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Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
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bin der jüngste im Capitel und ein Fremdling in Israel." Neben diesemaus Paderborn gebürtigen Canonicus Stutzenberg waren noch drei Vi-care katholisch, die jedoch zugleich Domvicare waren. Sie hatten zweiKapellen der Stiftskirche im Besitze; täglich um 8 Uhr wurde in einerderselben die h. Messe gefeiert, an Sonn- und Festtagen feierlich mitGesang der Anwesenden. Es wurde gemeinschaftlich von den katholischenund protestantischen Stiftsherren die Vesper in der Stiftskirche gesungenund Morgens 4 Uhr die Matutin. Dabei ließen die Protestanten dieGebete zu den Heiligen aus, die Katholiken beteten sie privatim.

Aehnlich war es bezüglich des St. Petri- und Pauli-Stiftes. DerChor der Kirche war katholisch. Morgens 4 Uhr sangen die zwei resp.drei katholischen Canoniker mit zwei katholischen Vicaren und vier Kan-toren an Sonn- und Festtagen die Matutin und Landes, um 8 Uhrwurde die h. Messe gehalten. Obschon die protestantischen Stiftsherrenverpflichtet waren, die Tageszeiten mitzusingen, war der Chor imBesitze der Katholiken allein, während die Protestanten das Schiff derKirche inne hatten.

In der Stadt Halberstadt gab es etwa achthundert Katholiken, die mitden Klosterkirchen zehn Kirchen und Kapellen für ihren Gottesdienst hatten.Die Dominicaner rühmt der Berichterstatter des Bischofs wegen ihresEifers im Predigen, die Franciscaner wegen ihrer vielseitigen Thätigkeitin der Kirche, auf dem Katheder, iu der Schule und vor allem auch inden Missionen, die Augustiner wegen ihrer Gelehrsamkeit. Die Klösterder Dominicanerinnen und Cistercienserinnen zu Halberstadt, welch' letzterewegen ihrer strengen, nie gebrochenen Clausur gerühmt werden, seien erstvor nicht langer Zeit wieder neu aufgebaut. Das letztere Kloster hatteeinen großen Grundbesitz und auch das Präsentationsrecht der protestan-tischen Prediger auf mehreren Dörfern. Das gleiche Recht hatte dasSt. Johanniskloster der Augustiner.

Ausgedehnten Grundbesitz hatte das Benedictinerkloster Huysburg,auf dem Gipfel des Höhenzuges Huy gelegen, von wo es die ganzeGegend beherrscht. „Tausende von Armen des Landes erhalten von demKloster Getreide und Holz, es hat Jagd und Fischereigerechtsame und inmehreren Dörfern das Präsentationsrecht." Aehnlich war es mit denübrigen Klöstern. Das Benedictinerkloster Ammensleben und das Cister-cienserkloster Althaldensleben hatten sogar das Recht der Gerichtsbarkeit,„Ober- und Unter-Gericht" in mehreren Dörfern. Zum Johannisklosterin Halberstadt gehörte noch ein klosterartiges Haus (8t. UrZulas) mitJungfrauen, die den Namen „willige Armen" hatten, und ein Spital füralte Leute. Mit dem Kloster Huysburg war seit 1696 die AbteiSt. Moritz und Simon zu Minden verbunden. Wegen ihrer vielen