Druckschrift 
Die Lebensbeschreibung der Bischöfe Bernward und Godehard von Hildesheim
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

76

Godehard's Leben.

staben auf dem Pfad zur Rechten folgen', häufig verkehrten,müßte ich nicht billiger Weise glauben, dieselben hätten sich daranerinnert, es sei nicht sicher, vor dem vollständigen Sieg zu loben.Denn jedes Lob soll man am Ende singen. Doch nun darfman glauben, daß eine Verzögerung nicht länger nöthig sei, weiler nicht nur über die natürlichen Gesetze der Leiblichkeit, son-dern auch über die Gebote der Ethik preiswürdig sich erhobenhat, allein in der Betrachtung der logischen Vernünftigkeit ver-harret, unter Vollbringung trefflicher Werke inbrünstig nach demHimmlischen sich sehnt und in solchen Bestrebungen von Tag zuTag bewährt wird. Es ließe sich fürwahr das Stillschweigen derZeitgenossen nicht entschuldigen, wenn sie durch ihre Nachlässigkeitdie Thaten eines so nachahmungswürdigen Vorgängers in Ver-gessenheit gerathen ließen. Denn, wenn auch wie Jemand? sagt,dem Vollbringer und dem Verkünder hoher Thaten nicht gleicherRuhm zu Theil wird, so darf doch auch der nicht ungelobt bleiben,der zwar sich selbst den Uebrigen nicht als Vorbild darstellenkann, weil die menschliche Gebrechlichkeit dies auf so mancherleiWeise verhindert, aber wenigstens dafür sich bemüht, daß der inLeben und Sitten nachahmungswürdige Mann nicht unter demScheffel verborgen bleibe. Dies Buch, o verehrungswürdigerLehrer, habe ich aber, wie Ihr erkennt, nicht aus eitler Ruhm-sucht, sondern aus schuldigem Gehorsam so gut ich vermochte,geschrieben, und obgleich hier und dort viele durchaus tüchtigeMänner gefunden werden, so fand ich doch keinen, dem ich es sogerne wie Euch, wenn Ihr es nur nicht verschmäht, zur Ver-besserung hätte vorlegen mögen. Und weil daseinmal entlasseneWort dann unwidernflich dahinfliegt" so zeigte ich es keinem, auchdem vertrautesten Freunde nicht vorher, sondern beschloß zu er-warten, was Eure Weisheit hierin würde erwogen und beschlossen

1) Persius III, 56. Der Buchstabe ^5 wurde von den Schülern des sannschenPhilosophen Pythagoras als ein Bild des menschlichen Lebens betrachtet, das zuerstunentschieden zwischen Tugend und Laster, später entweder nach der linken Seite zudiesem oder Inach der rechten zu jener sich wende. 2) Sallust. Catilina 6. Hl. -3) Horaz. Briefe I. 18, 71.