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Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
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Seine Wohnung nahm er zunächst in einem Hause, welches in derNähe des kurfürstlichen Schlosses lag. Später bewohnte er ein derkatholischen Gemeinde gehöriges Haus unmittelbar an der neuen Kirche,welches öfter an katholische Gesandte fremder Höfe vermiethet wurde,jetzt noch steht und zu katholischen Zwecken dient. Es haben die katho-lischen Vereine von Hannover ihre Versammlungen in demselben. Damalswar es ein immerhin elegantes und für hohe Personen würdiges Haus,obschon in den untern Räumen die Schule eingerichtet war.

Die Geschichte der katholischen Gemeinde von Hannover erfordertein eigenes Buch st. Ans derselben mögen hier nur einige BemerkungenPlatz finden, welche die Verhältnisse andeuten sollen, unter denen der Bischofvon Spiga seine Thätigkeit im Vicariate entfaltete.

Die für die Erweckung katholischen Lebens in Hannover so glück-verheißenden Zeiten unter Herzog Johann Friedrich, dem Konvertiten,waren vorüber, auch die der weiten Toleranz unter seinem NachfolgerErnst August waren nicht mehr, als unser apostolischer Vicar in Han-nover einzog. Allerlei Anzeichen sprachen dafür, daß der Kurfürst GeorgLudwig dem protestantischen Ansturm gegen die katholische Kirche inHannover die Zügel weiter schießen lassen werde, als es sein Vorgängergethan. Die Katholiken Hannovers freuten sich, daß Steffani ihr Ober-hirt wurde; sie hofften, daß er im Stande sei, den drohenden Sturm ab-zuwehren.

Dem Kurcontract von 1692 war ein Separat-Artikel beigefügt, inwelchem sich Herzog Ernst August dem Kaiser gegenüber verpflichtete, diefreie Uebung der katholischen Religion und die Erbauung einer Kirchein Hannover zu gestatten. Jetzt galt es, die unbestimmten Ausdrücke desCoutractes zu klären, die Mission zu fundireu und zu ordnen, die Kirchewirklich zu erbauen. Das hielt der Bischof von Spiga für die Haupt-aufgabe, die ihm oblag. Während er nun möglichst viel für die Missionzu erlangen bestrebt war, möglichst alle Hindernisse wegzuräumen suchte,war die protestantische Mehrheit daraus bedacht, das Gegentheil zubewirken. Es entstand in der Folge ein Zustand, der in Erinnerung anheutige Verhältnisseder hannöver'sche Culturkampf" zu nennen wäre.Zunächst kamen kurfürstliche Verordnungen, die hier und da die freieBewegung der katholischen Kirche in Hannover einengten, bis im Jahre1713 ein Reglement erschien, welches nicht nur ein System der empfind-lichsten Eingriffe in das katholische Religions-Exercitium enthielt und aufSchritt und Tritt die Katholiken zu Handlungen wider Glauben und

') Manches Neue bei Pieper a. a. O. L>. 63 u. 93.