Vorrede.
XVII
redet wird. Wir sehen ferner aus der Handschrift, daßWolfher sein Werk noch einmal überarbeitete, daß offenbarzwischen der Ueberarbeitung und der ersten Abfassung zuweileneine nickt unbeträchtliche Zeit verflossen ist. Nun wäre wirklichnicht zu begreifen, warum er nicht statt zu überarbeiten, zuerstgesorgt hätte, sein Werk zu vollenden, wenn es nicht ebenvollendet wäre.
Man kann darnach die Zeit der Abfassung ziemlich genaufeststellen. Godehard starb am 5. Mai 1038; in dem Werkewerden noch mehrere Ereignisse des Jahres 1035 erwähnt;zwischen diese Zeitpunkte muß also die Vollendung fallen, unddafür ließen noch manche Umstände sich anführen. Der Anfangmag allerdings um vieles älter sein.
Denn eine Jugendarbeit nennt Wolfher selbst sein Werk,und als solche wird es deutlich genug durch Form und Dar-stellungsweise erkennbar. Freilich sieht man, daß er von demgelehrten Albuin nicht erfolglos unterrichtet wurde. Er führtaußer den heiligen Schriften auch gern die lateinischen Klassiker,den Sallust, Horaz, Virgil und sogar den Properz an, undin den Eingangsversen läßt er mit frommer Verachtung, abergewiß zur großen Genugthuung seines gelehrten Selbstgefühls,eine ganze Reihe ovidischer Verwandlungen an sich vorüber-ziehen. Von späteren Schriften hat er fleißig das Leben derHeiligen, insbesondere die Schriften des Sulpicius Severusüber den h. Martin gelesen, aus dem er manche Aus-drücke entlehnt und manche Wendungen nachahmt. Vor allemaber kam ihm eine Schrift Gerbert's, des späteren PapstesSylvester II. zu Statten, nämlich der Bericht über jene be-rühmte Synode, welche am 17. Juni 991 in der Kirche des