38J Mm W KvtÄ * K^SESt-.^ «i /;, -, w r^mS?; BS '.R^^9< % Ku 4«, *■ -» —r»k-----—~*»_~* | laude's- '»IUI) STADt- HT C02- DIE DENKMALE germanischer und römischer Zeit in den Rheinisch-Westfälischen Provinzen, untersucht und dargestellt Dr. WILHELM DOROW, Königlich Preufsischem Hofrathe, Mitgliede mehrerer gelehrten Gesellschaften. Zweiter Band, mit XXXI Steindrucktafeln und I Grundrifse in Kupfer. BERLI N, in A d . M l . Schlesingers Buch- und Musikhandlung, 1826. * RÖMISCHE ALTERTHUMER in und um NEUWIED am RHEIN; mit Grundrifsen, Aüfrifsen und Durchschnitten des daselbst ausgegrabenen Kastells, und Darstellungen der darin gefundenen Gegenstände, Dr. WILHELM DOROW, Königlich Preulsischem Hofrathe, Mitgliede mehrerer gelehrten Gesellschaften. Mit XXXI Steindrucktafeln und I Grundrifse in Kupfer. BERLIN, in A d . M ü . Schlesingers Buch- und Musikhandlung. i 8 ^ 6- Faftl Auf die Denkmale germanischer und römischer Zeit in den Rheinisch—W es tfä hü sehen Provinzen, haben unterzeichnet: Se. Majestät der König von Preufsen . . . Se. Königliche Hoheit der Kronprinz von Preufsen . Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich von Preufsen Ihre Königliche Hoheit die Prinzefsin Friedrich von Preufsen Se, Durchlaucht der Herzog von Nassau . . , Se. Durchlaucht der Herzog von Oldenburg . . Se. Durchlaucht der Erbprinz von Oldenburg. . . Se. Durchlaucht der Prinz Alexander von Oldenburg . Se. Durchlaucht der Prinz Peter von Oldenburg . . Se. Durchlaucht der Fürst Anton Iiadzivill . . Se. Durchlaucht der Fürst zu Wied . . . • Ihre Durchlaucht die Prinzefsin Louise zu Wied Se. Durchlaucht der Prinz Karl zu Wied. Se. Durchlaucht der Fürst zu Solms-Braunfels . . Se. Durchlaucht der Fürst zu Sayn-Wittgenstein . . Se. Durchlaucht der Fürst von Hardenberg, Königl. Preufs. Staatskanzler Se. Exellenz der Königl. Preufsische wirkliche Geheime Staats-Ministe Freiherr von Altenstein ........ Se. Exellenz der Königl. Preufsiche wiikliche Geheime Staats- und Ka binets-Minister Graf von Bernstorf ...... Se, Exellenz der Herzoglich JNassauische Oberstallmeister Freiherr von Dungern in Wiesbaden, durch E.Weber in Bonn Der Königl. Preufe, Oberpräsident Graf zu Solms-Laubach . Das Königliche Oberbergamt für die Bhein-Provinzen in Bonn, durch E. Weber . ...... Die Königliche Begierung in Aachen, durch E. Weber . Die Königliche Begierung in Arnsberg, durch E. Weber Die Königliche Begierung in Coblenz . . . Die Königliche Begierung in Cöln, durch E. Weber , . Das Königliche Bergamt zu Düren, durch E. Weber Die Königliche Universitätsbibliothek in Bonn, durch E. Weber Die Herzoglich INassauische Bibliothek in Wiesbaden . Die Herzogliche Bibliothek in Oldenburg .... Der Herzoglich Oldenburgische Oberst Hr. Wardenberg . , Der Geheime Begierungsrath Freiherr von Groote in Delmenhorst bei Bremen ......... Der Königl. Preufsische Becierunfisrath und Justiziarus bei der Köniol Bank Hr. Witt ..... Der Domherr Freiherr von Wenge, durch E. Weber Anzahl der Exemplare Velin-Papier. Onlinaire. 1 1 1 i 1 ' 1 1 1 1 1 1 3 27 1 1 1 \ 1 1 ; i II Der Geheime Regierungsrath und Bevollmächtigte an der Rhein - Universität, Hr. von Rehfues in Bonn, durch E. Weber „ ♦ 4 Der Königliche,Landrath Hr. von Hymmen in Bonn, durch E. Weber. Der Königl. Ober-Bergrath Hr. Koch in Bonn, durch E. Weber . Hofrath Hr. Dr. Bernstein in Neuwied ....... Das Erziehuiigs-Institut der Hernhuter in Neuwied .... Hr. J. G. Horbye, Mitprediger bei der evangelischen Brüdergemeinde in Neuwied, durch Lichtfers Buchhandlung ♦ ♦ ♦ , . Hr. Pastor Oldenburg in Wildenhausen bei Oldenburg .... Hr. Professor Quix in Aachen, durch E. Weber 4 Hr. Professor Herrmann in Aachen, durch E. Weber .... Der König}. Bergamts - Assessor und Cassen - Rendant Hr 4 Böcking in Saarbrücken, durch E. Weber . . . . „ 4 # Der Geheime Regierungsrath Dr. Koreff, derzeit in Paris, durch E. Weber Hr. Professor Raymond in Paris, durch E. Weber . . Hr, Adolphe Brogniart in Paris, durch E. Weber. • . ♦ . Der Königl, Preußische Referendarius Hr 4 Peters in Berlin ♦ . 4 Folgende verehrliche Buchhandlungen haben Bestellungen gemacht: Velin-Papier. Ordlnalre, 1 1 1 Aach en. J. A. Mayer Müller & Co. . Dunker & Humblot ( Milius E. S. Mittler , BurgdoriFer Marcus Ed. Weber Marx & Co. J. G. Heyse , W. Kaiser, Dumont Schauberg , Brummer . Gyldendahi Berlin. Bern. Bonn. * . . ... Breslau« Bremen. Göln. Copenhagen. 1 1 1 1 1 1 1 1 6 4 1 1 1 1 1 III Velin-Papier. Ordinahe. Darmstadt. J, W. Hey er . ♦ ♦ ♦ * . . ♦ ♦ ♦ Elberfeld. Schömian . % ♦ . • ♦ . . • * . • • . Erlangen, Palm & Enke « ♦ . . * ♦ ♦ ♦ •'■}*} Essen, Baedecker........♦ Franckfurt a. M. Eichenberg . » ♦ ♦ ♦ . . . ♦ ♦ .♦ F. Varrentrapp . . ♦ ♦ ♦ . . % ♦ • ' • St. Gallen. Huber & Co. 4 . i . . . . . ♦ • •'".'"". G i e s e xi, G. H. Heyer........♦♦.♦ Gottingen. Dieterich ,♦ . . . . • . ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Gotha. C. Glae'ser........ ♦ ♦ t ♦ Halberstadt* F. A. Helm ............ Hannover. Hahn.....* . . ...... Königsberg. Gebrüder Bornträger ...♦..♦..♦ Landshut. P. Ki üll » . * ♦ « « • . * ♦ ♦ ♦ ♦ Leipzig. Cnoblauch ...♦•♦•♦*♦.♦ C. H. F. Hartmann.....♦..... Reclam * . » ♦ . • ' • ► • ♦ ♦ * Lemgo. Meyer ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ • ♦ • ♦♦ ♦ * London« Bothe ♦ $ . » • _.'■■>'. ♦ ♦ • ♦ ♦ ♦♦ ♦ Magdeburg. W. Heinrichshofer %«..♦♦.♦ ♦ ♦ 1 1 1 i 2 1 J 1 1 1 i i i 1 IV Artäria et Fontaine ? Kupferberg ; Lindauer ♦ ; ; Riegel & Wiesner ♦ Schulze ♦ Graeff ; j ; Enders ♦ ♦ ♦ Deubner . . ♦ K. C. Hiller . A. Pockwitz «, 4 Loeffler ♦ • ♦ Wilh* Hoffmann Gerold Schalbacher Schaumburg & Co. » Stahel ♦ t ♦ Orell Füsli & Co. ; ♦ i Manheim. ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Maynz. ♦ ♦ ♦ • München. ♦ » • ♦ ♦ Nürnberg* ♦ • ♦ ♦ * Oldenburg* St. Petersburgs Prag, ♦ ♦ ♦ ♦ • Riga. • • ♦ ♦ . Rostock* •, ♦ ♦ ♦ ♦ Stade/ ♦ ♦ ♦ • • ♦ Strahlsund. • ♦ • ♦ Weimar. Wien. ♦ ♦ ♦ ♦ • • Würzburg. ♦ ♦ ♦ Züri eh. ♦ . • ♦ ♦ ♦ «• 4 Velin-Papier. Orclinairö. 1 1 i i i i i l i i i i Inhalt. Vorwort ♦ ♦♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Lage und Umgegend von Neuwied ♦ ♦ ♦ Heyne's Ansicht über Jul. Caesar's Rhein-Uebergang Zeitbestimmung der Zerstörung des Römer-Kastells bei Neuwied Muthmafsliche Namenbestimmung des Kastells Wo Rigodulum gelegen haben könnte ♦ 4 Ausgrabungen in Heddesdorf bei Neuwied Die Römischen Gräber ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Architektonische Steinarbeiten aus dem Kastell, bei Gebäuden der Umgegend verwendet Die gepflasterten römischen Strafsen in der Umgegend Der Pfahlgraben ♦♦♦♦♦♦♦ Das römische Mauerwerk bei Engers und die darin gefundenen Alterthümer Römische Alterthümer auf der linken, dem Neuwieder Kefsel gegenüber liegenden Rheinseite: ä) Mauerreste bei Kalten Engers ♦ ♦ ♦ ♦ 4 ♦ ♦♦ « &) Römische Niederlafsung an der Nette und in der Gegend des Weifsenthurms c) Hoffmann's Ansicht von der Lage des römischen Andernachs ♦ ♦ ♦ d) Alterthümer bei Bafsenheim ♦ ♦♦*♦♦♦♦*♦ Lage und Ursprung des Dorfes Niederbiber, woselbst das Kastell ausgegraben ♦ ♦ Heyne's Unheil über den Werth dieser Ausgrabung ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Der innere Bereich des Kastells und die in den Umfangsmauern bis jetzt ausgegrabenen Gebäude ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Der Hauptbau oder das Praetorium ♦ Der Mittelbau oder das Forum ♦ ♦ Das Quaestorium ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Baumaterial: a) Steine \ £) Mörtel 4 c) Freskomalerei d) Backsteine Seite XI i i 5 6 7 9 12.142 12 13 13 20 24 25, 27 25 26 29 30 31 41» 53. 54 53. 56 57 58 59 59 mssssa vi Alterthiiiner aus Metall: ä) Münzen » « £) Gold und Silber c) Bronze , ♦ d) Blei ♦ ♦ e) Eisen « ♦ Gegenstände aus Thon « Desgleichen aus Glas « « Siegelwachs « ♦ ♦ « Menschen - und Thierknochen, so wie bearbeitete Gegenstände Denkmäler aus Stein ♦ ♦ ♦ « . Die Grabstätten der Bewohner des Kastells Schlußwort .,♦,♦♦♦ * 4 ♦ # 4 4 63.14"» ♦ ♦ ♦ ► 4 67 ♦ * ♦ ► ♦ 71 ♦ 4> 4 t 4 80 ♦ ♦ 4 I ► 4 81 ♦ 4 ♦ < ► 4 113 ♦ ♦ ♦ ► 4 125 * ♦ 4 ♦ ► 4 129 ind e aus Letzteren ► 4 131. ♦ ♦ ♦ ♦ * 4 133 * ♦ ♦ • , , 142 ♦ ♦ 4 * 4 4 167 Uebersicht der Steindrucktafeln. VII Seite Ansicht der Gegend; Aufnahme und wohlwollendes Geschenk Sr.Durchlaucht des Prinzen Karl zu Wied. 29 Tab. I. Karte von Neuwied und der Umgegend . , . 2 II .......... 31 III .......... 41 IV. ......... 42 V. Fig. 1. 2. 3. 4. 6. bis 32. 59 Fig. 5-...... 139 VI ......... • : . 7. 71 VII. Fig. 1. 2...... 7. 71 Fig. 3....... 133 VIII. ......... 133 IX, .........7.134 X .......... 137 XI. Fig. 1. a. b..... 71 Fig. 2....... 133 Fig. 3......-134 Fig. 4. 6...... 137 Fig. 5. a. b.....75 XII. Fig. 1. 2. 4..... 138 Fig. 3. ....... 136 Fig. 5. a. b. c. 6. . • 139 XIII. Fig. 1. 2. a. b. 3. a. b .113 Fig. 4....... 130 Fig. 5. ' . • . . . .140 Fig. 6. bis 26. . . . 132.133 XIV .......... 68 XV .......... 67 , XVI. Fig. l. a, b. c. d. . . 68 Fig. 2. 3. 4. ö. 6. a, b, 7. 77 Seite Fig. 8. 9. 10. 11. 12. • 78 Tab. XVII. Fig. 1. a. b. c. d. 6. a. b. 79 Fig.2.a. b.3. 4. a. b. c. d. 80 Fig. 5 .......145 XVIII. Fig. l. a. b. 2. . . ' . 68 Fig. 3. ...... 78 Fig. 4. 5. 6. 7, 8. 9. 10- 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 23. 24 ....... . . 77 Fig. 22. . . • ■ • . • 69 Fig. 25. 2G ..... 78 XIX. Fig. 1. a. b ..... 78 Fig. 2. a. b. 3. a. b. . 77 Fig. 4. a. b. c. d. e. f. 74 Fig. 5. a. b. 6. a. b. 9. a. b.lO.a.b.ll. a,b,14.a.b. 76 Fig. 7. a. b. 8. a. b. 12. a. b. 13. a. b. ... 69 XX. Fig. 1. a. b. c. d. e. . 83 Fig. 2. a. b. c. d. e. f. g. h. i. k ...... 85 Fig. 3. a. b. c. ... 88 Fig. 4. a. b. 5. a. b. 6. 7. 8. 9. a. b. ... 89 Fig. 10. a. b ..... 90 Fig. 11. 12 ..... 91 Fig. 13 14. 15. ... 92 XXI. Fig. 1 ....... <»4 Fig. 2 ....... 95 Fig. 3. 4 ...... 97 Fig. 5.. ...... 98 •J VIII Seite Tab. XXI. Fig. 6. a. b. .... 99 Fig. 7....... 100 Fig. 8-9...... 102 Fig. 10» a. b..... 104 Fig. 11. 12. a. b. . . 105 XXII. . . ...... 108 XXIII. ........ 109 XXIV. ........lll XXV. Fig. 1. a. b. c. . . . 112 Die Maafse, welche bei der Beschreibung des Pflugschaars zu bemerken vergefsen sind, mögen hier ihren Platz finden. Lange mit dem Stiel 14 Zoll, ohne Stiel ' \ Seite 9Z0II; grölste Breite 10 Zoll. Nach diesen Angaben, wird man die Stärke der Kette mit ihren Ringen leicht ermitteln kön- " nen. Fig.2, a.b.3. a.b.4. a.b. 5. a. b. 4 .... 108 Fig. 6. a. b. 7. ♦ ♦ . 76 Tab, XXVI. XXVII. XXVIII. Fig. 1.2. ♦ 113 XXVIII. Fig. 3. 4. 5. a. b. 6. 7. '8. a. b...... 124 Fig. 9. 10. . ♦ . . .147*148 XXIX. Fig. 1.2.3.4.9.10.11.12. 145 Fig. 5. 6. 8. 13. 17. . 146 Fig. 7. 14. 15. 16, ♦ . 147 »AA/Vt/VWiM/yi/tf\M« Für den Buchbinder. Die Steindrucktafel in 4to, rrird dem Texte Seite 20, so wie auch der Kupferstich in 4*0 der Seite ij beigebunden. m „Alles Entstandene vergeht; was wächst das altert. Der Geist ist unvergänglich, ewig, lenkt das Menschengeschlecht, wirkt durch Jahrhunderte fort, beherrscht Alles," „Die Bildnifse der Vorfahren ehren, ansehen, dieses entflammt für das Edle und Grofse. Nicht als hätte das Bild .an sich solche Kraft; sondern das Andenken ihrer Thaten facht diese Flamme in der Brust edler Männer an," Sallust, I ** jTr^r^E V o w o t. In diesem Bande werde ich es versuchen, die denkwürdige und reichhaltige Ausgrabung in ihrem Zusammenhange darzustellen, welche im Jahr 1791 die Durchlauchtige Frau Fürstinn von Wied geb. Fürstinn von Wittgenstein - Berleburg begonnen hat, und die bis zum heutigen Tage mit gleicher Liebe, Sorgfalt und Wissenschaft fortgesetzt wird. Durch die geschichtlich interefsanten Resultate — das Auffinden einer untergegangenen Römerstadt mit wahrscheinlicher Bestimmung ihres Namens, den die aufgefundenen Inschriften nennen, reiht sich diese Entdeckung dem Wichtigsten der vaterlän- XII dischen Alterthumskunde an, und gewährt auch hohe Bedeutsamkeit für die Geschichte des uralten Wiedischen Geschlechts, ■welches auf klassischem Grund und Boden —< dem Römer die Kultur gaben — entstanden ist. Die erlauchte, auch als Dichterin hochverehrte, Fürstinn hatte noch die Freude, die durch den Baumeister Dr. Hundeshagen so meisterhaft vollendeten Zeichnungen zu sehen, bevor Höchstdie- selbe am 15. November 1823 aus der Mitte der traurenden Familie und aller derjenigen, die das Glück gehabt, sie zu kennen, schied! In ihrem 76jährigen, an Wohlthaten so reichen Leben, schenkte sie dem Vaterlande das Muster eines deutschen Heldenjünglings in Ihrem Sohne dem Prinzen Victor, der im Kampfe gegen den allgemeinen Feind den lösten Januar 1812 in Spanien sein 29 jähriges Leben mit den hochherzigen Worten endete: „ich freue mich, meinen Wunsch erfüllt zu sehen, für die Freiheit Europas und meines Vaterlandes zu sterben." Der jetzt regierende Fürst und die jungem Söhne kamen glücklich aus dem Völkerkriege gegen Napoleon heim, und Prinz Maximilian trug darauf Preufsens Wehr- und Wahrzeichen —- das eiserne Kreuz — in Brasiliens . Urwäldern und be- XIII reicherte die Naturwissenschaften durch sein kühnes, rastloses Vordringen in jene unbekannte Gegenden. Während dieser Prinz fremde Welttheile durchwanderte, widmete der regierende Fürst, — sein älterer Durchlauchtiger Bruder — neben der Sorgfalt für das Glück der Seinigen, sein Augenmerk auf die bei Neuwied entdeckte römische Niederlassung:—und so wirkte in schönstem Einklänge diese edle Fürstenfamilie auf Helden- that, Kunst, Wissenschaft und Entdeckung vaterländischen Alter- thums. Selbst als Deutschland unter fremdem Joche schmachtete, fand alles Schöne und Gute, Schutz und Förderung in Neuwied ; —i ein neues Victoria entstieg hier der Erde und gab mahnendes Zeugnifs von den Freiheitskämpfen unserer Altvordern gegen fremde Herrschaft und Anmafsung! Dem huldvollen Vertrauen, welches mir alles vorhandene Material zur Verfügung stellte, um dieses Werk vollenden zu können, glaube ich nicht dankbarer zu entsprechen, als wenn ich dem Alterthumsfreunde die Gegend mit ihren Ueberresten der Vorzeit vorführe, und eine treue Geschichtserzählung alles dessen gebe, was ausgegraben und entdeckt worden ist; die vielfachen Hypothesen und will- kührlichen Ergänzungen übergehend, welche theils gedruckt, theils in handschriftlichen Aufsätzen bestehen, und nur da ergänzend, XIV wo es zum Verständnifs nöthig schien und der Gegenstand selbst darauf führte. Dafs die freundlich berathende Unterstützung des jetzigen Oberaufsehers der Antiken-Sammlung und der Ausgrabungen, des Herrn Professors und Archivraths von Knopäus, die Arbeit um Vieles erleichterte, erkenne ich mit Dank an; dagegen scheint es unnö- thig, das Verdienst des verstorbenen Hauptmanns Hoffmann bei diesen Ausgrabungen, die er seit 1791 bis zu seinem Tode 1820 eleitet, hier hervorzuheben, — da es sich überall selbst ausspricht, S auch das Werk den deutlichsten Beweis davon giebt: weshalb es seinen Manen, als Freundesopfer geweiht sei! Berlin im Juny 1826» Dr. Dorow. Siehe, der Tag kommt einst, wo in jenen Fluren der Landmann, Wenn mit gebogenem Pflug' er den Acker furchet, von scharfem Rost durchfrefsene Lanzen entdeckt, mit der Schwere des Karstes Auf hohlklingende Helme klopft, und die grofsen Gebeine Voller Verwunderung schaut in den aufgerodeten Gräbern. Virgils Georgica, Gesang 1« Jjei Andernach treten auf beiden Ufern des Rheins die Felsen des Uebergangs- Thonschiefer- und Grauwacken - Gebirges so nahe zusammen, dafs dem Strome kaum Raum bleibt sich durchzudrängen. Von Andernach ab, mehr südlich auf der rechten Pdieinseite, entfernt sich aber das Gebirge in sanfter Rückenform und in einer Bogenlinie vom Rheine, tritt einige Stunden höher aufwärts, hinter Bendorf, bei Valendar, wieder dem Strome naher, so dafs durch den Fufs jenes Gebirges und den Rhein eine unvollkommene halbkreisförmige Ebene begränzt und gebildet wird, in welcher, nebst vielen Dörfern und Ortschaften auch die Stadt Neuwied-liegt. Unter dem Namen des Neuwieder Kefsels ist dieses Terrain bekannt, und berühmt durch Julius Casars Rhein-Ueber- gange, welche wohl mit mehr Bestimmtheit, mit sichern Beweismitteln *) in diese Gegend gesetzt werden können, als nach Bonn oder Xanten. Näheres über Umfang, Form und die Ortschaften, welche in diesem *) Hauptmann Hoffmann in Neuwied entwickelte im Jahr 1792 zuerst diese Ansicht, gestützt auf seine strategischen- und Lokalkenntnisse und theilte die Abhandlung an Heyne in Göttingen mit, welcher darüber Folgendes an ZZ* schrieb: „Ihre Idee ist sehr scharfsinnig, glücklich und wahrscheinlich, dafs just bei Neuwied die Römer über den Rhein gegangen sind und auch daselbst das erste Fort errichtet wurde* Ihre Lokalkenntnifs hat sie vortrefflich geleitet*" Im 114 Stück der Gott* gelehrt* Anz. 1811 gab Heyne einen Auszug dieser Hoffmannschen Abhandlung und stimmte der Meinung bei, — sprach sie auch bei einer andern Gelegenheit, ebenfalls in den Gott, gelehrt. Anz* vom 6t April 1812, nochmals mit Bestimmtheit aus. I ^ Kefsel und am Abhänge oder auf dem Rücken des begranzenden Gebirges liegen, ergiebt sich aus der Karte Tab. I, welche von meinem verehrten Freunde dem Königl. Grossbritt. Oberstlieutenant William Thorn eigens für dieses Wert aufgenommen worden ist. Das begranzende Gebirge besteht auf seiner Höhe und in seinem Innern, auch oft bis zur Ebene hinab, ganz aus Grauwacke und Thonschiefer; dagegen die Ebene, — der Neuwieder Kefsel selbst, aus aufgeschwemmten vulkanischen Gebilden *)♦ In der Stadt Neuwied fand man die unzweifelhaftesten Spuren römischer Arbeiten, die man aber leider nicht weiter verfolgte und auch wohl der neuern Bauten wegen nicht verfolgen konnte. So viel hat sich jedoch aus dieser Entdeckung ergeben, dafs zur Römerzeit der Kefsel von Neuwied mit dem hart am Rheinstrom liegenden Theil der Stadt selbst, nicht Flufsbett gewesen ist; denn man fand bei dem im Jahr 1768 begonnenen Bau der Mennonitenkiiche, 1 o Fufs tiefer als die jetzige Erdoberfläche eine dreifach über einander gepflasterte römische Strafse, welche sich auch bei dem Fundamentlegen der Hintergebäude der beiden daneben liegenden Häuser in gleicher Tiefe zeigte und von dem jetzigen Rhein Ufer nicht über 4° Schritte entfernt ist. Mit Recht vermuthet daher Hoffmann, dafs, da diese Römer- strafse in einer so beträchtlichen Tiefe, hart am jetzigen Ufer, unter jenen *) Oberbergrath Nüggerath in Bonn, — dem ich diese geognostischen Bemerkungen verdanke, — hat in seinen Abhandlungen: „Vorkommen des Bimstein-Konglomerats in der Gegend von Neuwied am Rhein, abgedruckt in V. Leonhards Tagebuch für die gesammte Mineralogie XII. 1, S. 180—185« und: Giebt Tacitus einen historischen Beweis Ton vulkanischen Eruptionen am Niederrhein; antiquarisch naturhistoriscb untersucht von Nees Ton Esenbeck und Nüggerath. Bonn 1824. über die geognostischen Verhältnisse der Gegend von Neuwied interefeante Aufschlüsse gegeben. — Gebäuden noch nicht endigt, der Rhein zur Römerzeit sein Bette tiefer ausgespült habe; auch, da nicht weit vom entgegengesetzten linken Rhein Ufer, unter der heutigen Erdoberfläche, römisches Mauerwerk ausgegraben worden, — der Strom damals nicht so breit, als jetzt, gewesen sei. In einem der Husaren Kaserne in Neuwied gegenüberliegenden Garten ist diese alte Strafse in einer Tiefe von 4 Fufs entdeckt und ausgebrochen worden. Der Wahrscheinlichkeit nach war sie schief nach dem Rhein hin gerichtet, zog unter dem Schlofshofe nach dem vorerwähnten Garten und von da nach dem eine Viertelstunde nordöstlich von Neuwied gelegenen Dorfe Heddesdorf, wo ein Stück davon im Jahr 1793 in dem Ungerschen, jetzt eben so benannten Garten ausgegraben wurde. Auf diese Weise ist die ganze Gegend um Neuwied mit Ueberresten römischer Strafsen und sonstigen römischen Mauerwerks bedeckt, woraus die Wichtigkeit zu ersehen ist, welche die damaligen Weltherrscher auf dieses Terrain legten. An den alten Kirchen und Schlöfsern der Umgegend sieht man heutigen Tages noch die zu deren Bau verwendeten römischen Backsteine, zum Theil mit Bezeichnung der römischen Legions - Zahl; so wie den innern Bau von Klöstern mit römischen Säulen geziert, hervorgesucht aus den Städte - Trümmern der Römer in dieser Gegend. Mit Gewifsheit war also wohl zu schliefsen, dafs bei genauer, umsichtiger Nachforschung man hier auf Kastelle, oder vielleicht gar auf römische Städte treffen würde, deren Ausgrabung für die Alterthumskunde von grofser Wichtigkeit werden könnte. Den von regem Eifer für alles Wissenschaftliche glühenden und mit gründlichen Kenntnifsen ausgerüsteten Ingenieur - Hauptmann Hoffmann führte der Genius der deutschen Alterthumskunde in den Kreis der edlen, hochbegabten, alles Tüchtige und Gute kraftvoll unterstützenden Fürstinn von Wied, und so geschah es, dafs ihm der Ruhm ward, die Ausgrabungen in dieser Gegend seit 1791 eingeleitet und bis zu seinem, leider nur zu frühen Tode unermüdlich fortgeführt zu haben. Hoffmann hatte jedoch während seiner Nachforschungen soviel bereits entdeckt, dafs Heyne darüber schrieb: „So ist es also wahr, was Vopiscus im Leben des Tacitus sagt, dafs in den römischen Granzen jenseits des Rheins ansehnliche, vorzügliche, wohlhabende und mächtige Städte lagen, und zwar noch vor dem Probus der auf feindlichem Boden römische Städte und Lager anlegte und mit Soldaten versah. (Vopisc. in Probo c. 15). Städte jenseits des Rheins waren schon vor Hadrian. (urbes trans Rhenum in Germania reparavit. Eutrop. VIIL 2). Eine dieser Städte müfste also wohl die in Neuwieds Gegend entdeckte, sein." — Der Tod übereilte den Hauptmann Hoffmann am 30. October 1820 bevor er die ausgegrabenen Schätze geordnet, Beschreibung und genaue Aufnahme von dem gefundenen Mauerwerk u. s. w. angefertiget und vollendet hatte. Die Mittheilungen und Grundrifse, welche er in mehreren Zeitschriften und einzelnen Broschüren über diese merkwürdige Ausgrabung zur öffentlichen Kunde brachte, —- namentlich im Recueil des memoires et actes de la so* ciete des sciences et arts du Departement du Mont - Tonnerre. T. L; im rheinischen Archiv; u. s. w. gründen sich mehr auf Muthmafsungen, Annahmen, Hypothesen, — w r elche durch Deductionen bewiesen und vertheidigt werden sollten, — Ergänzungen und Herstellungen nach den ihm bekannten Grundsätzen der alten Bau- und Befestigungskunst, — als auf das wirklich Vorhandene bei der Ausgrabung. Hoffmanns grofses Verdienst bei dieser ganzen antiquarischen Nachforschung besteht in seinem sichern Blick, mit dem er die Stellen ausmittelte, wo gegraben werden sollte, im sorgsamen Verfolgen und Verschonen der Mauern, welche ihm —■ mit Recht — mehr Hauptsache schienen, als das Auffinden von Anticaglien; und hauptsächlich darin, dafs er keinen Gegenstand, den er vorfand gering achtete und mit vornehmthuender Gelehrsamkeit bespöttelte, sondern ihn sorgfältig aufbewahrte* Daher war es jetzt möglich, die einzelnen Bruchstücke zusammenzustellen und anzupassen, wodurch sich dann öfters ein schätzbares Ganze ergab. Vergebens hoffte ich in Hoffmanns nachgelafsenen Papieren — welche mir auf Befehl Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten von Wied ausgeliefert wurden, — etwas Bestimmtes, Festes zu finden, allein das von H. Erdachte und willkührlich Ergänzte, liefs sich von dem wirklich Aufgefundenen nicht streng trennen; und so wurde eine neue Untersuchung, Ausmefsung und Aufnahme an Ort und Stelle durchaus nothwendig. — Wer konnte zu dieser Arbeit, so wie zu der Zeichnung der ausgegrabenen Alterthümer selbst, Wünschenswerther sein, und von wem konnte man diese ganze Arbeit vollständiger und meisterhafter erwarten, als von dem Baumeister Dr. Hundeshagen? Derselbe übernahm sie 1823 und führte das Werk mit gleichem Eifer und Geist zu Ende. Der nach Hoffmanns Tode ernannte Oberaufseher des Antikeii-Kabinets und der stets noch fortgesetzten Ausgrabungen, Herr Professor von Knopäu$ ging uns mit treuer freundlichberathender Liebe und Hülfe zur Seite* Seinein schönen Eifer für die Sache, und seiner gewissenhaften Aufzeichnung alles wirklich Vorhandenen, was sich bei den neuern Ausgrabungen vorgefunden, — verdanken wir Aufschlüfse und Ergänzungen. Solchergestalt konnte auch nur in diesem freundlichen und friedlichen Zusammenwirken — Hofrath Dr. Bernstein und Justizrath Helfrich in Heddesdorf, darf ich in unsrem Kreise zu nennen nicht vergefsen, — das vorliegende Werk entstehen. Noch mufs ich hier Hoffmanns mehrfach ausgesprochene Hypothese, welche nach ihm viele Gelehrte als unzweifelhafte Wahrheit annahmen und öffentlich aufstellten, dafs nämlich diese Römer Niederlafsungen bei Neuwied nach Gallienus — also nach 26g n. Ch. G. — nicht mehr bestanden, doch aber zu Gallienus Zeiten noch geblüht hatten, erwähnen und verwerfen. Hoffmann gründete seine Behauptung auf den Umstand, dafs unter allen aufgefundenen Münzen auch nicht eine Einzige über den Gallienus hinausreiche. Dafs dieser Beweis gegenwärtig nicht mehr gelten kann, wird sich aus dem spater folgenden Münzverzeichnifse, — welches Herr v. Knopaus mit Genauigkeit angefertiget —- ergeben, denn es sind nach Hoffmanns Tode Münzen von Postumus, Claudius Gothicus, Tetricus Vater und Sohn, Maximinian, Constantin und Valentinian gefunden worden. Auch irrt Hoffmann in seiner Annahme, dafs in frühern Jahrhunderten über die römischen Nieder!afsungen bei Biber Nichts bekannt gewesen sei. Im Jahr i6g7 erschien: Res et Spes surgentis, suaque felicitate exultan- tis Neowedae, seu Neowedae Encomium a Joanne N. Duillio. In dieser für hiesige Gegend nicht uninterefsanten Schrift findet sich Seite 12. folgende Stelle: „Eine ohne Zweifel bedeutende Stadt, einstens ein sehr vorzügliches Werk der Römer, lag an jenem Orte, w r o man jetzt das Dorf Biber erblickt. Dafs an dieser Stelle zu jenen Zeiten eine bedeutende Stadt stand, bezeugen die Ueberreste, welche heute noch vorhanden sind. Wer eine so bedeutende Stadt zu jener Zeit gebaut habe, vermögen wir nicht zu bestimmen. Ihre Bewohnung zu Zeiten Antonins des Frommen und Trajans ist klar erwiesen, denn es finden sich Münzen unter den Trümmern. Durch welches Ver- hängnifs diese einst so bedeutende Stadt ihren Untergang fand, wifsen wir nicht. Gewifs ist aber ihr Dasein und ihr Untergang; ungewifs jedoch, durch wen, wie und durch welche Veranlafsung sie zerstört worden *)". Dieses ist die älteste Nachricht, welche ich über die römischen Ansiedelungen bei Biber habe vorfinden können. Dagegen möchte ich HoiFmanns Benennung der bei Niederbiber ausgegrabenen Römer - Kolonie beibehalten lind *) „Ingens nimirum civitas, Romanorum olim opus maxime egregium, eo ipso in loco, ubi hodie pagum Biber conspicimus, positum. Amplam eam ipsis temporibus fuisse urbem, ea quae hodiedum supersunt, testantur rudera. A quo tanta eo tempore, condita fuerit civitas prorsus ignoramus. Antonini pii et Trajani temporibus a Romanis fuisse habitatam, etiamnum hie sub ruderibus, reperiuntur nummi, abunde testantur. Qua fati violentia eadem urbs, et tarn ampla, perierit neseimus, fuisse et periisse, certum, per quem, quo- modo, et quo casu perierit incertum est." solche im Verlauf dieses Werks ebenfalls Victoria heifsen; Heyne, und neuerdings Bischof Munter, theilten schon diese Ansicht, und wenn der Name auch nicht mit unzweifelbarer Gewifsheit aus den Inschriften hervorgeht — wie HoiFmann zu beweisen bemüht war, so spricht doch nichts gegen diese Annahme, HoiFmann stützte sich auf eine Inschrift, welche später erläutert werden soll, (Tab. VI. und VII.) worin allerdings von „einem Vereine der Zeichenträger aus Victoria" gesprochen wird. Bei diesem Victoria möchte aber wohl auf keinen Fall an eine Stadt bei Neuwied zu denken sein, sondern an irgend einen andern Ort, wo die Zeichenträger •— w r elche zuerst den Genius errichteten, hergekommen waren; die letzte Zeile ist ein späterer Zusatz der Wiederhersteller. Und dafs dieses auf der Inschrift erwähnte Victoria, das in Brittanien gelegene gewesen sei, w r o Agricola seinen grofsen Sieg erfocht, bleibt wohl das Annehmbarste; dadurch kommt Uebereinstimmung mit den andern Inschriften, welche sich auf diese Weise, — selbst die dunkle bisher unerklärbar scheinende auf Taf. IX. — gegenseitig aufhellen. In der von Dr. Wilhelm entworfenen Karte des alten Deutschlands, die seinem schätzbaren Werke: „Germanien und seine Bewohner*)," beigefügt ist, wird diese römische Niederlafsung ebenfalls unter dem Namen Victoria aufgeführt, doch in dem Buche selbst* Seite 311. das heutige Heddesdorf dafür bezeichnet, welches falsch wäre, wenn Dr. Wilhelm nicht meine Ansicht theilte, dafs die bei Heddesdorf entdeckten Ruinen mit dem bei Niederbiber ausgegrabenen Kaftell eine Stadt gebildet haben- Profefsor Fölix behauptet zwar in einer Abhandlung (Rheinisches Archiv 6. Heft 18n). dafs die bei Niederbiber entdeckte Stadt das Rigodulum des Ammian Marcellinus sei und dafselbe, welches Kaiser Julian auf seiner Reise zwischen Coblenz und Cöln gesehen. *) Germanien und seine Bewohner, nach den Quellen dargestellt von A. B, Wilhelm. Weimar 1823. 8* mit zwei Karten. 8 Diese Behauptung aber hat keinen Beweis für sieh und möchte durch Fölix eigene Anführuug noch mehr entkräftet werden, dafs nämlich eine Viertelstunde unterhalb Kunostein-Engers auf einem die ganze Ebene beherrschenden Hügel ein Dorf Reol oder Reul gelegen habe, defsen letztes Haus 1680 abgetragen worden sei. Ein Brunnen besteht jetzt noch, der aus diesem Dorfe stammt, und das umliegende Feld heifst: Reuler-Feld. Das Rigodu- lum des Tacitus, welches bei Trier lag, hat sich bis jetzt gleichfalls in dem Dorfe Reul bei Trier, erhalten. Der verdienstvolle Joh. Phil. v. Reifenberg —. er starb 1722 — hat in seinen Antiquitates Seynenses *) die Idee mit des Ammian Märcellinus Rigodulum zuerst entwickelt, wenn er anführt: „Das Andenken von Rigodulum verewigten unter den alten Geschichtschreibern C. Tacitus und Ammianus Marcellnius. Das Rigodulum des Ammian ist wohl bei Coblenz zu suchen, denn wo kann solches wahrscheinlicher gestanden haben, als am Rheine, wo mit gleicher Benennung von jenem Rigodulum an der Mosel, — das Dorf Reol oder Reul, zweitausend Schritte unterhalb Kunostein-Engers, zu Zeiten unserer Väter bewohnt, dermalen noch in seinen Trümmern und Aeckern (welche das Reuler-Feld genannt werden) die Erinnerung des alten Rigodulum sich erhält. Die letzte Wohnung in diesem Dorfe sahen wir vor wenigen Jahren nach einem andern Orte versetzt. Räume und Gewölbe von mehreren Andern der Art (wovon einige mit Aeckern mir zugehören) sind noch sichtbar **)." *) Ein sehr schätzbares Manuscript, welches wohl bekannt zu werden verdiente. **) „Rigoduli memoriam inter veteres historicos C> Tacitus et Ammianus Marcellinus reddidere aeternam . . . . At Rigodulum Ammiani, circa Confluentes quaerendum, quonam alio loco stetisse probabilius, quam ubi ad Rhenum pari cum illo ad Mosellam nomine bis mille circiter infra Cunostein-Engers passibus patrum adhuc memoria habitatus pagus Reol sive Reul, nunc in ruderibus at Agris tantum (qui dasReulerFeld vocantur) Rigoduli veteris memoriam retinet, cujus ultimam paucis abhinc annis alio transportatam domum ibi vidi- mus, et plurium aliarum areae cellaeque subterraneae (quas inter una cum certis quibus- dam agris me quoque dominum agnoscit) etiamnum apparent*" Hoffmann meint, dafs die bei Heddesdorf entdeckten römischen Mauern vielleicht das Rigodulum des Ammian Marcellinus gewesen sein könnten, indem man auf der Oberfläche des Reuler Feldes keine Spuren römischer Ansiedelungen mehr entdeckt, — welches ich in einer so angebauten, fruchtbaren Gegend für keinen genügenden Gegenbeweis halten möchte, zumahl Alterthumskundige in dieser Gegend nie Nachgrabungen angestellt haben; welches doch um so mehr zu wünschen sein möchte, da man — was Hoffmann völlig übersehen—auf diesem Reuler-Felde römische Ziegel und Mörtel öfters gefunden hat; so wie auch daselbst ausgebrochene grofse Quadersteine zum Verbauen nach Engers gebracht worden sind. Ueberdem scheint es mir auch —.. wie schon bemerkt — wahrscheinlicher, dafs, da die Entfernung von Heddesdorf nach dem ausgegrabenen Mauerwerk bei Niederbiber nur \ Stunde beträgt, und ausserhalb der Umfangsmauer des Kastells die Spuren weit umher zerstreuter römischer Gebäude-— die sich nach dem Rheine ziehen—gefunden wurden, dieses alles zu ein und derselben Niederlassung gehöre, und man hier nur einen bedeutenden und blühenden Ort zu suchen habe, in welchem das auf der Höhe bei Niederbiber ausgegrabene Kastell, den Kern ausgemacht hat. Wie wohl eingerichtet und bedeutend diese Kolonie gewesen, in welcher öffentliche Verwaltungs - Behörden mit ihren Archiven den Sitz gehabt haben, beweisen die verschiedenen wichtigen Gelübdesteine, welche gefunden worden, und die spater erläutert werden sollen. Die älteste etwas näher bezeichnende Nachricht, welche über die Entdeckung bei Heddesdorf*) vorhanden ist, findet sich in dem Berichte des Pastors *) Das heutige Heddesdorf wird in Urkunden Heidenesdorp, Hiddensdorp, Heidenstorf, Heindinstorf, Hedenisdorp genannt, und stand als Dorf unbestreitbar schon im 9ten Jahrhundert, wie Rengsdorf und andere umliegende Dorfschaften, welche in einer Urkunde von 849 Vorkommen» Die Kirche zu Heddesdorf gehörte um 962 dem Kloster Altmünster IO Caesar daselbst, vom Jahre 1759 — der * m fürstlichen Archiv handschriftlich aufbewahrt wird. Derselbe sagt: „Die Ueberbleibsel von den Fundamenten und Kellern zeigen eine schlechte Bauart. In den Wänden findet man statt des Speifses, Lehm, und wo man noch etwas Kalk verspürt, ist er so sparsam angewandt, dafs die Steine nicht einmal daran kleben bleiben; auch sind die Steine von verschiedener Art. Bruchsteine, Wacken und Tuffsteine liegen durch einander. Der Ort scheint die Gestalt einer Stadt gehabt zu haben und war mit Mauern und Thiirmen befestiget. Man hat in diesen Ruinen römische Münzen, Götzenbilder und Begrabnifse gefunden." Ferner glaubt der Pastor Caesar: dafs diese Stadt schon unter August bestanden, weil man im alten Pfarrhauskeller ein Stück dieses römischen Mauerwerks ausgebrochen und eine Jseltene Münze von August gefunden habe, „welche mit Vorbedacht unter das Fundament ist gelegt worden." Von den im Jahr 1800 durch Hoffmann in Heddesdorf aufgedeckten Gebäuden findet sich unter defsen nachgelafsenen Papieren weder Grundrifs noch Zeichnung, sondern nur manche unvollständige Notiz im Allgemeinen und wenig befriedigend. Das Wesentliche davon ist, dafs er (Hoffmann) genau in Heddesdorf nachgeforscht, was die alten Leute von der unterirdischen Stadt wufsten, nämlich, dafs man nicht allein Gebäude, sondern auch durchkreuzende gepflasterte Gafsen, beim Graben einer Wasser Röhrenleitung, entdeckt habe; wobei man in einer Tiefe von 10 Fufs auf Fundamente, verbrannte Gefä'fs - Scherben, Ziegel und römische Münzen gekommen sei, und ein Bauer habe einst zwölf grofse Karren voll viereckigt behauener Tuffsteine aus seinem Acker zu Tage gefördert. Ein sehr festes Steinpflaster, welches man ausgebrochen, habe seine Richtung nach Romersdorf gehabt und sei dem Anschein nach in Trafs gelegt gewesen. zu Cöln und besitzt Jetzt noch eine voll und schon tönende Glocke mit einer Inschrift, welche Wallraf in Cöln erklärte, und woraus hervorgeht, dafs sie 1057 gegofsen und von Gangolf Gadi der h. Maria geweiht worden ist* II Hoffmann stellte nach diesen erhaltenen Nachrichten nun auf Befehl der Frau Fürstin Mutter einige allgemeine Untersuchungen in Heddesdorf an und hinterliefs uns darüber folgende Nachricht: „Wo ich nur einschlagen liefs, selbst an sehr weit von einander entfernten Stellen, fand man die Reste niedergebrannter, zerstörter Gebäude; Kohlen, Brandschutt, Nägel, Scherben von Gefäfsen, Eisenwerk, Ziegel u. s. w. Die Mauern waren tief abgebrochen. Was die Gebäude betrifft, so zeigen die noch vorhandenen Grundmauern, sowohl ärmliche Hütten, als grofse Palläste. Jene bestehen aus schlechten Bruchsteinen, ja selbst aus blofsen Wacken oder abgerundeten Kieseln, welche nur mit Lehm zusammen verbunden sind. Von den grofsen Gebäuden will ich nur eins anführen, dessen Fundamente wirklich entblöfst wurden. Sie bestanden aus lauter Quadern und schön behauenen Tuffsteinen. Die Länge dieses Pallastes war ißo Fufs; seine Lage auf einer geringen Anhöhe, mit der Fronte gegen den Rhein und Gallien gekehrt, war sehr reitzend. An einem andern Platze fand ich gleichfalls die Fundamente eines grofsen Prachtgebäudes von gehauenen Tuffsteinen, von welchen zwei ausgebrochen und nach Neuwied gebracht wurden, woselbst sie in der Alterthümersammlung aufbewahrt werden. Einer ist 3 Fufs 3 Zoll lang, 2 Fufs 1 Zoll breit und i Fufs 2 Zoll hoch, mit der Inschrift COH.XXL; der Andere hat 3 Fufs 6 Zoll Länge, 1 Fufs 11 Zoll Breite bei 1 Fufs 2 Zoll Höhe und die Inschrift COH.VI. Dort wurde gleichfalls ein eben so grofser behauener Quader von Tuffstein gefunden mit der Zahl XXVI. Auf der obern Fläche dieses Grundsteines befindet sich eine eingehauene schmale Vertiefung, in welche eine grofse, breite, dicke, oben in einem Halbkreis abgerundete, Platte von der nämlichen Steinart pafst. Es ist vermuthlich ein Wegestein gewesen, auf welchem die Nummer auf der Basis die Entfernung eines Hauptortes auf der andern Rheinseite anzeigt, oder auch die Nummer einer Kohorte? Das Erstere ist wohl das Wahrscheinlichere, da dieser Stein nicht weit von der via romana gefunden ist, welche beiHeddesdorf vorbeizieht, und schon 1793 von mir 12 aufgedeckt und untersucht wurde. Die Ruinen ziehen sich nicht abwärts, sondern nach dem Rheine hin; wie w r eit aber, ist schwer auszumitteln, da sie, je näher dem Rheine, desto tiefer liegen.