Druckschrift 
3 (1825)
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

Genuß, und nicht das Wohl der Senobla; weil ersie so gern ansieht, so ist es ihm nur darum zu thun,seine Augen an ihr zu weiden; wenn ihre Gesellschaftihn entzückt, so achtet er nur auf sich selbst, wenn ersie sucht und sie begleitet. Er verehrt sie, das istwahr, aber er verehrt sie nur, weil er darin feine ei-gene Freude hat, so viel er insgeheim wünscht; wachtund strebt, seinen Drang zu befriedigen, sey es auchauf Unkosten des Verderbens derSenobia, nun sagtmir, ob das lieben heißt? Ja, wenn dieß die wahr-haftige Liebe ist, dann müsse gewiß das unschuldigeSchaf dem gefräßigen Wolfe dankbar bleiben, welcher,um es zu zerreißen, dasselbe durch Berge und Thälerverfolgt; und Senobia sollte seine niedrigen undschändlichen Nachstellungen als eine Huldigung anse-hen, und was kann sie dafür, daß sie geliebt wird,um dadurch verpflichtet zu werden, ihr Herz einem Un-geheuer hinzugeben.

Lasset uns vernünftig seyn. Niemand muß etwasanders lieben, als was liebenswürdig ist, und so langenicht die Liebe des Zupirus zur Senobia ihn vonseinen ungeheuren Abscheulichkeiten reinigt, verdientsie diesen Namen nicht, und also ist diese Verachtung,die sie beweißt, rin neuer Beweis ihres Verstandesund eine Erhabenheit ihrer Tugend. Und wenn ernun endlich einsieht, daß sie ihn verachtet; dann wer-det Ihr sehen, daß er seine ehemalige Lobsprüche inVerläumdungen verwandelt, und durch Lästerungen