Druckschrift 
Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

Schulden war sie Huysburg incorporirt und dem Abte unterworfen wor-den und hatte nur sieben Mönche.

Daß unter den bösen äußern Verhältnissen auch das klösterlicheLeben und die Ordensdisciplin und bei dem Weltklerus das geistlicheLeben Schaden litt, kann nicht verwundern. Es waren mancherlei Gewohn-heiten eingerissen, die abgestellt werden mußten, wenn sie auch in dieReihe der gewöhnlichen menschlichen Schwachheiten gehörten. SchlimmeDinge werden nicht erwähnt.

Um die Mißbräuche abzustellen, verlangte der Bischof die Aufhebungaller Privilegien dieser Klöster durch einen Akt der päpstlichen Gewalt.

Der Nuntius von Köln, welcher zu diesem Vorschläge seine Be-merkungen machte*), hielt das letztere für nicht möglich. Es gebe keinBeispiel der Art, daß die Propaganda solche Gewalt ausgeübt habe.Dagegen schlug er vor, die Kongregation möge dem apostolischen Vicareinen speciellen päpstlichen Auftrag zur Visitation der Klöster verschaffen,wobei er dann die eingeschlichenen Unordnungen abstellen könne. Alleindas päpstliche Breve kam nicht und der Nuntius meinte (10. Juni 1712),es sei eben so gut, wenn der Bischof in seinem, des Nuntius, Auftragdie Visitation vornehme. Die Mittel für die Reise werde die Kongre-

gation sicher bewilligen. Steffani wandte dagegen ein, daß des NuntiusName odios bei den protestantischen Fürsten sei und eine solche Visitationin dessen Namen böse Folgen haben könne. Dabei erneuerte er seineerste Forderung, die der Nuntius jedoch für unerfüllbar erklärte. DieVisitation ist gar nicht zu Stande gekommen weder in der einen nochandern Art. Allerdings erhielt Steffani in einem Breve des Papstes denAuftrag zu dieser Visitation, die Congregation der Propaganda hielt esaber für nöthig, ihn zu warnen, daß durch die Visitation nicht Miß-helligkeiten entständen.

Die durch ihre exponirte Lage so wie so gefährdeten Klöster undBeneficien waren gerade in der Zeit des apostolischen Vicariats unseresSteffani in besonderm Maße den Bedrängnissen ansgesetzt, die unter demNamen Retorsionen und Repressalien schon seit langer Zeit von derpreußischen Regierung über sie verhängt wurden ^). Die Klöster wandten sichfortwährend um Rath und Hülfe an den Bischof. Als Ende 1709 undanfangs 1710 der pfälzische Rath von Wittgenstein nach Berlin ging, such-ten die Klöster durch ihn Hülfe gegen die vom König angeordnete Com-mission zur Visitation derselben, welche keinen andern Zweck hatte, als

Hannov. St.-A. Calenb. Br. vss. 23. II. Nr. 78 aa gzg ff.si Bergt, die langen und eingehenden Abhandlungen über diesen Gegenstand imMainzer Katholik, 1880 II. S. 589 ff. 1881 I. S. 348 ff u. S. 496 ff.