II
Hoffmann stellte nach diesen erhaltenen Nachrichten nun auf Befehl derFrau Fürstin Mutter einige allgemeine Untersuchungen in Heddesdorf an undhinterliefs uns darüber folgende Nachricht: „Wo ich nur einschlagen liefs,selbst an sehr weit von einander entfernten Stellen, fand man die Resteniedergebrannter, zerstörter Gebäude; Kohlen, Brandschutt, Nägel, Scherbenvon Gefäfsen, Eisenwerk, Ziegel u. s. w. Die Mauern waren tief abgebrochen.Was die Gebäude betrifft, so zeigen die noch vorhandenen Grundmauern,sowohl ärmliche Hütten, als grofse Palläste. Jene bestehen aus schlechtenBruchsteinen, ja selbst aus blofsen Wacken oder abgerundeten Kieseln, welchenur mit Lehm zusammen verbunden sind. Von den grofsen Gebäuden willich nur eins anführen, dessen Fundamente wirklich entblöfst wurden. Siebestanden aus lauter Quadern und schön behauenen Tuffsteinen. Die Längedieses Pallastes war ißo Fufs; seine Lage auf einer geringen Anhöhe, mitder Fronte gegen den Rhein und Gallien gekehrt, war sehr reitzend. Aneinem andern Platze fand ich gleichfalls die Fundamente eines grofsen Pracht-gebäudes von gehauenen Tuffsteinen, von welchen zwei ausgebrochen undnach Neuwied gebracht wurden, woselbst sie in der Alterthümersammlungaufbewahrt werden. Einer ist 3 Fufs 3 Zoll lang, 2 Fufs 1 Zoll breit undi Fufs 2 Zoll hoch, mit der Inschrift COH.XXL; der Andere hat 3 Fufs6 Zoll Länge, 1 Fufs 11 Zoll Breite bei 1 Fufs 2 Zoll Höhe und die InschriftCOH.VI. Dort wurde gleichfalls ein eben so grofser behauener Quader vonTuffstein gefunden mit der Zahl XXVI. Auf der obern Fläche dieses Grund-steines befindet sich eine eingehauene schmale Vertiefung, in welche einegrofse, breite, dicke, oben in einem Halbkreis abgerundete, Platte von dernämlichen Steinart pafst. Es ist vermuthlich ein Wegestein gewesen, aufwelchem die Nummer auf der Basis die Entfernung eines Hauptortes aufder andern Rheinseite anzeigt, oder auch die Nummer einer Kohorte? DasErstere ist wohl das Wahrscheinlichere, da dieser Stein nicht weit von der viaromana gefunden ist, welche beiHeddesdorf vorbeizieht, und schon 1793 von mir