92 V. d.Astroii.d.Chineser u. ein. andr. Völker.
ner als die Sonne: und zeigte die Beobachtung einerdieser Finsternisse ihren Irrthum, so nahmen sie ihreZuflucht zu einer Störung der himmlischen Ordnung,welche dem Reiche drohete. Auch führten sie sorgfältigsolche Finsternisse an, welche ihrer Behauptung nach,dem Untergänge der Dynastien vorhcrgcgangcn waren,und ihn zur Folge gehabt hatten b). Es lag der Un-wissenheit sehr an der Aufrcchthalrung dieses Vorur-thcils. Hatte sich ein Astronom in der Vorhersagungeiner Finstcrniß geirrt, oder eine Finsternis; nicht vor-her angckündigt, so wurde er mit dem Tode bestraft.Ein gerechtes und weises Volk würde dicß Gesetz nichtgemacht haben, wenn es nicht geglaubt hätte, daß diehimmlischen Erscheinungen die Regierung und den Frie-den des Reichs interessirtcn, und die Unordnungen amHimmel politische Zerrüttungen anzcigtcn. Man muß-te also den Himmel beobachten, um über den Fürstenund das Volk zu wachen; und der Astronom, der dieseUnordnungen nicht voraus sah, wurde als an allemdem Unglücke schuldig angesehen, das über das Handkam. Es gelang jedoch der Schmeichelei, dieß barba-rische Gesetz auf eine geschickte Art zu verdrehen. Er-folgte eine Finsterniß nicht, so wünschte man dem Für-sten Glück, daß seine Tugenden ihn gerettet hätten:trat hingegen eine Finsterniß ein, die nicht vorhergesagtwar, so setzte man den Kaiser in Schrecken, und gabihm zu verstehen, daß der Himmel erzürnt sey, und sei,ne Rache ankündige. DieKaiser ließen sich jedoch nichtimmer durch diesen Kunstgriff der Unwissenheit hinter-gehen, besonders wenn er darauf abzwccktc, sie inSchrecken zu setzen; allein die Schmeichelei verfehlteihren Zweck nie. Wie wäre es also möglich gewesen,daß die Chinescr im Stande waren einzusehn, der Mondkönne uns eben so groß und größer als die Sonne er-scheinen, da sie die totalen Finsternisse dieses Gestirns,
d) 8oucior, Recuei! ä'obkerv. kalter ä 1» Olime et aux luäer,I vme Hl, p. 187-