*' — Dieses ist Alles was uns Hoifmann über seine Nachgrabungen bei Heddesdorf aufbewahrt hat. Als im Jahr i8°4 Herr Justizrath Helfrich die Landstrafse zwischen Neuwied und Heddesdorf auf Befehl der Regierung neu überschütten liefs, fanden sich ungefähr 4 bis 5°° Schritte von Neuwied zur rechten und linken Seite der Strafst, römische Gräber deren eilf----reich an kostbaren und höehstinteressanten Alterthümern — geöffnet wurden. Dem würdigen Herrn Helfrich verdankt die Fürstliche Sammlung diese Gegenstände, so wie die Kunst sorgfältige Aufzeichnung und Beachtung alles delsen, was sich ergeben hat. An dieser Stelle mögen die Ruhestätten der Verstorbenen aus der untergegangenen Römer - Stadt gewesen sein. Die Lage dieser Gräber ist so hoch, dafs selbst eine sehr grofse Rhein-Ueberschwemmung dieselben nicht erreichen kann. Wenn die Darstellung von Victoria mit den darin gefundenen Schätzen vollendet sein wird, w r ollen wir uns zu den Gräbern w T enden und die Beschreibung davon liefern. Zwei Säulenschafte aus Porphyr, und vier aus der porösen Lava von Niedermennich -— ungewifs, ob aus den römischen Trümmern bei Heddesdorf oder Niederbiber, dürfen hier nicht übergangen werden. Ohne Zweifel sind sie römischen Ursprungs; sie befinden sich jetzt in der Kapitelstube der Abtey Romersdorf wo sie zu Tragepfeilern gothischer Gewölbe dienen. Dieser Theil der weitläufigen Klostergebäude, zu welchem die Kapitelstube gehört, ist der älteste, defsen Aufbau man laut einer kurzen Archivs Nachricht zu Anfang des zwölften Jahrhunderts setzen kann. Der Porphyr an diesen Säulen ist schön, fest und scheint Salzburg zum Vaterlande zu haben. Die Politur und ganze Bearbeitung sind meisterhaft, Uebrigens haben sich in den Trümmern von Victoria Säulenschafte aus vorgedachtem Mennicher Stein gefunden, und da der Platz wo diese Stadt i3 ausgegraben, im Munde des Volks „die alte Burg" heifst, und sich die Nachricht erhalten hat, dafs vorgedachte sechs Säulen von der alten Burg herstammen, so ist wohl mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dafs sie vormals in Victoria gestanden. Die Säulenschafte sind 6 Fufs 2 Zoll hoch, und halten 1 Fufs •§ Zoll im Durchmesser. Nächst den Entdeckungen bei Heddesdorf und Niederbiber, sind von römischen Ueberresten auf der rechten Rheinseite in der Umgegend von Neuwied vorzüglich zu erwähnen: Die gepflasterten Strafsen. Nach dem, was ich von deren Con- struction noch habe erfahren und theilweise selbst untersuchen können, bestehen dieselben aus Quarzgeschieben und Bachkieseln mit Mörtel verbunden, und erscheinen 1 bis 4 Fufs unter der jetzigen Erdoberfläche. Das Steinpflaster ist gröfstentheils dreifach über einander gelegt, und ruht auf Trafs, wie namentlich auch das im Jahr iS 2 5 beim Bau des Rasselsteiner Kanals entdeckte, welches sich durch die Wiedbach, an der alten Brücke hinzieht. Zur Seite dieser i4 bis 16 Fufs breiten Strafsen, — besonders auf der Seite nach dem Rheine zu, trifft man auf grofses, sehr festes Mauerwerk, welches die Fundamente ansehnlicher Gebäude, vielleicht auch Befestigungsthürme, gebildet zu haben scheint; grofse Stücke des vortrefflichen römischen Ziegelmörtels w r elche man ausbrach, lafsen über den Ursprung keinen Zweifel. Das Korn, besonders im ersten Frühjahr und bei anhaltender Dürre, zeigt durch seinen magern Wuchs am untrüglichsten den Lauf dieser gepflasterten. Strafsen, den man auf der Karte Tab. I. auch angedeutet finden wird. Ein grofses Stück Mauer an der Strafse, welches auf dem Heddesdorfer Felde ausgebrochen, heifst „am Weifsenthurm;" wahrscheinlich wohl ein alter Wartthurm, w r elcher auch in der Richtung nach Romersdorf, mit dem nicht römischen Weifsenthurm auf der linken Rheinseite und den dabei entdeckten römischen Mauer-Ueberresten correspondirt. — Der Pfahlgraben; diese bewundrungswürdigen römischen Befestigungs- i4 linien ziehen auf dem den Neuwieder Kefsel begränzenden Gebirgsrücken in der Entfernung einer halben Stunde von Victoria, und nahmen diesen ganzen schönen Landstrich unter ihren mächtigen Schutz gegen die an- und vordringenden Deutschen. Was Gerning in mehreren Abhandlungen im Rheinischen Archiv und in seinen Taunus Gesängen darüber bekannt macht, ist angenehm zu lesen, trägt aber zu sehr die, Spuren des Flüchtigen, und ist oft ganz willkührücher Annahmen voll* daher der Geschichts - und Alterthumsforscher wenigen Werth darauf legen kann. Vortrefliche Winke über den Zug und die Entstehung der w r eit- umfafsenden römischen Befestigungen, welche den, den Römern dienstbaren Theil Germaniens umschlofsen, so wie über den Zug des Pfahlgrabens, der als die nördlichste Fortsetzung der römischen Befestigungen gegen das ununterjochte Deutschland anzusehen ist, findet man in Dr. Wilhelms obengedachtem Werke: Germanien und seine Bewohner, nebst einer Beschreibung, wie dieses Römerwerk sich heute zu Tage noch dem Auge darstellt. Wie dieser Pfahlgraben den Neuwieder Kefsel beschützt, in welcher Art er bei den in dieser Gegend entdeckten Römer-Niederlafsungen vorbei zieht, und was von demselben noch vorhanden ist, kann hier allein nur mein Hauptaugenmerk sein, — und hierbei werde ich meinen eignen Untersuchungen, welche ich im Jahr i8 3 5 angestellt, und den gründlichen und gehaltvollen Mittheilungen des dieser Gegend so kundigen Justizraths Helfrich, folgen. Der Pfahlgraben, auch Heidengraben, Kriegsgraben, Schlag, zuweilen auch alte Burg hier genannt, streicht in der Neuwieder Gegend gewöhnlich quer über die Bergrücken, meist auf der höchsten Spitze, oft in gleicher Richtung mit dem Rheine; weiter landeinwärts aber mehr in einer Linie von Westennach Osten. In den Bergabhängen verliert er sich gewöhnlich, vielleicht durch Regenabflüfse geebnet. Diese alten Befestigungswerke hängen nicht zusammen, sondern die Linie biegt sich hier und da rückwärts nach dem Rheine, hört auf und fängt an andern Stellen wieder in verschiedener Richtung, ohne weitere Verbindung, «r. Jpu/*ert c&Br ITutrinr % 4 sru fette 73. WM *« [iiiniiinininiiniiiiHiiiiiiiiiiinmiii imiimmininiimTfmmniniiiniimiiminimuum^^^ ^ "IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIW Ä' uuiUUUJUIIlIIJUllUllllllllllUlUl\WW^ SiiiifiniiiiiniiinfiiiiiiiiinifffffiTTFTTitiiintiiFfififrrTitiiiifiinfitiiffitiffiiPiiifTTiiiiiinHii««««"" JWjfi/ nar/t der Xtnie a ___ 6 in doppelter* Grdföe K ^ ...... 1 w so so 4o eo 6o jo £& JFu*? ±A_ _£ __ £_ 6o -ro 8o oo 100 J&'rnz&cÄ&'2fUAf. JVe#£. £///i- wtn/tfäMi/Jerüiß^&ruÄe/. 21 Dieses unzweifelhafte römische Gufs Mauerwerk liegt ungefähr 740 Schritte oberhalb der alten Ringmauer von Kunostein-Engers, auf dem hohen Rhein- Ufer, welches sehr steil in den Strom abfallt, und erregte seit lange die Aufmerksamkeit der Alterthumsforscher, vorzüglich durch Baron von Reifenberg und Hontheim darauf hingelenkt. Unser HofFmann gab in mehreren Abhandlungen dieses Stück Mauerwerk für die Brückenwiderlage aus, welche Agrippa gebaut und von der Strabo im IV. Buche spricht. Diese Nachrichten erschienen dem verewigten Fürsten von Hardenberg wichtig genug, um eine nähere Untersuchung zu veranlassen. Bald nach des Staatskanzlers Abreise von Engers verliefs auch ich diese Gegend, und HofFmann begann darauf seine Untersuchungen mit grofser Thätigkeit und Umsicht. Das Resultat dieser Bemühungen war belohnend, denn es fand sich, dafs es keine Brück enwiderlage, sondern eine Brük- kenvertheidigung, Brückenschanze, tete de pontwar, also eine sehr schätzbare Entdeckung, besonders hier in Germania magna, Germania trans- rhenana. Leider verlohr sich HofFmann auch bei dieser Arbeit —— so treflich er auch das Praktische derselben leitete —- in Hypothesen, vernachläfsigte das .Wichtigere darüber und hinterliefs uns keine genügende Aufnahme. Im Sommer 1823 besuchte ich mit dem Baumeister Hundeshagen-diese Ruine und derselbe verfertigte die nebenbeigefügte Situationszeichnung., den Grundrifs und das Profil, wodurch man ein klares Bild von der ganzen Entdeckung erhalten wird. Die Erdoberfläche, worin die Reste von Mauern begriffen sind, befindet «ick wo sie am höchsten steht und das quadratische Gemäuer anhebt 27 bis 30 Fufs über der Flache des mittlem Wasserstandes, und 36 bis 40 Fn£s von dem obersten Uferrand landeinwärts jetzt noch entfernt. Die Form djes gesehlofsenen Mauerwerks in der Mitte des Platzes ist westlich g^gen den Strom hin etwas zusammengezogen und bildet kein vollkonrames irechtwinkHeht/es Quadrat. 22 Die Hauptfigur des Mauerwerks, nämlich der von demselben an allen Seiten umgebene, in der Mitte gegen Osten vorliegende Raum, bildet ein von Nord nach Süden gerichtetes Oblong, welches in dieser Richtung landwärts oder östlich 51', 9 //+ )) und stromwärts oder westlich S°'i 4" in die Breite, auf den beiden andern Seiten des Lichten aber jedesmal 31', 4" in die Länge mifst, und einen Flächenraum von i6ooDFufs mit wenigem Unterschiede, beinahe einnimmt. Mauern von 8'» 9" Stärke bilden die Wände, wodurch der Bering des Ganzen 5347 □ Fufs enthält, und also die Mauern mehr als die Hälfte dieser Fläche bedecken. Gegen Westen oder nach dem Strome hin, ist die Mauer in ihrer Mitte durch eine Oeffnung unterbrochen, welche als Eingang in den innern Raum die angemefsene Gröfse hat. Die Vorbaue nach derselben Gegend hin, treten 12' scharf abgegränzt vor, und sind 8' stark, also 9// schmäler als die Wände. Das gegen Süden, auf der Mitte der Wand vorstehende Mauerstück, ist nur 6 l stark. Die paralell mit der Mittellinie der Hauptfigur und 72' 7 " von Norden nach Süden über 100' lange, beinahe von der Mitte derselben in den Strom gerade zu herabziehende Mauer, ist 9' stark, und liegt im Wasser völlig entblöfst. Wie weit dieses Mauerwerk sich noch in den Strom hineinerstreckt, ist nicht erforscht worden. Ob übrigens nun die Verbindung dieser Mauer mit der Hauptform auf der in der Zeichnung durch punktirte Linien angedeuteten, von Hoffmann angegebenen und auch von Reifenberg schon behaupteten rechtwinklichten Umwendung und Fortsetzung derselben, wirklich so ist, und auch in der Art auf der andern Seite statt gefunden hat, konnte ich jetzt nicht ermitteln ohne neue Nachgrabungen anzuordnen. Die Mauern an der Hauptfigur sind auf ungefähr 12 < Höhe jetzt nach der Aufgrabung sichtbar; indefsen war hier nicht bis zu der tiefsten Stelle des Fundaments nachgegraben worden. In der jetzt sichtbaren Höhe nehmen drei Schichten, von jedesmahl i' hohen Tuffsteinen etwa die untere *) Die Bezeichnung von Fufs, Zoll, Linien mit ', ", "', wird fortan gewählt werden. 23 Hälfte ein; oberhalb derselben ist das Mauerwerk aus Bruchsteinen — von diefseitiger Ufergegend — noch ungefähr 5 bis 6' hoch erhalten, zum Theil gefüllt, zum Theil wie die vorgebauten Mauerstücke mafsiver errichtet. Es zieht unterhalb der dreifachen Lage von Tuffsteinen ebenfalls 1^' in der Tiefe fort, wo dafselbe Bruchsteinmauerwerk, in und aufser den Wanden, um 6" an jeder Seite vorspringt, und noch zwei Fufs tiefer herab entblöfst, den Anfang vom Sockel des Baues zeigt. Die seitwärts liegende, vom hohen Ufer hinabgehende Mauer, ist auch von Bruchsteinen, und zieht deutlich mit der Oberfläche des Terrains und also dem Profil der Ueberböschung gleich, in den Rheinstrom hinab. Sie ist auch nicht weiter entblöfst und genau erforscht worden, obschon dieses für die besondere Bedeutung dieser Bauanlage sicher von dergröfsten Wichtigkeit gewesen sein würde. So viel man ersehen kann, sind die Steinlagen derselben gegen die Aufsenseite der Mauer wenig oder gar nicht geschlofsen und die Mafse des ganzen Werks hat das Ansehen eines Fundament - oder Füllung-Mauerwerks. Die hierbei verwendete Mauerspeifse ist Kalk mit Sand auch grobem Rheingrand gemischt, in den gewöhnlichen Verhältnifsen, und blieb selbst im Wafser noch verbunden. Die Mauerarbeit ist aber schlechter als die im römischen Kastell zu Niederbiber. Die aufgefundenen und in der Zeichnung bemerkten Reste von vier Pfeilern, welche im innern Raum der Hauptfigur standen, hatten 2' lange und breite und i' dicke Mennichersteine zur Unterlage, und schienen mit Ziegeln weiter aufgeführt gewesen zu sein, welche, zum Theil noch in Mörtel sitzend, auf den Trümmern lagen. Die in dieser merkwürdigen Ruine gefundenen Alterthümer, welche gegenwärtig in dem Königlichen Museum vaterlandischer Alterthümer zu Bonn aufbewahrt werden, sind von weniger Erheblichkeit, haben keinen innern Werth,. und dienen nur, das Leben und Treiben der Römer in dieser Brückenschanze ebenfalls zubeAveisen; — eineAufstellung im Museum zu Bonn verdienten daher diese Gegenstände wohl kaum, und sind mit den andern, aus dem Mittelalter 24 und noch später herstammenden, gleichfalls hier gefundenen Sachen nur als Belege dieser Ausgrabung anzusehen. Aufser den römischen Gufsmauern und sonstigen Baumaterialien gehören zu den unbezweifelt ächten, hier vorgefundenen Anticaglien, die Scherben von terra cotta, Gefäfsstücke aus grobem Thon; so wie die sehr grofse Mafse verbrannten Getraides, welches in Schichten von 5 bis 9 Zoll Dicke, an einigen Stellen sogar mehrere Fufs hoch lag; es war Roggen, Gerste, meistens aber Weizen, wahrscheinlich also ein Getraide - Magazin gewesen. Die Menge grofser Stücke tropfsteinartig geschmolzenen Bleies, die sich in dem Getraide vorfanden, könnten zu der Vermuthung führen, der Thurm sei mit Bleiplatten gedeckt gewesen. Ferner lagen hier mehrere interefsante sehr grofse Hirschgeweihe, zum Theil vorsichtig ab- und angesägt, auffallend grofse Hauer vorn Eber, ähnlich dem, was man in Victoria vorgefunden hatte und später beschrieben werden soll. Es wäre wünschenswerth, wenn dieses ganze Bauwerk völlig aufgedeckt und bis auf den Grund untersucht würde; Wichtiges käme vielleicht noch zum Vorschein. So stiefs z. B. Hoffmann im innern Raum des Thurms, an der vordem Mauer, in 6 Fufs Tiefe, auf einen schmalen Kanal, welcher längst der ganzen Mauer fortzulaufen schien. Hoffmann glaubte eine Wafserleitung darin zu sehen; ferner eine förmliche gedeckte Röhrenleitung, oben mit Mörtel gemauert, welche fast in der Mitte des Thurms liegt und paralell mit der obern und untern Mauer streicht. In 8 Fufs Tiefe standen an der innern Mauerseite, gleich einem rund umherlaufenden Kranze, schwere, grofse Tuffstein Quadern. Diese vorläufigen, vom verewigten Fürsten von Hardenberg angeordneten Untersuchungen, sind wohl immer hinreichend, den Wunsch nach weitern Nachforschungen an diesem Orte zu erwecken. In dem auf der linken Rheinseite gegenüber liegenden Dorfe Kalten-Engers erinnern sich — wie Hoffmann anführt — alte Leute, ähnliches grofses Gufs- 25 Mauerwerk gesehen zu haben, welches, des vortrefflichen Materials wegen, ausgehrochen und anderweitig soll verbraucht worden sein. Die Wichtigkeit, auch auf dem linken Rheinufer die entgegengesetzten Brücken-Ueberreste zu finden, schien mir zu grofs, um nicht Nachforschungen anzustellen. Im Jahr i8 2 5 ward mir dazu Mufse, doch wirkliche Spuren von Mauerwerk konnte ich nicht mehr auffinden, wohl aber vernahm ich von mehreren alten Leuten, dafs man vor langen Jahren solches Mauerwerk daselbst entdeckt habe. Ehe ich mich nun zur Darstellung der Ausgrabungen in Victoria wende, ist es wohl zur allgemeinen Uebersicht nöthig, anzuführen, was auf der entgegengesetzten linken Rheinseite, in der Nähe von Neuwied, für Ueberreste aus römischer Zeit sich vorfinden. Die Nachforschungen auf dem linken Rheinufer, welche Hoffmann 1818 auf Anordnung des Staatskanzlers, Fürsten v. Hardenberg an den Ufern der Nette — die sieh Neuwied gegenüber in den Rhein ergiefst — und in der Gegend des Weifsenthurms anstellte, gaben die Gewifsheit, dafs bedeutende römische Niederlassungen daselbst gewesen sein mufsten; man stiefs auf Fundamente grofser Gebäude, auf gepflasterte Strafsen;, und an beiden Stellen wurden schon seit längerer Zeit beim Umackern der Felder, römische Münzen in Silber und Erz, so wie Stücke von Wandbekleidungen mit verschiedenartiger Freskomalerei, geschliffene Marmorplatten, Walser - und Wärmeleitungsröhren, u. s. w. gefunden, aus denen man mit Recht auf ehemalige Gröfse und Wohlstand beider Orte schliefsen kann. Da man in der jetzigen Stadt Andernach— welche nach der Meinung aller Gelehrten das Antunnacum, Antoniacum, Antenaeum der Römer und eines der gröfsten Kastelle des Drusus am Rhein gewesen sein soll — durchaus keine Spur von Mauerwerk römischer Gebäude, und aufser den dreifach gepflasterten Strafsen, Begräbnifsstätten, auch hin und wieder Münzen, keine Ueberbleibsel aus diesem hohen Alterthum fand, (die fälschlich dafür ausgegebenen, sogenannten Judenbäder gehören dem Mittelalter an) so glaubte Hoffmann, dafs das eigentliche 4' 26 Antunnacum da gelegen habe, wo wie oben bemerkt, — diese römischen Mauern, Strafsen an der Nette und dem Weifsenthurm entdeckt worden sind, — zumal auch die Entfernung von Confluentes (Coblenz) nicht dagegen sprechen würde. Die Lage der jetzigen Stadt Andernach berechtiget wohl zu einer solchen Vermuthung, da der Platz zu Anlegung eines Kastells sehr unzweck- mäfsig scheint; in einem Winkel, hart an steilen Bergrändern, wo kein Raum zur Bewegung ist. Dagegen erscheint die Lage der aufgefundenen zusammenhängenden römischen Mauern und Strafsen in der Gegend des Weifsenthurms und an der Nette, günstiger der Errichtung eines Kastells von wo aus man die Umgegend beobachten und beherrschen konnte. Man hat von hier die Aufsicht über die ganze Fläche des rechten Rheinufers, und konnte selbst durch die Rafselsteiner Schlucht das Kastell bei Niederbiber sehen, auch das linke Rheinufer überschauen. Hoffmanns Ableitung des Namens Antunnacum, Antenacum, von ante nacum — vor der Nette gelegen — lafse ich zwar auf sich beruhen, wäre diese aber richtig, so könnte freilich das heutige Andernach nicht Antenacum sein, sondern miifste post nacum heifsen. In Bafsenheim, von dem Einflufs der Nette in den Rhein eine Stunde entfernt, ist ein sehr grofser Begräbnifsplatz der Römer und Deutschen entdeckt, welcher gleichfalls auf eine bedeutende Niederlafsung in dieser Gegend hinweiset. Mehrere Gräber daselbst habe ich öffnen lafsen und das Resultat in dem 2ten Hefte der Opferstätte und Grabhügel der Germanen und Römer am Rhein, Wiesbaden 1826. 4- 2te Auflage. Seite 43 mitgetheilt. Dieser Punkt erscheint auch deshalb in historischer Hinsicht sehr wichtig, weil mit Wahrscheinlichkeit^ anzunehmen ist, dafs die alte Römerstrafse von Confluentes über Rübenach nach Bafsenheim ging, und sich daselbst in zwei, vielleicht gar in drei Haupt- strafsen theilte, von welchen die Eine, die Nette unterhalb dem Netterhammer oder Mühle durchschnitt und über HofFmanns Antenacum längst dem Rheine nach Colonia Agrippina (Cöln), die Andere durch die Eifel nach Belgien führte; 7 ja es scheint, dafs auch die Hauptstrafse aus dem in militärischer Hinsicht so wichtigen Kefsel von Neuwied über Bafsenheim nach Trier ging. Ein Verein für vaterländische Alterthumskunde, welcher bemüht sein will, das dunkle Alterthum aufzuklären, wird in dieser Gegend reichen Stoff zu Untersuchungen finden, welche besonders in historischer Beziehung wichtige Folgen haben können, und zugleich sich dadurch vielleicht einen ähnlichen unterirdischen Schatz von denkwürdigen Alterthumsgegenständen eröffnen, wie es in Victoria der Fall gewesen ist. Um so leichter können auf diesen Feldern Nachforschungen angestellt werden, als der Besitzer derselben, Herr Bianchi ein wohldenkender, den antiquarischen Forschungen sehr geneigter Mann ist, der Herrn Hoffmann früher bei denNachgrabungen mit grofserBereitwilligkeit unterstützte. Aufser den Grundmauern vieler Gebäude, gepflasterten Strafsen, grofsen Stücken Gufsmauer, gestempelten Backsteinen und anderweitigen Baumaterialien fand Hoifmann in dieser Gegend auch mehrere interefsante Gegenstände, die ich ebenfalls in das Museum nach Bonn habe bringen lafsen, woselbst sie als Belege, zu steter Erinnerung und Aufmunterung bewahrt werden mögen, die Untersuchungen an der Nette und am Weifsenthurm fortzusetzen, Folgende Münzen wurden ausgegraben: In Silber: Rev...... Cos. IUI. Fegasus. Domitian. Sept. Severus Caracalla. Philippus. Valerianus. Salonina. vict. part. rnax. vorschreitende Victoria. Pont. M. tr. p. . . . Cos. II. stehender Krieger. Salus aug. stehende Frau. P. M. tr. p. Cos. IUI. p. p. zwei stehende Figuren. oriens augg. vorschreitender Sonnengott. Deo Volkano. Vulkan in einem Tempel. Juno Regina, stehende Juno. 28 In Mittel - Erz. Nero. Rev. P......Janum clusit. Tempel. Domitian. - Virtuti augusti. gewaffnete vorschreitende Figur. In Klein - Erz. Trajan. Gallienus. Rev........stehende Frau mit Waage und Füllhorn. victo . . . aug. stehende Figur. Constantinus M. - Jovi invicto comiti. Der Sonnengott. Constans. - Victoriae auggg. Victoria den Kaiser krönend. Nach diesen Münzen würde der Ort also noch unter Constans bestanden haben; vielleicht auch noch später, denn unter der grofsen Anzahl abgeriebener, unlesbarer Kupfermünzen, die gleichfalls hier gefunden wurden, scheinen mehrere von Valens zu sein. Unter den ausgegrabenen Anticaglien sind zu bemerken: Ein Götzenbild aus schwarz gebranntem Thon; eine Mutter hat in der linken Hand ein Kind an der linken Brust liegen, diese mit der Rechten drückend, um Milch für den Säugling auszupreisen. Der Kopf der Mutter fehlt. Vielleicht eine Rumia, Rumilia. Ferner: Griffel aus Knochen; Nadeln, Fibeln, Schellen, Löffel, Ringe, Verzierungen u. s. w. aus Bronze; Handmühlsteine; eine grofse Menge geschliffener Marmorplatten; Scherben von Glas- Gefufsen; Korallen aus Thon; Bruchstücke verzierter Gefafse aus terra cotta mit eingedruckten Töpfernamen als: PLACIDVS.; OF.CAIVS.; LVCIVS.F.; M.AMC..; MBBVJE.; Bruchstücke von Gefäfsen aus gröberem Thon; gestempelte Ziegelstücke mit .... CoM-I. Die genaue Ansicht dieser Gegend erhält man durch die Karte auf Tab. I. — 29 Eine kleine Stunde nördlich von Neuwied — vom Rhein ab, Hegt das Dorf Niederbiber, an dem Abhänge einer grofsen erhabenen Flache, die an zwei Seiten durch Thäler, in denen die Wied und Aubach fliefsen, abgesondert wird, an der Dritten aber mit einem höhern Berge zusammenhängt. Diese ganze Ebene ist jetzt Kornfeld. Hart unter der Oberfläche derselben findet sich vieles Mauerwerk, an dem die Bauern schon seit Jahrhunderten gebrochen und Steine zum Bauen verbraucht haben. Von der Stelle wo dieses Mauerwerk gefunden wird — sie heifst im Munde des Volks »die alte Burg," — hat man eine weite, die ganze Gegend, das, rechte und linke Rheinufer, beherrschende Aufsicht; um solche mit einem Blick auffafsen und zugleich auch das Reitzende der Lage übersehen zu können, ist eine von hoher, kunstgeübter Hand entworfene Aufnahme, als Titel dem Werke beigefügt worden. Das Dorf Niederbiber welches im Jahr 1021 schon ein kaiserliches Kammergut war, zeichnet sich also durch ein sehr hohes Alter aus; die daselbst augenscheinlich aus römischen Baumaterialien erbaute Kirche gehört zu den ältesten Gebäuden der Gegend; nach ihrer Bauart, und aus dem Umstände, dafs die Kapelle 1148 dem Wiedischen Hause zu Theil ward, kann man sie in das iite Jahrhundert setzen; in Urkunden aus dieser Zeit und von 1278 kommt die ecclesia inferioris Bivernae vor, (auch Beveren, Bivern wird das Dorf genannt) welcher Name wohl mit Grund von Hiberna (Winterlager) abzuleiten ist, und woraus denn endlich Biber entstanden sein mag. Der Prediger Reck*) will zwar Biveren von der nafsen Lage, wie Biberich, Biberach u. s. w. ableiten, allein dieses scheint mir hier nicht pafsend, weil der Ort hoch und trocken liegt, daher treffender von Hiberna. Es liegt also schon in dem Namen des noch bestehenden Dorfs der römische Ursprung. Auf diese vorerwähnte Ebene *) In der sehr empfehlungswürdigen Geschichte der gräflichen und fürstlichen Häuser Isen- burg, Runkel und Wied. Von J, St. Reck. Weimar 1825- 4. 3o hinter Biber begannen nun 1791 die ersten geregelten und eifrigen Nachgrabungen, welche die Frau Fürstin Mutter in Neuwied, durch den Ingenieur- Hauptmann HofFmann veranlafste, welche seit 1820 durch den Profefsor von Knopaus fortgesetzt werden, und deren Resultate bis zum Jähre 1826, ich nunmehr dem Vaterlande hier mitzutheilen Willens bin. Diejenigen, welche nur stets nach Italien und Griechenland ihr Auge richten, ihre Forschungen hinlenken, und das vaterländische Alterthum so nebenbei abzumachen geneigt sind, diese werden die Gegenstände, welche hier abgehandelt werden sollen, für Kunst und Mythologie als unwichtig betrachten; es sei ihnen aber zur Beschwichtigung dasjenige in das Gedächtnifs zurück geführt, was unser Heyne darüber gesagt: „Wenn die (in Victoria) aufgefundenen Sachen sich nicht mit den Ausgrabungen in Rom und Athen vergleichen lafsen, so haben sie dagegen einen andern hohen Werth für uns, weil sie vom Privatleben der Römer, besonders ihrer Kriegsvölker, und den Anstalten ihrer Standlager in diesen Gegenden zeugen; aber auch Zweitens, wenn sie mit beurtheilender Einsicht ihres Gebrauchs, ihrer Materie und der Bearbeitung derselben, also in Beziehung der Fabrikation, betrachtet und beurtheilt werden, wodurch wir die Spuren von den ersten Anfängen der befsern Cultur der Deutschen kennen lernen, die sie durch das Leben der Römer, ihr Geräthe und die Werkzeuge erhielten, mit denen sie sich alles endlich selbst verschaffen konnten, mit Anwendung eigener Kräfte und Hiilfsmittel." So beurtheilte Heyne schon im Anfange des Jahres 1812 diese Ausgrabung, zu welcher Zeit man noch nicht die interefsantesten Kunstgegenstände gefunden und vollständige Aufnahme der Gebäude u. s. w. angefertigt hatte. Nachdem uns Tab. I. mit der Lage von Victoria und der Gegend um Neuwied, dem sogenannten Neuwieder Kefsel, sowohl auf dem rechten als linken Rheinufer bekannt gemacht hat *), führt uns Tab. II. in den innern *y Wohl beachtungswerth erscheinen, in der Umgegend unsres Kastell» mehrere Dorfnamen; 31 Bereich des Kastells, und zeigt was in den Umfangsmauern bis jetzt für Gebäude entdeckt und ausgegraben worden sind. Hoffmann und Andere mit ihm, nannten den auf Tab. II. dargestellten Gegenstand: Castrum (grofses Lager), obschon derselbe ohne Zweifel nur zu den sogenannten Castellis zu zählen ist, deren Drusus fünfzig längst den Ufern des Rheins anlegte. Das bei Neuwied ausgegrabene Kastell möchte uns von diesen römischen Arbeiten wohl ein getreues Bild überliefern. Der Raum, welchen dafselbe in sich fafst, ist bei weitem nicht den zwei oder drei Legionen angemefsen, wovon die Römer bei ihrem Lagerungsbau ausgingen. Derselbe reichte höchstens für zwei einzelne Cohorten, oder für die Hauptcohorte (cohors praetoria), oder für eine Cohorte mit ihren Verbündeten vergröfsert, hin. Beide Cohorten konnten nun auch zwei verschiedenen Legionen angehören. So fanden sich denn auch in diesen Ruinen, aufser dem am häufigsten vorkommenden Stempel der Cohors IV. Vindelicorum—wohl die Erbauerinn — ferner noch Stempel der L, VIII. und XXII. Legion; siehe Tab. V. Es darf also hier die Benennung Kastell für die kleinere Art des Lagerbaues bestehen, wobei denn Castrum allein nur als Gattungs - und Grundbegriffs - Wort für die Anordnung im Allgemeinen und Gröfsern, nach den Lehren der Lagerkunst, fortgelten kann. Das vorliegende Blatt giebt den Grundrifs des Kastells an, welcher für die Nachweisungen der speciellen Anordnungen und Einrichtungen hinreicht. Da, wo die griechischen und lateinischen Schriftsteller über diesen Theil des Kriegswesens, zu den Grundformen der Anlage und dem Lagerbau, auch noch die besondern Verhältnifse und Zahlen zu Aufrifsen angeben, wie z. B. bei z. B. Segesdorf, es heifst in alten Urkunden Segestdorf; ein uralter Graben, von Menschenhänden gefertigt, zieht um und durch das Dorf und korrespondirt mit Victoria, Wer weifs, ob hier nicht eine Besitzung des an dem Vaterlande zum Verräther gewordenen Segestes zu suchen sein müchte? Wurden ihm auch seine Wohnsitze auf dem linken Rheinufer angewiesen, so kann er doch hier in der Nähe einer so grofsen Niederlafsung seiner Bundesgenossen einen Sitz gehabt haben. 32 der Umfestigung der Lager, ist dieselbe in der beigesetzten Profilzeichnung beigefügt worden* Die architektonische Darstellung umfafst die bis jetzt aufgegrabenen Ruinen dieses Kastells, so wie auch die Grundform welche dafselbe nach seiner ursprünglichen Anlage gehabt haben könnte, von Dr. Hundeshagen mit Consequenz und Analogie durchgeführt. Mit doppelten und durchkreuzenden Linien (MW) ist das bei den Nachgrabungen zu Tage geförderte Gemäuer bezeichnet; durch schräge, aber einfache Linien (III Ulli) dasjenige, was aus dem vorher Aufgefundenen nicht anders gefolgert werden konnte, restaurirt. Die gestrichelten schrägen Linien (ff:/:) deuten übrigens an, was castrametatorisch und architektonisch zum vollständigeren Begriff des Alterthums beigebracht Worden. Das mit einfachen Linien Eingeschlofsene und nicht weiter Bezeichnete, stellt die supplirenden Formen der gesammten Kastell - Anlage dar; sie betrifft ins besondere auch die einzelnen baulichen Lagerstätten für Mannschaft und Pferde, Welche nach den Ausgrabungen am Wichelshoff bei Bonn *) bestimmt werden konnten. Hieraus wird es nun um so deutlicher zu ersehen sein, dafs die Aufnahme und Darstellung der Gebäude vom Wichelshoff für die Alterthums- kunde der Rheinlande bedeutungsvoll waren, und die dabei geäufserte Erklärung hier ihre Bestätigung finden wird. Diese Darstellung kann zugleich bei den zu erwartenden fernem Nachgrabungen bei Neuwied, von wesentlichem Nutzen sein. Die natürliche Gröfse der in dem Grundrifs und beigefügtem Profil auf Tab. IL aufgenommenen Gegenstände ist auf das ein tausendste Theil derselben, reducirt worden. Der hierzu verjüngte Maafsstab ist doppelt beigesetzt, sowohl im rheinischen, als auch im römischen Fufsmaafs. Dr. Hundeshagen bemerkt dabei: „Das Letztere (römische) Maafs ist zu dem Ersteren (rheinischen) als 105 zu 100 angenommen worden, ein Verhältnifs, mit dem alles *) Die Denkmale germanischer und romischer Zeit in den Rheinisch- Westphälischen Provinzen; von Dr. Dorow. 1823 Stuttgardt bei Cotta. 1. Band, Seite 1, 33 zu reduciren, am besten übereinstimmt. Es löfsten sich nämlich die anderen angenommenen, sonst ungeraden und abgebrochenen Maafse, in einfache runde ganze Zahlen nach obigem Grundverhältnifse ins Römische auf. Bei den anderweitig bekannten relativen Maafs Verhältnissen war dies weniger der Fall, als bei dieser neuen Bestimmung, zwischen 104t und 1051. zu 100, als Hauptresultate der bisherigen Bestimmungen. Höchst empfehlungswerth ist es bei Aufnahmen altrömischer Gebäude, gleich Anfangs sich des altrömischen Maafsstabes zu bedienen, wonach denn weniger gebrochene und unsichere Maafse erzielt werden. Auch wird es für den artistischen und wissenschaftlichen Zweck sehr nützlich sein, bei der Aufnahme oder nachträglich, aus den Maafsresultaten derselben zu ermitteln und zu bestimmen, ob in dem speciell vorgekommenen Fall die allgemein aufgestellte oder modificirte relative Maafsgrofse, dieselbe geblieben ist. Sie kann wieder Modificationen erhalten, und so ist dieselbe hier für das örtliche Vorkommen, und auch für das Allgemeinere berichtiget." Die der vorliegenden Darstellung sonst zugetheilten frühern Mefsungen, sind die Resultate von Aufnahmen in Schritten mit der Mefskette, (zu 50') Ruthen (Dezimal-Ruthen, wahrscheinlich dem grofsen Feld- oder Waldmaafs der dortigen Gegend) und in rheinischem Fufsmaafse. Die nach und nach vorgefundenen und mir mitgetheilten Zeichnungen der aufgefundenen Mauerreste, Rifse und sonstige Notizen, waren zum Theil nachgearbeitet, verändert, auf vielen Blättern zerstreut, und in Unordnung; sie setzten dem Ausarbeiten schon beim Beginn fast unübersteigliche Hindernifse entgegen. Diese Versuche des ersten Entdeckers, Forschers und Beschreibers stimmten nicht zusammen, und die spätem Collektaneen — nach Hoffmanns Tode gesammelt — geriethen in Widerspruch mit den frühern. So schnürte sich immer fester der Knoten der Verwirrung. Mein längerer Aufenthalt mit Dr. Hundeshagen am Orte selbst, die genauste Untersuchung, Betrachtung und Zeichnung der zu Tage geförderten Alterthumsgegenstände, die Aufnahmen und berichtigende Nachmefsungen, mit aller Anstrengung gemacht, entwickelten endlich die Sache von Neuem. 