Druckschrift 
Die Lebensbeschreibung der Bischöfe Bernward und Godehard von Hildesheim
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

Godehard's Leben.

149

die Wunden Dann forschte er auch nach ihren leiblichen Bedürf-nissen, gab reichlich von dem Seinigen und kehrte nach Hause zurück.Nirgendwo ließ er jemals Etwas unvollendet, von dein er glaubte,es könne daraus für die göttliche Religion ein Gewinn hervor-gehen.

Die jüngere Lebensbeschreibung.

29. Als aber das Ende des frommen Vaters unverkennbarherannahte, strebte er mit verdoppeltem Eifer für gute Werke vonTugend zu Tugend empor, auf daß er verdienen möge, den Gottder Götter in Sion zu schauenJa, schon war die Zeit zuwirken und zu schaffen für ihn vorüber und er versenkte sich ganzin die Anschauung der höchsten Weisheit. Nur für drei Dingemachte er eine Ausnahme: den Psalter, das Almosengeben undvor allem für die Enthaltsamkeit, seine Begleiterin und Freundin.Ja, wenn er in einem seltenen Falle an einem Feste von denBrüdern sich zwingen ließ, kräftigere Speisen oder stärkeren Trankgegen seine Gewohnheit zu sich zu nehmen, so war dies demKörper mehr zur Unbequemlichkeit als zur Erquickung. Zumletzten Male in seinem Leben feierte er das Weihnachtsfest imJahre 1037 ^ zu Holthusen, während der Kaiser sich in Goslaraufhielt. Er gab in Wahrheit, gemäß dem Evangelium, demKaiser, was des Kaisers und Gott, was Gottes ist. Denn erbrachte sich selbst Christus zum geistlichen Opfer und weihte zu-gleich allen Seinigen, dem Klerus und dem Volke in göttlichen und

1) Wie der barmherzige Samaritan LulaS 10, SS. 2) Psalm 8S, 8. S) Wolfher,der das Jahr mit dem Weihnachtsfeste anfängt, hatte schreiben müsse» I0S8; wie manauch in einer Handschrift liest. Der Kaiser war übrigens I0S7 in Parma und erst10S8, als Godehard schon gestorben war, in Goslar. Vcrgl. die Hildesheimer Annalenzum Jahr 10 »g.