Vorrede.
XIX
der es verstände, das ursprünglichste Gepräge der Gedanken,wie die ältere Schrift eines Palimpsestcs, wiederherzustellen,und wäre nur die Hand geschickt genug, so müßte die Ueber-tragung natürlicher und originaler klingen als das Original.
Vielleicht mögen die Mängel seiner Arbeit Wolfhern bewogenhaben, in reiferm Alter noch einmal zu beginnen. Er schriebdiesmal nach Godehard's Tode, und nach dem Jahre 1054,denn er erwähnt Ereignisse aus der Regierung des BischofsHezilo (1054—1079) und nennt in der wohlgeschriebenenVorrede den Abt Adalbert vom Michaelskloster (ch 1054),einen Seligen. Man erkennt in dem späteren Werke nochrecht wohl die Spuren des früheren; der Gedankengang, vieleAusdrücke und Wendungen, insbesondere die Endworte derSätze, die er gern durch den Reim verbindet, sind beibehalten;die ganze Darstellung ist kürzer, gedrängter, trockener, wieman eben von einem älteren Manne erwarten muß. Einigeshat er verändert, manches Unrichtige verbessert, auch manchewerthvolle Einzelheit der früheren Arbeit ganz ausgelassen;dagegen weiß er von vielen Wundern zu erzählen, flicht eine lange,sehr merkwürdige Episode über das Leben des von Godehard be-kehrten Eremiten Günther ein, und beschreibt nun mit der liebe-vollsten Ausführlichkeit die letzten Tage und das fromme Endeseines Bischofs.
So ergänzen sich die beiden Werke in erfreulichster Weise,und indem wir den Schluß des letztem mit dem elfteren hiervereinigen, tritt uns das Bild Godehard's so lebendig undanschaulich entgegen, wie wenige andere aus jener Zeit. Esist ein besonderes Verdienst Wolfher's, daß er nicht blos, wieso viele Biographen, die gewöhnlichen, allgemeinen Lobes-