5 34 Von verschiedenen Seiten kam der Rath: in diesem Chaos seien die Fakta mit Willkührlichkeit und Falschheit zu bemänteln! Doch es gelang dem Talente und dem Scharfsinne des Dr. Hundeshagen (siehe Tab. II. III. und IV.) im Architektonischen dieser Ausgrabung — durch Arbeit und Studium — Wahrheit und Vollendung zu erringen. Damit den Sachverständigen sich das Besondere an dieser merkwürdigen Gattung der alten Kunst, sogleich zu erkennen gebe, und von dem Bekanntern auf den ersten Blick unterscheide, so stehen neben der Orientation des Grundrifses, auch noch die altrömischen Benennungen beigesetzt. Bei der im Jahr i8 2 3 vorgenommenen Orientation des Terrains vom Kastell, ergab sich an Ort und Stelle die Abweichung der Magnetnadel zu 1 8° westlich von der Hauptrichtung des Hauptbaues. Da diese Abweichung des Magnets vom wahren Norden in dieser Gegend ungefähr 21 0 ist, so erscheint die Lage der quadratischen Form des Kastells bis auf einige Grade cardinal *). Nach Hoffmanns Angabe ging rund um die innere Mauerseite des Kastells ein aufgeworfener, abgeböschter Weg, in welchem sich einspringende viereckige, gleichfalls abgeböschte aufgeworfene Plätze befinden, eben so wie an der äufsern Mauerseite vorspringende Thürme. Die Porta praetoria, oder das Hauptthor in der Fronte des Lagers und in der Mitte der dem Feinde zugekehrten Seite der Schlachtordnung, wurde im Jahr 1801 von Hoffmann ausgegraben. Man traf in der Enge des Thors (angusta portae) auf ein Pflaster, welches aus einer „starken Gufslage von *) Ein solcher Unterschied glaubt Dr. Hundeshagen, könnte auch Naturveränderungen seit dieser langen Zeit eben so wohl zugeschrieben werden, als einer damaligen ungewifsen Bestimmung der Mittagslinie am Ort, oder Ungenauigkeit des Verfahrens beim Abstecken des Lagerplatzes. Auch möchte dies stets merkwürdig bleiben für die ältere, von Nachrichten anderer Art gänzlich entblöfsten Geschichte der frühern Constellation unsres Erdkörpers und der veränderlichen Abweichung der Magnetnadel. 35 reinem Kalk und Bachkieseln" (mit reinem Grand, statt Sand, angemachtem Mörtel) „über zusammengeworfenen Mauerstücken aus Bimstein" (wohl auf dem festgestampften Erdboden mit darauf gelegten Bimsteinen von Mauerstein- Gröfse) „bestand." Gepflasterte Strafsen wurden übrigens im Innern des Kastells nicht angetroffen, sondern eine Art Pise, eine Mischung, deren Hauptbestand- theile Trafs mit Sand und Thonerde war, wie solches eine vorgenommene Schlemmung gezeigt hat. Rechts, gegen die Mitte der Thorenge, an dem Rande derselben, fand sich ein grofser, rechtwinklicht behauener 2' 7" dicker Stein von der Tuffsteinart, die man jenseits des Rheins im Gebirge bricht. Er war dem oben erwähnten, unter ihm fortlaufenden Pflaster sorgfältig aufgelagert, und mit gewöhnlichem Mörtel eingespeifst. An der Seite, wo dieser Stein gegen die Thorenge gerichtet steht, ist er 2' hoch und 5' 5" breit. Hinten auf der, dieser Seite entgegengesetzten Rückfläche, fand sich das Zahlzeichen XXV. eingehauen. In der Richtung nach der Ringmauer des Kastells — 5' breit — hin lag er noch an dieser Rückseite von Mauerwerk umgeben, auch ragten einige Steine, die oben auf demselben lagen, 4 bis 5 Zoll über ihn hinaus. Er wird im Schlofsgarten von Neuwied aufbewahrt. Dr. Hundeshagen führt nun als Resultat seiner Ausmefsungen, Aufnahmen an Stelle und Ort, Berichtigung der vorhandenen alten Zeichnungen und Notizen, und seiner Ver- gleichungen mit den Schriftstellern des Alterthums an: „Das Lichte der Thorenge (bei der Porta praetoria) beträgt 14' römisch. Das Fundament des Thors fand sich noch 2' hoch über dem Pflaster der Thorenge, und ging nach Aufsen und nach Innen 11' 3" vor die Mitte der Mauer hinaus. Dort fand es sich rechtwinklich und Scharf abgegränzt. Die Grundform der Porta bildet einen Rechtangel, einerseits 55 römische Fufs lang, und die andere Seite aai* röm. tief. Auf eine Weite von 4°' um dafselbe herum, soll im Boden alles mit Trafs, Erde und Trümmerabfall von zubehauenen Tuffsteinen erfüllt gewesen sein. Man will hieraus schliefsen, dafs das alte Thor durchaus von Tuffsteinen erbaut gewesen sei, und diese Steine vor 500 Jahren 36 zu dem Bau des unweit gelegenen Kirchthurms zu Niederbiber , bis auf den oben erwähnten Grundstein ab - und ausgebrochen und verwendet worden. Dieser noch wohl erhaltene Kirchthurm aus dem Mittelalter, defsen Sockel mit grofsen altrömischen Ziegeln abgeglichen, und der von stattlicher Bauart ist, mag zu den letztern Vermuthungen allerdings noch mehrere Veranlafsung an sich tragen." „Die Porta decumana, oder das grofse Thor des Lagers, stand der Regel nach immer in gerader Linie rückwärts der Porta praetoria. Es wurde also richtig mit Letzterem in demselben Jahre wieder aufgefunden und ausgegraben. Die Grundform defselben bildet einen Rechtangel defsen eine Seite 62' röm., die Länge und die andere Seite 4°' röm. in die Tiefe mifst. Die Thorenge hat 12' röm. im Fundament, welches für eine Durchfahrt hinreicht. Jeder der Flügelbaue neben derselben behält nach Abzug der Thorenge mit 12' zu seiner Länge noch 25' römisch. Die Richtungslinie D--E mitten zwischen der Porta decumana und der Porta praetoria, theilt die Lagerstätte nach der Morgenseite und Abendseite in die Rechte und Linke ein. Die beiden Seiten- Thore des Kastells, die Porta principalis dextra und die Porta principalis sinistra, liegen nicht gleich den vorhergehenden Thoren und bei Lägern von rein quadratischer Form, wie in der Regel nach Polybius, wieder gerade in der Mitte zwischen beiden Enden des Kastells, sondern nördlicher, weil (nach Hygin) die Grundform ein Oblong ist, näher der Porta praetoria oder dem Hauptthor. Hoffmann versuchte am Orte, nach ersterer Ansicht vergeblich eines dieser Thore aufzugraben. Er suchte endlich an der Ostseite, aufsen vor der Ringmauer, und fand ein vorspringendes Mauerwerk. Es schien ihm ein Thurm zu sein, weil es dieselbe Grundform und Maafse hatte, und somit nahm er es für einen solchen an. Ferner traf Hoffmann an der Westseite der Ringmauer auf Fundamente eines Thores, (die nachfolgende Porta quiiitana), und nahm nun diese, obgleich es Wider die Regel, aus der Mitte, und mehr gegen die Porta decumana, als gegen die Porta praetoria 57 war, irrig für eine Porta principalis an. Zu der aufgegrabenen Porta praetoria hatte Hoffmann selbst ausdrücklich bemerkt, das Thor springe gerade so weit als einer der Thürme vor, die Ringmauer und jeder Flügelbau neben dem Durchgange im Thore, sei so breit wie ein Thurm an derselben. Es durfte also bei einiger Umsicht nicht fehlen., das oben zuerst erwähnte Fundament für das zu nehmen, was es nothwendig sein mufste, nämlich für den jenseitigen Flügelbau der Porta principalis dextra. Ist hier auch die Thorenge wie bei der Porta praetoria und dem andern Flügelbau dazu gestellt, so bleibt dieses Hauptthor dem Andern, welchem es mehr zugehört, vollkommen gleich. So ist es auch hier vorgestellt, und die ihm als Gegenstück entsprechende Porta principalis sinistra auf der Westseite des Kastells hinzugefügt, und auch der Porta praetoria an Form gleich, angesetzt. Die Mitte der beiden Principal- thore liegt auch in der Mittellinie zwischen dem Hauptbau im Kastell und dem Forum (Mittelbau), so auch die Mittellinie der Porta praetoria und Porta decumana durch das Forum. Auch im Uebrigen wird diese Annahme, wie die Folge zeigen wird, sich durchaus als die richtige bewähren. Hygin theilt, nach den Principalthoren, gegen Morgen, dextra, und gegen Abend, sinistra, auch diese Seiten der Lagerung in die Rechte und in die Linke ab. Die Linie ACB welche in der geraden Richtung mitten durch die beiden Portas principales ging, unterscheidet auch die Lagerstätte nach Norden hin, als pars superior, und nach Süden hin, als pars inferior castri. Man sagt, die praetoria (die Linie von E auf C), und die Linie von A auf C (quaestoria) sei der Hauptpunkt (cardo) in der ganzen Lagerkunst. Praetoria et Quaestoria cardo totius castrametationis. Patricii res militaris Romana pars IX. Siehe Graevii Thes. antiq. Rom. T. X. p. 944- Bei der alten Benennung der vorzüglichsten Lagerthore kommt auch die Porta principalis dextra gerade zu, als die Porta principalis, und die Porta principalis sinistra, als die Porta quaestoria benannt, vor. Die eine Porta quintana ist von Hoffmann im Jahr ißH auf der west- IM 38 liehen Seite des Kastells weiter von der Porta praetoria und naher nach der porta decumana hin, aufgefunden worden. Die ganze Breite des Thors war 20' 3" rh., oder 22^ röm., die Enge des Thors in den Fundamenten ohnge- fähr 10' 9^ rh. weit im Lichten. Letzteres Maafs ist hier der Thorenge der Porta decumana gleich zu 12' röm. angesetzt. Wie bei den Portis prineipa- libus setzt sich auf der entgegengesetzten Seite des Lagers die andere Porta quintana der ersteren gegenüber, fort. Nach den vier erstbenannten grofsen Thoren, werden die Portae Quintanae nur bei den römischen Lagern von länglicher Grundform erwähnt, und dieselbe den kleinern Thoren (portulis) vorgesetzt. Letztere waren blofse Oeffnungen in der Ringmauer; von einer solchen unterscheidet sich die unsrige dadurch, dafs die, der Oeffhung zu beiden Seiten der Thorenge angesetzten Wangen- oder Flügelmauern, etwa mit der Dicke der Ringmauerbreite, oder der Hälfte der Stirnbreite an der Porta praetoria vortreten. Es kommen nun bei den Strafsen, welche in der Richtung zwischen den Thoren in das Innere des Kastells führen, zuerst die via praetoria, der grofse Hauptweg. Dieser hat seinen Lauf von Nord nach Süd, von der Porta praetoria und dem obern Theil des Kastells, zurück nach dem untern Theil und der Porta decumana, und giebt die örtliche oder Grundbreite des Kastells an. Er war immer der weiteste von allen andern Wegen im Lager, und wenigstens 60 römische Fufs breit, stand mit den öffentlichen gröfsern Landheerstrafsen (viis publicis, Regiis, Consularibus) in einer Klafse. Nimmt man hier von seiner Mittellinie das Maafs bis zur Seite des ihm östlich anliegenden Hauptbaues, so ergiebt sich eine Weite von 45 röm, Fufs, welche das Doppelte von der Tiefe der Porta praetoria, zu 22 \ röm. Fufs jst. Dieses Maafs auch nach der andern Seite angetragen, giebt zur Gesammtweite unseres grofsen Hauptwegs im Ganzen 90 röm. Fufs. Seine Breite richtet sich hier auch nach den diefseitigen Eingängen zum Kastell im Bezirk des Mittelbaues (bei S). Hier erscheint die via praetoria, welche nach den alten Schriftstellern ihren Namen ohne Zweifel von dem Praetorium hat 39 zugleich zu einem geräumigen Platz im Lager zu den beiden Thoren, der Porta praetoria und der Porta decurnana bestimmt gewesen sein. Sie giebt. auch einen bedeutenden Theil aus ihrer ursprünglichen Länge zu dem geräumigen Platz im Innern des Mittelbaues im Kastell ab. Die punktirten Linien auf dem Raum der via praetoria bezeichnen den Kanal, der zu dem dabeiliegenden Hauptbau aufgefunden ward *"). Die via principalis, oder die erste Querstrafse des Lagers, liegt zwischen den beiden sobenannten Principalthoren, Von Ost nach West, und giebt die örtliche oder Grundlänge des Kastells an. Sie durchschneidet die via praetoria rechtwinklich,und nimmt hier nach Maafs- gabe der Weite des Raums zwischen dem Hauptbau, dem Seitenbau und dem Mittelbau, 60 röm. Fufs ein. Diese Weite stimmt vollkommen mit dem Maafse überein, welches bei den alten Schriftstellern für solche Strafsen vorkommt, wenn dieselbe in gewöhnlicher Weite der regelmäfsigen Breite der via praetoria gleichgestellt wird. Die via principalis trennt jedes Lager nach der Schlachtordnung, und so mit auch unser Kastell, in seinem ganzen Umfange wieder in zwei Hälften, vorwärts und rückwärts, strategisch, in das Vortreffen und Hintertreffen, ab. Der eine Theil nach der Porta praetoria, worin sie selbst mit einbegriffen ist, wird in der Lagerung der Vorspann (praetentura) benannt, und der andere Theil nach der Porta decurnana hin, der Nachspann (retentura). Mit ihr, wie mit den Thoren, schlofsen sich in der Grundregel bei rein quadra- ; , tischen Lagerformen, die Hauptabtheilungsstrafsen. Man mögte diese Strafsen hier auch wohl der Lage ihrer Theile nach, besonders von A bis C: via quaes- toria, von C bis B: via principalis, von E bis C: via praetoria, und von D nach C: *) Hoffmann bemerkt von diesem Kanal: Der große Wafserleitungskanal kommt aus dem Gemache in der Gestalt eines Hufeisens, bestreicht ein größeres auch angedeutetes Becken, und richtet sich gegen die Vertheidigungsmauer des Castrums, wo er in einer Tiefe von 9' 9" durchzieht. Dieser Kanal nimmt in seinem Laufe noch drei andere auf. Den Anfang zweier derselben kennt man noch nicht." Aus dem Bau, zunächst der Porta principalis sinistra zieht ebenfalls ein ähnlicher Kanal. 4° p der Porta decumana nach, oder via Quintana, oder dem Forum hin: via decumana, nennen. Beide Hauptstrafsen im Ganzen, die via praetoria und via principalis, theilen ferner in der Lagermefskunst den Platz des Lagers in Vierecke (Quartiere) ab, welche bei der alten Schlachtordnung der Legionen, und nach den einwärts rund abgefafsten Ecken der Grundform, Hörner (Cornua) genannt wurden. Hiernach ergiebt sich bei unserm Kastell mit B,L,E, das obere rechte Hörn, (Cornu dextrum etc.) mit G,I,D, das untere, mit AjK,E, das obere linke, und F,H,D ? das untere linke Hörn." „Die via Quintana zwischen den Portis Quintanis liegt auch hier nach der Regel mit der via principalis paralell. Sie hat in der Zeichnung wegen der Thore an beiden Enden 50 röm. Fufs zur Weite erhalten. An andern Orten ist ihr auch das ausserordentliche Maafs, oder für grofse Lager von mehreren Legionen, das von 70 röm. Fufs angesetzt; Oft erhält sie auch nur 40, und selbst weniger, bis 20 Fufs zur Weite, wenn sie ohne Thore ganz zu den kleinern Wegen und Communikationen (Viae minores oder vicinales) gerechnet werden kann. So ist auf vorliegendem Blatt ihre Abweichung und Verbindung in der Mitte, an der Strafse gegen die Porta decumana und um den Bezirk des Mittelbaues herum, betrachtet worden. Sie ist hier auf 20 röm. Fufs verengt, und ihr Maafs der Eckstrafse (Via angularis) genähert, für welche (nach Hygin) bei den gröfsten Lagern schon 30 Fufs hinreichten. Die via quintana kam nur zu den vorigen grofsen und Hauptstrafsen hinzu, wenn mehr Raum um die Mitte des Lagers, auch nach den beiden Seiten längs der via principalis und zwischen den Hörnern durch Nebenumstände (impe- dimenta, Trofs, Gepäck) in dem Heer nothwendig war, und die quadratische Grundform der Lagerung sich vergröfserte und in die Weite zog. Unter dem Namen Quintana, wird auch bei alten Schriftstellern eines besondern innern Raumes oder Platzes bei den Lagern der Soldaten erwähnt, ein allgemeiner Zusammenkunftsort (conversorium), woselbst die Kleinverkäufer an dieselben ^Marketender) ihren Stand hatten. Die via sagularis geht um das ganze 4i Lager herum und trennt das Innere von dem Aeufseren defselben, welchem letzteren sie angehört. Ihr Grundschema wird, nach den clafsischen Autoren der Castrametation, von vier Linien gebildet, welche sich berühren, und von denen je zwei einander parallel sind. Auf der innern Seite des Kastells beharrt dieser Weg auch in obigem Schema. An der äufsern Seite hingegen artet er in der Abrundung zum Umgang (circuitio) in einen Rennweg aus, welcher mit den Thoren in nächster Beziehung steht. Ihre Breite ist hier zu 25 röm. Fufs angegeben, welches dem Längenmaafs eines Seitentheils an der Porta decumana gleich ist. Bei einer Lagerung von 5 Legionen wird ihre Normalbreite von den alten Schriftstellern auf ^o röm. Fufs bestimmt und angesetzt. Bei kleinern Lagern hatte sie auch unter 20 Fufs, und durfte bei kleinen befestigten Lagerposten ganz als Strafse wegfallen. Die Mauer als Intervallum, womit sie auch gleich benannt ward, trat dann an ihre Stelle. Manchmal erhielt sie auch 60 röm. Fufs zur Breite, gleich der via praetoria und via principalis." — „Es durfte nun der Hauptbau, (Tab. III. Verjüngung auf älo der natürlichen Gröfse) allernächst der Porta praetoria und an der via praetoria und principalis, in dem rechten obern Hörn (cornu dextrum superius) gelegen, zuerst eine nähere Betrachtung verdienen. Dieser durch seine stattliche, grofs- artige Form und Lage., sich besonders auszeichnende Bau, ward bisher ein Bad—das grofse Bad — das öffentliche Bad des Castrums und der Stadt Victoria, — eine Luxus-Anlage —■ benannt. Den Grund zu dieser Benennung, wonach man auch die Namen und die Bestimmung seiner Theile und Gemächer weiter anzuführen sich bemüht hat, nahm man jederzeit von der Substruktion des Bodens eines kleinen Gemaches, (Tab. IV.) dem zur Seite des Baues liegenden Kanal, und der Aehnlichkeit des Grundrifses überhaupt mit alten Gebäude - Anlagen, welche freilich allenthalben wo man sie findet, gerade zu, immer für Bäder, Wafserbehälter mit Wafsereinheitzungen erklärt werden, so, dafs man auf den Glauben kommen durfte, der römische Soldat habe hier ein munteres 6 42 Leben zum Vergnügen und mit grofser Bequemlichkeit geführt. Gerade im Ge- gentheil spricht sich hierüber der alte Meister Vegetius Lib. i. cap. 3. also aus: „Wir müfsen jetzt also erwägen, (sagt er) welcher Ersatz (Rekrut) vom Lande, oder aus der Stadt, brauchbarer sei. In dieser Hinsicht glaube ich, kann nie an der Vorzüglichkeit des gemeinen Landmanns gezweifelt werden, welcher unter freiem Himmel und in der Arbeit heran wächst, an die Sonne gewöhnt, des Schattens nicht achtet, nichts von den Badstuben weifs, den Vergnügungen nicht nachsinnt, und einfältigen Gemüths, mit wenigem zufrieden ist. Gehärtet sind seine Glieder zu aller Arbeit: ihm ist das Eisen zu handhaben, den Graben auszuwerfen, die Last zu tragen, Gewohnheit von der Heimath her." Hiernach darf es also keinem Zweifel unterliegen, dafs der Hauptbau des römischen Kastells nichts weniger als ein Bad sein kann, wie noch zur Zeit fälschlich angenommen worden ist. Insofern konnten nicht einmal Conjekturen, auf eine solche Art der Gebäude hinzielend, ein Gewicht erhalten, und es bleibt unbegreiflich wie selbst vorzügliche Gelehrte nicht gleich diese Ansicht verwarfen." — HofFmann widmete seine ganze Aufmerksamkeit vorzüglich diesem Gebäude, und es ward ziemlich vollständig wieder zu Tage gefördert. Ein Pfeiler von römischen Quadrätziegeln, mit dem Stempel der Coh, IV. Vind., erbaut, führte leicht und bald in die Tiefe des sobenannten Hypokaustums, Fab. IV. Dieses Gemach war bald vollständig ausgegraben; es fand sich nach HofFmanns Angabe „ein doppelter Fufsboden in demselben; der Obere ward von unten geheifzt, und um dieses bewerkstelligen zu können, ward in der Mauer eine halbzirkelförmige Oeffnung angebracht, vor welcher man noch die Feuerstätte und eine Menge Kohlen sah. Der untere Boden bestand aus reinem Kalk mit Kieselsteinen vermischt. Auf diesem Boden erhoben sich fünf und zwanzig Pfeiler (jeder aus fünfzehn auf einander liegenden Ziegeln gebilde't), welche sechzehn grofse Ziegelplatten trugen, so, dafs die Ecken von vier dieser Ziegel auf der Axe (Mittelpunkt) jedes Pfeilers zu stehen kamen. Auf diesen sechzehn 43 Platten ruhte nun der obere Boden, bestehend aus einer Mischung von Kalk und zerstückelten Ziegeln." Wenn man diese Darstellung von Hoffmann mit dem Auf- und Grundrifse Tab. III. IV. vergleicht, so wird man finden, dafs derselbe nur einen Theil des Gemaches entdeckte und es unrichtig für das Ganze nahm. Tab. III. und IV. geben eine so genaue und vollständige Ansicht von diesem wohlerhaltenen Hypocaustum, dafs es überflüfsig scheint, ausführlicher noch darüber zu sprechen. Von den in Italien entdeckten Hypokausten unterscheidet sich dieses durch den, wohl als Fehler des Baumeisters zu betrachtenden, horizontal — im niveau laufenden Boden; derselbe pflegte abschüfsig zu gehen, so, dafs wenn man durch die Heitzungsöffnung eine Kugel nach der entgegengesetzten Seite warf, diese sofort zurück rollte« Die schöne Frühlingszeit und Hoffmanns rastloser Eifer förderten die angestrengten Arbeiten, und im April war schon der gröfste Theil des ganzen Gebäudes aufgedeckt, und damit zugleich ein erstes Brouillon des Grundrifses fertig. Im Monat May erfolgte eine zweite Zeichnung, welche den ganzen Bezirk, dieses interessanten Restes aus dem Alterthum, und seine Abtheilungen darstellte; beide Zeichnungen jedoch ohne Maafse! Neben den Resten von Architektur wurden zugleich viele Inschriften, Anticaglien aller Art gesammelt, welche gegenwärtig den Stamm des fürstlichen Cabinets von Lokalalterthümern ausmachen. Hoffmanns Zeichnungen und das Merkwürdigste der Ausbeute wurde theilweise dem Stich und Druck übergeben. Sie erschienen hauptsächlich — aufser einigen vor- und nachfolgenden Zeitungsartikeln, im Jahr 1806 als Gegenstand einer besondern Abhandlung des verstorbenen Profefsors Matthiä in Frankfurt a. M. in dem Recueil des memoires et actes de la societe des sciences et arts du departement du Mont-Tonnerre, T. I. ä Mayence chez Th. Zabern. Gedachtes Gebäude wurde darin als das grofse öffentliche Bad (bain public) bezeichnet, und die erste und zweite Tafel der beigefügten Abbildungen waren dem Grundrifs des Ganzen mit seinen Abtbeilungen und einer Perspektive des sogenannten Hypokaustums, gewidmet. Aus dieser Abhandlung und den in 44 Neuwied hin und wieder mündlich mitgetheilten Notizen vom Befund der Sache und ihren Deutungen, ging beides in andere Schriften und Bücher über. Man beharrte fest auf diesen vorgefafsten Ideen; jedoch ohne gründliche weitere Untersuchung. Dr. Hundeshagen sah dieses Gebäude aus Gründen eigener Erfahrung, und der Sache nach, gleich als etwas Anderes, von obiger Bad- Hypothese gänzlich verschiedenes an. Es waren demselben schon mehrere Gebäude solcher Art, z. B. das bei Rückingen ohnweit Hanau, im Jahr 1809 Ausgegrabene, u. s. w., welche man mit Recht, vielleicht auch mit Unrecht, ganz oder zum Theil, Bäder benannte, nicht unbekannt. Es dürfte also hier bei der Ausgrabung in Neuwied doppelt nützlich sein, erst mit der Auseinandersetzung und Betrachtung der allgemeinen Verhältnifse die Erläuterung zu beginnen. Hundeshagen bemerkt darüber: „Der Hauptbau liegt gegen die Fronte des Kastells in der Prätentur, dem obern Theil des Lagers, in der rechten Seitenabtheilung desselben, (dextrum cornu superius). Er füllt den südwestlichen Winkel (T), welchen die via praetoria und via principalis bei ihrem Zusammentreffen machen; er grä'nzt mit seiner gröfsern Seite an erstere Hauptstrafse, mit seiner kleineren Seite an Letztere an. Diese Hauptecke steht von der Porta praetoria und der äufsern Seite der Kastellmauer 340' röm., und ebenso zg^ 1 röm. von der Porta principalis dextra ab. Die richtige Lage dieses Punktes ist für die Abtheilung im Innern und Aeufsern des Kastells, wie oben bei der via praetoria, den Portis principalibus, und der via principalis zu ersehen, von der gröfsten Wichtigkeit. Beide Maafse mufsten und konnten im Sommer 1823 von mir vermefsen und neu bestimmt werden. Hoffmann, der wie schon bemerkt, bald eine via principalis in der Retentur zur Stelle der via Quintana angegeben, später von dort wieder nach der Prätentur ge^ schoben hatte, machte sich über diesen Hauptpuukt ganz irrige Vorstellungen. Hiernach setzte er diese Hauptecke 19' rh. mehr nach Süden, und 10' rh, mehr nach Westen, als die£s wirklich der Fall ist, und sie von ihm aufgefunden werden konnte. Aus seinen Zeichnungen ist auch dieser Fehler in 45 die Abbildungen in dem Recueil etc. und bei Minola etc. übergegangen. Auch hat man immerfort bei den fernem Nachforschungen und Aufzeichnungen am Ort, nach Hoffmanns Tode, sich dieser verfehlten Bezeichnung mit allen übrigen Lokalitäten im Kastell bedient, und vermehrte dadurch immer mehr die Verwirrung in der wahren Lage des am Ort Aufgefundenen. Dieses hatte den eifrigen Entdecker schon viele Jahre vor seinem Tode, ohne Zweifel an der Herausgabe vollständigerer Entwürfe vom Kastell, und von manchem neu hinzugekommenen, wie z. B. seines Praetoriums (Mittelbau) gehindert. In den nachgelafsenen Papieren Hoffmanns findet sich notirt: 4 K. 3 0 3 1 (Vier Mefs- ketten, drei Ruthen, drei Fufs Neuwiedisch Maafs = 345 rh. Fufs und 563 röm. Fufs) für die „gerade Linie mit dem Bade" (soll heifsen: an unserm Gebäude Richtung der Südseite defselben nach Westen, an der westlichen Ringmauer, Abstand bis zu der Ecke derselben). Diese Mefsung, wobei schon in Betracht kommt, dafs die Ringmauer des Kastells keine scharfe und wirkliche Ecke, sondern die Abrundung hat, gab nun eine Ruthe und drei Fufs zu viel,- wahrscheinlich hatte er, als er an der Ringmauer mafs, sich die gedachte Richtung des Gebäudes abstecken lafsen, wobei aus Versehen (wie er deren selbst mehrere bemerkt) der eine Stab an die äufsere, der andere aber an die innere Ecke derselben Mauer gesteckt, und diese schräge Richtung verlängert wurde: wonach denn an der Ringmauer gerade dieses Maafs zutrifft; oder er hatte obige Linie aus irgend einem Grund, um soviel als die vorhandene Differenz beträgt, von der wirklichen Seite des Gebäudes parallel abgesteckt, und diesen Zusatz nach der Mefsung oder bei der weitern Anzeich- nung der Linie wieder abzuziehen vergefsen. Ebenso ging es ihm mit Zusetzen und nicht Abziehen, als er die Entfernung derselben Ecke von der Ringmauer nach Osten vermafs. Hierbei hatte er von der Porta praetoria herunter, eine Parallellinie mit dem Gebäude abgesteckt, und sowohl von der Porta principalis dextra bis zu dieser Linie, als auch von da, bis zur Porta principalis sinistra, als Suplement zur ganzen Breite des Kastells gemefsen, 46 aber nicht die 10 rheinische Fufs bemerkt, und von dem betreffenden Maafs abgezogen, welche seine Parallellinie von der Ecke des Gebäudes abgestanden hatte. Kein Wunder, dafs nachdem auf solche Annahmen hingearbeitet, und an diesem unberichtigten Punkt die Orientation aller übrigen Lokalitäten fort abgeführt wurde, die Sache bis ins Concept hinein verwirrt gehen mufste. Nach der nunmehr anders und festbestimmten Lage und Begränzung des Gebäudes nach dem Innern des Kastells, folgt einiges für das Wesen und die Bestimmung dieses Baues. In dem natürlich obern Theil des Kastells und nach der Fronte defselben hin gelegen, bringt er gleich die Worte Polyb's in Erinnerung, wo er bei der Sprache von Unterschieden der Römischen Lagerungsart von der Griechischen sagt: „Deshalb (wegen der natürlichen Befestigung) waren sie (die Griechen) auch genöthigt in der allgemeinen Stellung der Lager', die Figuren auf allerlei Art zu verändern, folgend der Lage des Orts; woher bisweilen dem Gezelt (Tentorium, casa, domus) der Einzelnen eine besondere Stelle, auch für sich zugetheilt wird." Hiernach könnte der Bau also Beziehung auf einzelne Personen und andere besondere Funktionen im Kastell haben. Im rechten Flügel befindlich und gegen die, dem Feinde zugekehrten Spitzen des Lagers sich kehrend, kann es hier als der gelegenste Ort zum Befehl und zur Aufsicht angesehen werden. So lagen nach Hygin, im Vor- treffen (praetentura) und defsen ersten Theil, zwischen der via principalis und der Fronte des Lagers, zuerst die Bänke, (Lagerfeider, Gezelte, in der umgekehrten Richtung ihrer Länge von Norden nach Süden) der Legaten und Tribunen. Auch war es nach Polyb: „die gerade Linie (Mittellinie der via prae- toria im Gegensatz der Querlinie, transversa, Mittellinie der via principalis) des Prätorii, bei welcher die Gezelte der Tribunen gebaut wurden. (Recta linea praetorii juxta quam domuntur tentoria tribunorum). Auch sagt Hygin weiter: dem pr'atorischen Priifecten müfse zum Lagerplatz der erste Ort an der via principalis gegeben werden. Ich glaubte mich berechtigt, in dem hier speciell vorliegenden Fall das Hauptgebäude, als die, in Eins verbundene Woh- 47 nungen des OberofFiciers und des Oberbeamten, (des praefecti praetorii vel militum und praefecti castri vel quaestorii) schon vorläufig ansehen zu dürfen. Ja ich glaube, dafs dieses Haus zugleich in manchem die Stelle des Prätoriums in dem Kastell vertrat. Die den übrigen Hauptgebäudeformen gleich beiliegendeHauptecke dieses Hauptbaues, und die Stelle bei Polyb: „Das Forum aber, das Prätorium und das Quästorium, stellen sie in die Mitte der heiderseitigen Heeresabtheilungen," spricht für das Eine wie für das Andere meiner Annahme. So waren nach Inhalt mehrerer Stellen in den römischen Rechtsbüchern auch Prätorien, d. h. prächtige und weitlauftige Häuser (domus) durch die Provinzen den Richtern und Vorgesetzten erbaut. Anderswo war ein höchstweites Prätorium zugleich zum Gebrauche der Rechtsgelehrten, in einem Theil der kleinen Stadt auferbaut. Festus sagt: Anfänglich waren Prätoren, was nun Consuln, und dieselben leiteten die Kriege. Ihr Gezelt (tabernaculum) wurde auch Prätorium genannt. Ebenso ging es mit den Quästoren überhaupt, an deren Stelle auch später andere besondere Beamten, Präfecti, Quaestores Provinciales kamen, und somit mag auch diesem Gebäude, für diesen Zweck manches Gemach nebst Wohnung mit überkommen sein. Auch heifst es bei den alten Schriftstellern: Das Gezelt ist jedem Soldaten im Lager das Haus und die Penaten. (Tentorium cuique militi in Castro est domus et penates.) Selbst das ganze Standlager (castrum hibernum et aestivum) nannten die Römer hiberna domus, aestiva domus, Winter- und Sommerhaus. In alter Zeit wurde selbst den Häusern oder den Palastgebäuden der Fürsten, der Name Castrum verliehen. Noch heut zu Tage giebt man solchen ausgezeichneten isolirten herrschaftlichen Häusern in und bei Dörfern in den rheinischen Gegenden den Namen Burghaus. Von der Grundform dieses Baues, defsen Situationsrifs auf Tab. IL; der Grundrifs und Weniges vom Aufrifs auf Tab. III., und ein Gemach desselben, das sogenannte Hypokaustum auf Tab, IV. ziemlich vollständig gegeben werden konnte, wäre folgendes zu bemerken. Dieselbe bildet ein Oblong und Rechtangel, defsen Seiten mit den Ringmauern des Kastells, oder den Rieh- 48 tungslinien der Hauptstrafsen parallel laufen. Hygin bemerkt zu den Grundformen der Lager, wenn sie länger wären als das Verhältnifs 2:3, so nenne man dieselben von der besten und vornehmsten Art (clafsica). Von dem jetzigen Vorstande des Fürstlichen Kabinets der Alterthümer zu Neuwied, dem Profefsor und Archivrath Herrn von Knopaeus, wurden zu der Bearbeitung dieses Gebäudes, zwei Blatt Grundrifse, als alles was sich dazu in Neuwied auffinden liefs, mitgetheilt. Auf diesen beiden Rifsen von Hoffmanns Hand, war jedoch nicht der Maafsstab der Verjüngung beigezeichnet; sie waren auch ohne beigeschriebene Maafse. In dem schon angeführten Recueil etc. stand auf einem besondern Blatt die Abbildung des befragten Grundrifses Tab. I. Plan d'un bain public Romain etc. mit dem verjüngten Maafsstabe zur Seite. Die dazu gehörige Beschreibung von Prof. Dr. Mathiä sagt hiebei p. 178.: „Sa longueur est de cent soixante-dix pied srhenans (53, 3 Metres), sa largeur de cinquante-sept (17, 9 metres); de maniere qu'il occupe une surface d'en- viron soixante-sept verges quarrees, qui repondraient ä 7, 46 ares." Allein der abgebildete Grundrifs mit seinem beigefügten Maafsstab gemefsen, giebt dem Gebäude die Länge von 176 Fufs, und die Breite von 62 Fufs rhein. Mithin 5 Fufs mehr in der Breite und 6 Fufs mehr in der Länge, als der Text. Angenommen, das im Text enthaltene Maafs von 57 Fufs rheinisch, wäre das richtige, der sogenannte Saal am südlichen Ende des Gebäudes auch wie derselbe Text besagt 45 rh. Fufs lang, und würde von der obigen Länge abgezogen, so bleiben für die Mauern 12 rh. Fufs. Jede dieser Mauern vom Gebäude hätte demnach 6 rh. Fufs an Stärke, also einen römischen Fufs mehr, als die Ringmauer des Kastells gehabt, was augenscheinlich unwahr ist.. In der Zeichnung mifst der Saal nicht 45 sondern 55 rh. Fufs, und jede der Mauern 3I Fufs, was verhältnifsmäfsig ist. Es scheint also dafs die Maafse in Matthia's Text von der Zeichnung abgenommen sind, und er sich im letzten Fall um 10 Fufs rh. auf dem Maafsstabe verstochen hat. Nach den Zeichnungen von Hoffmann, denen jedoch, wie oben bemerkt, Maafse und Maafsstabe i 49 fehlen, wäre das Verhältnifs anders, indem die Länge und Breite, wenn nach einer anderweitigen Angabe, wo von der Ecke des Gebäudes bis zur Mauer inclusive des Zimmers mit dem hufeisenförmigen Einhau (Tab. IL d.) eine Kettenlänge sein soll, Maafsstäbe hierzu gemacht werden, bei seinem gröfsern Grundrifs das Verhältnifs 64 zu I7 1 Fufs rh. und bei seinem kleinern Grundrifs 58| zu 171 Fufs geben würde, Demnach wären in diesem Haupt- und Grundverhältnifs sieben verschiedene Maafse und viererlei Verhältnifse, die Resultate mühsamer und zeitraubender Untersuchungen, gefunden; nämlich: a) Nach dem Text von Mathiä", 57 zu 170'. b) Nach defselben Abbildung, 62 zu 176'. c) Nach Hoffmanns gröfserer Zeichnung, 64 zu 171'. d) Nach defselben kleinerer Zeichnung, 58! zu 171'. Als das sicherste Resultat, war mit Annahme mehrerer, auf anderweitige Sätze gegründeter Modificationen jenes aus Mathiä's Zeichnung anzunehmen, und zwar aus folgenden Gründen: ad. a. Die in Mathiä's Text angegebenen Maafse scheinen, wie schon oben der Saal erwiesen, sämmtlich von dem Grundrifs abgestochen zu sein, und das nicht genau, sondern fehlerhaft. ad. b. Die von Mathiä gegebene Zeichnung, giebt wenigstens in ohigen Hauptmaafsen ein ziemlich reines geometrisches Verhältnifs; nämlich die 62 Fufs als Seite eines Quadrats angenommen, ist die Diogonale defselben, zweimal gegeben, nahe an 176 Fufs. Auch läfst sich bemerken, dafs bei diesem Entwurf gewifs alle Aufnahmen in Betracht gezogen waren. Als er verfertigt wurde, war die Sache noch frisch im Andenken, und das Original selbst von Hoffmann entworfen. ad. c. und. d. Da diese angeführten Grundrifse von Hoffmanns Hand keine Maafse und keine Maafsstäbe haben, folglich als Zeichnungs-Brouillons zu betrachten sind, so läfst es sich nicht mit Gewifsheit annehmen, dafs die oben bemerkte Länge, auch wirklich eine Kette ist. Es erhellet schon aus 7 So der beigeschriebenen Bemerkung: „zwei Ketten.trifft etwa die Mitte des Saals" auch trifft das am Rande stehende, schon oben bemerkte, Kettenmaafs, ^ K. 5° 5 1 «g era ^ e Linie niit dem Bad" nicht zu. Beide Annahmen differiren also nicht allein unter sich, sondern sie sind auch an sich ungenau. Die Abbildung im Recueil etc. behält also, in Rücksicht mehrerer anderer Gründe, welche hier alle anzuführen zu weitläuftig sein würde, die Oberhand. Nach solchen Angahen mufste auf solche Verhältnifse der Länge und Breite des Hauptbaues, die erste Bearbeitung dieses Grundrifses mit vieler Mühe unternommen und der Plan nach grofser Anstrengung in allen seinen Theilen consequent und congruent herausgearbeitet werden. Auf eine Bemerkung Hoffmanns bei den neuern der beiden erwähnten, von ihm gefertigten Grundrifse: „nach dem Maafsstabe des Brouillons vom 22. April," und der hiernach gemachten dringenden Anforderung, wurde im Sommer 1823 dieses dritte Brouillon zu Neuwied vorgefunden. Es hatte fast alle, obgleich auch einige sich selbst gänzlich widersprechende Maafse der Aufnahme vom Jahr 1791- Diese konnten nun einzeln aufgefafst, und mit den an Ort und Stelle noch vorhandenen Ueber- resten verglichen werden. Freilich war seit den 50 Jahren, wo das Gebäude bis an seine Fundamente der Erde, die es viele Jahrhunderte lang bedeckt hatte, entblöfst, von "Wind und Wetter, von zahlreichen Besuchern und