Bernward's Leben.
63
aus. Der schwerste Fluch soll auf ihm lasten, des Segens soller verlustig gehen, und solcher Maßen, ausgetilgt aus Himmelund Erde, soll er seinen Theil haben mit Judas und denen, diedas Reich Gottes als Erbtheil besitzen wollen*. Zudem mögenunsere Erben mit Gottes und unserer Erlaubniß das Ihrige zuihrem Nutzen wieder an sich ziehen, wenn sie einen fremden Ein-dringling auf ihren Gütern Hausen sehen.
52. Wer diese Worte des frommen Mannes erwägt, wirdleicht erkennen, wie sehr derselbe zugenommen habe an Gottes-furcht und wie hoch er vom Himmel sei gewürdigt worden. Dennder ist doch offenbar von Gott geliebt, der beim Betreiben einessolchen Werkes noch durch himmlische Züchtigung geläutert zuwerden verdiente.
53. Nachdem er nun unter so frommen Bestrebungen würdigvor Gott und lobenswerth vor den Menschen sein ganzes Lebenhingebracht hatte, ließ er im einunddreißigsten Jahre seiner Weihe?,als er schon seinen Todestag, ihm stets erwünscht, herannahensah, von dem verehrungswürdigen Bischof Eggehard von Schles-wig eine Kapelle einweihen die er zwischen der Kirche des heiligenKteuzes und seinem Münster zu Ehren des seligen Martinus, desBekenners Christi erbaut hatte. Er vertauschte dort an'demselbenTage zur Förderung seiner Frömmigkeit sein früheres Gewandund nahm das Joch der klösterlichen Gelübde auf sich.
54. Als er dann in der letzten Krankheit fühlte, es sei dieStunde seines Todes gekommen, ließ er sich in dieselbe Kapelletragen, indem er sagte, es sei angemessen, daß er dort das Endeseines Lebens finde, wo er mit dem Kleid der Weltentsagung sichhabe schmücken dürfen. So ist denn der fromme Mann, durchlange körperliche Leiden aufgerieben, den Weg alles Fleisches ge-gangen. Er hat den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet,die Treue bewahrt, und wir glauben, daß er vereint mit göttlichen
1) Nämlich den Fürste» der Heiden, die Judäa erobern wollten. Vergl. Psalm SS,Vers IS. — L> In Wahrheit im so., nämlich I0SL. — S) Ohne Zweifel am II. Novem-ber, dem Martinstage.