ein Jeder sein eigenesWohl und sein eigenes Glück im Auge habe, und dießheißt, sich wahrhaft lieben. Wer also verzweifelt oderrasend wäre, nur der könnte aufhören, sich zu lie-ben. Gott, welcher unserer Seele diese Leidenschafteknprägte, konnte uns nichts Böses geben, konnte nichtmit eigener Hand uns zum Bösen führen wollen, weiler dieses verabscheut und gegen sich selbst handelnwürde. Obgleich nun dieser Begriff gut und unschul-dig ist in seinem Ursprünge, so artet er doch gewöhn-lich mit der Zeit aus, und überschreitet die Granzen,welche ihm Gott durch die Vernunft vorgeschriebenhat. Eine dieser Selbstliebe nun, welche wohl gelei-tet eine Tugend ist, wird, wenn sie gewisse SchrankenÜbertritt, ein Laster und die Wurzel vieler Uebel; sowie die Wärme so wohlthätig für das Leben, wennsie zur Hitze ausartet, ein tödtendes Fieber wird. Ich