Nachgrabenden zerstört, und das Ausgegrabene zerstreut w r orden. Deshalb wäre es seiner Zeit und für immer nützlich gewesen, bei der Ausgrabung und genauen Aufzeichnung des Vorgefundenen, zur befsern und durchgreifenden-Untersuchung auch der innersten und untersten Beschaffenheit solcher Anlagen, diese lieber selbst anzugreifen, als ohne weitern Gewinn an Resultaten der frühern oder spätem Zerstörung entgegen gehen zu lafsen. So blieben alle Unterscheidungen von Fundament-Sockel und Stock-Mauern liegen, und unbemerkt deren gegenseitige Verhältnifse, Verbindung u. s. w. und es ist jetzt höchstschwierig darüber noch zu sichern Resultaten zu gelangen. Nur mit gröfster Mühe konnte an Ort und Stelle, und ohne neue Ausgrabungen her- 5i beizuführen, die Revision des endlich erlangten Brouillons, und die neue genauere Bestimmung des Vorgefundenen geschehen. Mein früher ganz fertiger Grundrifs wurde zur Seite gelegt, und ich scheute die Mühe nicht, den vorliegenden zweiten Grundrifs, von Grund aus im Ganzen und durch alle seine Theile nochmals neu zu bearbeiten, um mich der Wahrheit noch mehr zu nähern. Bevor bei diesem Grundrifs, von den beiden Hauptdimensionen, der Breite und Länge nämlich, die Hede sein kann, ist es nöthig, diese den Formen gewöhnlich und willkührlich zugeschriebenen relativen Begriffe, hier nach der Regel anzusetzen. Zufolge der Grundsätze der alten Mefskünstler, welche für Agrimensur und Philosophie der Geometrie, (d. h. weise Nutzanwendung der letztern für Ort und Zeit) wie für Castrametation und Architektur in diesen Hinsichten auch dieselben waren, galt das gröfste Princip der Breite in der Statur, unsere noch jetzt so benannte geographische Breite, oder die Richtung (Rigor) von dem Nordpunkt nach dem Südpunkt, oder umgekehrt, für die Breite aller Dinge in Örtlicher Rücksieht, und die entgegengesetzte Richtung, oder von Ost nLh West, für die Länge einer Oertlichkeit. Hiernach ist auch in der Figur unseres Grundrifses die Dimension von Norden nach Süden die Breite, und die von Osten nach Westen, die Länge defselben. Dieses sonach in dem vorliegenden Fall umgekehrt erscheinende Verhältnifs, stellt ferner den besondern Charakter unsrer Grundform für die Castrametation, wie für die Agrimensur gleichbedeutend, nach dem technischen Ausdrucke, als Bank (Scamnum) dar. Hierdurch nämlich wird eine Fläche von quadratischer Grundform bezeichnet, welche mehr in die Breite als in die Länge mifst, durch die jenseitige Ausdehnung, welche deren Quadrat erhalten hat. Ein Alter sagt hierüber: „Die Maafse des Ganzen, defsen quadratische Form die alten Feld- mefser zur Hälfte länger oder breiter gemacht haben, und was in die Breite länger ward, das nannten sie Bank (Fähre), was in die Lange, Strich (Furche); vorher stellten sie dazu die gröfste Gränzscheide von Morgen gegen Abend (die Länge) und die gröfste Gränzscheide von Norden nach Süden (die Breite) I 52 auf, wie oben gesagt ist, und benannten von diesen, Striche und Bänke." Hygin sagt auch: „Alle Quadratur von solchem Maafse (von Gränzlinien in die Quere und Gerade) müfsen wir nach der Hälfte länger oder breiter machen, und dasjenige was wir in die Breite verlängern, eine Bank nennen; dasjenige in die Länge, eine Furche (Strich)." Unsere im Verhältnifs der Länge zur Breite, sehr schmale Lange, läfst sich auch füglich von Nord nach Süd, noch als zwei Oblonge ansehen, deren jedes etwa um die Hälfte des Quadrats länger ist. Es bildet demnach unsere Form eine Bank (Scamnum) und zwar eine zusammengesetzte, verdoppelte (Scamna). Auch ist sie gleichbedeutend, mit einem quadratischen Stück Feld, Land, welches, wenn ihm eine abgemefsene Zahl voii Fufsen in die Breite und Länge gegeben wird, unter dem technischen Ausdruck, Pedatur (Pedatura) vorkommt. Es bezeichnet den besondern Flächenraum in den Lagern allenthalben, und den welcher den Legaten und Tribunen zu ihren Gezeiten angewiesen ward, insbesondere. Von jeder dieser letztern Peda- turen ist ausdrücklich bemerkt, dafs sie Scamnum benannt werden. Diese Benennung konnten sie aber nur nacli der ganz besondern Richtnng der relativen Länge ihres Areals, mit welcher sie sich von Norden nach Süden erstreckten, erhalten haben. Der Grundrifs des Hauptbaues oder die Pedatur, in so weit dieselbe in Mauern eingeschlofsen ist, mifst 65 römische Fufs (59' 10" rheinisch) zu i83 römischen Fufs (174' 4 y/ rheinisch) ohne den Vorbau an der Nordseite. Halbirt man das längste der Maafse, so erhält man 63 zu gif Fufs, ein Verhältnifs der Pedatur, welches dem so benannten Scamnum der Legaten, Tribunen, und des prätorischen Präfektes der Alten sehr ähnlich ist, und das Verhältnifs von 2 zu 3 hat. Den erstem war ein Scamnum von 50 : 80 römischen Fufs, welches jedoch, wie Hygin sagt, nicht immer gerade diese Fufszahl blieb. -Der prätorische Präfekt, welcher den ersten Platz, (Ort) an der Via principalis erhielt, bekam eine Pedatur von 50 zu 70 rörn. Fufs. An einem andern Ort sagt derselbe Autor: Die sechs Pedaturen der Bänke der Legaten haben nicht die den Strigas gemeine Anzeigung der Maafsverhältnifse; in V P & d( B ai Bi P- ai ui j e se in v< ei D si UI di di VC wi kc 53 und ferner: dafs man der Striga 60 Fufs gebe, wenn vereinigt gelagert werde. Diefs wäre also hier, wo statt 50 Fufs deren 60 stehen, der Fall. Doppelte Pedatur womit sich unsere Figur zusammensetzt, erhielten schon die Waffengattungen des römischen Heeres, welche doppelte Rationen bezogen (armaturis jduplaribus qui binas consequantur anonas. Veget. II. 7). Auch heifst es anderswo: das Pratorium, die Pedatur der Comites, (wozu die Offiziere und Beamten unmittelbar neben und unter dem obersten Befehlshaber gehörten) auch das Quästorium, können verringert oder erweitert werden, jedoch mit Beibehaltung ihres Antheils an der Breite, (s. Graev. Thes. antiquitat. vol. X. p. 1024.) Endlich liegt unser Gebäude in derselben Richtung wie das Aehnliche am Wicheishof bei Bonn, (dort unter dem Namen Hypocaustum vorkommend) und hat auch dreimal die kleinste Dimension zur Länge. Also ist hier in jeder Hälfte: dimidio longior." ■— Soweit Hr. Dr. Hundeshagen, defsen Ansicht und genaue Auseinandersetzung der ausgegrabenen Gebäude ich. mitzutheilen für zweckmäfsig hielt, indem wohl in Deutschland keine Ausgrabung gemacht w r orden, die so vollständig die Grundformen eines römischen Kastells mit seinen Gebäuden ergeben hat, und zwar eines solchen mit sechs Thoren; wodurch also manches Dunkle in den alten Autoren über die zwei Quintanenthore aufgeklärt werden kann. — Ueber den Mittelbau, welchen Hoffmann als Pratorium bezeichnet, finden sich in Hoffmanns Papieren auch nur unvollständige und flüchtige Ausmefsungen und sich widersprechende Bemerkungen; es mufsten daher auch hier die Maalse durch Dr. Hundeshagen revidirt, ergänzt und berichtiget werden. Nachdem dieses geschehen, ist der Bau auf Tab. IL dargestellt. Zu wenig im Ganzen ist bis jetzt noch hiervon zu Tage gefördert, so wie von dem anstofsenden Gebäude links, welches als Quaestorium zu bezeichnen wäre, um etwas Genügendes und vollständig Erklärendes darüber sagen zu können. Was in Hoffmanns Papieren sich als Uebereinstimmendes darstellte, 54 und seine Gründe, warum er diesen Mittelbau als Praetorium zu demonstriren für pafsend fand, möge nun hier seinen Platz finden, vorzüglich auch schon deshalb, weil daraus zu ersehen sein wird, welche Alterthümer in gedachtem Gebäude gefunden sind. Hoffmanns fehlerhaft angegebene Maafse sind nach. Tab. IL und dem darauf sich befindenden Maafsstabe leicht zu berichtigen. Erklärend hat derselbe über den Mittelbau niedergeschrieben: „Der innere von einer starken Mauer eingeschlofsene Raum ist etwa 160' rh. breit und 141' tief. Man findet weder in der Vorder- noch in den beiden Seiten, Oeffnungen zu Thüren und Thoren, welche daher in der noch nicht untersuchten hintern Seite, nach der Porta decumana, liegen müfsen. Eben so wenig sieht man Quermauern zu Abtheilungen für Säle und Zimmer im Innern, woraus sich ergiebt, dafs dieser beinahe zehntausend Quadratfufs grofse Raum eine Menge Menschen fafsen konnte und wahrscheinlich zu Volksversammlungen bestimmt war. Mit jener innern Mauer läuft nun in einer Entfernung Von 14' bis 15' eine zweite äufsere an den untersuchten drei Seiten rund umher parallel, in welcher Thüröffhungen sind. Der Raum zwischen diesen parallelen Hauptmauern aber ist durch Quermauern in Gemächer abgetheilt. Die Beschaffenheit der vordem, nach der Porta praetoria liegenden Seite giebt meiner Muthmafsung, dafs dieses das Praetorium sei, ein noch gröfseres Gewicht. In der Mitte der Vorderseite ist ein 27' breiter und 17' tiefer eingehender Raum — bis auf die innere herumgehende Mauer — und hinter demselben springt über die äufsere Mauer der Vorderseite des Gebäudes ein ebenso breiter, mehr als halbkreisförmiger, Altan auf 20' weit in die obere Gasse (Principia) des Castri vor. Beide sind durch eine schwache Mauer, in deren Mitte eine etwa 8' breite Thüröffnung ist, von einander abgesondert. Ich habe nur die Tiefe, des von der innern Mauer eingeschlofsenen Raums angegeben, allein jene läuft noch etwa 34' weit nach der Porta decumana hin (und ohne Zweifel auch die äufsere mit ihr parallele) wo sich ein Abschnitt derselben befindet und ein Thor zu verirmthen ist; daher bleibt es wahrscheinlich, dafs das Gebäude $5 noch weiter fortgehe. Ich halte dafür, dafs die über dem Altan und daran stofsendem Gemach befindlichen Räume im obern Stocke offen waren und, dafs der Prator, oder andere obere Befehlshaber und selbst Kaiser, wenn sie nach Victoria kamen, von hier aus zu dem Volke herab sprachen. In dem Schutte des hintern Raumes, wurde unter andern der Fufs einer kleinen Statue von Silberblech (siehe Tab. XVIII. Fig. I,) und die Sandale eines andern von Erz gefunden, (Tab. XVI. Fig. i.). Rechts neben diesen beiden Gemächern Hegt ein ziemlich grofses Zimmer; darin fand man unter andern eine Statue von Sandstein mit einer Inschrift; (siehe Tab. VIII.) ferner einen eisernen Helm mit Bronzblech eingefafst, wobei eine länglich viereckige Silberplatte mit der Inschrift Coh. V. lag, (Tab. XVIII. Fig. 2.) und endlich, als man gar nichts mehr erwarten konnte, in dem letzten Winkel zwischen fettem Lehm, einen mit Gewalt zusammengedrückten runden silbernen Schild von einem signo militari. (Tab. XV.) Hierauf folgt weiter rechts ein langer Raum, hinten durch kurze Quermauern in verschiedene Abtheilungen gesondert, worin Altäre mit Götterbildern gestanden, welches die Menge von Trümmer derselben zeigte. (Darin fanden sich die Bruchstücke der Satyra Tab. XII. Fig. 5.) Hier befand sich denn auch der Eingang in den linken Flügel des Praetoriums aus den Principiis. Es folgt nun die rechte Eckstube der Vorderseite; in derselben stand die wichtige Inschrift, welche dem Genio Tabularii errichtet war. (Tab. XII. Fig. 3.) Neben diesem Zimmer liegt nun in dieser rechten, der Porta principalis dextra zugekehrten Seite ein kleineres Gemach, worin ich eine Menge zu Schränken, Kisten und Kasten gehörendes Eisenwerk, als Schlüfsel, Schlöfser, Ueberwürfe zu Vorhangeschlöfsern, —• am Rheine Klauster, Schlinke genannt, — Gewerbe zu gröfsern Thüren von Schränken, und viele feine Gewerbe (Charnier) zu kleinern Thüren, wohl zu Abtheilungen in jenen Schränken gehörend, gefundeu habe. An dieses Zimmer stöfst ein grofser Saal, wohl dem Mars geheiligt gewesen,, defsen Statue von Bronze darin aufgestellt gewesen 6ein mag, zu welcher der schön gearbeitete kolofsale Priapus wohl gehörte, 56 der daselbst, nebst einer Inschrift in Tuffstein (Tab. VII. Fig. 3) gefunden worden. Hier lagen Stücke von eisernen Harnischen, Panzerhemden, Waffen verschiedener Art umher. Alles dieses macht es mir nun wahrscheinlich, ja ich möchte sagen gewifs, dafs dieses entdeckte Prachtgebäude nichts anders als das Praetorium gewesen sein könne." — So endet Hoffmann seine Beschreibung. Aus dem Grundrifs dieses Gebäudes auf Tab. II» wird man, wie schon gesagt, nicht allein die verfehlten Maafse bei Hoffmann, sondern auch die übrigen mangelhaften Angaben vom Zuge der Mauern, der Thüröffnungen u. s. w. leicht zu berichtigen im Stande sein. Das Gebäude, welches links vom Mittelbau liegt, und als Quaestorium bezeichnet werden kann, hat ebenfalls in der Zeichnung seine genauen Maafse und Erklärungen; in Hoffmanns Papieren kommt nichts Näheres davon vor. Durch den Eifer, welchen Herr Justizrath Helfrich dieser Ausgrabung schenkt, ist nun auch ein wichtiger Gegenstand aufgeklärt und festgestellt; es war nämlich seither nicht zu ermitteln, wo das Kastell sein Trinkwafser hergeleitet habe. Nun findet sich eine kleine Viertelstunde von Victoria nach dem Gebirge zu (auf Tab. I. ist die Stelle mit „Quellen" bezeichnet) ein Wiesenthal, welches gegen 70 Fufs höher liegt und in dem mehrere Quellen entspringen; deutliche Spuren eines Dammes sieht man hier, welcher die Quellen umfafste und einschlofs, und von wo aus das Wafser in das Kastell geleitet werden konnte. Bei Nachgrabungen würde man daselbst wohl eine Pv.öhrenleitung entdecken. Nachdem ich so die bis jetzt ausgegrabenen Gebäude, an denen sich nach Hoffmanns und v. Knopäus Aufsagen keine Spur fand, woraus auf frühere Eroberung, Verwüstung und neuen Aufbau zu schliefsen wäre, so weit es mir- aus den wirklich vorhandenen Ueberjesten möglich schien, dargestellt habe, wende ich mich nun zu dem Baumaterial, das zur Aufführung derselben gebraucht worden, woraus noch mehr hervorgeht, dafs, wie Göthe sagt, diese Menschen 57 für die Ewigkeit arbeiteten, und dafs auf alles kalculirt war, nur nicht auf den Unsinn der Verwüster, dem alles weichen mufste. a. Steine. Nur Naturerzeugnifse der Rhein - und Lahngegenden sind zum Bauen verwendet; das einzelne wenige, was von körnigem Kalkstein, dem sogenannten salinischen Marmor aus Italien vorkommt, ausgenommen. — Am häufigsten findet man Schiefer- und Tuffsteine gebraucht; Letztere wohl aus den Steinbrüchen bei Burg Brohl und Pleidt (Linkes Rheinufer), welche den Römern schon bekannt waren, indem in frühern Jahren Altäre, dem Hercules Saxanus geweiht, wie auch zweckmäfsig geformte Steinhauersitze darin gefunden waren*). Die Dächer, wenigstens der Hauptgebäude, waren wohl mit Blei, hauptsächlich aber mit Schiefer gedeckt, weshalb sich verhaltnifsmafsig wenige Dachziegel fanden, dagegen aber grofse Klumpen geschmolzenes Blei und eine bedeutende Anzahl Schieferplatten 3 bis 4'" dick, quadratisch von 1' Flächeninhalt. In einigen derselben sieht man noch die Nägel, womit sie befestigt waren. Durch die Wuth des Feuers, welches verzehrend Victoria zerstörte, hatten sich mehrere dieser Schieferplatten gebläht und schienen auf dem Punkt flüfsig werden zu wollen; hieraus, so wie aus den im Mittelbau vorgefundenen verkohlten Balken, eine grofse Quantität verkohlten Getreides, welches sich in seiner Form sehr gut erhalten hatte, mehrentheils Weizen, untermischt mit Gerste, wird es zur Gewifsheit, dafs Victoria durch Feuer untergegangen. Ferner kommen noch grauer und rother Sandstein, Uebergangs - Kalkstein, Stücke farbigen Marmors von der Lahn und die poröse Lava von Niedermennich vor. Aus Letzterer fanden sich im Quaestorium neun Stück Säulchen, konisch bearbeitet8''hoch 8"dick; sie trugen den Fufsboden eines sehr kleinen Gemachs, welches ein Schwitzbad gewesen zu sein scheint und auf Tab. II. mit x bezeichnet ist. Aus grofsen Quarzgeschieben besteht das Gufsmauerwerk. *) Denkmale germanischer und römischer Zeit in den Rheinisch-Westphälischen Provinzen. Von Dorow. 1 Band, Seite 103. 104, 107, 8 58 Auffallend bleibt es, dafs sich keine architektonische Verzierungen in Stein ergaben, ausgenommen einige Säulenschafte aus Mennicherstein; so wie wenige architektonische Glieder aus dem schon oben erwähnten italischen Marmor. Vielleicht möchte es nicht unwahrscheinlich sein, dafs diese Gegenstände in frühern Zeiten aufgefunden und an Gebäude der Umgegend als Schmuck verwendet worden, wodurch denn jede Spur derselben verschwunden sein mag. Die Säulen in Romersdorf mögen als Beweis dieser Annahme dienen. b. Mörtel. Die Umfangsmauer des Kastells war auf beiden Seiten mit Quadersteinen bekleidet und in der Mitte mit Mörtel ausgegossen; hiervon wird ein mehrere Kubikfufs haltendes Stück aufbewahrt, worin sich viele Quarzgeschiebe von ein und mehr Zoll Kubikgehalt finden. Ziegelmörtel wurde von den gröbsten bis zu den feinsten Sorten gefunden. Nämlich: i. Mischungen von reinem Kalk und Ziegelstücken , die meist l" und mehr Kubikgehalt haben und dem Anscheine nach zu Mauerverstärkungen dienten? 2. Mörtel von kleinerm Ziegelkorn als Grundlage von Ziegelplatten; 3. sehr festgestampfter mit verhältnifsmäfsig wenigem Mörtel gebundener wirklicher Fufsboden; offenbar aus einem Wafs erb ehälter, auch befindet sich darauf eine starke Inkrustirung von Sinter. An einem solchen Stück Fufsboden sieht man noch den Viertelrundstab, welcher den Winkel des Bodens füllte, und 4. aus einem noch kleinkörnigerm Ziegelmörtel aufgetragen und gezogen war. Unter ■diesen Mörtelmafsen fanden sich — vorzüglich im Mittelbau — die bereits angeführten Reste architektonischer Glieder aus dem sogenannten salinischen Marmor» Die Vortre'fflichkeit und unverwüstbare Dauerhaftigkeit des römischen Mörtels bewährt sich auch hier; bei den Gufsmauern zerspringen eher die 59 Quarzgescliiebe, als der Mörtel!. Dafs die Römer allein nur gewaschenen Sand zur Bereitung des Mörtels nahmen, bewirkte wohl hauptsächlich diese vorzügliche Haltbarkeit. Hier schliefst sich am pafsendsten an: c. Die Freskomalerei. Dieselbe kam sehr mannigfaltig in vielen Bruchstücken und beinahe gleichförmiger Dicke vor; so auch Reste eines Wändeverputzes. Dieser Verputz scheint in folgender Art gefertigt zu sein; nämlich: auf der Wand, welche aus Stroh und Lehm gebildet war, befindet sich ein 3 bis 4"' starker Anwurf von Lehm, welchem eine starke Mafse Sandmörtel beigemischt ist; auf diese Lehmmafse ist ebenfalls 3 bis 4"' dick e ^ n reiner Sandmörtel aufgetragen. Nach Abgleichung dieses Sandmörtels wurde auf demselben ungefähr %Hl dick reiner Kalk mit dem Pinsel aufgesetzt und auf diesen nun die verschiedenen Farben gestrichen, theils in geraden Linien, theils in Blättern, und so eine Art von Freskomalerei hervorgebracht, welche auch hier ihre Dauerhaftigkeit in Farbe und Ausdruck zeigt. Bruchstücke davon wurden nicht allein an den Wänden des Mittelbaues gefunden, sondern auch an den Aufsenseiten der Mauern und Thürme. ■— Die Konstruction dieser in Victoria entdeckten Freskomalerei ist übrigens den Bruchstücken derjenigen völlig gleich, welche auf dem linken Rheinufer (s. Seite 25.) zu Tage gefördert sind. d. Backsteine. Die Sorgfalt, womit die Römer in unsern Gegenden bauten, und ihre Werke für eine Ewigkeit zu begründen schienen, geht vornehmlich auch aus dem trefflichen Brennen der Backsteine hervor, auf deren jedem Einzelnen beinahe immer der Stempel der Legion oder Kohorte, die den Bau aufgeführt, bemerkt ist. Wenn man römischen Mörtel und römische Backsteine mit unserm Baumaterial vergleicht, so möchte man auf das Resultat kommen, dafs sich jenes eben so durch Vortrefflichkeit, wie dieses durch Mittelmäfsigkeit auszeichnet! 6o Tab. V. zeigt die verschiedenen Formen und Stempelung der aufgefundenen gebrannten Steine. Fig. l. ist 21" im Quadrat, i|" dick, und diente als Deckplatte in dem Gemache Tab. IV. Theils waren derselben aufeinandergelegte, gebrannte, quadratische Ziegel (Fig. 4-) von 6£" Quadrat, als Pfeiler untergestellt, theils auch kleine Säulchen aus. Tuffstein von i' 81" Hohe Fig; 5. auf Tab. V. Dieselbe Tafel zeigt nun noch in Fig. 2. und 3. die aufser Figur 1. und 4- vorkommenden quadratischen Ziegel, Fig. 2. g^f; Fig. 3. 8". — Fig. 31 und 32 gehören in die Kathegorie zu Fig. 4« Die verschiedenartig geformten Wärmeleitungsröhren, (Rohrstücke, tubuli) theils mit runden, theils mit quadratischen und länglichen Löchern, sind mit Genauigkeit auf Tab. V. Fig. 6. 7. 8 und 9 dargestellt; Fig. 6. a. b. c. 74" Quadrat. 7. a. b. 62" desgleichen 8. a. b. 8l" hoch, 51U breit. Die meisten Ziegel sind von der vierten Kohorte der Vindelicier gestempelt. Im Jahr 15. v. Ch. G. als sich Augustus in Gallien und am Piheine befand, wurden die Rhätier und Vindelicier von Drusus und Tiberius unterjocht. Die waffenfähige Mannschaft ward aus dem Lande und zum Theil nach dem Rheine geführt. Die öffentlichen Arbeiten in den Niederlafsungen bei Neuwied verrichtete wohl vorzüglich die IV. Kohorte der Vindelicier, indem man mehrere tausend quadratische Ziegel mit ihrem Stempel vorfand. Aus den Buchstaben der Stempel erhellt deutlich, dafs diese Kohorte von Augusts Zeiten bis zu den späteren Kaisern zur Besatzung dieses Kastells gehörte. Die schönen wohlgeformten Buchstaben und die richtige Schreibung Tab. V. Fig. 23. 31. pafsen in Augusts Zeitalter,' darauf wurden die Formen immer schlechter, welches man aus den Stempeln ersehen kann in Fig. 4. 24. 25. 26 29. wo man zum Theil auch die Buchstaben versetzt und verkehrt findet. Bald erscheint das V als A, und D mit iE,' oder /ß ausgedrückt. a v V 'd u a li a s< d a n u ¥ Zi 1 Z 1 a L u Z \ 6i Zu den runden Stempeln Fig. 4« 2 8- 29. 30. scheinen mir ähnliche, -wie auf Tab. XXIII. Fig. 2. a. b. abgebildete Eisen gedient zu haben; durch das vorgefundene, so eben erwähnte, lafsen sich übereinstimmende Umfafsungs- yerzierungen hervorbringen. Es ist übrigens wohl allgemein angenommen und aufser Zweifel, dafs die Legion- und Kohortenzeichen mit Stampfen auf die Ziegelsteine aufgestampft und aufgedruckt worden. Diese Stampfen waren entweder mit erhabenen oder auch vertieften Buchstaben und Zahlzeichen, aber jedesmahl in die ursprüngliche ganz gleiche Oberfläche der Ziegelsteine hineingedruckt, so dafs von den ausgedruckten Stampfen nichts über diese Ziegeloberflächen vorstand. Wahrscheinlich ist es mir — ungeachtet des so eben erwähnten vorgefundenen Eisens — dafs diese Stempel wohl in der Regel von Holz gewesen sind. Von der achten Legion kommen fünf verschiedene Stampfen vor; Fig. 10. ohne Beinamen, Fig. 8- a-j 11. 12. mit dem Zunamen augusta, Fig. 13. mit augusta und noch einer Benennung. Nach den Buchstaben zu urtheilen, mufs diese Legion ebenfalls lange im Kastell gelagert haben, denn, obschon auch mittelmäfsig die Formen in Fig. 12., zeigen Fig. 1 o. und 11 . gewifs mehrere hundert Jahre Unterschied. Sechs verschiedene Stempel der zwei und zwanzigsten Legion. Fig. 15. 16. 17. 18» 21. 27. wovon die Buchstaben in Fig. 17. 21. noch der guten Zeit, die Andern aber einer viel spätem angehören möchten. Fig. 15. 16. 17. i8- 2 7- ohne Beinamen, Fig. 21. mit PRIM.igenia. Hoffmann glaubte, dafs der Stempel Fig. 14. der 22 sten Legion auch angehöre und löfst folgendergestalt die verzogenen schlechten Buchstaben auf: LEG.PFCCQVARTAE, liefst: Legionis piae Jfidelis centuria cohortis quartae, und bemerkt: „|£ ist aus drei Buchstaben TAE zusammengesetzt; man dürfe nur dieses Zeichen auf die Seite drehen, so habe man ^, TAE darunter. Auf diese Weise werde alles deutlich, und die Centuria der IV. Cohorte von der Legio Pia Fidelis (XXII.) hat den Stempel gemacht, woraus sich also ergebe, dafs diese hier gelegen und gearbeitet habe." Fig. 22. zeigt noch einen Stempel, wo abermals das Zahlzeichen der Legion fehlt und nach LEg. sofort die Beinamen kommen; hier also, ist die vorherige Erklärung richtig, Pia Fidelis Centuria Cohortis RP. Ob in Fig. 19. vielleicht Legio Minervia, die Erste, oder Legio Macedonia, die fünfte Legion zu lesen sein könne, lafse ich dahin gestellt sein. Aufser diesen vorerwähnten Backsteinen fanden sich ferner noch Hohlziegel i l 1" lang, pyramidalisch, oben 6" 6'" breit, unten 5" 3 /y/ breit, 3" 3'" tief, 1" oben und 9'" unten dick, deren Oberflächen feingereift sind, wie auf Tab. V. Fig. 6 a., 9 a. zu sehen ist. Dachziegel, auch Grabziegel 1' 4" l an g> n'' 9'" breit; der vorstehende Rand zu beiden langen Seiten ist 2" 3'" hoch; i'1 ist der Ziegel dick. Bei dem Aufschnitt oben an dem Ziegel, wo sich der Zweite auflegt, ist er dagegen nur 9/" dick. Diese Ziegel scheinen ein rundes Dach bedeckt zu haben, weil sie rund gebogen sind. In Form ganz gleiche Ziegel fanden sich auch von i' 8" Länge. Wasserleitungsröhren aus Thon, vortrefflich gebrannt, 1' 9" 6 111 Länge, wovon 9'" in die nächstfolgende Röhre einreichen. Die grofse Mündung ist theils rund, theils oval, 4" 5'" im gröfsten, 3" 6"' im kleinsten Durchmefser; die kleinere Mündung erscheint stets rund; die Mafse ist 6'" dick. An der kleinern Mündung ist ein schlangenförmiger Einschnitt, der um die ganze Röhre geht. Diese Wafserleitungsröhren sind theils schwarz, theils hochroth gebrannt. d J> v t< n ai Vi d ai h ai di ui V ei di di ai a. Ich wende mich nun zu den einzelnen Alterthumlschä'tzen, welche im Bezirk des Kastells gefunden worden, an denen man am deutlichsten den Grad th 63 des Wohlstandes und des Blühens dieser wahrscheinlich nicht unansehnlichen Niederlafsung erkennen wird, welche nur im Laufe von Jahrhunderten, bei vollkommner Ruhe und Sicherheit entstehen konnte. Wollte man vielleicht tadeln, dafs auf den mitgetheiken Tafeln, Abbildungen vorkommen, welche man hin und wieder schon in andern Werken findet, so fühle ich mich ver- anlafst, diesem Vorwurf zu begegnen. Ich glaube nämlich, dafs wir in unserer vaterländischen Alterthumskunde allein dadurch Licht bekommen können, wenn die Sammelwuth, welche aus allen Gegenden des In- und Auslandes, — ohne auf die Fundorte zu merken,—Alterthumsgegenstände auf einanderzuhiiufen bemüht ist, nachlafst, und man für Lokalsammlungen Sorge trägt, solche auch durch Abbildung und Beschreibung bekannt macht, ohne gerade Wiederholung zu fürchten. Wenn auf diese Weise recht viel Material — grofses und kleines—zusammengetragen ist, dann möchte es erst Zeit sein, durch Vergleichung Alles Vorhandenen, durch Combination, Schlüfse und Folgerungen, ein allgemeines System aufzuführen. Dafs unser Kastell im 3ten Jahrhundert noch, blühend war, und die dafselbe bewohnenden Krieger ihren Göttern noch Standbilder setzten, beweisen die Inschriften, welche eben dadurch, dafs sie das Jahr ihrer Aufrichtung mit anzeigen, hohe Wichtigkeit erhalten. Ich beginne mit dem, A. Was sich aus Metall vorgefunden, und hierunter mit den Münzen, als vorzüglich wichtig und folgerungsreich. a. Römische Münzen, welche seit dem Jahre 1791 in Victoria selbst und defsen nächster Umgegend gefunden sind, und in der fürstlichen Sammlung zu Neuwied aufbewahrt werden. Das Münzverzeichnifs, welches von dem jetzigen Oberaufseher der Alter- thümer, Archivrath von Knopäus entworfen, und von mir nochmals genau I 64 durchgegangen worden, enthält nur die römischen Münzen, welche in Victoria und defsen nächster Umgegend ausgegraben sind, und deren Konservation eine zuverlafsige Bestimmung der Kaiser möglich macht. Die Silbermünzen sind im Ganzen befser erhalten als die in Erz, welche meistens abgerieben und gebraucht sind; eine grofse Mafse des letztern Metalls befindet sich in der Sammlung, aber ist nicht mehr zu entziffern. In Gold ist nur ein Vespasian, mit dem schätzbaren Revers cos. III. fort. red. weibliche stehende Figur, gefunden worden. In Silber ist die Anzahl am bedeutendsten, sie betragt 322 Stück, darunter die meisten von Septimius Severus, Caracalla, Eliogabalus und Alexander Severus; sie sind im Ganzen wohl erhalten und zählen manchen seltenen Revers und einige seltene Köpfe, als: Julia Paula, Julia Aquilia Severa, Orbiana. Aus den Familien Calidia, Licinia und Nävia sind Münzen zu Tage gefördert, unter denen die der Familie Licinia zu den seltenen gehört. Die Kaiser Reihe fängt bei den Münzen in Silber mit Augustus an und schliefst mit Postumus. In Erz ist die Anzahl der Münzen verhältnifsmäfsig gering und die Conservation mittelmä'fsig. In Grofs Erz wurden 35, in Mittel Erz io4> und in Klein Erz 123 Münzen gefunden. Erstere gehen von Nero bis zur Paulina, unter denen die der Paulina mit Consecratio ein Pfau die Kaiserin zu den Sternen tragend, — von ausgezeichneter Schönheit und Erhaltung ist; in Mittel Erz von Augustus bis Constantin dem Grofsen, darunter ein Pertinax mit dem seltenen Revers: opi. divin. tr. p. cos. 11. sitzende Frau; und endlich in Klein Erz von Gallien bis Valentinian, darunter eine Restitutionsmünze von Titus, unter Gallien geprägt. — Interefsant erscheint diese Sammlung durch die Folgerung der Dauer des Lebens und Aufenthalts der Römer in dieser Gegend und hat dadurch einen eignen Werth und wichtigen Vorzug, dafs die Münzen alle zuverlässig acht s S a i b 3 B E IN d K C Vi d A g' d n e tJ d e 65 sind, auf der bezeichneten Stelle gefunden und also eine gewifsenhafte Lokal- Sammlung für die untergegangene Römerstadt bei Neuwied bilden, indem allein das an Ort und Stelle seihst Gefundene, darin aufgenommen wird. Herr Jusitzrath Helfrich hat um diese Münzsammlung anzuerkennendes Verdienst; seiner sorgsamen Aufmerksamkeit verdankt man viele und schätzbare Münzen. DieFolge der Kaiser geht demnach von August bis Valentinian, also bis 375 Jahr nach Christi Gehurt heinahe ununterbrochen fort, wodurch Hoffmann's Hypothese mit Gallienus und der Zerstörung des Kastells, unhaltbar wird. Es fehlen Münzen von Galba, Otho, Vitellius, Didius Julianus, Pescennius Niger, Gordianus Afrikanus, Pupienus u. s. w. Auffallend bleibt es aber, dafs von den in den Rheingegenden so häufig vorkommenden Münzen der Kaiser Victorinus, Probus, Diocletian, Constantius Chlorus und der jungem Constantine, in Victoria sich keine gefunden haben, und dann wieder Münzen von Valentinian zum Vorschein kommen. Die Reihenfolge der Kaiserinnen ist bedeutend unvollständiger. Uebrigens wiegt die Mafse aufgefundener, aber nicht mehr zu entziffernder Münzen in Erz mehrere Pfunde; bis auf einige Trajane, Hadriane und Antonine scheinen sie der spätem Zeit • — dem vierten Jahrhundert — anzugehören. Das specielle Münzverzeichnifs lafse ich am Schlufse dieses Werkes abdrucken; hier folge nur vorläufig eine Zusammenstellung, welche zur allgemeinen Uebersicht dienlich sein möchte. Man kann aus derselben leichter erkennen, theils welche Münzen in dieser Gegend den meisten Curs gehabt, theils wie nach und nach das schlechtere Geld immer häufiger sich verbreitet, die alten guten Münzen hingegen sich nach und nach verloren haben, oder eingeschmolzen wurden, um schlechteres Geld daraus zu prägen. • 9' Allgemeine Ueb ersieht c er gefundenen Münzen. N im H* fjj M 14 u g "o O c/5 J2 o Ü W J-i w 5 "o O tri' M cJ2 o M o 2 a. Familien - Münzen. Transport 1 115 34 99 - Calidia...... ^ i - - - Macrinus..... 1 m — . Licinia...... - i - - - Elagabalus .... 38 _ Im Naevia...... - i - - — Juli» Paula . . . _ 2 . m — ~ ß. Kaiser-Münzen Aquilia Severa . . - 1 - - - Augustus . . . . . - 2 - 9 - Julia Soaemias . . - 4 - - - Agrippa...... - - - 1 - Julia Maesa . . . - 13 - - - Tiberius..... - 1 - 2 - Alexander Severus . - 67 - 1 - Germanicus .... _ - - 1 - Barbia Orbiana . . - 1 - - - Caligula ..... - - - 1 - Julia Mamaea . , - 12 - - - Claudius..... — - - 2 - Maximinus . . . - 8 - - Nero......, - - 1 3 - Paulina . . . . ■ - - 1 - - Vespasfanus .... 