Hannover zurückzuführen, weil sie erschrocken ist über die von Ihnengemachte Erklärung, daß Sie dort nicht erscheinen können, ohne IhreSchulden zu bezahlen. In der Unmöglichkeit, in welcher sie sich befindet,dazu Gelder herzugeben, würde der Umstand dabei außer Acht bleiben,daß sie Ihre plötzliche Abreise von Hannover mißbilligt, und daß Siedie Missionen ohne Zustimmung derselben Kongregation verlassen haben.Das ist aber der Hauptgrund, weshalb die Congregation Ihre Vor-stellungen nicht weiter berücksichtigt hat, und weshalb sie acl iutsrtw einenapostolischen Vicar eingesetzt hat, ohne dessen Personalien und die ÜbelnFolgen dieser voreiligen Entschließung zu prüfen. Msgr. Archinto istnicht mehr am Leben, der jene aufklären könnte, welche in der Sache zuthun haben, und der Marquis de Nomis fängt an verdächtig zu werden,weil er zu viel sagt; denn es ist nicht immer gut, alles zu sagen, wasman denkt, und Sie wissen, „wer zu viel beweiset, beweiset nichts". Alleseine Briefe, die er an den Kölner Nuntius und nach Rom geschriebenhat, reden nur von dem Fehler, den man mit der Ernennung des Pro-vicars Majus gemacht hat. So weit redet er noch gut, aber er schließtimmer mit der Forderung Ihrer Rückkehr, was statt zu helfen eineschlechte Wirkung hervorgernfen hat, weil die Congregation sieht, daß erdie Person des Majus heruntersetzte, bloß um Ihre Rückreise zu beschleu-nigen. Diese Meinung steht bei den Cardinälen fest, seitdem Majusoffen geschrieben hat, daß er hoffe, in Hannover nicht abgewiesen zuwerden, daß aber der Marquis de Nomis die Schuld habe, wenn esdoch geschehe, weil er es auf Ihre Rückkehr abgesehen hat und unterder Hand in dieser Richtung die hannoverschen Minister antreibt, denMajus als Provicar nicht zuzulasfen. Ich weiß nur zu gut, daß Aerger-nisse kommen müssen, um einem so großen Uebel abzuwehren. Deshalbschlage ich dem Marquis de Nomis eine Methode vor, daß die Wahr-heit über den Jrrthum auch zu Ihrem ganzen Vortheil triumphirt. Ichbin nicht fähig, Ihnen den Weg zu zeigen, der einzuschlagen wäre, umdas Gewölk zu verscheuchen, welches das Licht verdeckt, aber Sie mögenes meiner Liebe verzeihen, wenn ich mir die Freiheit nehme zu sagen,daß ich es für sehr vortheilhaft halte, wenn Sie sofort einen Brief andie Congregation der Propaganda schrieben, in welchem Sie die Nothund Gefahr dieser Missionen schildern, daß sie ihres Besitzstandes ver-lustig gehen würden, wenn sie nicht von einem apostolischen Vicar regiertwürden, der von dem hannoverschen Hofe zngelasfen würde, und zwaraus bloßer Duldung, nicht durch einen Vertrag mit dem Kaiser und demReiche. Sie mögen dann unter Thränen die Cardinäle bitten, mit diesemAmte einen Mann von Verdienst oder Geburt zu betrauen, der Zutrittzu den Ministern habe und mit seiner Auctorität die Häretiker im Zaume
Druckschrift
Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
Seite
125
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten