Propaganda dem Bischof 1000 Scudi. Er erklärte, daß diese Summenicht genüge, zum mindesten verlange er noch 600 dazu. Der Nun-tius Stampa in Venedig wurde beauftragt, ihm die Summe auszuzahlen.Es geschehe, mußte der Nuntius ihm sagen, aus dem einzigen Grunde,weil die Kongregation vor Gott nicht Schuld daran sein wolle, daßdurch die Verweigerung dieser Summe die Mission Hannover zu Grundegehe. Im Frühjahr 1725 wußte Steffani, daß er bald nach Hannoverzurückkehren werde. Er handelte in seinem Interesse, wenn er zur Ord-nung der Verhältnisse schon jetzt Hand anlegte.
Im Juni 1725 kam König Georg wieder auf längere Zeit nachHannover. Die katholischen Damen am Hofe und der alte HortensioMauro hatten vergebliche Versuche gemacht, die Ausweisungsbefehlegegen die Geistlichen durch ihre Fürbitte beim König rückgängig zu
machen, namentlich die Eidesforderung zu beseitigen. „Der König bleibtbei seiner Entscheidung," schrieb jedoch Görtz an Steffani (4. Mai). „Erhat uns aus eigenem Antrieb geschrieben, daß wir vor seiner Ankunftdie Sache erledigten, damit er hier nicht damit behelligt werde. Es
baben also die Bitten Hortensio's und unserer Damen nicht den geringstenErfolg gehabt."
Wenn der König auf der Eidesforderung bestand, konnte auch
Steffani keinen Priester in Hannover halten. Darum gingen seine
Bemühungen dahin, diese Forderung abzuwenden, und in diesem Sinneschrieb er an die Minister. Görtz antwortete ihm (11. Mai): „Da derKönig in drei Wochen kommt, wollen wir, Bernstorff und ich, allesMögliche thun, um eine Entscheidung vom König zu erhalten, wie dievon 1715 (wodurch von der Eidesleistung dispensirt wurde). Ich werdedie Sache so leiten, wie Sie es wünschen." Um ihm zu willfahren,sagte er dann (25. Mai), sei den Geistlichen ein Aufschub von vierWochen bewilligt. . „Aber nun sind uns durch ein neues Decret desKönigs die Hände gebunden." Einer der Geistlichen solle bleiben, wenner den Eid leiste. „Die Priester sind vorgestern fortgeschickt," schreibtderselbe am 1. Juni. „Ich hatte noch einen Aufschub von acht Tagenbefürwortet, aber meine Collegen wollten nicht, weil die Befehle desKönigs so bestimmt lauten. Jetzt bittet die Gemeinde um die Erlaubniß,aä iutsrim Priester von Hildesheini kommen zu lassen; ich glaube, daßes ihr nicht abgeschlagen wird. Am meisten beunruhigt sich der Herr
gute Freunde, welche man in solchen Briefen des Bischofs Commissarios und Partisansgeucnnet, die hiesigen katholischen Priester bei der königlichen Regierung fälschlich angegossenund es dahin gebracht hätten, daß, da sie des Bischofs Meublen nicht in ihr Haus in Ver-währung nehmen wollen, man ihnen anbefohlcn, sich von hier weg zu begeben." Dasseien lauter Unwahrheiten; der Grund sei, daß sie wider die Verordnungen gehandelt.
Görres--Gesellschaft. III. Bereinsschrift für 1886. 9