1 1 - 8 Balbinus .... - 1 - - - Titus..... - - - 1 - Gordianus III, - 16 - - - Domitianus . . . , - 1 - 3 - Philippus senior - 10 - - - Nerva..... - 3 - - - Ütacilia . . . - 1 - - - Trajanus .... - 1 2 9 Philippus junior - 2 - 1 - Hadrianus .... - 1 7 14 ■ Trajanus Decius - 2 - - - Sabina , . . , . - - - 2 - Herennia Etruscilla - 1 - - - Aelius..... - - 1 - — Herennius Etruscus - 1 - - - Antoninus pius . . - 7 6 14 • Trebonianus Gallus - 4 - - - Faustina senior . . - 2 2 2 — Volusianus . . . - 3 - - ; j+ Marcus Aurelius - 5 6 9 - Aemilianus . . - 2 - - - Faustina junior . - - 5 7 - Valerianus . . - 6 - - - Lucius Verus . . - 1 - 2 - Gallienus . , . _ 6 - 1 12 Lucilla..... - 1 \ 1 - Salonina . . . - 2 - - - Comrnodus . . . - 7 3 4 - Posthumus . • - 3 - - 1 Crispina .... - 1 - - - Claudius Gothicus - - - - 4 Pertinax .... - - - 1 - Tetricus pater , - - - .0 Septimius Severus . - 43 - 1 - Tetricus filius - - - - 1 Julia Domna . . . - 9 - 2 - Maximianus . . - - - 1 - Caracalla .... - 19 - - - Constantinus Magnus - - - 1 95 Plautilla .... - 2 - - - Flav. jul. val. Constantius - - - - 2 1 G eta..... - 5 - - Valentinianus senior . f - - - - 3 Latus | 1 115 | 34 | 99 | - Summa | 1 J |322| 35 | 1041123 6 7 b. Gegenstände aus Gold und Silber. Wenn auch nicht in grofser Anzahl, so sind die aus edlem Metall geformten Gegenstande ihrer Darstellung wegen von grofsem Interefse. Vorzüglich erscheint als, meines Wifsens in Deutschland noch nicht vorgefunden, der auf Tab. XV. in natürlicher Gröfse abgebildete Schild von einem römischen Feldzeichen; wahrscheinlich von einem signo cohortium, indem eine länglich viereckige Silberplatte mit der Inschrift COH.V, siehe Tab. XVIII. Fig. 2. dabei gefunden wurde und also wohl auch dazu gehört haben wird. Nach Münzen zu urtheilen, scheint es der jugendliche Caracalla zu sein, welcher in kaiserlichem Kriegskleide, das Parazonium in der Rechten, den Spiels in der Linken, den als bärtigen Greis personificirten Rhein mit Füfsen tritt. Die Unterwerfung sowohl von Gallien, als auch von Germanien, welchen Ländern der Rhein angehörte, soll diese Darstellung wohl andeuten; germanische und gallische Waffen liegen zu Seiten des Alten, hinter dem sich — um ihn als Strom zu bezeichnen — Wafserfluthen ergiefsen. Das Werk, welches in seinem jetzigen Zustande 8^- Loth wiegt, ist aus sechzelmlöthigem, also dem feinsten Silberblech getrieben, und ursprünglich sehr stark vergoldet gewesen, wovon noch viele Spuren, besonders auf dem reich verzierten Rande zu sehen sind. Die Arbeit mufs im Ganzen sehr gelobt werden, denn es liegt bei aller Rohheit, fester Charakter und Bestimmtheit darin; die Figur des Kaisers und die Verkürzung des niedergeworfenen Alten sind gut. Dabei ist das Werk, wie Tab. XV. Fig. b. zeigt, von ausgezeichnet hoch getriebener Arbeit bei jfH Dicke des Silberblechs. Fig. c. lag beim Schilde, und die Spuren einer ehemaligen Bronzbefestigung auf der Rückseite des Fahnenschildes zeigen, dafs dieses in natürlicher Gröfse dargestellte 41 Loth schwere Gebilde aus geschlagener Bronze zum Durchlafsen des Schaftes diente. Beachtungswerth erscheint die neben dem rechten Fufse des Kaisers punktirte Oeffnung, worin ein eiserner Pfeil — auf Tab. XXII. Fig. 9. abgebildet — 68 stellte, und Kunde giebt, dafs dieses Feldzeichen fleifsig im Gebrauche gewesen sein mag. Meine frühere Ansicht, welche ich an Hoffmann mittheilte, als sei Kaiser Gordianus III. hier dargestellt, könnte vielleicht deshalb mehr ansprechen, indem Caracallas Standbilder und sogar sein Name auf Inschriften nach seinem Tode überall vernichtet wurden. Die oben erwähnte Silberplatte mit COH.V. Tab. XVIII. Fig. z. abgebildet (ßl" lang z\" hoch) hat gleich feines Silber wie der Fahnenschild und ist zur Verstärkung auf eine Bronzplatte aufgelegt; der kleine Niethnagel bei a diente nicht allein um das Silber und Kupferblech zusammenzuhalten, sondern um noch einen andern Theil des Feldzeichens daran zu befestigen. Das Silberblech ist §W dick und mag 3 Loth wiegen, mit der Bronze wiegt das Ganze 8? Loth. Tab. XIV. Fig. a. zeigt in natürlicher Gröfse eine \M dicke Silberplatte, welche wohl als Verzierung gedient hat, vielleicht auf der Thüre eines Schränkchens; aus Fig. b. ersieht man die Hohe der getriebenen Arbeit. Das Silber ist von mittelmäfsiger Feinheit. In den Verzierungen, besonders den architektonischen, finden wir schon ein spätes, geschmackloses Zeitalter, welches sich von der edlen, einfachen Kunst weit entfernt hatte; in der gut und proportionirt gebildeten Figur des Merkur spricht sie uns zwar noch an, doch Mars und Fortuna in dem obern Felde, erscheinen dagegen sehr barbarisch. Bei diesem Tadel gewährt uns das Ganze doch einen harmonischen Eindruck und zeigt, dafs Geist und grofse Leichtigkeit, Wahrheit und Bestimmtheit im Ausdruck und Charakter, selbst den. schlechten Kunstproducten der Alten eigen sind. Auf Tab. XVIII. Fig. 1. a. b. ist in natürlicher Gröfse ein Fufs aus rM dickem Silberblech, gut und geschmackvoll gearbeitet, dargestellt. Ob in diesem Fufse, wie auch in dem sehr schön gearbeiteten 25* Loth schweren Fufs von Bronze, Tab. XVI. Fig. 1. a. b. c. d., Theile von Statuen zu finden sind, kann wohl nicht mit Gewifsheit angenommen werden; es können auch Gelübde gewesen sein. Augen, Finger, Füfse und Beine wurden dem Aesculap, Füfse jedoch 6 9 auch dem Merkur dargebracht. St. Athanasius sagt, solche geheiligte Theile des menschlichen Körpers wurden wie die einzelnen Götter verehrt. Das Opfern einzelner Theile des menschlichen Körpers — besonders bei Krankheiten — an Heilige der christlichen Kirche hat sich noch bis zum heutigen Tage erhalten. Vielleicht mag dieser Fufs aus Silberblech, mit der oben vorherbeschrie- beiien Silberplatte in seiner Bedeutung, in Beziehung zu bringen sein. Die Bestimmung des Zwecks der auf Tab. XVIII. Fig. 22. in natürlicher Gröfse abgebildeten Figur vermag ich nicht zu ermitteln. Dieses Instrument wiegt i|£ Loth und ist aus sehr geringhaltigem Silber. Der bei a. durchgehende Nagel mag am wahrscheinlichsten einen Riemen festgehalten haben; die eine der Seiten, welche diese Niethe verbindet, hat noch ihre ehemalige Elasticität. Auf Tab. XIX. sind einige Ringe in natürlicher Gröfse dargestellt. Als: Fig. 7. a. b. eine recht gut gearbeitete, mehrfach verschlungene Schlange, die sich in den Schwanz beifst- auch wohl hier schon das Sinnbild der Ewigkeit. In den sehr tief eingearbeiteten Augen haben wohl ursprünglich kleine Steine gesefsen; oder sollten auch hier, wie es bei Figuren aus Bronze der Fall ist^ die Augen von Silber gewesen sein? Der Ring wiegt ts Loth, ist mafsiv und von dem feinsten Golde. Fig. 8« a. b. stark vergoldeter Ring aus Gufseisen; das Gold scheint auf, jetzt freilich ganz durchfrefsene, Emaille gelegt gewesen zu sein. Der Ring ist sehr mafsiv, in keinem Verhältnifs zu dem Finger worauf er gezogen werden konnte und wiegt if Loth. Einem glatten, mattblauen Glasflufse dient er zur Einfafsung. Fig. 12. a. b. Der Ring ist von Bronze mit eingelegten Streifen aus Gold, die den ganzen R.eif verzieren; so sieht man auch ein aus Gold eingelegtes förmliches Wappenschild mit gebrochenem Querbalken, welcher den Schild in drei Felder theilt; in dem untersten derselben befindet sich ein sechseckiger Stern. Der Balken bildet übrigens mit der obern Seite ein dem K ähnliches Zeichen, welches auch als Verzierung 7 o auf terra sigillata Scherben (S. Tab. XXVI. Fig. 1i.) vorkommt. Der Ring wiegt f Loth. Fig. 13. a, b. Ring aus Bronze mit Spuren ehemaliger Vergoldung. Die darauf erhaben angebrachte Paste stellt den auf seinen Bogen sich stützenden, geflügelten Amor dar; leider ist die Paste beschädigt. Der Ring wiegt if Loth. Ferner fand sich noch ein in das feinste Gold gefafstes ovales Medaillon von einer schwarzbraunen, sehr leichten, kohlenähnlichen Mafse, auf welcher das Bildwerk absichtlich ausgekratzt ist. Es hat einen verzierten 2'^ breiten goldenen Rand mit goldenem Oehr, zum Durchlafsen einer Kette oder einer Schnur. Behutsam liefs ich die Mafse herausnehmen, welche -f Loth 9 As wiegt und fand, dafs sie auf der Rückseite eine Politur hatte, ähnlich unserm gebrannten Leder; sie war durch einen sehr harten Steinkitt auf das Goldblech befestiget. Gold und Kitt, die ohne das Ganze zu zerstören, nicht zu trennen waren, wogen 1 Loth. Da sich das Medaillon, welches 1" 7'" lang, 1" 4'" breit ist, durch keine besondere Form auszeichnet, so ist es zu Sparung des Raumes nicht gezeichnet worden. Da die vorgefundenen alten Pasten deutliche Spuren an sich tragen, dafs sie früher in Ringe gefafst waren, so will ich dieselben als wirklich dazu gehörend betrachten und ihrer hier Erwähnung thun. Zehn Stück wurden gefunden, und zwar sechs von schwarzer Farbe, mit mattblauer Oberfläche von 5"' bis 7 111 Durchmefser, wenig oval und darstellend: ein Seepferd; Steinbock mit Fisclischwanz; Minerven-Kopf; stehende weibliche Figur mit Füllhorn und Opferschaale; ferner zwei in gleicher Form gegofsene,- durch die Zeit sehr angegriffene Pasten: ein auf einem Delphin sitzender geflügelter Amor ist jedoch in der Darstellung nicht zu verkennen; der Delphin scheint gezäumt. Drei Pasten von weifser Farbe mit mattblauer Oberfläche: Fortuna mit Füllhorn und Steuerruder; ein Scorpion und ein auf einem Ast sitzender Vogel. Endlich fand sich ein sehr schöner Glasflus, dem Sardonix in Farbe ähnlich, mit bläulicher Oberfläche auf derselben eine geflügelte Victoria mit emporhaltendem Kranze dargestellt. Die Arbeit ist sehr schlecht in diesen Pasten und steht I^BH^H 7 1 weit denjenigen Pasten und geschnittenen Steinen nach, welche bei Bonn, Cöln und besonders bei Xanten gefunden sind. c. Gegenstände aus Bronze. Die Ausbeute an Gegenstanden aus Bronze ist interefsant und mannigfach; leider sind aber die meisten Werke zertrümmert und es erscheint allerdings auch hier, dafs ein sehr erbitterter Feind das Kastell erobert und zerstört habe. Als Hauptstück der ganzen im Kastell ausgegrabenen Sammlung erscheint wohl der in -§ natürlicher Gröfse auf Tab. VI. abgebildete Genius, auf einem Postamente stehend, defsen drei Seiten mit Inschriften geziert sind. Die Höhe des Ganzen beträgt i' 7" 2'" rheinisch, sein Gewicht 8 Pfund 15 Loth. Merkwürdig durch die eigene Bildung der Mauerkrone von einem Lager, wohin die vier Thore deuten. Tab. XL Fig. 1. zeigt den Genius von der Rückseite; ebendaselbst Fig. 1. a. b. die Gonstruction der Mauerkrone, so wie Tab. VII. Fig. 1. 2. die beiden andern Seitenflächen des Postaments mit den Inschriften, in natürlicher Gröfse. Heyne bemerkte von der Inschrift: „Das Merkwürdigste ist die Inschrift, die das Jahr 2.^6 nach Christi G. angiebt. Also unter Kaiser Philippus war es ein blühender Ort. Die Schrift lese ich: In honorem Deorum Bauoli et Vexillari (Bajuli et Vexillarif) Collegio Victoriensium signiferorum Genium de suo Fecerunt Villi. Kai. Octobris Praesente et Albino cos. h. XIII. D. S. R. (de suo reposuerunt oder repararunt)." „Bruttius Praesens und Albinus waren Consuln V.C.999. oder 246 J. n. Ch. G. unter Kaiser Philippus. Aufser dem Aquila der Legion hatte jede Cohors ihr Vexillum und ihren Vexillifer oder signifer." „Da dem Limes entlang mehrere Cohortes vertheilt standen, so mufs unter den signiferis ein Collegium errichtet worden sein, d. i. irgend ein Verein." „Den Signiferis oder den tribunis, bei denen die vexilla in der Nähe waren, sind apparitores zum Tragen und andern Diensten zugegeben gewesen. Das sind hier die bajuli und vexilarii, die in diesem Sitne noch auf keinem I 7 3 Steine mir vorgekommen sind. Noch mehr neu sind die victorienses signiferi. Diese sind sehr merkwürdig und mi'tfsen künftig erst ihre Bestimmung'erhalten, ob es eine blofse Benennung war, die die signiferi angenommen hatten, oder waren es castra victoriensia. Eine Legio victorienses kennt man nicht. H. XIIII. ist mir ganz fremd; ich denke homines XIV. denn so viele Namen stehen vorn." Heyne's Ansicht und Erklärung ist zu wichtig, als dafs ich sie hier nicht hätte mittheilen sollen, wenn sie auch nicht so erschöpfend und richtig sein möchte, als die, welche jetzt mein verehrter Freund Grotefend in Hannover mir zugesendet hat, mit Bezug auf Hoffmanns Erklärung im rheinischen Archiv von i8i3- S. i47« ff«» un d welche so lange als feststehend angenommen werden mag, bis genügende Gründe eine andere Lesung und Erklärung herbeiführen. Grotefend schreibt: „Hoffmann hat früher die Bajoli durch „zu den Gesandschaftsposten Gehörende" übersetzt, später aber geglaubt, sie genauer und schärfer durch „zu der Adjutantur Gehörende," bezeichnen zu müfsen, weil sie Krieger waren, und diese hauptsächlich zu Versendungen von den Feldherrn und den obern Befehlshabern gebraucht seien. In der Allg. Ency- clopädie ist bei Bajoli oder Bajolenser auf Katharer verwiesen worden: diese gehen uns also hier nichts an; bei Bajulus aber ist auf Bailei verwiesen, wofür man aber Balley nachsehen mufs. Hier wird Baillif, der Verwalter einer Balley von Bajulus abgeleitet, welches ursprünglich einen Träger, Lastträger, bedeutet habe, im Mittelalter aber für Geschäftsträger gebraucht sei, wobei auf Dufresne unter Bajulus 4> verwiesen wird. Festus sagt: Bajulos dicebant antiqui, quos nunc dicimus operarios, und bei Cicero Paradox. 3, 2. werden Bajuli und operarii den hominibus doctissimis entgegengestellt. Gellius aber sagt V, 3, Quod genus Graeci aX&° qv%w<; vocant, latine bajulos appellamus; und dieser hat Becht, sofern Bajulus mit ßcLO-rax.rfa von einer Wurzel stammt. Ob aber die Bajoli in Verbindung mit vexillarii Packknechte seien, läfst sich schon darum bezweifeln, weil sie vor den vexillariis genannt werden. Allein auch Krieger sind es nicht, überhaupt nichts von dem, was Hoffmann ver- 75 muthet, weil auch die vexillarii hier keine Veteranen sind. Ich lese und erklare die Inschrift, wie folget: In honorem divinae domus Bajoli et Vexillarii Collegio Victoriensium signiferorum Genium de suo fecerunt Villi. Kai. Octobr. Praesente et Albino Coss. Heredes XIIIL de suo restituerunt. „Zur Ehre des göttlichen Hauses haben die Träger und Fahnenjunker dem Vereine der Zeichenträger aus Victoria den Genius errichten lafsen am 23. September 246. n. C. G, — i/ t Erben haben ihn auf eigene Kosten wieder hergestellt." Man sieht aus dieser Erklärung, dafs die letzte Zeile ein späterer Zusatz der Wiederhersteller ist, obwohl ich noch wegen der Erklärung des H. XIIIL in Ungewifsheit bin. Weil es ein Verein von Zeichenträgern war, dem der Genius errichtet wurde, so müfsen unter den Vexillarier'n, die ihn errichteten, nur Fahnenträger verstanden werden; mithin sind Bajoli nichts weniger und nichts mehr, als was sie immer bei den Römern waren, die Träger von Lasten, hier wohl vorzüglich der Kriegskafsen, und anderer zum Stabe gehörigen Sachen." Dafs das auf dieser Inschrift erwähnte Victoria in Britanien, und nicht bei Neuwied gelegen habe, bemerkte ich schon Seite 7. Eine Seltenheit bleibt bei diesem Denkmal, dafs nicht allein das Jahr, sondern auch der Tag der Errichtung defselben angegeben ist, welches meines Wifsens auf öffentlichen Monumenten selten vorkommt. Die beiden andern Inschrifttafeln des Genius nennen uns nur Namen, die weiter nichts Merkwürdiges darbieten; Dagovassus (vielleicht Degenfest wie Hoffmann meint) und Aturo darunter, scheinen nicht römischen Ursprungs zu sein. Der Genius wurde im Juli 1791 in dem Abzugskanal des Praetorium« gefunden, und sein Erscheinen eröffnete die ganze Ausgrabung. Die Inschriftplatten sind geschlagen und der Genius hohl über den Kern gegofsen. Die sehr schlechtgeformten Buchstaben, im Vergleich zu der Arbeit des Genius, welcher ohne Zweifel einem frühern Jahrhundert angehört, unterstützen Grotefends Annahme, dafs der Genius alter ist und die Inschriften von spätem Wiederherstellern gemacht sind. Das doppelte Füllhorn ward in 10 74 dem französischen Revolutionskriege geraubt; eine früher angefertigte treue Zeichnung ist uns aber von der Hand des Fürsten aufbewahrt worden und darnach die unsrige vollendet. Noch ist zu bemerken, dafs Hoffmann die Inschriftflächen des Postaments, welche einzeln bei der Figur lagen, falsch zusammengesetzt hat; nämlich die Seite mit der eigentlichen Hauptinschrift, soll die vordere Seite bilden, die beiden andern dagegen, welche nur Namen enthalten, die Seitenflächen. Dieser Fehler ist auch in die Zeichnung übergegangen. Hände, Füfse, einzelne Finger, sowohl von gröfsern als kleinern menschlichen Figuren; 4I" lange und 1" breite Lorbeerblätter, wohl zur Zierde des Hauptes bestimmt, auch das Bruchstück einer ähnlichen Schrifttafel wie die so eben beschriebenen am Genius, mit den Silben jyj y wurden gefunden, welches allerdings auf ein mehrmaliges Vorkommen sowohl ähnlicher, als auch anderer Figuren wie Tab. VI. schliefsen läfst. Vergefsen darf nicht werden, dafs sich von einer lebensgrofsen menschlichen Figur ein vortrefflich gearbeiteter Daumen und ein Priap erhalten haben, Tab. XIX, zeigt einige beachtungswerthe Bruchstücke aus der schönsten, feinsten, leberfarbenen Bronze, in natürlicher Gröfse. Fig. 4« £ e hi Flügel mit Spuren aller Vergoldung, welcher nach dem Material, der Arbeit und der ähnlichen Vergoldung zu urtheilen, zu dem Kopfe mit silbernen Augen Fig, 4- a. b. und dem weiblichen Arme Fig. c. gehört haben mufs. In dem Arm Fig. 4- d. e. erkenne ich anderes Metall, andere Arbeit und auch möchte er einer etwas kleinern Figur zugetheilt werden müfsen. HofFmann wollte den Flügel einer Victoria zu schreiben, in dem Kopfputz Fig. 4- a. b. Aehren und also eine Ceres erkennen. Es sind aber keine Aehren, sondern sie erscheinen als ein nach eigener Art gewundenes Tuch, auch wohl als breite Blätter. Haben diese Stücke — wie ich durchaus nicht zweifle — zusammengehört, so würde eher auf eine Victoria geschlofsen werden können, wenn dieser Vor- Stellung nicht der Arm Fig. 4« £ mit den ihn umwindenden Schlangen widerspräche, der Kopf der Einen ist zwischen den Fingern der Menschenhand deut ■ lieh zu erkennen. Nicht um den Alterthumsgegenstä'nden solche Deutungen zu geben, welche der Künstler nicht hineinlegte, wie es jetzt an der Tagesordnung ist, sondern nur auf dieses vielfach interefsante Gebilde aufmerksam zu machen, stelle ich anheim, ob hier nicht die Darstellung einer Hekate stattfinden könnte, welcher öfters Schlangen beigegeben wurden, die vom Haupte herabhängend, sich mit dem Gürtel verflechten und bis zur Erde reichen. Koppen in „der dreigestalteten Hekate (Wien 1823)" führte mich auf diese Ansicht, da in unserm Kastell und den sich durchkreuzenden Wegen und Strafsen, die Hekate gewifs nicht gefehlt haben wird. Helios, Herrscher und heilige Glut, Der Wegobwalterinn Hekate Wehr, Die durch den Olympos oft und die Erde Sie trägt, bewohnend die heiligen Dreyweg Umkränzt von der Eich', und die Schulter voll Von regem Drachengewimmel. Hierdurch könnte sich auch der Kopfschmuck erklären und in Eichenblätter auflösen lafsen. Im Jahr i8 2 3 ward im Quaestorium ein kleiner Merkur, dem die Arme und ein Fufs fehlen von aqH Höhe, gefunden; er ist, bis auf die geflügelte Haube, nackt. Die Arbeit ist nicht ohne alle Kenntnifs der Anatomie, doch im Ganzen roh und die Bronze vom Roste sehr angefrefsen. Die Darstellung ist nicht .abweichend von ähnlichen im Montfaucon, u. d. g. In frühern Jahren ward ein Jupiter in den Feldern von Niederbiber ausgegraben, welcher nicht in das Fürstliche Kabinet, 'sondern in den Besitz des Kaufmanns Herrn Remy in Neuwied, gekommen ist *), Tab. XI. Fig. 5. a. b. c. *) Von Herrn Remy's Liebe zur Wifsenschaft und zu seinem Geburtsort, steht es wohl zu 76 stellt dieses kleine Götterbild in natürlicher Gröfse dar. — In den Kriegszeiten ist eine rasch vorschreitende Diana aus Bronze von 8i Zoll Höhe geraubt; die Arbeit soll kunstvoll sein und auf ein gutes Zeitalter deuten. Tab. XIX. Fig. 5. a. b. zeigt uns einen trefflich gearbeiteten Minervakopf in natürlicher Gröfse, auf eine runde Scheibe mit langem Stiel gestellt, durch welchen bei u. ein längliches Loch geht, worin noch ein abgebrochenes Stück Eisen steckt. Dieser Kopf scheint eben so zur Verzierung gedient zu haben, wie der ebendaselbst Fig. 6. a. b. in natürlicher Gröfse abgebildete Vorder theil eines Pferdes auf einer Scheibe, in der noch die Löcher zu sehen sind, durch welche die Befestigungsnägel gingen. Der von Hoffmann erwähnte, die Querflöte blasende Merkur, worüber auch Heyne, durch Hoffmann verleitet, in den Gott. gel. Anzeiger spricht, ist ein schlechtes Werk neuerer Zeit. Auf Tab. XXV. Fig. 7. ist ein Basrelief in natürlicher Gröfse, das Medusenhaupt darstellend, abgebildet; die Arbeit ist gut und kräftig, und hat wohl als Verzierung gedient. Von ähnlicher Gröfse und Arbeit, auch wohl zu gleichem Zweck bestimmt, fanden sich halberhaben gearbeitete Löwenköpfe vor. Fig. 6. a. b. auf derselben Tafel zeigt das Bruchstück einer Wage in natürlicher Gröfse, durch die Breite des Bronzhakens (b) verschieden von den mir in hiesigen Gegenden vorgekommenen Waagen. Von Ringen aus Bronze wurden die verschiedensten zu Tage gefördert. Tab. XIX. Fig. 9. mit eingravirten Figuren, zu verwittert um etwas Bestimmtes daraus noch entnehmen zu können; Fig. 10. mit schlofsartiger Verzierung; Fig. 11. geschmackvoll verziert, sehr vorzüglich und fein gearbeitet und Fig. 14. mit einer kleinen Paste, darauf ein vorschreitender Löwe. Aufser diesen Fingerringen ergaben sich noch dicke Bronzringe von ^i" bis zu sehr feinen von |" Durchmefser in allen Gröfsen. Ferner Ringschliifsel erwarten, dafs er dieses Idol der so wichtigen Lokal - Sammlung des Fürsten nicht vorenthalten werde. 77 von verschiedener Gröfse; Verzierungen aller Art und in gröfster Menge, deren Zweck und Bestimmung schwer zu errathen sein möchte, fanden sich vor, von denen die geschmackvollsten auf Tab. XVI. Fig. 2. 3, 4« — wahrscheinlich Stiele von eisernen Schlüfseln—6. 7. und Tab. XVIII. Fig. 19. 20. 21. 23. 24. in natürlicher Gröfse dargestellt sind. So zeigt auch mannigfache, eben so und mit unbedeutenden Veränderungen vielfältig vorkommende Kleiderspangen, Fibeln die Tab. XVIII. in natürlicher Gröfse; als: Fig. 4- Emaille auf Kupfer gelegt, ein grünfarbiges Thier auf blauem Grunde. Fig. 5. 6. 7- 8. n- 12. 13. die zwei letzten ebenfalls emaillirt, blau und grün. Interefsant ist ein kleines Relief, welches auch als Fibel gedient zu haben scheint; es ist die Darstellung eines mit Schild und Schwerdt bewaffneten, vorschreitenden Kriegers, der einen schon darniederliegenden Krieger tödten will, il" lang. Die Nadeln auf derselben Tafel unter Fig. 9. 10. gehören auch wohl in die Klafse der Vorstecknadeln; Erstere durch ihre Schwere von 2I Loth und sehr mafsiven Kopf, Letztere durch Feinheit vmd Eleganz sich auszeichnend. Aufser 'diesen fanden sich Nadeln und Griffel in grofser Anzahl, in allen Gröfsen und Formen, mit und ohne Oehr, denjenigen aus Knochen ähnlich, welche auf Tab. XIII. abgebildet sind. Die auf Tab, XVIII. Fig. 15. 16. in natürlicher Gröfse dargestellten Gebilde, gehören wohl, wie die Menge ähnlicher hier gefundener langer, schmaler Löffel, zu chirurgischen Instrumenten, oder dienten zum Herauslangen der Salben aus enghalsigen Gefiifsen. So erscheint Fig. 3. a. b. (natürl. Gröfse) auf Tab. XIX. als ein zweckmässig geformtes Badegefafs für das Auge; Löffel wie Fig. 2. a. b. Tab. XIX., auch Pincetten Fig. 14. auf Tab, XVIII. (beide in natürlicher Gröfse;), sind mehrere gefunden worden. Als gut verzierte und geformte Henkel erscheinen Fig. 17. iß. Tab. XVIII. davon mehrere Aehnliche, wenn auch an Gröfse verschieden, ausgegraben sind. Tab. XVI. Fig. 5. der Stiel, wahrscheinlich einer Opferschaale, sehr roh 7S von Arbeit; befser der Beschlag ebendaselbst Fig. 12.; Buchstaben aus Bronz- blech, stark vergoldet, Tab. XVI. Fig. 10. 11. in natürlicher Gröfse zum Anheften auf andere Gegenstände, erscheinen als höchst interefsant und führen zu wichtigen Folgerungen für die alte Buchstabenschrift. Zu welchem Gebrauch die in allen Gröfsen vorkommenden hutähnlichen Buckeln Tab. XVI. Fig. 8« 9., Tab. XVIII. Fig. 25. 26. (in natürl. Gröfse) gedient haben, lafse ich dahin gestellt sein; auf den Rückseiten befinden sich zwei Knöpfe mit breiten Köpfen; aufser diesen runden Buckeln fand man auch, völlig gleich organisirt, mehrere in dreieckiger und Muschelform. Kunstvoll, auch mannigfach in vielen gröfsern und kleinern Exemplaren vorkommend, erscheinen die Schlöfserbeschläge, von denen ich Eins auf Tab. XVIII. Fig. 3. in halbnatürlicher Gröfse habe abbilden lafsen. Das gröfste hatte 74" Breite, die Höhe war nicht mehr zu bestimmen. Eine bewundrungs- würdige Akkuratefse zeichnet diese Beschläge aus. Auch fand sich ein gut und genau gearbeitetes sechsfaches Getriebe eines Räderwerks 1" Höhe 1" 5M Durchmefser. Tab. XIX. Fig. 1. a. b. zeigt in natürlicher Gröfse einen Dreifufs mit Löwenköpfen verziert; auch entdeckte man das Gebilde Fig. 1. b. dabei; und nicht mit Unrecht möchte es als Deckel anzunehmen sein, da es sehr genau auf Fig. 1. a. pafst. Auf dem innern Boden des Dreifufses sitzt geschmolzenes Metall fest und eine weifse steinharte Mafse sieht man ebenfalls hin und wieder. Die Arbeit ist leicht und gut. Von Bronzwaffen wurde aufser einer Lanzenspitze, nichts gefunden; diese ist mit einem schönen schwarzen Rost überzogen, 41" lang, |" breit, in Form übrigens völlig übereinstimmend mit der eisernen, welche auf Tab. XXII, Fig. 3. abgebildet ist. Hoffmanns Phantasie brachte in einigen gedruckten Aufsätzen diese Lanzenspitze mit dem Priap und dem grofsen Daumen in Verbindung und formirte daraus einen lebensgrofsen Mars. — Man traf auch auf Bruchstücke 79 kleiner Ketten, deren Ringe 5'" Durchmefser haben und immer zwei und zwei in Form einer 8 zusammenhängen. Glocken fanden sich mehrere vor, die in ihrer länglichen Form ziemlich übereinstimmen, bis auf Eine welche rund ist. Die Klöppel waren von Eisen, wovon die Spuren noch in ziemlich grofsen Ueberresten zu sehen sind. Tab. XVII. Fig. 6. a. b. zeigt die gröfste, welche gefunden ist, in halbnatürlicher Gröfse; ohnerachtet ihrer jetzt sehr zusammengedrückten und gebogenen Form giebt dieselbe noch einen schönen klaren Ton und beurkundet dadurch ein vorzügliches Metall. Es ist ein Gufs und wiegt 2.5k Loth. Tab. XVII. Fig. 1. a. gewährt die Ansicht einer geschmackvoll geformten Kanne in | natürlicher Gröfse; Fig. 1. b. c. den verzierten Henkel in natürlicher Gröfse, und Fig. 1. d. einen Theil des aufsern Bodens. Für die eigentlich leichte Kanne von i/W dickem Metall ist der Henkel so sehr schwer und mafsiv, dafs er das Gleichgewicht des Gefäfses gefährdet. Derselbe ist gegofsen und angelötet; so auch kann man die Kanne aus sprödem bröcklichten Stoff nur als Gufswerk und nicht für geschlagen erachten, welches nachher abgedreht worden ist. Gleiche Bewandtnifs hat es mit dem dicken Boden und Rande, letzterer ist nicht angelötet. Das ganze Gefäfs wiegt 1 Pfund 304 Loth. Die auf dem Henkel angebrachten bildlichen Darstellungen zu erklären über- lafse ich gelehrten Archäologen. Unten zwei sich verfolgende schwebende Vögel mit storchähnlichen Schnäbeln; darüber ein auf niedrigem, eigen geformtem Ruhebett liegendes, sich emporrichtendes Weib, welches die aufgehobenen Hände einem Hunde, der auf einem kleinen Säulen-Altar steht und sie anzubellen scheint, entgegenstreckt, um ihm vielleicht einen Bifsen zu reichen, darüber ein dreibeinigter Tisch mit Kanne und Schaale und über dem Ganzen ein scheinbar weiblicher Kopf aus dem hinterwärts ein Pferdefufs kommt und mir eine Maske zu sein dünkt. Ob diese Kanne ein Opfergefafs gewesen, und bei einem Cultus gebraucht worden, der sich aus Persien zu den Römern verpflanzt hat? Ware dieses, so könnte man in dem Hunde das Bild der Un- 8o Sterblichkeit erkennen, der einer Sterbenden vorgeführt ist, um aus ihrer Hand Speise zu erhalten. Die Kanne Tab. XVII. Fig. 2. a. b. ist geschlagen aus rother Bronze von t'" Dicke, der Griff mit der Schnauze dagegen aus gelber Bronze gegofsen, der Kanne oben angepafst, deren Metall dann umgeschlagen und so befestiget; am Bauche des Gefafses scheint der Henkel mit Zinn — welches jetzt freilich zerfrefsen ist — angelötet gewesen zu sein, indem keine Nieten zu sehen sind. In § natürlicher Gröfse ist die Nachbildung gefertiget. Fig. 3. a. b. ist der Deckel zu einer ähnlich geformten Kanne wie die oben beschriebene; in \ natürlicher Gröfse. Fig. 4- a - zeigt einen schön und geschmackvoll gegofsenen Teller aus sehr sprödem Metall in f natürlicher Gröfse; der Rand Fig. 4- c - 0 n natürlicher Gröfse) ist i|'", der Boden Fig. 4. b. (natürl. Gröfse) |V^ und die Seiten kW dick; die hier dargestellte Bodenverzierung ist im Innern der Schaale; dagegen steht auf dem Körper derselben, um den äufsern Rand mit einer feinen Nadel Fig. 4» d. (natürliche Gröfse) ein Name gravirt, welcher wohl J. Minii Leg. VIII. zu lesen istaind den Verfertiger oder wahrscheinlicher den Eigenthümer des Tellers bezeichnen wird. Die Graveurs der Alten pflegen — nach Winkelmann — ihre Namen im Genitivo auf ihre Kunstwerke und Arbeiten zu setzen. Es fanden sich noch flache Schaalen aus geschlagenem Metall, von 9I" Durchmesser, i" r j iti Tiefe und 1'" Dicke; eine kleine aus weifslichem, sehr sprödem Metall gegofsene Schaale von 4" Durchmesser und 2'' Tiefe; so auch Bruchstücke von ziemlich genau gearbeiteten Seihen mit Stielen, und Gefäfsstücke mannigfacher Art, doch zu zertrümmert, um die Formen und Gröfsen mit Gewifsheit bestimmen zu können. So wie ich auch eine Menge zertrümmerter Gegenstände aus Bronze stillschweigend übergehen mufs, indem Zweck und vollständige Form ungewifs bleiben. — Gegenstände aus Blei. Aufs er den Röhren von gebranntem Thon fand sich auch in der Nahe des Mittelbaues eine. Röhre aus Blei, 3' lang ja" im Durchmefser, das Blei I 8i ist 2. 111 dick. Auf der einen Seite ist sie mit der vollkommnen Einmündungs- Einrichtung versehen; ein kleines Stück Fortsetzung lag dabei. Seite 57 sprach ich von den grofsen Klumpen zusammengeschmolzenen Bleies, welches wahrscheinlich darauf schliefsen läfst, dafs die Dächer der Hauptgebäude mit diesem Metall gedeckt gewesen sein mögen. Ferner fanden sich eine ziemliche Anzahl kleinerer Kugeln vor, von r" bis 8"' Durchmefser, welche nicht gegofsen sind, sondern durch den Hammer ihre runde Gestalt erhalten haben; diese Kugeln wiegen von 4 bis 9 Loth. e. Gegenstände aus Eisen. Besonders merkwürdig ist die Ausgrabung in Victoria durch das Auffinden sehr verschiedenartigen Eisengeräthes, für die mannigfaltigsten Zwecke und Be- dürfnifse bestimmt. Wir sehen hier Instrumente des häuslichen Bedarfs, der Handwerker, des Krieges, der Militair-Polizei und des religiösen Kultus. Bei den meisten Ausgrabungen, welche ich unternommen und geleitet habe, fand sich gewöhnlich das Eisengeräthe in einem solchen verrosteten Zustande', dafs Zweck und Construction des Aufgefundenen nicht mehr zu bestimmen waren; hier ist es anders. Zwar ebenfalls stark verrostet und zum Theil vom Rost aufgetrieben, kommen aber doch die meisten Gegenstände in vielfachen Exemplaren vor; man hatte also eine Auswahl und konnte die besterhaltenen Gegenstände oder mehrere ßich ergänzende Stücke in die Sammlung einlegen. Es wird daher den Eisengeräthen die aufmerksamste Beachtung gewidmet werden, damit ein genügender Vergleich mit unsern heute zu Tage üblichen Geräthschaften angestellt und die Verbindung und Entwicklung der alten Einrichtungen mit den neuern durch eine Reihe zwischen liegender Veränderungen nachgewiesen werden kann. Das Ausgezeichnete dieser römischen Eisensachen habe ich auf Tab. XX. XXI. XXII. XXIII. XXIV. und XXV. in ihrem gegenwärtigen Zustande treulich nachbilden lafsen, und verdanke viele der aufklärendsten Notizen und 11 82 Bemerkungen über die alten Geräthschaften in ihrer Vergleichung mit den neuern, dem Baumeister Dr. Hundeshagen. Aufser diesen dargestellten Gegenständen fanden sich noch: eine funfzehn- gliedrige Kette mit einem Halseisen und Haken, womit dieselbe an einem Pfahl scheint befestigt gewesen zu sein; eine Fufs-Fefsel; ein eiserner ovaler breiter Reif von 3/ 2" Länge und 2.' 6 11 Breite; grofse und kleine Gewichte, bei denen jedoch wegen des Rostes kein Gewicht mehr zu bestimmen ist. Merkwürdig bleiben die Menge von Nägel und die grofse Verschiedenheit ihrer Form, als: Nietnägel deren Köpfe bis zu 2,2 Zoll im Durchmefser haben, Nägel mit runden Köpfchen ±}< im Durchmefser, bemerkenswert!! wegen ihrer Keilform; auch ergaben sich eine grofse Menge Schuhnägel, welche in dichten noch zusammenhängenden Reihen mit den Fufsknochen von Leichnamen gefunden worden, welche also wahrscheinlich mit ihren hölzernen Schuhsolen erschlagen, verscharrt oder liegen geblieben sind. Ferner Bruchstücke eines eisernen Helms mit Brorizblech eingefafst und mit dergleichen Ohrendeckeln, jedoch in so unvollkommenen Stücken, dafs ein Zusammensetzen unmöglich war; eben so auch Reste eines sattsam durchlöcherten Brustharnisches. Ferner sehr gut und kunstvoll gearbeitete Stücke eines Panzer- oder vielmehr Drath- hemdes; die kleinen Ringe defselben sind feiner, (|M dick) als mir sonst der- ■ gleichen Waffenstücke aus dem Mittelalter vorgekommen, sie halten 5^' im Durchmefser und einer um den andern ist durch einen kleinen Stift mit Kopf und umgeklopfter Spitze geschlofsen. Das Eisen an den Ringen ist nicht gerundet, sondern flach gearbeitet. Alles dieses wurde im Praetorium gefunden. Merkwürdig ist das Vorkommen zweier eisernen Glocken, von denen eine der auf Tab. XVII. Fig. 6. abgebildeten bronzenen sehr ähnlich sieht, die andere gleichfalls, jedoch ist sie kleiner. Aus. all diesem gefundenen Eisengeräthe erhellet, dafs die Römer das Eisen bereits sehr fein und trefflich zu bearbeiten gewufst haben. 83 Ich wende mich nun zu Tab. XX- auf welcher eine Auswahl von Schlöfsern, Beschlägen u. d. g. sämmtlich in halbnatürlicher Gröfse, abgebildet ist; sie bieten das Wohlerhaltendste dieser Art aus der Sammlung dar. Fig. i. a. zeigt die Ansicht eines Schubriegelschlofses, welches, wie die Krümmung der umgeschlagenen Nägel Fig. i. b. bekundet, auf einer höchstens l 11 starken Diele befestigt war, und daher zu einer einfachen nicht besonders starken einflüglichten Thüre gehörte, die nur von einer Seite verschliefsbar sein konnte. Es unterscheidet sich von den heut zu Tage am meisten im Gebrauche befindlichen Schlöfsern wesentlich dadurch, dafs der vom Schlofse getrennte Schubriegel, durch den im Schlofse angebrachten Mechanismus, und insbesondere durch den darin vorhandenen Schlofsriegel, an das Schlofs geschlofsen wird, wogegen bei den neuem Schlöfsern durch das Heraufschieben des Schlofsrie- gels selbst, der Verschhifs der Thür allein bewirkt wird. Bei letzterer Schlöfser- Art ist der Verschlufs meistens bedeckt und einfacher; hier aber durch den freiliegenden Schubriegel ganz offen. Er mufste in eine am Thürgestell angebrachte Krampe eingeschoben werden, und lauft beweglich in zwei Krampen hin und her. Diese waren durch die Thürdicke getrieben, umgeschlagen und dienten zu seiner Befestigung. Am Schubriegel selbst, befinden sich ein halbkreisförmiger, beweglicher Ring, in den man einen Finger bringen kann, um den Arm des Riegels bequemer aufzuheben oder einzudrücken, auch rückwärts und vorwärts zu schieben. Diese Bequemlichkeit findet man sehr selten; zuweilen ist das Schlufseisen blos etwas umgebogen. In alten Kirchen aus dem Mittelalter kommen Schlöfser mit solcher Vorrichtung hin und wieder noch vor, doch sind diese dann viel gröfser, von deutscher Einrichtung und auch mit dergleichen Schlüfseln versehen. Aehnliches findet man auch bei den Schlöfsern mancher Reisekoffer neuerer Zeit, wobei jedoch statt des Schubriegels nur ein Ueberfall ist. Uebrigens sind in Victoria von ähnlichen Schlöfsern, noch mehrere Schlofskasten von sehr bedeutender Gröfse, ausgegraben; schade, dafs denselben die innere Einrichtung gänzlich fehlt. Der Schlüfsel zu dem 84 Schlofse Fig, i. ist zwar nicht vorhanden, aber er mufste, dem Schlüfselloche und dem Schlofsriegel zufolge, von der Art sein, wie der auf Tab. XXI. Fig. 7. dargestellte, doch mit einem ganz einfachen, undurchbrochenen Bart, wegen der einfachen Oeffnung des Schlofsriegels Fig. i f e. Von der innern Einrichtung dieses Schlofses ist nur der Schlofsriegel da, das übrige Fehlende lafst sich aber leicht hinzudenken, und durch hier vorgefundene Theile anderer Schlöfser ersetzen. Die fehlende Schlofsfeder konnte bei diesen Schlöfsern nicht die Function haben, den Schlofsriegel beim Verschlufs, wie bei den deutschen Schlöfsern, festzuspannen, sondern sie mufste vielmehr — den französischen Schlöfsern ähnlich — durch das Eingreifen in den Schlofsriegel, denselben festhalten. Eine solche Feder kommt auf Tab. XXI. Fig. 12. vor, welche wenn sie ein wenig kleiner wäre, sich vollkommen in dieses Schlofs einpafsen liefse, defsen Feder jedoch über dem Schlofsriegel liegt und in die Oeffnung desselben, wenn das Schlofs geschlofsen war, ein an ihrem einen Ende befindliches, wie der Bart des zugehörigen Schlüfsels geformtes, Eisen eindrücken mufste, das wiederum beim Aufschliefsen des Schlofses, durch den Schlüfsel herausgedrückt wurde. Abgesehen von dem nothwendigen Nebeneisenwerk, um die vorhandenen Theile der Einrichtung an ihre angewiesenen Stellen zu befestigen, fehlt dieser Schlofseinrichtung zu ihrer Vollständigkeit weiter nichts Wesentliches. Wenn dieses Schlofs aufgeschlofsen ward, so schob sich der Schlofsriegel mit dem einen Ende aus dem Schlofskasten heraus, wie bei einem französischen Schlofse; und dieses Riegelende würde die Thüre auch wieder zugeschlofsen haben, wenn es nicht vor, sondern in das Thürgestell eingegriffen hätte. Dieses begründet die oben angeführte Meinung noch mehr, dafs nämlich das Schlofs nicht in die Thür eingelafsen, sondern auf derselben befestiget war; und es ergiebt sich weiter, dafs die Thür nicht in den zu verschliefsenden Raum hinein, sondern heraus sich aufgemacht habe. Der Zweck des Herauskommens des Schlofsriegels aus dem Schlofskasten scheint gewesen zu sein, dafs man, wenn beim Wiederverschliefsen der Thür, der i ) < < 3 £ £ ] I £ S y £ 3 z 1. r I t 1 v c r t i SS Ann des Schubriegels mit seinem Hacken Fig. i. b. in das Schlofs eingesteckt war, durch das Zurückdrücken defselben in den Schlofskasten, das Schlofs ohne Schlüfsel verschlofsen werden konnte. Dieses war übrigens nicht bei allen Schlöfsern dieser Art, die in Victoria ausgegraben sind, der Fall, wie schon bei Fig. 3. dieser Tafel zu ersehen ist, wo der Schlofsriegel viel zu kurz ist, um sich aus dem Kasten schieben zu können. Der Schlofskasten selbst ist von starkem Eisenblech, 5^." im Quadrat, 4" hoch, aus einem Rahmen und einer Deckplatte zusammengesetzt, wie es Fig. 1. a. b. c. d. deutlich, zeigt. Er ist mit vier starken Nägeln an die Thür befestigt, wovon die drei sichtbaren sehr hohe Köpfe haben. Die Arbeit des Ganzen ist grob und schlecht, besonders fügt sich der Kasten nachläfsig und unförmlich zusammen. Das Schlofs scheint daher zu einem Stall oder ähnlichen Behälter der Art, gehört zu haben, welcher nur von einer Seite verschliefsbar war. Das Fig. 2. a. abgebildete Schlofs, welches an einer Kette hängt und wieder an eine Kette geschlofsen ward, diente zum Zusammenschliefsen zweier absolut trennbarer Gegenstände. Es läfst sich eigentlich nur als die künstliche Vorrichtung eines Gliedes dieser Kette ansehen, wodurch man dieselbe beliebig zusammenschliefsen, oder in zwei Theile trennen konnte. Es ist im eigentlichen Sinn des Worts ein Karbiner, der aber nur mit einem Schlüfsel geöffnet und geschlossen werden kann. Hoffmanns und anderer Ansicht, dafs diese Kette mit dem Schlofs gebraucht worden sei um gefangene Krieger, Sklaven u. s. w. damit anzufefseln, ist sehr unwahrscheinlich, indem weder die Kette, noch insbesondere das Schlofs stark genug ist, einem kraftvollen Manne zu widerstehen. Ohnedem liefs sich die Schlofsfeder sehr leicht mit einem nageiförmigen Eisen, oder auch nur mit einem dünnen Holze zurückdrücken, wodurch schon das Schlofs, vermittelst einiges Schütteins, von selbst und ganz unverletzt aufgehen mufste. Darin hat dieses Schlofs, zu welchem Gebrauche es auch gedient haben mag, einen wesentlichen Fehler, und führt auf die Meinung, dafs es zum Anschliefsen irgend eines beifsenden Thieres — vielleicht grofsen Hundes — benutzt worden 86 sei, um so mehr wenn man bedenkt, dafs eine solche Bestie, die Eröffnung des Schlofses durch fremde Personen, am kräftigsten selbst verhindern konnte. Die Kette besteht aus zwei Arten von Gliedern, die Eine in Form des arabischen Zahlzeichens (8) ist i*" lang; die Andere ist länglich, an einem Ende gerade, an dem andern halbrund geschlofsen und 2" lang. Der Endtheil der Kette, woran der Riegel, so ins Schlofs geht, sich befindet, hat am andern Ende einen starken Nagel y welcher ohne Zweifel zur Befestigung am Holzwerk diente. Dem Theil der Kette aber, welcher mit einem Ringe an das Schlofs befestigt war, fehlt das Endstück. Die Form des Schlofses selbst, ist ein hohler Cylinder von Eisenblech, und hat 2-0" Länge, 2ty" im äufsern Durchmefser. Die Zusammenfügung der Umkreis/lache des Cylinders ist des Rostes wegen nicht mehr zu unterscheiden. Die eine Seitenfläche, worauf der Ring zu Anfang der Kette genietet, ist sonst völlig gleich gearbeitet, und nur von dem Riegelloche, wie auf der andern Seite durchbrochen. Die andere Seitenfläche Fig. 2. b. zeigt dagegen aufser dem Riegelloch, welches zu beiden Seitenwänden des Sehlofskastens in einem besondern Riegelkasten durchgeht, auch noch das Schlüfselloch; zu beiden Seitenflächen ausgehend, befinden sich endlich noch auf der Vorderseite drei eiserne Nietnägel mit halbrunden Köpfen, welche ebenfalls durch das ganze Schlofs hindurch reichen, die Vorderseite mit der Hinterseite verbinden, und so den festesten Verband des ganzen Schlofses nach der Länge bewirken» Fig. 2. c. stellt dafselbe Schlofs nach Hinwegnahme der zuletzt genannten Seite dar, und zeigt die innere Einrichtung des Ganzen. Eben so stellt Fig. 2. d. das Schlofs vor, wenn die eine Hälfte des Cylindersverschlufses weggedacht wird. Das Detail zur Einrichtung dieses Schlofses ist folgendes: Fig. 2. e. zeigt die Form des Riegels, welcher an der Kette befestigt ist, die den Gegenstand mit dem Andern, woran das Schlofs hängt, unmittelbar verbindet und zum Anschlufs bringt. Zwar ist nur noch ein Stück von diesem Riegel vorhanden, allein er konnte dem allernächst- folgenden und mit ihm in nächste Berührung kommenden Riegelkasten und 87 Doppelschlofsriegei nach, nichts anderes als ein Stück Eisen sein, welches zwei Löcher hatte, in welche der Schlofsriegel durch die Löcher des Riegelkastens mit seinen zwei Enden sich einpafste, und so dieses Riegeleisen einschlofs. Der erwähnte Riegelkasten im Aufrifs von Oben,, und von Innen ist Fig. 2. f. dargestellt, wo die zwei Löcher zum Durchgehen des Doppelriegels ersichtlich sind; und Fig. 2. g» ist der Schlofsriegel selbst in gleicher Lage mit dem Schlofskasten und dem Kettenriegel abgebildet, wodurch die Vereinbarung dieser drei Theile im Zusammenhange ganz deutlich wird. Der Schlofsriegel hat aufser der oblongen Oeffnung zum Eingreifen des Schlüfsels, auch noch zwi-^ sehen beiden Riegelenden eine Face, wogegen sich die Fig. 2. h.. im Aufrifs und umgewendeter Lage verzeichnete Schloisfeder stemmt und denselben beim Verschlufs des Schlofses festhalt» Ferner zeigt Fig. 2. 1. Grund- und Äufrifs nebst Durchschnitt des Doms mit dem einfachen Schlüfselgewdnde, woran ebenfalls eine Face bemerklich wird r die zum Auflegen des Schlofsriegels verwendet ist. Der fehlende Sehlüfsel war ein sogenannter deutscher oder hohler Sehlüfsel, defsen Bart, zufolge der ganzen Einrichtung des Schlofses, nicht anders geformt sein konnte, als er Fig. 2. k. projektirt worden ist. Werfen wir nun noch einen Blick auf die Einrichtnng zur Bewegung im Schlofse beim Auf- und Zuschliefsen r so bemerken wir eine ähnliche Bewegung wie bei einem französischen Schlofse. Der eingesteckte Sehlüfsel drückt nach seinem Umdrehen um den Dorn und damit zugleich um das Gewinde, mit seinem Bart durch die Oeffnung des Schlofsriegels die Schlofsfeder in die Höhe, und hebt sie somit aus dem Falze des Schlofsriegels r ergreift dann den Schlofsriegel selbst und schiebt ihn zurück,, wo der Schlüfselbavt in die angebrachte Ausbiegung der Schlofsfeder einklappt und das Schlofs geöffnet halt. Es konnte also der Riegel herausgenommen und das Schlofs von der Kette getrennt werden. Beim Zuschliefsen fand dieselbe Bewegung rückwärts statt, wozu der Schlofsriegel die Einrichtung zeigt. Uebrigens ist das ganze Schlofs sehr gut und genau gearbeitet, obgleich dafselbe von keiner besonders grofsen 88 Festigkeit und Stärke gewesen zu sein scheint« Bei den Ausgrabungen fand sich übrigens noch ein grösseres Schlofs, welches vielleicht auch in seinem Innern befser und stärker beschaffen ist; zu gefährlich erschien uns das Eröffnen, welches vielleicht die Zerstörung des Ganzen herbeigeführt haben würde. Fig. 3. a. zeigt die Bruchstücke von einem Riegelschlofse, demjenigen unter Fig. 1. dargestellten, ähnlich; jedoch in mancher Hinsicht unterschieden; es konnte erstlich dem Schlüfselloche nach, nicht mit einem Schlüfsel von der bekannten römischen Form geöffnet werden, sondern nur mit einem sogenannten deutschen, oder auch vielleicht französischen Schlüfsel; zweitens durfte dieses Schlofs, wegen seines Schlüfsels und der Stücke Fig. 3. b. seines Schlofs- riegels, keine solche Einrichtung wie die oben gedachte haben; vielmehr eher eine sogenannte deutsche. Auch war dieses Schlofs in einer andern Richtung als das erstbeschriebene festgemacht, indem nicht nur das Kastenblech der Höhe nach genommen ist, sondern es läuft auch der Schlofsriegel, dem in das Schlofs beim Verschliefsen eingreifenden Haken des Schubriegels — Fig. 3. c. stellt denselben dar — entgegen, in die Höhe oder unterwärts, je nachdem das Schlofs angeschlagen wurde:, wogegen bei ersterem Schlofse der Schlofsriegel mit dem Schubriegel parallel lief, und ersterer in den letzteren, in eben dieser Richtung eingriff. Vorliegender Schlofsriegel hat auch, gemäfs des dazu gehörigen Schlüfsels, eine ganz andere Form; er ähnelt mehr denjenigen Riegeln, welche in den heutigen deutschen Kastenschlöfsern vorkommen, ohne deshalb den gleichen Zweck mit diesen erfüllt zu haben; denn er dient hier nur in das Falleisen des Schubriegels beim Verschliefsen des Schlofses einzugreifen, wo ihn eine Feder mit ihrem Druck festhielt. Der Schlofskasten von Eisenblech war aus Stücken, aber verschieden von dem erstem Schlofse, zusammengesetzt, und hatte mehr Uebereinstimmung mit den heut zu Tage üblichen Schlöfsern. Seine Gröfse beträgt nur 2" Breite und 3#' Höhe; vier Nägellöcher befinden sich an seinen Ecken. Das Falleisen des Schubriegels 89 hatte hier keinen solchen Ring zum Anfafsen, wie es bei dem erstem Schlofse der Fall ist. Fig. 4- a. stellt in der Ansicht und Fig. 4» b. im Grundrifs den Dorn mit einem doppelten Schlüfselgewinde von einem Schlofse dar, welches mit einem hohlen oder sogenannten deutschen Schlüfsel aufgeschlofsen werden mufste. Ebenso verhält es sich mit Fig. 5, a. b.; jedoch nur mit einem einfachen Gewinde. Unter Fig. 6. ist ein eigengeformtes Stück geschmiedetes und zurecht gefeiltes Eisen abgebildet, welches ohne Zweifel in ein Schlofs wie Fig. 1. gehört, und als Befestigungs- und Richtungszubehör der nothwendigen Schlofs- theile im Innern gedient hat. Die Oeffnung in demselben war wohl für die Fortsetzung und Verstärkung des Schlüfselloches in dem Schlofskasten- bleche bestimmt, und der Einschnitt auf der Seite diente wahrscheinlich zur Richtung und zum Anhaltpunkte des Schlofsriegels. Zwischen den vorhandenen Haken bewegte sich vielleicht die Schlofsfeder; der umgebogene Haken aber selbst, setzte sich gegen den Rücktheil des Schlofskastens; hierdurch mag dafselbe seine Befestigung im Schlofs erhalten haben, indem keine Spur von Nietnagel noch Nietloche, oder sonstigen Befestigung ersichtlich ist. Fig. 7. scheint ebenfalls ein Schlüfsel zu sein, wie deren auf Tab. XXI. abgebildet. Eigen bleibt sein Bart, und das Ende des krummgebogenen Griffels, in welchem sich ein rundes Loch befindet. Fig. 8« stellt einen sehr schön und sauber gearbeiteten Schlüfsel dar, welcher zu einem gleichen, wenigstens ähnlichen, nur kleiner, flacher und seiner inneren Einrichtung nach künstlicher gearbeiteten Schlofse, wie jenes Fig. 2. ist, gehört haben mag. Sein Bart ist vielfach und sehr gewagt durchbrochen; sonst ist er hohl, der Griff rund und das Körperliche an demselben mehr denn noch einmal so dick als breit. Als ein ganz eigenes und merkwürdiges Gebilde möchte sich Fig. 9. a. b. bezeichnen. Es ist am besten unter dem Begriffe einer Kette anzudeuten, 12 9° deren einzelne ganz gleiche i|" lange, \U breite, |" dicke Glieder in der Mitte, wahrscheinlich der Leichtigkeit und Zierlichkeit wegen, durchbrochen und ebenso wie Charnierbande, mit Gewerben und Stiften zusammengefügt und aneinander gehängt sind, wodurch die Glieder dieser Kette nur nach zwei Seiten hin, und zwar je zwei Glieder für sich allein betrachtet, nur bis zu einem rechten Winkel sich zusammenbiegen und bewegen lafsen. Das vorhandene Stück dieser Kette ist sehr schön und genau aus Eisen gearbeitet und scheint der ganzen Construction und der nicht bedeutenden Stärke wegen, am geeigentsten zu irgend einer feinen Maschine gehört zu haben. Eine Kette dieser Art mufste sich, vortheilhafter und zweckmäfsiger als andere Ketten und Züge um eine Walze gewickelt haben; vielleicht um Räder die mit Kämmen, welche von der Kette gefafst werden konnten, versehen, im Abstände gemeinschaftlich umzutreiben. Zu vermuthen ist, dafs die Walzen oder Räder von Holz waren, da man keine von Metall gefunden hat. Aehnliche Vorrichtungen findet man heut zu Tage noch. Diese Kettenart scheint in Victoria häufig im Gebrauche gewesen zu sein, denn es haben sich aufser dem abgebildeten Stücke noch mehrere Ueberreste von gröfserer und kleinerer Gliederform vorgefunden; ihre Einrichtung war keinesvveges erdacht und erfunden den Zweck gewöhnlicher, nach allen Seiten hin beweglicher Ketten zu erfüllen, weil diese, wie am Schlofse Fig. 2. vielfach vorgekommen sind. Die Bestimmung des Gebrauchs dieser langgliedrigen Kettengebilde wird daher wohl so lange ein Räthsel bleiben, bis ein glücklicher Zufall bei weitern Ausgrabungen, noch ein anderes Stück in Verbindung mit mehr bezeichnenden Gegenständen zu Tage gefördert haben wird. Eine besondere Art von Beschlag zeigt Fig. 1 o. a. in der Ansicht von oben und Fig. 10. b. im Aufrifs. Der Construction nach gleicht derselbe am meisten den heutigen sogenannten Fisch - oder Charnier-Banden zu Fenstern und Thüren. Mit denselben hat er die Verbindung beider Theile des Bandes durch einen Stift gemein; allein die gewöhnlichen Lappen der Fischbanden, 9 1 welche mit Nägel oder Schrauben befestiget werden, finden sich hierbei nicht vor, sondern dieses Band besteht, so zu sagen, aus zwei oder auch drei in einander geschobenen und durch einen Stift zusammen verbundenen Kloben. Bei der Constructionsweise dieses Beschlags, war es nur möglich die klobenartigen Enden defselben, an jeder der beiden Kanten des Holzwerks, unter einem Winkel von 45 Grad einzutreiben und zu befestigen, wie dieses bei Fig. 10. a. durch die punktirten Linien deutlich nachgewiesen worden, und durch die umgeschlagenen Enden des Bandes zu ersehen ist. Hierdurch entstand eine sehr empfehlungswerthe Verbindung, zugleich mit den wenigsten Umständen verknüpft; denn es war auf diese Weise von dem ganzen Beschläge nicht nur die Hülse sichtbar, sondern es konnte auch dieses an und für sich nicht sehr starke Band, im Holze versteckt, ohne Zerstörung defselben nicht so leicht abgenommen, auch wegen der Stellung der Kloben zum rechten Winkel, am wenigsten eingedrückt werden. Es haben sich diese Art Bänder in Menge, von ganz gleicher Gröfse und Beschaffenheit, alle von vorzüglicher Arbeit und gutem Stoffe, vorgefunden. Ohne Zweifel dienten sie zum Befestigen der Fensterflügel unmittelbar an das Fenstergestell, wofür noch besonders die i|" starke Holzdiele spricht, welche von dem umgeschlagenen Kloben umfafst, und im Verhaltnifs zur Stärke des Beschlags für eine Thür zu dick war; dagegen erfordert der jedesmahl fast ganz gerade Kloben, mafsives Holzwerk, welches das Fenstergestell abgeben konnte. Unter Fig. 11. finden wir einen wirklichen einfachen Chanierband; er ist schön gearbeitet und war mit säubern Nägeln befestiget. Der Gröfse nach möchte er zu einer Schraukthür oder etwas Aehnlichem verwendet gewesen «ein. Auch von diesen Bändern haben sich mehrere, aber von verschiedener Gröfse und mehr oder weniger guten Arbeit, vorgefunden. Fig. 12. stellt ferner einen Beschlag von nicht besonderer Arbeit vor, defsen beide Theile mit einem Ringe und Loche in einander gehängt sind. E* ist deshalb weniger zu dem Beschlag einer stehenden Thür geeignet, welches I HofFmann annahm; wohl aber zu einer Fallthür oder auch zu einem Fensterladen, der über dem Fenster zum Herunterschlagen befestigt war. Fig. ij. zeigt einen mit einem. Beschläge zu vergleichenden Gegenstand. Derselbe besteht aus einem Krampen, welcher in mafsives Holz eingeschlagen gewesen sein mufste, und aus einer um denselben gebogenen und beweglichen Schiene, die in eine Dielenkante eingesteckt und mit einem eisernen durchgehenden Stifte, von welchem nur noch Reste ersichtlich sind, um dieselbe befestiget wurde. Gehörte dieses Eisen zu einer kleinen Thür, so konnte dieselbe nicht in einen Falz eingelafsen sein, sondern sie mufste auswendig auf-ihrem Rahmgestelle, entweder ganz oder doch zur Hälfte ihrer Dicke aufliegen. Am wahrscheinlichsten ist aber wohl, dafs dieser Gegenstand nicht als Beschlag einer Thür oder eines Fensters, sondern zu irgend einem Gelenke gedient habe; z. B. an einem Auf- und Niederlafstisch, in einer Fensternische, wie dergleichen in allen Gebäuden sich noch vorfinden. Fig. i4- bildet imGrundrifs und äufsern Aufrifs einen Beschlag, defsen doppeltes Band, die i|" starken Rahmstücke der Thür, zu welchem Zwecke es gedient, um- schlofs, und das mit zwei bis drei starken groisköpfigen, von Aufsen nach Innen., durch-und umgeschlagenenNägeln,worunterkein Nietnagel sich befindet, angenagelt war. Der zugehörige Kloben erfordert ein hölzernes Thürgestell; so verlangt auch die Construction des Bandes, dafs der Thürflügel im Innern des Thiir- gestells sich stumpf, das heifst, ohne Thürfalz, anlehnte, wenn nicht der Kloben wie bei Fig. 10. erwähnt ist, schräg in das Gestell eingeschlagen wurde, wo dann auch ein Thürfalz vorhanden sein konnte. Den i|" dicken Rahmstücken und dem 9^ langen Bande nach, scheint dafselbe zu einer gestemmten Thür gehört zu haben, welche bei dem nur £" starken Kloben nicht sehr breit sein durfte; es ist daher anzunehmen, dafs dieser Beschlag, bei einer starken Flügelthür, etwa einer Hausthür, gedient habe. In Fig. 15. sehen wir endlich einen Fallriegel oder Klinke, zum Zuhalten einer wenig bedeutenden Thür, wie ähnliche noch häufig an Ställen auf dem 93 Lande zu finden sind. Seine Form ist aus einem platten Eisen von der Dicke eines starken Eisenblechs geschmiedet. Am Riegelhaken ist die ganze Dicke des Eisens, bis auf die kleine Zuschürfung beibehalten, die Lappen, welche den Griff bilden, sind dünner herausgeschmiedet und umgebogen; dahingegen ist der Ring, womit er mittelst einer Krampe, gleich wie eine Ueherlage oder Anlage zu. einem Vorhängeschlofs, an der Thür befestigt war, körperlich rund zusammengeschmiedet. Der Klinkhaken, in welchen dieser Fallriegel mit seinem Haken an dem Thürgestell eingriff, so auch die Krampe dazu, fehlen. Bei den Beschlägen wäre noch im Allgemeinen zu bemerken, dafs alle bis jetzt ausgegrabene Kloben, zu Beschlagen an hölzernen Gestellen angebracht gewesen, wodurch es sehr wahrscheinlich wird, dafs die meisten Gebäude dieses Kastells nicht von mafsivem Mauerwerk, wenigstens die Thür- und Fenster-Einfafsungen nicht von Hausteinen noch sonstigen Steinarten, erbaut waren, weil man sonst wohl Kloben zum Einmauern oder Eingiefsen geformt, unter dem vielen herausgegrabenen Eisenwerk hätte vorfinden miifsen. Ferner ist bei den Schlofsern., den Bändern und Kloben sehr deutlich zu bemerken, dafs das Holzwerk, woran diese Gegenstände befestigt waren, gröfstentheils weggebrannt} hin und wieder aber hinweggefault ist, indem die Spitzen aller Kloben, aller Nagel bei den Bändern und Schlofsern, letztere ohne Ausnahme alle umgeschlagen, fast durchgängig noch ebenso nach dem Holzwerk, wodurch und wo hinein sie gingen, und welches sie theilweise umfafst haben, ohne Veränderung, so wie bei ihrer Anfertigung, gebogen sind; beim Abbrechen oder gewaltsamer Zerstörung hätte dieses so nicht bleiben können. Es scheint daher auch aus dem Eisengeräthe mit Gewifsheit hervorzugehen, dafs nachdem die Römer aus Victoria getrieben waren, die erobernden Laudesbewohner diese feindlichen Wohnstätten durch Brand und Feuer verheert und zerstört und dann den Rest der Römerstadt verlafsen haben, wonächst er ein Raub der Verwitterung und der Verwesung geworden. Tab. XXL, welche uns, die aufgefundenen verschiedenen Formen der I 94 Schlüfsel zeigt — ist als eine Fortsetzung der vorhergehenden Tafel anzusehen, und manches dort Gesagte wird hier näher und ausführlicher bewiesen werden können. Sie enthält allein nur Eisenwerk; sämmtliche Gegenstände sind in natürlicher Gröfse gezeichnet und das in der Erläuterung y angegebene Maafs, ist das Römische Fufsmaafs, nach der Dezimal - Eintheilung in Zolle. Auch hier verdanke ich, wie bei Tab. XX., viele der interefsantesten Aufschlüfse dem Herrn Baumeister Hundeshagen. — Fig. i. stellt einen 6 bis 7 Zoll langen Schlüfsel dar, welcher, so sonderbar er auch beim ersten Anblick aufsehen dürfte, in seinen wesentlichen Grundformen, der bekannteren römischen Schlüfselart (wie z. B. Fig. 7. auf dieser Tafel), gleichkommt. Der Bart bildet nicht wie gewöhnlich, ein Oblong, sondern ausnahmsweise die Gestalt des lateinischen Buchstabens (Z) "J.^• Er ist mit fünf o, 8 Zoll langen Zähnen versehen, von welchen drei: der erste, mittlere, und letztere ein o, 3 Zoll langes und o, 2 Zoll breites Oblong bilden; die beiden dazwischen, an den Kehrungen des Barts befindlichen Zähne bestehen aber jeder aus zwei, unter einem rechten Winkel über einander zusammengesetzten o, 35 Zoll langen, o, 2 Zoll breiten Oblongen, welche der Kopffläche eines Winkelpostens ähnlich sind. Der Schaft des Schlüfsels ist quadratisch und nimmt vom Bart zum Griff hin., auf den zwei einander gegenüberstehenden Seiten an Stärke zu, dagegen auf den zwei andern Seiten an Stärke ab, hier in der Art, dafs der Handgriff des Schlüfsels an seinem untern Ende, kaum halb so dick bleibt, als der Schaft beim Barte ist. Diese Construction läfst deutlich abnehmen, dafs dieser Schlüfsel, eben so wie Fig. 7. nicht zum Umdrehen im Schlofse, sondern nur zum Eingreifen in den Schlofs- riegel und Hin- und Herschieben defselben gefertigt war, wie solches bereits bei der Erläuterung des Schlofses, auf Taf. XX. Fig. 1. auseinandergesetzt worden ist. Die gröfsere Stärke des Schafts in der Richtung, wo der Bart des Schlüfsels beim Eindrücken in den Schlofsriegel am meisten wirken mufste, ist eben so konstruktiv richtig, als man die Balken, welche mehr tragen «ollen, 95 nach den hohen Kanten stellet. Diese Verstärkung der sonst leicht möglichen Verbiegung des Schafts, beweifst mit dem Vorhergehenden noch mehr, dafs dieser Schlüfsel zu einer gleichen Schlofseinrichtung, wie die auf der vorhergehenden Taf, Fig. i. erwähnte gehört haben mufste. Ferner ist zu bemerken, dafs der zugehörige Schlofsriegel in seiner Form, zwar eben so gestaltet gewesen sein konnte, wie Aehnliche unter Fig. 7. 8« 9- 10, vorkommen; allein statt der Durchbrechungen, wie bei Fig. 10. wo die Löcher neben und hinter einander folgen, mufste hier der Schlofsriegel in der Form des Barts und seinen fünf Zähnen, mit fünf Löchern durchbrochen gewesen sein. Der Handgriff dieses Schlüfsels ist platt und so lang, dafs eine starke Mannshand beim Angreifen Platz genug findet den Schlüfsel zu handhaben. Statt der Schlüfsel- ringe bei den jetzt üblichen Schlüsseln, ist an diesem alten unten ein kleines rundes Loch befindlich, wodurch vielleicht ein Eisenstäbchen hindurch gesteckt werden konnte, um mit- mehr Kraft den Schlüfsel zu regieren. Der Gröfse und Stärke nach gehörte dieser Schlüfsel zu einem bedeutend grofsen Schlofse und dieses vielleicht zum Verschlufs eines der innern Thoren des Kastells; sein Schaft ist lang genug, um durch die dickste Diele zu reichen. Fig. 2. hat zwar dem ersten Ansehn nach, mit Schlüfseln nichts gemein, doch aber kann auch hier wieder nichts anders als ein Schlüfsel vermuthet werden, wenn wir die im Kastell aufgefundenen gröfsern Schlofskasten und ihre theils sehr tiefe Form im Verhältnifs ihrer Breite betrachten, insbesondere aber einige daselbst vorfindliche Schlofskastenbleche mit Schlafseilöchern, welche ein sehr längliches Oblong bilden, wie z. B. Tab. XX. Fig. 1. Hier lafst sich mit Gewifsheit auf eine dritte Art von Schlöfsern und dazu gehörigen Schlüfseln schüefsen. Fig. 2. hat überdem noch die Form eines sogenannten Dietrichs, und die beiden nach einer Seite hin und rückwärts gekehrten, 1 Zoll langen Zinken, lafsen sich füglich als Bart eines Schlüfsels dieser dritten Art, betrachten. Bei der besondern Tiefe mancher Schlofskasten ist ohnehin anzunehmen, dafs die Schlöfser, wozu diese abweichende Schlüfselart gehörte, etwa so ein- 96 gerichtet waren, dafs der Schlüfsel durch die oblonge Oeffnung bis auf die hintere Seite des Schlofskastens eingesteckt wurde, welches der über 3 Zoll lange Schaft füglich gestattete; sodann gedrehet, weshalb der Schaft achteckig, dem Runden sich nähernd, geformt ist; hierauf um die Lange des Barts wieder herausgezogen, und endlich mit seinen Zinken durch das Ein- gerichte, oder wohl auch unmittelbar in den Schlofsriegel eingriff, und so das Schlofs, entweder durch weiteres Drehen, oder auch durch noch weiteres Herausdrücken aufschlofs. Diese Schlofser wären bei solcher Vorrichtung un- verbefserlich zu nennen, weil das Schlofs auf keine andere Art, als durch den für dafselbe gemachten Schlüfsel zu eröffnen sein möchte, indem das sogenannte Eingerichte gleichsam verkehrt liegend, den Riegel im Schlofse, gegen die Seite des Schlofskastens mit dem Schlüfselloche dergestalt verdeckte, dafs derselbe mit keinem gewöhnlichen Instrument, selbst wohl schwer mit einem Dietrich zu erreichen und zu eröffnen war, was bei dem, auf der vorhergehenden Taf. Fig. 2. erläuterten Schlofse weniger der Fall ist. Auch scheint es, dafs bei diesen Schlöfsern das Eröffnen allein nur mit dem dazu gehörigen Schlüfsel nicht hinreichend gewesen sei, sondern dafs auch noch eine gewifse Geschicklichkeit, wenigstens ein näheres Bekanntsein mit dem Schlofse dazu gehörte; diese Schlüfsel pafsten beim Einstecken weder um einen Dorn, noch in ein Eingerichte, wodurch sie die gehörige Richtung zum Umdrehen erhalten hätten, sondern der Schlofsriegel mufste in seiner versteckten Lage, erst mit dem Bart des Schlüfsels gesucht werden. Die Einrichtung dieser Schlofser konnte übrigens, wie bei dem schon erläuterten Schlofse Tab. XX. Fig. i. ganz einfach sein, und es bedurfte nur einer Feder, welche zwei Stifte in den Schlofsriegel eindrückte, und vom Schlüfsel zurückgedrückt, den Riegel bewegte. Ausserdem ist dieser Schlüfsel auch am Handgriffe von den andern bedeutend verschieden; das gewöhnliche platte Eisen, woraus die Handgriffe meist bestehen, ist hier zu einem halben hohlen Cylinder umgewandelt, der aber gut 97 in die Hand pafst. Der ganze Schlüfsel scheint verbogen, wie solches der beigefügte Schlagschatten nachweist. Fig. 5. wäre nach der Beschreibung des vorhergehenden Instruments gleichfalls als Schlüfsel zu bezeichnen, defsen Bart mit seinen nach beiden Seiten zugekehrten Zinken, dem Schafte, dem Handgriff ohne Absatz, welche zusammenhängend rund gearbeitet sind, und defsen plattgeformtes Ende mit dem gewöhnlichen Loche oder Schlüfselring versehen ist; allein man könnte dieses Eisenstück herumdrehen, und als einen doppelten Haken betrachten, wie man Aehnliche in Küchenkaminen zum Aufhängen der Wafserkefsel u. s. w. findet. Mit mehr Gewifsheit liifst sich aber Fig. 4-j obgleich die Form dieses Gegenstandes auch ungewöhnlich ist, als Schlüfsel oder Dietrich ansehen. An den runden Schaft, welcher sich unter einem platten Handgriffe anschliefset, setzen sich nämlich zur Bildung des Bartes, zwei rechtwinklichte parallele Haken; von diesen ist einer gröfser als der andere; der kleinere jedoch so angeschmiedet, dafs er mit seinem untern Ende, ebenfalls dem unteren Ende des gröfseren in einer mit dem Schaft rechtwinklichten Richtungslinie gleich kommt; dieses letztere wird bei dem durchbrochenen Bart eines jeden Schlüfsels in der Regel beobachtet, wie solches auch bei Fig. 1. 2. 3. 5. 6. 7, und 11. dieser Tafel, so wie bei den heut zu Tage gebräuchlichen Schlüfseln, zu ersehen ist. Oben auf dem gröfseren Haken, setzt sich hier noch ein cylin- derförmiges Köpfchen auf, dem Vorkommen am Kopfende eines französischen Schlüfsels nicht unähnlich; hier mag es, gleich wie bei den halben deutschen Kastenschlöfsern, zum Richtungsansatz des französischen Schlüfsels gedient haben. Der platte Handgriff hat an diesem Schlüfsel kein Loch; wohl aber ist er am untern Ende umgebogen, oder mit einer Oese versehen, in welcher sehr wahrscheinlich ein beweglicher Ring sich befand, gleich wie es bei dem Schubriegel der Fall gewesen, der auf Tab. XX. Fig. 1. a. vorkam. Im übrigen findet hier, das bei Fig. 2. hinsichtlich des Schlüfsels zum Schlofse Gesagte, 15 98 seine Anwendung; nur ist noch zu bemerken, dafs wegen der eigenen Formung des Bartes an diesem Schlüfsel, das Schlofs bei weitem noch schwieriger, ohne diesen Schlüfsel zu eröffnen gewesen sein mufste. Der unter Fig. 5- dargestellte Schlüfsel, kommt in seinen Haupttheilen, wiewohl deren Ausbildung wieder sehr verschieden ist, mit der gewöhnlichem römischen Schlüfselart völlig überein. Der ganze Schlüfsel ist aus einem glatten Eisenstück angefertigt, selbst sein Bart, bei dem das Platte nur aufrecht geschmiedet worden, davon nicht ausgenommen. Der Bart besteht aus drei o, 1 Zoll langen Zähnen; der äufsere derselben ist von oblonger, die beiden andern aber von runder Form, stehen auch nicht wie gewöhnlich rechtwinklicht mit dem Schaft, sondern wie sie schon bei Fig. i. auf dieser Tafel vorkamen, nnd gestatten so dem Schlofse den grofsen Vorzug vor andern Schlöfsern, dafs es schwerer, ohne den dazu gehörigen Schlüfsel geöffnet werden kann. Der Schaft, in Verbindung des Barts mit dem Handgriff des Schlüfsels zusammen betrachtet, ist unter einem rechten Winkel umgebogen, wodurch sich dieser Schlüfsel im Ganzen den beiden nachfolgenden ähnlicher ausbildet; jedoch zieht sich hier der Handgriff mit seinem vorderen Theil noch weiter als der Bart hervor, was bei keinem der gefundenen Schlüfsel vorkommt. Sein Gebrauch ist jedoch den beiden nachfolgenden Schliifseln gleich, doch mufste hier der zugehörige Schlofsriegel nicht der Länge, sondern der Breite nach, mit den Riegellöchern versehen sein. Da ein solcher Riegel aber, an dem die Riegellöcher so nahe in einer und derselben Richtung mit dem Schlüfsel- loche, gleich bei dem Eingehen des Schlüfsels in das Schlofs liegen, ohne Schlüfsel leichter zu eröffnen gewesen wäre, so sind diese Löcher im Riegel welter von dem Schlüiselloche hinweg, nach dem Hinterkasten des Schlofses geschoben worden; daher mufste auch der Schaft des Schlüfsels gekrümmt werden, um mit den Zahnen des Barts wieder in die Löcher des Schlofsrie- gels reichen zu können. Diese Abweichung des Schlofsriegels gab bei dem engen Schlüfselloche ein Erschwernifs mehr, dafselbe ohne Schlüfsel zu eröff- 99 nen. Der Handgriff läuft, liier nach unten hin pyramidalisch zu, und ist mit einem ordentlichen Schhifselring versehen, an welchen sich noch eine Art Stift oder Häkchen, eigentlich aber wohl ein Drücker (siehe a.) ansetzt, der ohne Zweifel zum Hinwegdrücken eines Deckels auf dem Schlüfselloche, oder auch zu einer Federabspannung gebraucht wurde, um dann erst mit dem Schlüfsel in das Schlofs einfahren und dafselbe aufschliefsen zu können; eine Vorkehrung, welche wir heut zu Tage noch bei künstlichen Schlofseinrich- tungen angewendet finden. — Die Fig. 6. stellt einen aus sehr gutem Eisen schön und äufserst genau gearbeiteten Schlüfsel dar, a. zeigt denselben von unten, b. den Bart defselben von der Vorderseite. Ohnerachtet seiner Nettigkeit ist er im Verhältnifs seiner Gröfse, sehr mafsiv und schwer gefertigt. Sein Bart, in der Grundfläche ein Oblong von o, 9 Zoll Länge, o, 45 Zoll Breite, ist aus zwei Quadraten gebildet, in welche er auch wieder zerfällt; Eins derselben macht das Kernstück im Mittel des Barts, dieses ist dann nochmals kreuzweise in vier Zähne von dreieckigter, rechtwinklichter und gleichschenklichter Gestalt getheilt. Das andere Quadrat ist zu zwei Hälften dem Ersteren angesetzt; jede dieser Hälften zerfällt wieder in zwei kleine Vierecke von gleicher Quadrat/lache mit den Dreiecken, und je zw r ei und zwei derselben sind durch die ganze Dicke des Barts mit einem Zwischenraum unter sich so getrennt, dafs drei davon nur mit dem Mitteltheil des Bartes, das vierte aber nocli mit dem Schaft zusammenhängen. Der ganze Bart hat demnach acht gleich grofse Zähne von o, 3 Zoll Höhe, ein Maafs, welches der Dicke der Durchbrechung im Riegel gleich ist der in dem zugehörigen Schlofse sich befand. Der Bart ist im Ganzen o, 7 Zoll mit den Zähnen hocb, läuft pyramidalisch zu, wodurch die aufseren Seiten der Zähne nach ihrer Oberflache hin ein wenig schräg werden- dem Eingreifen des Barts in den Schlofsriegel ist solches beizumefsen und war sehr förderlich beim Aufschliefsen. Der Schaft ist quadratisch und sehr mafsiv mit einigen Gliedern zur Verzierung versehen. Er setzt sich, wie es bei den IOO hier gefundenen Schlüfseln immer der Fall ist, mit der Oberfläche der Zähne gleich und eben an, lauft von da pyramidalisch nach dem Handgriff, der sich gegen das dreitheilige Band, welches Schaft und Handgriff trennt, stemmt, und entweder aus Holz, Hörn, Mefsing, Kupfer oder Bronze, wie z. B. Tab. XVI. Fig. 2. 5. 4- bestand, und auch wohl verziert gewesen sein mag. Der verderbliche Rost welcher die schönsten und nützlichsten aus Eisen gefertigten Werke des Alterthums zerstörte, kann bei Fig. 7, auch einmal von einer guten Seite betrachtet werden. Es ist die Abbildung eines Schhifsels, der in einem Schlofsriegel eingerostet, und somit beide in engster Verbindung erhalten worden sind. Zufall oder vielleicht auch zu grofse Gewalttätigkeit, — der bedeutend verbogene Schlüfsel *) läfst das Letztere vermuthen, — sind Ursache, dafs diese beiden so eng verbundenen Schlofstheile nicht von einander getrennt wurden; und so erklärt dieses Zusammenfinden nicht nur das früher Gesagte noch deutlicher, wo z. B. zum vorhandenen Schlofse kein Schlüfsel, (Tab. XX. Fig. 1. 2.) und zum vorhandenen Schlüfsel kein Schlofsriegel sich vorfand,— sondern es läfst sich dadurch, auch noch näher ersehen, in welcher Lage und innerem Zusammenhange die Schlüfsel mit den Schlofsriegeln standen. Der Schlüfsel ist seinen Hauptformen nach, mit Fig. 6. fast gleich, und demjenigen, welcher auf Tab. XX. Fig. 1. als fehlend erwähnt worden, nicht unähnlich; die drei- oder vierfache Durchbrechung dieses Schlofsriegels ausgenommen, ist er dem auf der vorigen Tafel dargestellten ganz gleich. Auch dieser hat einen platten und mäfsig dicken Handgriff, welcher mit einem Loch versehen ist. Sein Schaft ist kurz und quadratisch, wie bei der vorhergehenden Figur; der Bart gleichfalls ein Oblong in der Hauptform, dieses wird wiederum in drei Theile, der mittlere davon nur einmal in diagonaler Richtung durchschnitten, und das Ganze also nur in vier statt acht Zähne getheilt. Gleich wie die Zähne auf dem Bart des Schlüfsels sich erheben, sind auch *) Der Deutlichkeit wegen ist dieses in der Zeichnung nicht ausgedrückt. IOI in dem Schlofsriegel die Löcher durchgebrochen; diese Vorrichtung zeigt wie der Bart des Schlüfsels und die Durchbrechung des Schlofsriegels übereinstimmen müfsen, wenn ein Schlüfsel zum Eröffnen eines solchen Schlofses angewendet werden soll. — Der Schlofsriegel, welcher von oben angesehen dargestellt worden, ist mit Ausnahme seiner Durchbrechungen auf der unteren Seite gerade so gestaltet, wie Fig. g.; jedoch von der Seite betrachtet wie Fig. 9. auf dieser Tafel. Hier erklärt es sich denn auch noch näher, warum die Durchbrechungen sammtlicher aufgefundener Schlofsriegel dieser Art, nicht durch die ganze Dicke derselben mit ihren Unterabtheilungen reichen, sondern immer auf I. bis | von der Dicke des Riegels im Ganzen durchbrochen sind; wohl auch auf der untern Seite defselben ein vertieftes Oblong von der Gröfse sammtlicher Durchbrechungen haben, welches dem Oblong an Form und Gröfse genau gleich ist, das den Bart des zugehörigen Schlüfsels mit allen seinen Zahnen bildet. Dieses vertiefte Oblong war in dem Schlofsriegel angebracht, damit der ein gleiches Oblong mit seinen Zähnen auf der Oberfläche bildende Bart des Schlüfsels, beim Einstecken in das Schlofs seine erforderliche Richtung bekam; um dann bei tieferm Eindrücken, mit seinen einzelnen Zähnen in die entsprechenden Löcher des Schlofsriegels sicher eingreifen zu können. Aufser diesem — in Bezug auf den Schlüfsel — wesentlichen Haupttheile des Schlofsriegels, nämlich die Durchbrechung defselben, haben die auf Tab. XXL Fig. 7. 