Druckschrift 
Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
Entstehung
Seite
87
Einzelbild herunterladen
 

87

Anfangs März traf endlich die Antwort von Rom ein. Eine Ent-scheidung hatte die Kongregation nicht gefällt.Die Eminenzen wollenerst genau in einer so wichtigen Sache von Ihnen wissen," schrieb mandem Bischof,was Sie bezüglich der Auctorität, welche von dem (Preußi-schen) Hofe empfangen werden müßte, wünschen, und was sie ist, worindiese besteht, in welcher Form und in welchen Ausdrücken sie vom Kur-fürsten oder seinen Ministern concedirt wird, damit aus diesen Notizendie heilige Congregation entscheiden kann, ob die genannte Auctoritätangenommen werden darf und folglich auch übersehen werden kann."Allein Steffani verlangte, daß man ihm solche Formen und Ausdrückeangebe, auf Grund deren er seine Verhandlungen fortsetzen könne. Erwar von dieser Antwort nicht erbaut, obschon sie auch eine reiche Füllevon Lobesworten für den Eifer des Bischofs enthielt. Indessen hoffteer mit feinem Vorschlag durchzudringen und schrieb an den Ministervon Printz, daß er zur Erfüllung der genannten Bedingungen alles Mög-liche thun wolle.

Gerade hatte der König wieder eine katholische Präbende zu Halber-stadt einem Protestanten gegeben, und der Nuntius bat den KurfürstenJohann Wilhelm, dagegen einzufchreiten. Derselbe möge, schrieb ihmSteffani, nach Rom berichten, daß es damit schon anders werden würde,wenn man die Vorschläge desselben annähme. Und fördernd kam fürdieselben hinzu, daß man in Berlin gerade an eine Verheirathung deszukünftigen Kronprinzen mit einer österreichischen Erzherzogin ernstlichdachte. Als Johann Wilhelm davon erfuhr, schrieb er an Steffani(12. April 1712):Der erste Schritt, der zu thun ist, um nicht eineSache von so großer Bedeutung zu vereiteln, ist nach meiner Meinungder, zu erforschen, zu welcher der drei Prinzessinnen der Kronprinz dieseseine so starke Neigung gefaßt habe. Es wird Ihnen nicht schwer sein,durch dritte Hand dies zu erfahren, ebenso ob es ihm recht ist, wennich ihm dabei behülflich bin. Im Falle es so ist, so biete ich ihm allesan, was von mir abhängt; jedoch glaube ich, daß man jetzt in Wienden Vorschlag nicht machen kann, sondern andere Zeiten erwarten muß."Diese kamen jedoch nicht, so ernstlich die Absicht bestand.

Johann Wilhelm ließ immer von neuem durch seinen Agenten inRom für Steffani drängen.Mit großem Mißfallen," schrieb er dem-selben (14. August),haben wir gesehen, in welcher Indolenz der RömischeHof es unterläßt, den Bischof von Spiga in seinem Vicariat zu unter-stützen, sodaß der Erfolg seiner bisherigen mühevollen Arbeiten vernichtetwerden wird, und alle gefaßten Hoffnungen fehlschlagen, da kaum einegünstigere Gelegenheit für sie wieder kommen dürfte." Er soll mit deneinflußreichsten Cardinälen und dem Papst selber eindringlich reden. Bei