8- 9- und auf Tab. XX. Fig. 1. abgebildeten Riegel ohne Ausnahme gleichsam zwei fortgesetzte besondere Riegel an den. beiden Enden,, welche rechts durch ein Loch in den Schlofskasten gehend, und links durch eine Kramme laufend, dem Riegel seine erforderliche Richtung und bestimmte Lage im Schlofse geben. Das hintere Riegelende, links, hat mehr Höhe als Dicke r doch Erstere übereinstimmend mit der Dicke des Schlofsriegels, und schiebt, sich mit seiner breiteren Seite an der aufrecht stehenden Rückwand des Schlofskastens hin und her, wohl nur zur Richtung des Riegels. Das vordere Riegelende aber, links, hat dagegen jedesmal mehr Breite als Höhe, und nie- I02 mals die ganze Dicke des Schlofsriegels, sondern meist nur die halbe, manchmal noch weniger. Der dadurch unterhalb am Schlofsriegel entstehende Absatz diente, dafs der Riegel beim Hin- und Herschieben an die vorerwähnte Kramme anstofsend, nicht aus seiner angewiesenen Bahn treten, auch nicht weiter geschoben werden konnte, um so nur nicht mit seinem hintern Ende, rechts, aus dem Schlofskastenblech auszugleiten. Das vordere Riegelende hat aufser diesem unterhalb befindlichen Absatz, auch noch einen Absatz gegen die Rückwand des Schlofskastens; dieser Theil des Riegels lauft von da aus etwas keilförmig seinem Ende zu. Durch diese zugespitzte Form konnte dieses Riegelende um so bequemer in die Kramme eingreifen, welche an dem Schubriegel sich befand; der Verschluss wurde nun auf gleiche Weise, wie bei Fig. i. Tab. XX. bewirkt. Durch den Absatz an der hintern Seite des Schlofsriegels, konnte die erwähnte Kramme am Schubriegel auch ungehindert eingreifen, ohne für dieselbe in der Hinterwand des Schlofskastens eine besondere Vertiefung einzulafsen. Der Schlofsriegel Fig. 8- findet in den vorhergehenden Darstellungen seine Erklärung; hier ist noch zu bemerken, dafs seine Durchbrechung viel Aelm- lichkeit mit dem Bart des Schlüfsels hat, welcher unter Fig. 6, dargestellt und erläutert worden, obschon derselbe grofser und mehr in seinen Zähnen durchbrochen, als dieser Schlofsriegel erscheint. Fig. 9., einen Schlofsriegel von der Rückseite darstellend, führt zu neuen Betrachtungen über die Schlofseinrichtungen der Alten. Der Zufall hat auch hier ein interesfantes Bruchstück eigener Art aufbewahrt, nämlich einen eisernen Stift, welcher in einem der Löcher dieses Schlofsriegels eingerostet ist. Dieser Stift hat gleiche Form mit dem Loche worin er steckt, und nimmt pyramidalis ch gearbeitet, gegen sein anderes Ende an Starke zu. Da nun bei der innern Einrichtung dieser Schlüfserart keine merkliche und unzweifelhafte Spur an den Schlofsriegeln zu ersehen ist, wie sie durch einen Federdruck, ähnlich unsern deutschen Schlöfsern, hätten angehalten werden können, dieses auch io3 besonders bei den notbwendigen grofsen Schlüfsellöcbern keinen sichern Ver- scblufs abgegeben haben würde, so ist es wohl keinem Zweifel unterworfen, dafs in ein jedes dieser Riegellücher ein solcher Stift einpafste, und hierin der Hauptverschlufs dieser Schlöfserart bestanden habe. Wird dieses angenommen, so erklärt es sich von selbst, dafs solche Stifte den Schlofsriegel nur dann von der Stelle bewegen liefsen, wenn mit den Bartzäbnen des pafsenden Schlüfsels, sammtliche Stifte zu gleicher Zeit in die Höhe und vollständig aus allen Löchern des Scblofsriegels gedrückt wurden. Füllten nun die Zähne des Schlüfselbartes die Löcher des Scblofsriegels vollkommen aus, so ward dadurch die Oberfläche des Scblofsriegels gleich und eben, und die einzelnen Stifte konnten keinen Anbaltepunkt mehr finden. Während nun der Schlofsriegel zur Rechten gescboben wurde, setzten sich die Stifte dabei auf den ebenen oder undurchbrochenen Vordertheil des Scblofsriegels, und das Schlofs mit der Thür liefs sich endlich, vermittelst des losgeschlofsenen Schubriegels eröffnen. Um jedoch diese beweglichen und losen Stifte an einen bestimmten Ort zu bringen, der nicht verlafsen werden durfte, ward im Schlofskasten eine befestigte Hülse notlvwendig, in welcher sie sich auf und abwärts, ohne auszugleiten, bewegen konnten. Diese Hülsen waren ohne Zweifel wie die Schlofskasten, aus Eisenblech gefertigt, indem sowohl zwischen zwei oder mehreren Löchern in den Riegeln, nur so viel mafsives Eisen sich findet, als auch zwischen je zwei oder mehreren Zähnen an den Schlüfselbärten der hohle Zwischenraum nur so grofs ist, als die Dicke eines mäfsig starken Eisenbleches beträgt. Beweis dafür sind auch noch die vier runden Löcher in dem Schlofsziegel, welcher unter Fig. 10. dargestellt ist; hier ist der Raum zwischen zwei dieser, der Länge des Riegels nach neben einander stehenden Löcher, doppelt so stark, als die gewöhnliche Dicke des Eisenbleches. Diese etwas keilförmigen Stifte bewegten sich wohl leicht in ihren Hülsen, und es mochte nicht schwer gewesen sein, solche mit dem rechten Schlüfsel aus dem Schlofsriegel in die Höhe zu liehen, weil sie wahrscheinlich nur von ihrem eigenen Schwergewichte herunter in die Riegel- io4 löclier gedrückt wurden. Das Eröffnen eines solchen Schlofses ohne Schlüfsel, war demnach ein mühsames, ja fast unmögliches Unternehmen, und, war der Schlüfsel verloren, so blieb wohl nichts weiter übrig, als das Schlofs abzubrechen. Die Schwierigkeiten und der Zeitaufwand mufsten grofs sein, indem jeder einzelne Stift, deren meist 4> 6' bis 8- und vielleicht noch mehrere in einem Schlofsriegel sich befanden, in die Höhe gedrückt, und vor das Wiederherunterfallen gesorgt werden mufste, bis der Schlofsriegel beweglich gemacht werden konnte. Sonach möchten diese Schlöfser manche Vorzüge vor den deutschen und französischen Schlöfsern haben, welche selbst bei vortrefflicher Arbeit, leichter ohne Schlüfsel zu eröffnen sind. ■— Uebrigens gehörten die auf Tab. XX. Fig. i. und Tab. XXI. Fig. 7. 8- 9- dargestellten Schlofsriegel, zu solchen Schubriegelschlöfsern; also zu Thüren, welche nur von einer Seite und zwar ausserhalb der Gemächer, verschliefsbar waren. Eine Ausnahme von dieser Art Schlöfser macht in Bezug auf den Ver- schlufs, der unter Fig. 10. dargestellte, a. von unten und b. von der Rückseite angesehene Schlofsriegel. Er gehörte zu einem Schlofse, welches keinen besondern freiliegenden Schubriegel, wie Fig. 1. Tab. XX. hatte, sondern so eingerichtet war, dafs die Thür, woran er befestiget, von beiden Seiten eröffnet werden konnte. Der Schlüfsel zu diesem Schlofse, konnte den vorher beschriebenen ähnlich geformt sein; der Schlofsriegel dagegen, obschon in einzelnen Theilen den drei so eben beschriebenen vergleichbar, weicht im Ganzen von denselben bedeutend ab, denn was dort Hintertheil ist, und zur Richtung im Schlofskastenbleche als nothwendig erscheint, wird 'liier Vorder- theil, ist stärker construirt, und dient zum eigentlichen Verschlufse des Schlofses. Der Absatz auf der hintern oder Rückseite des Riegels, und das keilförmige Zulaufen defselben nach seinem Ende, welches dort bei dem Vordertheil bemerkt worden ist, und zum Anschlufse des Schubriegels an das Schlofs erforderlich war, fehlt hier als überflüfsig und zwecklos. Dafür ist — als am Hintertheil — der Riegel rechtwinklicht an seinem Ende umgebogen und zu lo5 einem quadratischen Eisenstäbchen gebildet, welches durch den Schlofskasten hindurch, gleich wie der Riegel bei einem jetzt noch gebräuchlichen verdeckten Riegelschlofse, in das Freie reicht, und den Handgriff darbot, womit innerhalb das Schlofs ohne Schlüfsel geöffnet werden konnte, Fig. ii. stellt zur Vollständigkeit einen gewöhnlichen, auch jetzt noch gebräuchlichen Schlüfsel, mit Ring, Schaft und Bart dar, wobei nur der stark und gewagt durchbrochene Bart Aufmerksamkeit verdient, indem er ein Ein- gerichte voraufsetzt, das den unsrigen in keiner Rücksicht nachstehen dürfte. Fig. 12. zeigt endlich eine Schlofsfeder, welche an Dauerhaftigkeit und Elastizität, trotz ihrem Alter noch bedeutende Wirkung äufsert. a, stellt im Aufrifs ihre Lage in dem Schlofse, und b. von unten angesehen dar. Sie bestehet aus einer eben so dünnen als guten Stahlfeder, welche mit einer Lamelle von geschmeidigem Eisen überzogen zu sein scheint. Es fand sich eine ähnliche noch grofsere Schlofsfeder, an welcher der Ueberzug theilweise abgeblättert ist; dadurch wird die Stahlfeder sichtbar. Beide Federn waren nicht wie die Federn in unsern deutschen Schlöfsern gebaut, welche den Schlofsriegel mit ihrer Federkraft immer anhaltend vorwärts drücken, und dadurch das Schlofs stets zuhalten, sondern sie sind den französischen Schlofsfedern ähnlicher, die den Schlofsriegel im Schlofse dergestalt mit ihrem Eingreifen festhalten, dafs er sich ohne die geschehene Aushebung der Feder, weder rück- noch vorwärts bewegen läfst. Vorliegende Federn haben an ihrem eigentlichen Wirkungspunkte, ähnlich den französischen Schlofsfedern, cubische Würfelchen, welche ihrer Form und Gröfse nach, den auf dieser Tafel vorgekommenen Schlofs- riegellöchern, völlig gleich sind. Wahrscheinlich drückten sie zu gröfserer Versicherung entweder einen der erwähnten Stifte durch die Hülse in den Schlofsriegel, und liefsen ihre Kraft auf den Hülsen so lange ruhen, bis der Bart des Schlüfsels wieder gegen sie wirkte, oder sie konnten wohl auch bei andern Schlöfsern unmittelbar in die Durchbrechung des Schlofsriegels eingreifen, und die nämliche nur schwächere Wirkung hervorbringen. Die Enden i4 I ioö dieser Federn waren ohne Zweifel mit zwei platten Stiften oder Nageln, in das Holz der Thüre und nicht an das Eisenwerk des Schlofskastens befestigt. An welchen Gebäuden, Gemächern u. s. w. alle diese Schlöfser, Schlofs- zubehörungen und Schlüfsel im Kastelle verwendet gewesen, ist mit voller Gewifsheit nicht anzugeben; doch scheint nach den Aufzeichnungen Hoffmanns das Meiste in dem Bering der drei Hauptgebäude seine Anwendung gefunden zu haben. Aus den vorherigen Darstellungen lafsen sich folgende wesentlich verschiedene Schlöfserarten aufzählen, nämlich: das Anschliefseschlofs zweier trennbaren Gegenstände, welches auf Tab. XX. Fig. 2. vorkam, von eigener Art, jedoch mehr mit der deutschen, als mit der französischen Schlofseinrichtung vergleichbar. — Aufserdem beurkunden mehrere Schlofstheile und Schlüfsel den Gebrauch theils deutscher, theils französischer Schlofseinrichtungen. — Auch die Reste eines Schubriegelschlofses mit deutscher Einrichtung, vielleicht mit-französischem Schlüfsel versehen, fanden wir auf Tab. XX. Fig, 3. dargestellt. — Zu gröfseren Schlöfsern von eigener Gestalt und guter Einrichtung, deren Schlofskasten nur vorhanden, dürften wir die Schlüfsel auf dieser Tafel mit Fig. 2. 3. und 4« abgebildet gefunden haben. -— Am häufigsten aber kommen die Schubriegelschlöfser vor mit ihren Zahnschlüfseln, welche die Thüren nur auf einer Seite verschlofsen; daher konnten sie nur an Gemächern ihre Anwendung gefunden haben, welche zum Aufbewahren verschiedener Gegenstände, und nicht zum Bewohnen gebraucht wurden. Zu einem einzigen Schlofse, welches sowohl mit einem Schlüfsel, als auch mit dem vorstehenden Riegel zu eröffnen war, fanden wir den Schlofsriegel, siehe Fig. 10. auf dieser Tafel. Schlöfser hingegen, welche von beiden Seiten mit dem Schlüfsel zu eröffnen gewesen wären, fanden sich bis jetzt nicht. Auch waren sie nach den vorhandenen Schlofstheilen, insbesondere den Schlofsriegeln und Schlüfseln zu urtheilen, nicht wohl zu erwarten; es sei dann, dafs die Barte der Schlüfsel anders an den Schaft, und zwar unterhalb, statt mit den Zähnen derselben I , 107 in einer Fläche, angesetzt, oder auch die vordem Riegelenden anders geformt gewesen wären. Alsdann wäre der Vordertheil des Schlofsriegels dem Bart des Schlüfsels nicht hinderlich gewesen, und die meist symmetrische Gestalt derselben, hätte sich eben so gut rechts als links gebrauchen lafsen. Dafs es aber auch solche Schlöfser gegeben haben wird, ist sehr wahrscheinlich, indem der lange Schaft mancher Schlüfsel vollkommen durch die Holzdicke der Thür in das Schlofs reichen konnte; auch die dargelegte Vielfältigkeit der Schlüfsel- arten solche Annahme rechtfertigen dürfte; vielleicht wäre der auf dieser Tafel Fig. i. dargestellte und erläuterte Schlüfsel, als zu einem solchen doppelseitigen Schlofse gehörig, anzunehmen, da derselbe wohl alle nöthige Erfordernifse eines solchen Schlüfsels am Bart und Schaft vereinigt. In Bezug auf die innere Einrichtung der vorliegenden Schlöfser, lafsen sich zwei wesentlich verschiedene Arten erkennen; erstlich wo der Schlofsriegel durch das Herumdrehen des Schlüfels sich bewegt; zweitens, wo derselbe durch blofses Eingreifen in denselben nur hin und her geschoben wird, ohne dafs sich dabei der Schlüfsel zu drehen braucht. Daher sind im Wesentlichen nur zwei ganz verschiedene Schlüfselarten vorhanden; die Abarten, welche sich dabei bilden, mit einbegriffen. Diese sind unter sich dadurch verschieden, dafs sie mit Zähnen versehen, von der Rechten zur Linken oder umgekehrt geschoben, den Schlofsriegel bewegen, oder dafs sie Zinken haben, erst tief in das Schlofs eingesteckt und bei geringer Drehung wieder ein wenig herausgezogen werden müfsen, bis sie den Schlofsriegel zur Bewegung ergreifen. Alle bis jetzt in dem Kastell aufgefundene Schlöfser sind durch eine wesentliche Eigenschaft mehr den deutschen als den französischen Schlöfsern ähnlich, nämlich dadurch, dafs alle vorhandene Schlofsriegel nur einen Zug hatten, und somit die Schlöfser nur einmal, nicht zwei-, drei- oder mehrere- mal schlofsen; die Riegel übten also nur mit einer einzigen Bewegung den Verschlufs der Schlöfser. io8 Nach allem Vorhergehenden — Lobenswerthes und manches Tadelhafte kam in Betrachtung— 'ist es nicht zu läugnen, dafs zu der Zeit, als diese Werke aus Eisen gefertigt worden sind, die Schlofserarbeiten in ihrer mannigfaltigsten Art ? den heut zu Tage noch gewöhnlichen Geräthschaften nicht nachgestanden haben. Tab. XXII. gewährt eine Auswahl der vorgefundenen Waffen, mannigfach in Form und Gröfse; wo die Maafse nicht beigeschrieben stehen, ist der Gegenstand in natürlicher Gröfse abgebildet. Diese Alterthumfstücke finden beim ersten Anblick ihre Erklärung. Man sieht darunter Pfeile mit hohlen Seiten und scharfen Rücken, furchtbar für Jagd und Krieg; hinten runde, vorn viereckig zugespitzte Wurfspiefse; ein platter spontonforanger Spiefs, vorn nicht glatt, sondern scharfeckig gespitzt; ein langer runder Spiefs; lange und kurze Schwerdter; Fig. 15. und 16. scheinen die wohlerhaltenen Reste einer Standarte zu sein, Fig. 16. die untere Spitze, womit sie in die Erde gesteckt wurde. Vielleicht zu dem Seite 67. beschriebenen silbernen Fahnenschild gehörend. Als auf Waffen undKrieg sich beziehend fahre ich hier noch die auf Tab. XXV. Fig. 2. und 3. in natürlicher Gröfse abgebildeten Sporen an, welche in ihrer Konstruction viel Eigenthümliches haben. -— Fig. 2. auffallend, dafs die eine Seite länger ist als die andere; die im Innern angebrachten Knöpfe beweisen durch ihre Symmetrie, dafs die kürzere Seite nicht abgebrochen ist, und könnten auf die Vermuthung führen, dafs sie von Innen an die Kappe des Stiefels befestigt gewesen. Beide Sporen bestehen nur in einem gerade auslaufenden Stachel, der das Pferd antreibt. Auf derselben Tafel sind unter Fig. 4. 5. zwei Gegenstande in f natürlicher Gröfse dargestellt, welche in vielen Exemplaren von verschiedener Gröfse vorkommen, und in denen ich Endbeschläge zu den Scheiden der Schwerdter erkenne. Bei x. fafste die Scheide ein. Die Verzierungslinien auf der Oberfläche bei Fig. 4 shid erhaben aufgelegt. — log Tab. XXIII. bietet interefsante und mannigfaltige, aber mitunter sehr räthselhafte Gegenstände dar. Fig. i. von vortrefflicher Arbeit, hat Aehnlich- keit mit unsern Pferdestriegeln; Fig. 2. hat schon früher bei Aufführung der Ziegelstampfen Erwähnung gefunden; Fig. 5. eine vorn etwas beschädigte Sense mit ihrer Befestigung am sogenannten Sensenwurf oder Handhabe; Fig. 4. welches in doppelten Exemplaren vorhanden, ist mir so wie Fig. 8« 9» I2 « 13. 14. i5» ! 7' I 8- 19« 20 » räthselhaft, wenn sie nicht vielleicht wie Fig. 10. II. 16. ihre Erklärung als chirurgische Instrumente bei der Thierarzeneikunde finden möchten; Fig. 21, ein sehr gut gearbeiteter Hammer. Uebrigens sind alle diese Gegenstände so meisterhaft nach ihren Profilen, Durchschnitten und mit beigesetzten Maafsen (Fig. 10. und 11. in natürlicher Gröfse) dargestellt, dafs ein geübter Techniker sehr leicht sich Alles vergegenwärtigen kann, um seine Schlüfse und Combinationen darüber zu machen. Das auf dieser Tafel unter Fig. 5. 6. 7. abgebildete Zaumzeug ist von grofsem Interefse und selten, in unsern deutschen Gegenden nur in sehr unvollkommenen Bruchstücken vorgekommen. Der Schlufs davon auf die Gröfse der Pferde selbst bleibt zwar unsicher, denn kleine Pferde können dicke Köpfe mit breitem Maule haben, doch hier vereinigt sich Alles, selbst die vorgefundenen Pferdeknochen, zu der Annahme, dafs die Römer in hiesiger Gegend sich grofser, starker Pferde bedient haben. Die in der Sammlung aufbewahrten Pferdeknochen zeigen nach der Ansicht des Hrn. Dr. Mecke, Thierarztes in Neuwied, einen grofsen, schwammigten Bau, sind übereinstimmend mit dem Knochenbau grofser, schwerer Pferde und lafsen auf eine Art schliefsen, wie man sie jetzt noch in Friesland, Brabant, Niederland und in hiesiger Gegend findet. Sollte sich vielleicht diese Race, und der hiesigen Einwohner Neigung für gröfse Pferde aus der Römerzeit herschreiben? Freilich würde es sich immer noch fragen, wenn man noch mehrere Theile des Pferdekörpers und auch Zaumzeug aufgefunden haben wird, ob alle diese Theile aus derselben Periode des Römerreichs in Deutschland stammen, welches HO wichtig ist, da die Racen der Pferde nach dem Geschmack und dem Bedürf- nifse der Menschen stets wechseln. In unserm Kastell und Niederlafsung — als feste, bleibende Station — ist es wohl mit Gewifsheit anzunehmen, dafs die Römer, als ein so hoch kultivirtes Volk, Pferde selbst zogen, oder doch die vorhandenen deutschen Pferde durch Vermischung mit edlern Racen vervollkommneten und für ihren Geschmack und Gebrauch geeignet machten. Uns sind aus alten Zeiten von alten Schriftstellern die Eigenschaften geschildert, welche von den Römern an Pferde vorzüglich geschätzt wurden; Virgil, Terentius Varro, Columella, Palladius Rutilius und besonders über die Racen Vegetius de mulomedicina Iafsen uns darüber in keinem Zweifel, dafs zu allen Zeiten grofse, starke Pferde vorzüglich von Römern geliebt worden sind. Die im Kastell aufgefundenen Trensen weichen in der Gröfse unter sich etwas ab und es scheint dafs sie nicht alle für Pferde bestimmt waren. Die Kleineren, von denen eine unter Fig. 5. in natürlicher Gröfse abgebildet ist, scheinen mehr für Esel pafsend, sind auch weniger sorgfältig gearbeitet; die Gröfsern, Eine derselben unter Fig. 7. mit beigeschriebenen Maafsen, Iafsen nach der Lange auf ein breites Maul der Pferde schliefsen; sie sind länger als die noch gebräuchlichen Trensen; so bestätigt auch der an der dargestellten Trense statt Kinnkette dienende eiserne Reif, dafs das Maul der Pferde ziemlich breit und dick gewesen sein mufs. Uebrigens weicht das Mundstück dieser Trense fast gar nicht von den noch gewöhnlichen Trensen (besonders den sogenannten Wafsertrensen) ab; dadurch unterscheiden sich aber unsre römischen Trensen wesentlich von den jetzt gebräuchlichen, dafs zugleich eine Art von Kinnkette daran angebracht ist, und es scheint dafs die Römer unsre gebräuchlichen Stangen nicht gekannt haben. Die im Kastell gefundenen Trensen haben zwei Ringe, an dem einen derselben sind wahrscheinlich die Zügel befestiget gewesen, an dem andern Ringe aber ein gebogenes Eisen, welches die Stelle der Kinnkette vertritt, fest eingeschmiedet ist und also bei jedesmaligem Gebrauche nicht geöffnet werden konnte, daher es dem Pferde über die Unter- III lippe gezogen werden mufste. Sollte die Trense also dadurch in ihrer Wirkung aufs Pferd verstärkt werden, so mufste diese Art Kinnkette ziemlich an das Untermaul anschliefsen, weshalb man also auch hieraus wieder auf ein breites und dickes Maul der Römerpferde schliefsen kann. Die einzeln vorhandene unter Fig. 6. a. b. mit beigeschriebenen Maafsen abgebildete Kinnkette, ist zierlich und vortrefflich gearbeitet, scheint früher übersilbert gewesen zu sein, und ist wohl für das Pferd eines Vornehmen bestimmt gewesen. In ihrem Bau weicht sie wesentlich von den jetzigen ab und ähnelt mehr denjenigen, welche in dem Mittelalter üblich waren, und ist biegsam. An der linken Seite ist ein einzelner Ring, mit dem sie wahrscheinlich an die Trense befestiget war, an der rechten Seite sind dagegen zwei länglichte Ringe, welche wohl zur Verkürzung oder Verlängerung der Kinnkette gedient haben. Der Länge und Dicke nach, mufs sie für ein grofses, starkes Pferd bestimmt gewesen sein und so deutet also auch das zierliche, ohne Zweifel einem Oberoffiziers- Pferde zugehörige Zaumzeug auf grofse und schwere Pferde hin. Tab. XXIV. zeigt uns Werkzeuge der Strafsen-Pflasterer, Riemer, Fleischer, Schuhmacher und Schreiner. Fig. i. ist wohl ohne Zweifel ein Pflasterhammer und Fig. 3. eine sehr pafsende Haue zu ähnlichem Gebrauche; Fig. 2. ein Fleischerbeil zur Zerlegung des Fleisches. Das auch Knochen oder sonstige harte Gegenstände damit durchhauen wurden, zeigt der mit einem Hammer plattgeschlagene Rücken dieses Werkzeugs, wodurch jedoch der Schneide kein Schaden zugefügt scheint. Vielleicht könnte dieses Instrument auch als Opferbeil bezeichnet werden; Fig. 4« ein i n einem hölzernen Stiel einzulafsender Meifsel; Fig. 5. wohl die Säge eines Schreiners; Fig. 6. 7. und 13. scheinen mir Schusterkneipen, so wie Fig. 10. 11. und 12. Sattlerwerkzeuge zu sein, unter denen Fig. 11. einen zierlich gearbeiteten Griff von Bronze hat; Alter- thumskundige wollen in Fig. 10. und 11. gleichfalls Opferinstrumente erkennen; Fig. 8- ein gutgearbeiteter Zirkel, mag gleichfalls für den Sattler pafsend sein zur Abmefsung der richtigen Breite der Riemen und regelmäfsigen Entfernung I 12 etwa einzuschlagender Löcher; Fig. 9. ist eine Schere, völlig so geformt wie unsre heute noch gebräuchlichen Schaafscheren. Der unten beigesetzte Maafs- stab zeigt die Gröfse dieser abgebildeten Gegenstände. Die Tab. XXV. Fig. 1. stellt uns eines der wichtigsten Werkzeuge der Civilisation des Menschengeschlechts dar, nämlich eine römische Pflugschaar. Die ganze Beschaffenheit defselben läfst auf eine sehr grofse Einfachheit des vollständigen Werkzeuges schliefsen. Die noch fest an der Pflugschaar angerostete Kette, so wie eine zweite dabei gelegene, haben ohne Zweifel zum Ziehen gedient. Die Schaar selbst klärt durch ihre Beschaffenheit einen Umstand auf, der meines Wifsens noch nirgend erläutert ist, nämlich die Befestigung derselben an den Pflug. Die jetzigen Pflugschaaren haben ein mächtiges, zu beiden Seiten eingebogenes Ohr, womit sie das in der Erde horizontal gehende Holz umfafsen, Die hier abgebildete römische Schaar war blofs vermittelst eines durch die ovale Oeffnung gehenden, wohl mit Eisen beschlagenen Bengels befestiget, und durch die daran befindliche Kette, vorn am Krappen zum Ziehen und hinten mit dem grofsen runden Ringe am Hintertheil des Pflugs in die gehörige unverrückte Spannung gebracht. — Ceres lehrte die Menschen zuerst mit dem Eisen das Erdreich Wenden, — Erst die gewichtige Kraft des gebogenen Pfluges, die Pflugschaar, Sammt der eleusischen Mutter gemach hinroljendem Wagen. — Frühe bereits und mit Macht wird die Ulm' im Walde gebändigt, Dafs sie gewinne die krumme Gestalt des Pfluges, aus defsen Stamme die Deichsel sich zieht, acht Fufs in die Länge, mit zweien Ohren zur Seite daran, und mit doppeltem Rücken der Schaarbaum. Auch ist die Linde zum Joch schon früher gefällt, und die hohe Buche zur Sterz, das niedre Gestell im Rücken regierend; Heerdrauch prüfet die Kraft der drüber hangenden Hölzer. Virgils Georgica, Gesang 1. n3 B. Gegen, stände aus Thon. i\ Aus Tlion geformte Götzenbilder oder sonstige Figuren und Zierrathen haben sicli in unserm Kastell nur wenige gefunden. Nämlich: eine Minerva mit Medusenhaupt auf der Brust, Helm und Spiefs, roh und schlecht gebildet, Tab. XIII. Fig. i. in natürlicher Gröfse; ferner ein häfsüch mifsgestalteter Kopf, vielleicht Spafs eines Töpfers, und Carrikatur seines vorgesetzten Meisters, Tab. XIII. Fig. 2. a. b. in nat. Gröfse; ob übrigens in diesem Kopfe ein böser Dämon zu erkennen, wie mehrere Alterthumskundige behaupten wollen, lafse ich auf sich beruhen. Diese beiden Gegenstände sind aus weifsgelblichem Thon. Endlich aus röthlichem Thon ein kleiner weiblicher Kopf, (Tab. XIII. Fig. 3. a. b. in natürl. Gröfse) welcher wegen seines Kopfputzes nicht uninteressant ist; Aehnliche in der Arbeit nicht vorzüglichere, werden häufig in Rom gefunden. — An Gefäfs-Ueberresten war dagegen die Ausbeute um so reichhaltiger und wichtiger. Die Betrachtung derselben wollen wir in zwei Abtheilungen, a) Gefäfse aus feinem rothen Thon, und b) Gefäfse aus gewöhnlichem Töpferthon, zerfallen lafsen. a. Gefäfse aus feinem rothen Thon, (terra cotta, von den darauf befindlichen Bildwerken wohl nicht mit Unrecht terra, sigillata genannt.) — Leider fand sich hiervon wenig vollständig Erhaltenes, wohl aber eine gröfse Zahl verzierter und unverzierter Scherben, welche noch auf Gröfse und Form schliefsen lafsen; Letztere übereinstimmend mit den Gefäfsen welche ich im isten Bande der Denkmale germ. und römischer Zeit in den rheinisch-westphälischen Provinzen auf Tab. XVI. und im 2ten Hefte der Opferstätte und Grabhügel der Germanen und Römer (2te Auflage) auf Tab. V. und IX. mitgetheilt habe. Die abweichenden Formen finden sich auf Tab, XXVIII. Fig. I. und 2.; Schaalen wie Fig. 1. (| natürliche Gröfse) kommen in grofser Anzahl vor, n4 theils mit, theils ohne Abzugslöcher; sind diese vorhanden, so erscheinen sie als natürliche oder fratzenhafte Löwenköpfe verziert; diese Gefäfse haben alsdann wahrscheinlich zu Reibschaalen für Flüssigkeiten gedient; die in dem Boden eingebrannten Steinchen führen auf diese Vermuthung. Die sehr geschmackvoll geformte Kanne Fig. 2. (| natürliche Gröfe) lag bei grofsen Schaalen, um deren Ränder sich Epheu als Verzierung schlangelt und deren eine völlig ähnliche, im 2ten Hefte meiner Opferstatte und Grabhügel Tab. XV. Fig. 1. abgebildet ist. Die interefsantesten Bildwerke auf diesen Gefafsstücken finden sich auf Tab. XXVI. XXVII., in halbnatürlicher Gröfse, und zeigen mythologische Darstellungen, Jagden, Kriegfscenen, Triumphzüge und Ringerspiele in mannigfaltigen Abwechselungen von guter Arbeit und characteristi- schem Ausdruck der Menschen- und Thiergestalten, interessant in Beziehung auf andere im Kastell gefundene Anticaglien: daher es hier wohl an seiner Stelle ist, über ihre Bearbeitung und Verfertigung ausführlicher zu sprechen, welche wieder einen Haupteinflufs auf ihre besondere Form und Verzierung übten. Auch hier verdanke ich Herrn Baumeister Hundeshagen lehrreiche Hotizen. Die in den Rheingegenden und überhaupt in Deutschland gefundenen Tothen Gefäfse lafsen sich in 1 Klafsen abtheilen, in eine feinere und härtere, und in eine gröbere und weichere. Dem feinern Thone der erstem Klafse, scheint eine starke Beimischung von Farbe (vielleicht Ocker oder Zinnober) gegeben zu sein, wodurch die hohe rothe Farbe in der ganzen Mafse, und 'der Glanz an den Aufsenflächen entstanden sein mag, wenn nicht ein ganz 'eigener Thon -dazu •verwendet worden. Diese Art Gefäfse finden sich vorzüglich in Mainz. Im Kastell hei "Neuwied 'ergaben sich -dagegen allein Gefäfse der 2ten Klafse, welche aus reinem, gut geschlemmten Thon von ziemlich hocbgelber Farbe, die im Bruche meist ins Röthliche überschiefst, gefertiget worden sind. In dieser Thonmäfse bemerkt man mehr oder minder kleine Körner, theils U5 von schwarzer, theils von heller ockergelber und theils von weifser Farbe, welche letztere manchmal quadratisch sind, und wie Silber glänzen. Wenn der Bruch nicht gerade mit der Richtung einer auf dem Gefäfse vorkommenden Vertiefung geschehen, so ist er nicht senkrecht durch die Dicke derselben, sondern ganz schräg und schichtenartig geblättert. Die gebrannte Mafse dieser Gefäfse ist von einer unglaublichen Gediegenheit und Stärke, so dafs man nicht im Stande ist, ein Stück mit der Hand zu zerbrechen; ihrer Dauerhaftigkeit nach, kann man sie unserm Steingute gleich setzen. Die Glasur, welche von Farbe sehr verschieden, vom Gelben fast Orangen, bis zum dunkelsten Roth, beinahe purpurähnlich, in allen Graden vorkommt, bekamen diese Gefäfse sehr wahrscheinlich gleich nach dem Formen, noch ehe der Thon an der Luft getrocknet worden war; denn an den meisten Gefäfsen befinden sich mehrere Stellen, besonders an den Füfsen, wo man ganz deutlich vom Angreifen, die Finger des Verfertigers in den Thon eingedrückt sieht, wobei die Glasur verwischt und die natürliche hellere Grundfarbe des Thons bemerklich ward. Noch mehr Beweis dafür ist, dafs die Glasur im Bruche nicht im geringsten körperlich erscheint, sondern meistens bis in eine gewifse Tiefe in die Dicke des Gefäfses schattirend sich verliert, und dadurch bei allen Gefäfsen unleugbar zu erkennen giebt, dafs je- dunkler die Glasur in der Farbe ist, desto dunkler der Thon am Gefäfse erscheint, was bei einem ganz trocknen Zustande des Thons, bei dem Auftrage der flüfsigen Glasur, weniger, vielleicht auch gar nicht der Fall würde gewesen sein. Aufser den Stellen wo man den frischen noch ungehärteten Thon mit den Händen betastet hat, finden sich keine Merkmale verwischter Glasur. Fast alle Gefäfse, welche auf diesen Tafeln dargestellt und wovon deren Bruchstücke so grofs sind, dafs mit Gewifsheit auf die ehemalige Form geschlofsen werden kann, haben mit sehr unbedeutendem Unterschiede das nämliche Verhältnifs, wornach der gröfste Durchmefser dieser durchgängig kreisrunden Gefafse, mit der ganzen Höhe, den Fufs mit einbegriffen, verglichen, wie 2. zu 1. sich verhält. Sie u6 ähneln mehr oder weniger, je nachdem ihr Profil -gebildet ist, einer halben Kugel. Das gröfste unter allen abgebildeten Gefäfsen, Tab. XXVI. Fig. 5, mifst genau einen römischen Fufs im gröfsten Durchmefser und ist L 1 hoch; das kleinste (Tab. XXVII. Fig. 15.) nur \ röm. Fufs im Durchmefser, und hat etwa 5' Höhe. Der Fufs dieser Gefäfse ist jedesmal ein kreisrunder Ring, hat stets bedeutend weniger als die Hälfte, ja bis zu \ des Durchmefsers vom Gefäfse zum Durchmefser und ohngefahr I bis \ seines Durchmefsers zu seiner Dicke, und etwa die Hälfte von dieser Dicke zur Höhe. Vom Rande ist zu bemerken, dafs alle Gefäfse mit ihren Seitenflächen sich dem Senkrechten, mehr oder weniger, nähern und an ihren senkrechten Flächen ohne Verzierungen sind. Sie haben immer einen sehr hohen glatten Rand, welcher meist ganz gerade abgeflacht, zuweilen in der Mitte nur etwas weniges ausgebaucht, oder auch manchmal geschweift vorkommt. Oben am Rande, an der Kante des Gefafses, ist dafselbe jedesmal durch einen flachen, halben Rundstab, der nur aufsen um das Gefäfs, gleichsam wie ein Reif herum zieht, umschlofsen, und verstärkt durch diese Verdickung den äufsersten und zerbrechlichsten Theil des Gefafses. Der Bauch dieser Gefäfse enthält die Verzierungen und nähert sich sehr der horizontalen Linie, im Gegensatz mit der unverzierten, mehr senkrechten und glatten Randesfläche. Die Verzierungen sind mehr oder minder körperlich über die Grundoberfläche des Gefafses erhaben. Ihre, demselben Typus entsprechende Gleichheit, und die mehrmalige Wiederholung einer und derselben Figur auf demselben Stück, sogar auf verschiedenen Gefäfsen, ist sehr in die Augen fallend. Ihre Zeichnung ist meistentheils so scharf und bestimmt in den Umrifsen, und zuweilen mit der Fortpflanzung offenbarer Fehler wiederhohlt, dafs an freie Arbeit für jedes Gefäfs, oder auch nur für eine Abtheilung defselben, und freie Ausarbeitung der Figuren, gar nicht zu denken ist. Dafs diese Verzierungen in die Oberfläche der Gefäfse, so wie die Legion- und Cohorten-Zeichen in die Oberfläche der Ziegelsteine, mit Stampfen eingedrückt sind, ist eben so wenig als die freie Bearbeitung anzunehmen, weil II 7 auf diese Weise durch das Eindrücken der Stampfen neben den Verzierungen, durch die abgerundete Fläche (Kegel) derselben, eine Vertiefung auf den Grundflächen des Gefäfses, wie bei den Legion- und Cohorten-Zeichen auf den Backsteinen, hätte entstehen müfsen, wovon auch nicht die geringste Spur vorhanden ist. Bei den Gefiifsen findet nun gerade das Gegentheil statt; es gehen hier die Verzierungen mit ihren Erhabenheiten nicht in die Oberfläche hinein, sondern sie sind auf diese Fläche aufgesetzt. Aus der Form und Verzierung dieser Gefafse kann man mit Gewifsheit schliefsen, dafs dieselben nur Abdrücke eines besonders zubereiteten Modells sind, wie ich denn auch so glücklich war, in Mainz ein solches, aus hartgebranntem Thon gefertigtes, aufzufinden, dafs jetzt im Königl. Museo vaterländ. Alterthümer zu Bonn aufbewahrt wird*). Diesen Formen haben aber Stampfen die verschiedenen- Verzierungen eingedrückt. Der nafse Thon zur Bildung des Gefäfses ward in der hohlen Form ausgebreitet, wie man ihn im Bruche mancher Stücke noch schichten- weis findet, dann eingedrückt und endlich das Gefäfs im Innern, bis auf eine gewifse Stärke, glatt ausgedrehet, wovon die Drehstreifen im Innern der Gefafse den deutlichsten Beweis geben. Im übrigen sind diese Gefäfse in ihrer innern xYushöhlung, die ohne weitere Verzierung, ganz gleich und glatt, doch niemals so schön und eben, als besonders der äufsere Rand derselben ist, Es finden sich jedoch hierbei einige Ausnahmen ? wie die bei Fig. 15. 16'. Tab. XXVI. abgebildeten Rosettchen. Man sieht dieselben in Bruchstücken von Schüfsein, nicht von aufsen, sondern im Innern des Gefäfses, und zwar in dem Centrum des Bodens eingedrückt; sie sind nicht aufsen erhaben, sondern wie bei den Stampfen in den Ziegelsteinen, in die Fläche des Gefäfses eingedrückt, und zwar mit Stampfen, woran das zeichnende Körperliche vertieft eingeschnitten war. Das Herausnehmen des Gefäfses aus dem Modell konnte nicht schwer werden; die ganze Gestalt des Gefäfses und. die Verzie- *) Siehe: Denkmale germanischer und römischer Zeit in den Rheinisch - Westphälischen • Provinzen. Von Dorow. 1. Theil. S. 98- Zeile 1. n8 rung war hierzu berechnet und geformt. Das Profil des ganzen war kugel- oder keilförmig, und die Matrizen der Verzierungen konnten, ihrem Standorte und ihrer Lage nach, nicht hinderlich wirken, weil sie mit ihren Erhabenheiten nach derselben Richtung sich hinneigten, in welcher das Gefäfs aus dem Modell genommen wurde. Das einzig Beschwerliche wäre der Fufs des Ge- fafses gewesen; doch dieser ward später angesetzt und nachgeformt, welches deutlich bei dem Aeufsern demselben an dem umgebogenen Rand und der unscharfen Vertiefung gegen den Bauch und dem Ansätze, so wie an der jedesmal in den frischen Thon defselben eingedrückten Haut der Finger, zu sehen ist. Bei einigen Gefäfsen scheint der vertiefte Kreisring im Fufs eingestampft und nicht eingedrückt zu sein, z. B. Tab. XXVU. Fig. 2. Waren die Gefäfse aus der Form, so kamen sie wohl zur Formung des Fufses und sonstiger Nachhülfe nochmals auf die Drehbank, woselbst sie die Ringe theils am untern Rande erhielten, welche im Gegensatz mit den erhabenen Verzierungen vertieft auf der Oberfläche derselben vorkommen, und den Beweis geben, dafs diese Gefäfse auf der Töpferscheibe ihre vollendete Form erhalten haben. Ueber die Verzierungen selbst etwas Erklärendes zu sagen scheint überflüfsig; die Zeichnungen dieser Tafein sind so meisterhaft und treu dargestellt, dafs sie sich von selbst erklären, zumal keine dunkle mythologische Darstellungen darauf vorkommen. Da es bei diesen Vorstellungen mehr auf die Verzierungen ankam, so sind die Bildwerke mit der Fläche, worauf diese erscheinen, entwickelt und sonach die Darstellungen in gerade ebene Flächen und unverkürzte Figuren und Formen verwandelt und als solche gezeichnet worden; auch sind zur Raumersparnifs nicht die vollständigen Bruchstücke auf Tab. XXVI. XXVII. gezeichnet, indem wie bemerkt, die Formen fast durchgängig übereinstimmen, sondern allein nur die verzierten Flächen. Uebrigens sind fast alle auf diesen Tafeln dargestellte Gefafsstücke so grofs vorhanden, dafs, wie schon gesagt, mit Gewifsheit auf die Form der Gefäfse geschlofsen werden kann; daher denn nun die Angabe der Gröfse fol- JI 9 gen mag, und zwar in römischem Fufsmaafs, den Fufs zu 10" und den Zoll wieder in _ T _, _i_ Theil eingetheilt, und bemerkt i Fufs = 10,0 Zoll. Tab. XXVI. Fig. 1. ß» 8" im gröfsten Durchmefser bei 5" Höhe; die Dicke des Thons 0,2" oben am Rande, o, 3" unten am Bauche; ziemlich roth von Farbe. Der glatte Rand ist 2, 5" mit dem halben Rundstab bis zum Anfange der Verzierung hoch, zu welcher 8 verschiedene Stampfen angewendet sind. Fig. 2. 8, 6" Durchmefser, 4» 3" Höhe und o, 2" Dicke, roth an Farbe; der glatte Rand 2, o". 6 verschiedene Stampfen gebraucht. Fig. 3. 8> 2" Durchmefser, 4> 2 " Höhe, o, 25" oben und o, 17" am Bauche dick; Randhöhe 1, 95"; bräunlicher die Glasur wie Fig. 2. 9 verschiedene Stampfen. Fig. 4« Form nicht zu bestimmen; Dicke o, 37" am Rande, o, 24'' am Bauche. 7 Stampfen. Fig. 5. a. 8» 8" Durchmefser, 4» 4" Höhe; glatte Rand 2, 1"; oben o, 25", am Bauche o, 33" dick. Glasur frisch roth und glänzend selbst im Bruche. 8 Stampfen. Fig. 5. b. zeigt ein ähnliches Bruchstück mitverbunden. Die Eyformen sind so wie die Säulen und Bogen, dieselben Stampfen-Eindrücke, wie bei Fig. 5. a. Hier Jungfrauen, dort Jünglinge. Fig. 6. wie Fig. 2. 7 Stampfen. Ein Begattungsakt auf einer Löwenhaut:; wohl Herkules« Fig. 7. 10, o'' Durchmefser, 5, oll Höhe, roth, im Bruch gelblieh. Bandhöhe 2, 5//, Dicke o, 25" oben, am Bauche o, 3" bis 0,33" dick. 10 Stampfen. Fig. 8- wie Fig. 7. am Bauche oben o, 23" Tkon Dicke, unten am Bauche o, 4 2 '' dick, hellroth. 7 Stampfen, darunter eine erhabene Bandfläche mit vertieften Buchstaben und verkehrt geschriebenem Worte-- Ofl/JIfilJ (Oricirc) oder wie bei Fig. 13 CKICIKO•> (crlciro). Merkwürdig ist das B, welches keine zufällige Verkehrtwendung des 'Originalkegels von diesem Buchstaben sein konnte, denn diese hätte nur CJJ oder HC oder Chf -oder HO geben 120 können, nie aber CH oder ffj. Es war also schon ursprünglich eine besondere Absicht des Schriftformers. Fig. 9. nichts bestimmtes darüber zu sagen. 10 verschiedene Stampfen sind noch zn erkennen. Fig. 10. 9" Durchmefser, Dicke des hellgelben Thons, o, 2"; 5 Stampfen. Fig. 11. der gröfste Durchmefser 9, 5", die Höhe mag die Hälfte desselben betragen hahen; Randhöhe 2, 2" die Dicke des Thons o, 2" his o, 25". hochroth. 6 Stampfen. Fig. 12, 8" Durchmefser, 4" Höhe; der glatte Rand 1, 65" hoch, die obere Dicke o, 21" bis o 7 25", am Bauche o, 25 bis o, 27" dick. Die Glasur ist fein, und kräftig das Roth. 5 Stampfen. Fig. i4« e m kleines Bruchstück worauf nur ein schön gebildetes Kreuz von neugriechischer Form erscheint. Fig. 15. 16. sind auf das Innere vom Schlüfselboden eingedrückte Verzierungen, deren bereits Erwähnung gethan ist. Tab. XXVII. Fig. 1. 8, 1" Durchmefser, 4" Höhe. Die Dicke am obern Rande ist o, i5' y biso, 18", in der bauchigten Mitte o, 23"; am obern Bildrand ist der Thon am dicksten, nämlich o, 25" und wird von hier aus, den Bauch hinunter immer dünner, endlich so dünn wie Fensterglas, o, 09", ja nur o, 06". Die Arbeit ist-sehr gelungen; die Glasur die dunkelrotheste (purpurähnlichste) in der Farbe und strahlendste im Glänze; so ist auch der Thon der feinste, gediegendste und rothfarbigste unter allen auf diesen beiden Tafeln vorkommenden Gefafsen. 6 Stampfen. Auf dem platten Rande ist der Buchstabe P mit einem scharfen Instrument durch die Glasur in den Thon geritzt, eine Vorkommenheit, welche wir auch noch auf andern Gefafsen finden. Fig. 2. 8» 6" Durchmefser und ohne den o, 45" bohen Fufs, der hier aus einem besöndern Stück Thon angesetzt ist, 4> 5'' Höhe. Dieses Gefäfs ist das mafsiveste von allen, und die Dicke des obern glatten 2, 2" hohen Randes, ist oben o ? 25" bis o, 27", unten am Bildrand o, 34" bis o, 35''; 121 in der Mitte des Bauchs o, 25", aber unten an demselben o, 36" bis o, 42". Der Thon selbst ist ziemlich gediegen, obschon weniger fein und von mehr rother, als gelber Farbe. Die Glasur ist unten am Gefä'fse fast zinnoberroth, und mehr oben am Bildrand und an allen Erhabenheiten bemerkt man deutlich eine bläuliche Inkrustirung, die von einem allzugrofsen und zu lange dauernden Feuer beim Brennen hergekommen sein mag. 8 Stampfen. Fig. 3. 8'' Durchmefser. Zu sehr Bruchstück um Höhe u. d. g. angeben zu können. Thondicke von o, 2H bis o, 23"; blafsrothe, ins gelblich fallende Farbe. 6 Stampfen. Fig. 4- 8> 2" Durchmefser, Höhe, ohne den fehlenden Fufs 2, 5", hier verwandelt sich also das Verhaltnifs wie 3 zu 1, wenn wir das Gefafs mit dem Fufs zu 3" annehmen; hellfarbig, dauerhaft der Thon, die Glasur kraftvoll und frisch. Randhöhe 1, 4"» Thondicke o, 23" bis o, 25". 5 Stampfen, einer derselben mit dem Worte in vertieften Buchstaben COWCIVS oder COWSIVS. Dieser Name kommt auf einem ähnlichen Thonscherben nochmals vor. — Fig- 5- 7" Durchmefser, o, 25" Thon Dicke, die rothe Glasur schmutzbraun. 7 Stampfen. Fig. 6. Form und Material mit Fig. 4- Aehnlichkeit. 3 Stampfen. Fig. 7. ist von dauerhaftem o, 22'' bis o, 3" dickem Thon und braun- rother Glasurfarbe. 5 Stampfen. Fig. 8- Bruchstück eines sehr mafsiven Gefafses, defsen hellgelbes Material o, 4" °i s °j 44'' Dicke hat. Die Glasur ist Schwachroth, Fig. 9. 5 Stampfen, der Thon ist mittelmäfsig, und o, 2.U bis o, 36" dick, die Glasur braunroth ohne besondere Kraft und Leben in der Farbe. Fig. 10. und 11. zu klein die Ueberreste um noch etwas daraus abnehmen zu können, doch ist die sich gleichende Darstellung interefsant. Fig. 12. stellt ein an der Glasur verschabtes Bruchstück von einem sehr abgebrauchten Gefafse dar, welches 6, 8'' Durchmefser und 2, 6 11 Höhe ohne 16 122 Fufs hatte. Der Thon ist mehr gelb als roth, seine Stärke beträgt am i, 4" hohen obern Rande o, a"; am Bildrande o, 2" bis o, 25" Dicke. Die Glasur ist schmutzig zinnoberroth mit gelblichem Schein. Die Hauptverzierung am Bauche dieses Gefafses mufs ich hier erwähnen, indem Hoffmann in seiner Abhandlung: Ueber die Zerstörung der Römerstädte am Rhein (Seite 30 Note 17) Neuwied 1819« darüber sagt: „Auf einer der Scherben von dem bekannten schönen rothen Töpfergeschirr, sieht man einen Deutschen, der ein Kind, das Arme und Beine gen Himmel streckt, mit einem durch den After gesteckten Spiefse vorwärts in die Höhe hält; ein Römer geht mit seinem Dolche oder kurzem Schwerdte auf ihn los, um die That zu rächen." Phantasie und Römerhafs haben unsern Hoffmann hier wohl zu weit geführt, und er sähe ein Kind, wo ich allein nur ein aufgespiefstes vierfüfsiges Thier erkennen kann. Der die Frevelthat rächende Römer hat mit dem Deutschen gleiche Kopfbedeckung und gleichen Rock, welches Hoffmann in seinem Eifer wohl nicht bemerkte. Fig. 13. zeigt uns ein sehr kleines Bruchstück, doch interefsant w r egen der drei grofsen Buchstaben SOR. vielleicht Endsilbe von Censor. Jeder dieser drei Buchstaben, die sich durch ihre aufserordentliche Gröfse auszeichnen, scheint auf einem besondern Kegel dem Modell der Gefäfsform eingedrückt zu sein. Sie sind über die Oberfläche des Gefafses eben so wie die übrigen Verzierungen erhaben, ohne die geringste Spur von der Umgebung eines Stampfenschildes. Fig. i4- hatte wenigstens 11" Durchmefser und seine Höhe mag die Hälfte davon betragen haben. Der ziemlich dauerhafte Thon ist von dunkelgelber ins Roth scheinender Farbe, hat am obern Rande o, 2" und unten am Bauche o, 4" Stärke. Die Glasur gleich wie Fig. 4« 6 Stampfen. Fig. 15. ist am besten erhalten, am schärfsten in Zeichnung der Sigillen ausgedrückt und fast noch bis auf | Theile des Ganzen erhalten. 5" Durch- 1^3 mefser, 2, 5" Hohe. Die Glasur ist sehr schön, braunroth und der TJion dunkelgelb, fast orange in der Farbe; seine Dicke o, 18'' bis o, 22". 6 Stampfen. Fig. 16. ist ein fast ganz vorhandenes Gefafs. 5, 8" Durchmefser 2, 7" Totalhöhe. Randhöhe nur o, 8"- Thondicke o, 2", hellgelb die Glasur. 7 Stampfen. Folgende Namen und Schriftzüge haben sich auf den im Kastell und seiner nächsten Umgegend gefundenen Gefäfse aus feinem rothen Thon erhalten. Als: Diese Handschrift findet sich etwas gröfser als sie hier als Facsimile wieder gegeben ist, auf dem äufsern Rande einer flachen, unverzierten Schüfsei von rothem Thon, durch die Glasur ziemlich tief eingerifsen, und mag wohl der Name des Eigenthümers gewesen sein, der sein Eigenthum dadurch beurkunden wollte. Zu lesen sind diese Zeichen Beritonus oder Baritonus. Dieser Name, ob lateinisch oder griechisch lafse ich dahin gestellt, findet sich ebenfalls auf dem Bruchstück eines Gefäfses aus rother Erde, eingekrazt. Ferner kommen noch folgende Namen vor: AFER.FEC; BETTAFECIT; CAHTO F auf einer Lampe; FORTIS CENSORINV; COMISILUS; CRIOF; IOSSAF; IVLLIACVS; hC.B.B.V.FR,' QVINTV23; PRVSO 0 ; RECIN 1 ; VITRIOFE A ; VRBANVSF; VOLVNIOSSVS. b. Gefäfse aus gemeinem Töpferthon fanden sich verhaltnifsmäfsig nicht soviel vor, als man zu erwarten berechtigt war. Jedoch bieten die Vorgefun- 124 denen die verschiedenartigsten Formen und Gröfsen dar; nichts aufs ergewöhnliches und von den in meinen oben gedachten altern Werken dargestellten, Abweichendes. Ein- zwei- dreilienklichte Krüge kommen vor, so wie überhaupt Gefäfse von z' 2'' Höhe und i' 9" 6 tu Durchmefser bis zu 2" Höhe und 11" Durchmefser. Gleichfalls wurden Lampen gewöhnlicher Art gefunden, doch in geringer Anzahl und mit unbedeutenden Verzierungen versehen; Tab. XXVIII. Fig. 8- a « b. zeigt eine derselben in I natürlicher Gröfse, worauf als Verzierung Herkules dargestellt ist, wie er mit der Hydra kämpft. Dieselbe Tafel zeigt in Fig. 3. a. b. und Fig. 4. a. b. zAvei geschmackvoll und zweck- mäfsig geformte Krüge; Ersterer von grobem rothen, Letzterer von grau weifs- lichem Thone in § natürlicher Gröfse; b. giebt die Form der Mündungen an. Fig. 5- a « D * aus gutem röthlichen Thone gefertiget möchte als Aufbewah-* rungsgefäfs erscheinen für Gegenstände zu denen Luft gelangen mufs, ohne jedoch Ungeziefer u. d. g. den Zugang zu gestatten, daher denn wohl oben die kleinen 2. ut grofsen Löcher, welche bei Fig. 5. b. deutlich zu sehen sind; das Gefä'fs ist in ^ natürlicher Gröfse abgebildet. Gefäfse unten spitz zulaufend, welche nicht stehen können wie Fig. 6. (in | natürl. Gröfse) kamen häufig vor von 41" ^ s 2 s" Höhe und zwar aus sehr festem aber grobem Thone geformt; Schaalen wie Fig. 7. (in | in natürl. Gröfse.) aus ähnlichem Material und in verschiedenen Gröfsen, scheinen Deckel gehabt zu haben, die wie bei unsern Suppennäpfen äufserlich darüber schlofsen. Vorzüglicher Erwähnung und Berücksichtigung verdient die Auffindung eines kleinen Probiertiegels aus sehr hart gebranntem Thon von 22" Durchmefser und i-§^ Höhe; Silber durch Zusatz von Blei scheint darin geschieden worden zu sein. Naturkundige wollten nämlich Kupfer und Blei in einem kleinen weifsen Fleck erkennen. Eine vertiefte Stelle kann wohl mit ziemlicher Gewifsheit für den Platz gelten, auf den der Blasebalg gewirkt hatte. In der Umgegend von Neuwied findet man zwar Spuren uralter Bergwerke, namentlich hinter Rheinbreitbach über dem Kupferwerk Virneberg, ■ i^5 welches in alten Dokumenten Venus-Stollen genannt wird; doch ist hierüber alles viel zu dunkel und unzuverläfsig, als dafs man auch nur mit einiger Sicherheit Schlüfse darauf begründen könnte. Uebrigens habe ich in einem Grabhügel bei Wiesbaden, in dem weder Asche noch Knochen enthalten waren, unter zerdrückten leeren Urnen, gleichfalls zwei kleine Probiertiegel, dem vorerwähnten an Gröfse, Form und Material völlig ähnlich, gefunden. Auch in diesen bei Wiesbaden Entdeckten waren Spuren geschmolzener Metalle zu erkennen. Dieselben sind in dem Werke: Opferstätten und Grabhügel der Germanen und Römer am Rhein. 1819- i. Heft. Tab. VII. Fig. 5. a. b. abgebildet und Seite 22, näher beschrieben worden. C. Gegenstände aus Gl a s. Unter der sehr grofsen Menge Glafscherben wurde kein ganzes Gefäfs gefunden; und zu klein sind die einzelnen Bruchstücke um bestimmte Formen daraus entnehmen zu können; doch so viel ersieht man, dafs diese mannigfaltig, zum Theü sehr kunstvoll waren und schöne, sowohl einfache als verzierte hochgerippte Gefäfse bildeten. Winkelmanns Ansicht, dafs die Alten die Glas-Kunst weit höher getrieben haben, als wir, wird auch selbst in diesem aufsersten Winkel des grofsen römischen Reichs bestätiget. Man traf gleichfalls auf Ueberreste gegofsener Scheiben; doch war das dazu verwendete Glas sehr ungleich von i 111 bis 3"' Dicke, und wurde wohl ohne Zweifel zu Fenstern, obschon undurchsichtig, gebraucht. Die grofsen Stücke zusammengeschmolzenen Glases, welche in sehr grofser Anzahl zum Vorschein kamen und hauptsächlich ähnliche Scheiben gebildet hatten, sprechen nicht allein für die bedeutende Zahl solcher Fensterscheiben, sondern beweisen mit am deutlichsten, dafs Feuer Victoria zerstörte und dafs dafselbe furchtbar gewüthet haben mufste. Bei diesen Glafscheiben kann man auf kein ahnliches I I2Ö Vorkommen schliefsen, wie Winkelmann deren Verwendung zur Täfelung der Fufsböden antiker Gebäude in der Gegend von Rom, gesehen hatte. Bewunderungswürdig ist das durch die Verwitterung und theilweise Auflösung des Glases herbeigeführte Farbenspiel in den Gefäfsstücken, besonders in den weifsen Glafsorten, die durch ihr Schillern den Gold- und Silberglanz bei weitem übertreffen. Diese milchweifsen, sich ins Bläuliche spiegelnden Glafstücke überzieht eine goldglänzende Oberfläche auf der äufsern und zum Theil auch auf der innern Seite, einem Goldüberzuge so täuschend ähnlich, dafs man es auf den ersten Blick wirklich für Gold halten sollte, welches achtbaren Chemikern auch wirklich begegnet ist. Die lange Dauer, in welcher das Glas der Einwirkung der Luft, des Wafsers und des Drucks in der Erde ausgesetzt gewesen war, hatten ihren Einflufs auf dafselbe sichtlich ausgeübt, so dafs es in einen der Verwitterung ähnlichen Zustand übergegangen, seine Festigkeit und Sprödigkeit gänzlich verloren hatte, und beim Zerbrechen, Drücken und Schaben mit einem Mefser in lauter kleine Blättchen, fast wie Glimmer, auseinander fiel. Dieses Glas hatte seine Durchsichtigkeit gänzlich eingebüfst; dafs es aber ein vollkommen durchsichtiges Glas und kein trübes, sogenanntes Milchglas, gewesen war, zeigte hin und wieder der mittlere Theil, indem dieser an einigen Stellen der zerstörenden Einwirkung entgangen und noch völlig hell und durchsichtig erschien. Wo der goldartige Ueberzug sich fand, war das Glas ganz undurchsichtig, an den übrigen Stellen aber durchscheinend. Ich sendete ein solches Stückchen Glas dem in chemischen Zersetzungen durch Genauigkeit und Umsicht allgemein geschätzten Dr. Brandis in Salzufeln, welcher mir folgendes darüber schreibt: „Was den goldartigen Ueberzug betrifft, so rührte dieser, wie das Nachfolgende zeigen wird, nicht von Gold her. Wenn man versuchte den Ueberzug abzusondern, so erhielt man kein Goldblättchen, sondern ein blofses kleines Glasblättchen, und die darunter liegende neue Fläche bot bald eine ähnliche Erscheinung dar. An vielen Stellen nahm dieser metallische Schimmer eine schöne bläuliche, mitunter rothe und 127 grüne Farbe an, und wenn man die innere Fläche des Glases, welche auch diesen Ueberzug zeigte, aufgeblättert hatte, so entstand hier ebenfalls nach einiger Zeit der erwähnte Metallglanz. Dieses deutet darauf hin, dafs die Ursache dieser Farbenerscheinung einen ähnlichen Grund haben müfse, als diejenige, welche das Glas zeigt, welches wie z. B. in alten Kirchenfenstern, lange Zeit dem Einfluß? des Wetters ausgesetzt gewesen ist. Um indefsen durch einen directen Versuch von der Abwesenheit des Goldes vollkommen überzeugt zu sein, wurden soviel wie möglich von den glänzenden Glasblättehen genommen und in Salpetersäure erhitzt, wodurch der Goldüberzug gänzlich verschwand und die Blättchen farbenlos wurden." „Da es nicht uninterefsant sein möchte, genauer die Bestandtheile dieses Glases kennen zu lernen, so wurde, so weit es die geringe Menge erlaubte, nachfolgende chemische Untersuchung defselben angestellt. a. Ein Theil der Glasmafse wurde fein zerrieben und mit Salpetersäure gekocht, die abfiltrirte Flüfsigkeit mit Ammoniack übersättigt und dadurch ein Niederschlag hervorgebracht, welcher in Salpetersäure wieder aufgelöst durch Hydrothionsäure keinen Niederschlag hervorbrachte. Auch Schwefelsäure und Salzsäure gaben darin keine Trübung zu erkennen; als aber der Theil der Flüfsigkeit, welcher mit Hydrothionsäure versetzt worden war, mit Ammoniack gesättigt wurde, so entstand ein schwärzlich grüner Niederschlag, welcher aufs Neue mit Salpetersäure gekocht und dann mit Ammoniack versetzt, wiederum einen weifslichen Niederschlag hervorbrachte, welcher an der Luft bräunlicher wurde. Dieser Niederschlag wurde wieder in Salzsäure aufgelöst, die Lösung neutralisirt und mit bezonsaurem Kali versetzt, wodurch ein bräunlich weifser Niederschlag entstand. In der davon . abfiltrirten Flüfsigkeit brachte Kohlensaures Kali eine weifsliche Trübung hervor. Es ergiebt sich also hieraus, dafs dieser Niederschlag aus Eisenoxyd und Manganoxyd bestanden habe. Es schien nach einigen Reac- tionen, als wenn noch Spuren Arsenicks in der salpetersauren Auflösung 128 befindlich gewesen waren; doch waren die Anzeigen zu ungewifs, um dieses mit Bestimmtheit zu behaupten. b. Die ammonialische Flüfsigkeit aus a. wurde zur Trockne abgeraucht und der Rückstand mit salpetersaurem Wafser aufgelöst. In dieser Auflösung brachte Hydrothionsäure einen dunkelbraunen Niederschlag von Schwefelblei hervor. c. Der von der Salpetersäure nicht aufgelöste Rückstand aus a. wurde mit Salpetersaurem Baryt im Platintiegel geglüht, die erhaltene Mafse in Wafser aufgeweicht, mit Salpetersäure versetzt, zur Trockne geraucht und der Rückstand mit salpetersaurem Wafser ausgezogen. Dieser bestand in reiner Kieselerde. cL Die sauren Flüfsigkeiten aus c. gaben durch Ammoniack geringen flockigen Niederschlag, aus welchem Aetzlauge eine Spur Allaunerde aufnahm, der Ueberrest sich aber ebenso verhielt, wie das Gemenge von Eisen und Magan in a. e. Die abgelaufenen ammonialischen Flüfsigkeiten wurden durch Schwefelsäure vom Baryt befreit, zur Trockne verdunstet und geglühet. Es blieb dadurch ein geringer Rückstand, weicher aufgelöst und auf einer Glastafel zum Kristallisiren gebracht aus schwefelsaurem Natron mit einer geringen Menge schwefelsauren Kalk sich zusammengesetzt zeigte, und gar keine Kalisalze enthielt. Es ergiebt sich hieraus, dafs das Glas bestehe aus: i) Kieselerde 4) Manganoxyd , 2) Natron 5) Eisenoxyd 3) Blei 6) Kalk 7) Alaunerde. Die Kieselerde mochte ungefähr 3, das Natron, der Kalk und das Blei und Manganoxyd \ der Menge betragen. Die Alaunerde und das Eisenoxyd waren nur in geringer Beimischung zugegen." Soweit die freundliche Mittheilung des Herrn Dr, Brandis. lag D. Siegel'-Wa s. Es fand sich ein 6z Loth schweres, rundgeformtes Stück einer leichten bräunlich rothen, wachsartigen Mafse, welches ohne Zweifel das Bruchstück von Siegelwachs zu sein schien, zumal es beim Anbrennen den vollkommnen Wachsgeruch hatte. Die nachstehende Mittheilung der chemischen Untersuchung des Hofraths Dr. Brandis in Salzuflen — dem ich ein Stück davon zusendete — spricht für meine Annahme, dafs die Römer sich dieser Mafse als Siegelwachs bedient haben, und gewährt stets mehr und mehr die Ueberzeugung dafs Victoria in jeder Beziehung eine wohleingerichtete und organisirte Stadt der alten Weltherrscher war. Herr Brandis schreibt mir über dieses Stück Wachs; „Das erhaltene Stück wog ungefähr 10 Gran, wurde in der Wärme weich, fiüfsig, brannte mit Flamme, hinterliefs einen kohligen Rückstand und bei stärkerer andaurender Erhitzung eine sehr geringe gelbliche Mafse/' „a. Ein Theil dieser wachsartigen Mafse wurde zerrieben und das röthlich-gelbe Pulver mit kaltem Aether in Berührung gesetzt. Dieser wurde von dem ungelösten abgegofsen, der Aether verdunstet und dadurch ein hellgelblicher Rückstand erhalten, welcher mit starkem Alkohol behandelt wurde. Dieser liefs einen geringen Antheil Wachs zurück und die geistige Lösung gab durch Verdunsten eine in der Wärme sehr zähe, beim Erkalten etwas dicklicher werdende Mafse, die sich in lange Fäden ziehen liefs, faibenlos und durchsichtig war, und mit reinem Terpentin oder ähnlichem Balsam die gröfste Aehnlichkeit hatte^ aber fast geruchlos war. b. Die nach der Behandlung mit Aether zurückgebliebene Mafse wurde jetzt mit Alkohol ausgekocht, und dadurch zum gröfsten Theile aufgelöst; die Auflösung trübte sich beim Erkalten stark und setzte einen reichlichen weifslichen Bodensatz ab, welcher alle Eigenschaften des Wachses besafs. 17 I i3o Die Flüfsigkeit hinterliefs beim Verdunsten aufgelöstes Wachs und geringe Menge einer harzigen Materie. c. Der geringe Rückstand, welcher sich nach dieser Behandlung nicht gelöst hatte, wurde auch von kochendem Wafser nicht aufgenommen. Er war noch röthlich gefärbt. Durch Zusatz von einigen Tropfen Salpetersäure verschwand er zum Theil. Die salpetersaure Auflösung wurde durch Am- moniack weifslich getrübt und durch SchwefelwafserstofF schwarz niedergeschlagen. Die Salpetersäure hatte folglich Blei aufgenommen, welches wahrscheinlich als Mennig dem Siegelwachse beigemischt worden war. d. Der Rückstand aus c. war noch etwas bräunlich gefärbt, wurde zum Theil noch durch Alkohol gelöst und auch durch Aetzkali, und ist wahrscheinlich für ein gelbes Harz zu halten. Beim Erhitzen wurde er flüfsig, und verbrannte bis auf einen kaum merklichen Rückstand. e. Der mit KaÜ behandelte Rückstand in d. hatte die Spur eines röthlichen Pulvers und einige wenige metallisch glänzende Blättchen zurückgelafsen, welche wie Goldflimmern aufsahen. Dieser geringe Rückstand wurde mit 3 Tropfen Salpetersäure und etwas Wafser erhitzt, in welchem sich das röthliche Pulver auflöste, die metallischen Flimmern aber zurückblieben. Die salpetersaure Auflösung wurde davon abgegofsen, mit Ammoniack neu- tralisirt und durch Schwefelwafserstoffgas schwarz getrübt. Das röthliche Pulver war also wahrscheinlich noch etwas Mennig. Die ungelösten Metallflimmern wurden jetzt mit einem Tropfen Salpetersäure und zwei Tropfen Salzsäure versetzt, worin sie sich vollkommen auflösten. Sie waren daher wohl nur als Goldblättchen zu betrachten, deren Menge aber leider so äufserst geringe war, dafs sich weitere Prüfungen nicht mehr damit anstellen liefsen." „Aus der vorstehenden Untersuchung geht hervor, dafs das untersuchte Siegelwachs bestanden habe, zum gröfsten Theile aus gemeinem Wachse, dem ein wenig Harz und Terpentin beigebracht war, und dem die Farbe 1 7 )I hauptsächlich durch etwas Mennig ertheilt zu sein schien; ausserdem einige Goldblättchen enthielt, welche zu der Vermuthung berechtigen, dafs diese, obgleich in einer äufserst geringen Menge, dem Siegelwachse zum Luxus beigemengt worden seyen." E. Menschen - und Thierknochen, so wie bearbeitete Gegenstände aus Letzteren. Von Menschenknochen wurde ein ganzer, vortrefflich erhaltener Schädel gefunden, welchen Blumenbach in Göttingen zum Geschenk erhielt, und davon urtheilt, dafs er, im Vergleich zu dem Römerschä'del, welcher in einem Grabe bei Victoria gefunden und defsen bei Darstellung der Grabstätten Erwähnung geschehen wird, keinem Römer, sondern einem Deutschen, angehört habe; die Totalform ergebe dieses sogleich. Im Hofe des Prätoriums entdeckte man ein ganzes Gerippe, unter defsen Füfsen noch alle Schuhnägel der Holzsohlen, von welchen mit Rost durchgezogene Trümmer zu sehen waren, beisammen lagen; ein Spiefs fand sich neben diesem Skelett und ist auf Tab. XXII, Fig. 8» abgebildet. Ein anderes Gerippe wurde bei dem auf Tab. XV. dargestellten Fahnenschilde in einem Zimmer des Prätoriums an der Wand, in einer sitzenden Stellung, wie die Lage der Knochen es zeigt, entdeckt; ein Spiefs Tab. XXII. Fig. 5. lag demselben zur Seite. Ganze Schädel ergaben sich nicht mehr, wohl aber einzelne Stücke, darunter eines mit Trepan; ferner Unterkiefern mit sehr schönen Zähnen; Arm- und Beinknochen, so wie die Rückgradswirbel, hatten sich am besten erhalten. ■— An bearbeiteten Gegenständen aus Knochen ist die Ausgrabung nicht sehr ergiebig gewesen, dagegen war auffallend die ungeheure Mafse von an- und abgesägten Thierknochen, Hahnenbeinen mit aufsergewöhnlich grofsen l?)2 Sporen, Fangzähnen von Eber, Schädel von Rindern, Hunden, Wölfen u. s. vr. Korbweise mufsten diese Ueberreste fortgescliafft werden. Auch traf man auf kalzinirte Hirschgeweihe, welche sich durch eine etwas gestrecktere Form von den heut zu Tage vorkommenden, unterscheiden. Hoffmann kam beim Graben an eine Stelle, wo eine sehr grofse Menge oben und unten abgesägter Thier- knochen zusammenlagen, und vermuther, dafs daselbst ein Künstler gewohnt und seine Werkstätte gehabt habe, der in Knochen arbeitete, wovon dieses der Abfall des brauchbaren Materials gewesen wäre; er fand darunter auch Mittelstücke, welche auf einer Seite porös, auf der andern oben dicht waren. Hier, glaubt Hoffmann, hatte der Arbeiter seine Säge zu nahe an das Ende des daselbst porösen und folglich unbrauchbaren Knochens angesetzt, und mufste einen zweiten Schnitt machen. An solchen Stellen, wo die Säge bei dem Absatz abgesprungen, wird es sichtbar, dafs die Säge sehr fein gewesen und denen, die wir jetzt aus Uhrfedern bereiten, gleich gekommen sein mnfs. Ueber die chemische Zusammensetzung dieser Knochenüberreste machte im 5ten Hefte der Isis 1821. Dr. Brandis in Salzuflen eine Abhandlung bekannt, worin er Vergleichungen mit Berzelius Versuchen mit frischen Knochen anstellt. Da Brandis im Wesentlichen die Abweichungen unbedeutend findet und glaubt, dafs sie noch mehr schwinden mufsten, wenn die mannigfachen Umstände und Einflüfse erwogen würden, denen diese alten Knochen ausgesetzt waren, so will ich auch weiter keine Erwähnung davon machen, indem die Resultate .zu unerheblich sind, um die Meinung aufsprechen zu dürfen 3 dafs die Natur damals das Knochengerüste anders zusammengesetzt habe als jetzt. Von bearbeiteten Gegenständen aus Knochen fand man: Griffel aller Gröfse und Form, besonders verschiedenartig in ihren Köpfen, Tab. XIH. Fig. 10. bis 24.; Nadeln mit Oehren, Tab. XIII. Fig. 25. 26; Griffbretter zu musikalischen Instrumenten von vier, sechs und neun Saiten, Tab. XIII. Fig. 6, 7, 8i Spindelköpfe, davon auch mehrere aus Hörn; Falzbeine; auch ein Schlüfsel mit einem Barte, ähnlich dem eisernen welcher auf Tab. XX. i53 Fig. 2. k. projektirt ist; eine Menge knopfartiger Formen auf einer Seite platt, auf der andern konvex abgedreht; Tab. XIII. Fig. 9. a. b. c, d. zeigt die verschiedenen Ansichten eines Gegenstandes aus Knochen, über defsen Bestimmungen wohl mit Sicherheit nichts zu sagen sein möchte, und deren mehrere Aehnliche vorgefunden sind. F. Denkmäler aus Stein. Die Inschriftsteine, besonders wenn sie noch mit Götterbildern geziert sind, gewähren wohl das gröfste Interefse, indem sie die Geschichte der Gegend, in welcher sie gefunden sind, nicht allein aufklären, sondern auch Kunde von dem Standpunkte geben, auf dem sich die Kunst befand, als sie verfertiget wurden. Bronzgebilde u. s, w. konnten leichter aus entferntem, kunst- geübtern Gegenden, transportirt werden, schwerer der Stein; dieser wurde an Ort und Stelle verarbeitet, welches hier noch durch das Material, ein Product der hiesigen Gegend, bewiesen wird. Tab. VII. Fig., 3. zeigt einen aus TuiF gearbeiteten Votivstein in 7 natürlicher Gröfse. Die Oberfläche, worauf sich die Inschrift befindet, ist mit einer rothen Farbe überzogen, welche sich stellenweise noch sehr gut erhalten hat. Dieser Farbenüberzug bei Votivsteinen scheint in unserm Kastell sehr beliebt gewesen zu sein, indem man viele Bruchstücke der Art gefunden hat. Grotefend liest die Inschrift: In honorem divinae domus Deo Marti (a) Praestanti Ulmionis filio dono d(atum). Die gut und genau geformten Buchstaben lafsen auf ein frühes Zeitalter ihrer Verfertigung schliefsem Im Mittelbau (Forum) ward er gefunden. Ebendaselbst entdeckte man den 16. October 1815. den auf Tab. VI1L abgebildeten Genius aus gelbgrauem Sandstein; Tab. XL Fig. 2. zeigt defsen Ruckseite. Das Gewand ist 'übereinstimmend mit dem des Genius aus Bronze auf Tab. VL welches vielleicht i34 stets als Muster gedient haben mag. An dem linken Fufse erblickt man die Reste einer kleinen Figur. Die Buchstaben der Inschrift sind, genau und eben eingehauen, und zeigen uns einen geübten Steinmetz, so wie die Behandlung der ganzen Figur einen guten Künstler, vorzüglich in Brust und Gewand. Nach Grotefend wäre die Inschrift zu lesen: In honorem divinae domus Genio vexillariorum et imagini F. Attianus C(ohortis) Orest(orum) Vex(il- larius) Fortionius constitutus Imag(inis) Signum cum aedicula et tabulam marmo- ream d(edit) d(onavit) d(edicavit.) Imperatore Domino Gordiano Augusto et Aviola consulibus. d. h. 239 J. n. C. G. Grotefend fügt hinzu: „Habe ich die Buchstaben CORESI richtig gedeutet, so erklärt die Kohorte der Horester die nachfolgende Inschrift der Horeabrittones wieder; doch sind mir auch noch die Worte Fortionius Constitutus zweifelhaft." — Aedicula ist wohl ein Ueber- bau, eine Nische, worin der Genius stand, ähnlich den heiligen Häuschen unserer Zeit. Das Postament mit der Inschrift ist 7", die Figur bis an den Hals i* 8"? der Kopf welcher 1825 erst gefunden wurde 5" hoch, das Ganze also 2.1 8' 1 . Tab. IX. zeigt uns einen aus röthlich- gelbem Sandstein sehr roh und unproportionirt gearbeiteten Genius, mit einer noch viel schlechter eingehauenen Inschrift, die nach den Buchstaben und den Fehlern zu urtheilen, wohl nur von einem barbarischen und unwifsenden Steinmetz verfertiget sein kann, wenn die Fehler nicht vielleicht darin ihren Grund haben, dafs der nicht römische Verfertiger, Provinzialismen seiner Muttersprache hineinbrachte. Der Genius mit Postament ist 2' Rheinisch hoch. Das Gewand ist dem Vorgehenden ähnlich und weicht allein ab auf der Rückseite, welche auf Tab. XI. Fig. 3- dargestellt ist. Da über diese Inschrift seither viel gefabelt und gedeutet worden, ohne dafs man einen genügenden Sinn herausgebracht, so hat Herr Hundeshagen ebenfalls auf Tab. IX. ein fac simile der Inschrift mit all ihren Eigenheiten, Fehlern und Beschädigungen in natürlicher Gröfse geliefert, und den gelehrten Alterthumsforscher dadurch in Stand gesetzt, 135 gleich als hätte er das Original vor Augen, seine Untersuchungen, Erläuterungen und Erklärungen zu machen. HoiFmann wollte in den Hornbrittonen einen Volksstamm finden und. Heyne las: Idus Octobris Genio Cohortis Brittonum primae Ibkiomarius Oppius Po- sistumo Vindeliciensis posuit. In Hontheims Prodomus historiae Trevirensis findet sich pag. i84 f°l" gende Inschrift: In H.D.D. genio viri. clar. L. censorinius IBLIOMAR. curator c, trever d. s. p t d. d. und dabei die Bemerkung: Videntur Ibliomarii et Ibliomariae nomina conflata esse ex partibus, sicuti Ibliodurum, quod in viis consularibus occurrit. Ich lafse dieses Alles auf sich beruhen, indem es dürftig, willkührlich und ungenügend erscheint und führe die Erklärung von Grotefend an, welche nicht allein in diese Inschrift Sinn und Zusammenhang bringt, sondern auch Ueber- einstimmung und Beziehung mit den andern Inschriften. Grotefend schreibt mir: „Hornbrittones zu lesen ist dem Geiste der lateinischen Sprache zuwider, in welcher kein RN vor BR vorhergehen kann, ohne dafs ein O dazwischen eingeschaltet wurde. Die Horeabrittones sind vermuthlich dieselben welche Tacitus im Leben des Agricola c. 58- Horesti nennt und ich leite den Namen Horeabrittonum von der Stadt Orrea her, welche nach Ptolomäus nicht gar weit von Victoria lag. Beide Orte befinden sich in der mit Festungen besetzten Linie, welche die Römer zunächst nördlich über dem Walle zogen. Die Truppen dieser Gegend wurden an den Rhein gezogen, und erhielten in der Gegend von Neuwied, wie wir aus diesen Inschriften sehen, ihr Standquartier und so erklart sich denn auch das Victoria auf der Inschrift Tab. VII. Fig. 1. Nehmen wir in dieser Steininschrift den Mangel einiger Verbindungsstriche und 11 oder H für E an, so ist sie zu lesen: Idus Octobris Genio Horeabrittonum A. Britomartus Oppius posuit. tum Quintanesis (Quintanensis) posue- runt V(otum) H(oc) M(onimentum.) Doch will ich es jedem Andern gern überlafsen, etwas Befseres herauszubringen." So weit Grotefend! — i36 Nach der römischen Mondes-Berechnung wäre der Idus Octobris der 15. October, und da an diesem Tage in Rom dem Mars ein Pferd geopfert wurde, so mag in den Lagern wohl gleichfalls eine Festlichkeit Sitte gewesen sein, bei welcher Gelegenheit dieser Genius sein Entstehen erhalten hat. Ob sich nicht vielleicht schon in jenen alten Zeiten der Britten Handelsgeist bewährt habe, von dem diese Inschrift Kunde geben könnte? Die in römischen Lagern Handeltreibenden Britten mögen den Genius errichtet haben, um blühendes Gedeihen ihren Unternehmungen zu schaffen; dahin bezöge sich denn das Wort Quintaniis, quintani milites, Soldaten der fünften Wache oder derer, welche an der quintana porta, woselbst auch die Marketender ihre Waaren feilboten, aufgestellt waren. Die Marketender — brittische Kaufleute — errichteten hier den Schutzgeist. Dann könnte auch die Verstümmelung auf National - Veranlafsungen hinausgehen; und da dem Kaufmanne ohnehin sein Götze, wenn der Gewinnst zu Ende geht, gleichgültig ist, so mochte dieser bei Beendigung seines Handelsgeschäfts, oder auch vielleicht der von ihm Betrogene, . das Bild zerschlagen haben. Tab. XII. Fig. 5. zeigt das Bruchstück eines Genius aus rÖthlich-gelbem Sandstein in * natürlicher Gröfse; nicht allein mufste das Gewand von den vorherbeschriebenen abweichen, sondern er steht auch an einem Altar, der die Inschrift enthalt, dagegen bei den Andern die Inschriften auf den Postamenten befindlich sind. Hoffmanns Lesung einmal: Genio tabularii publici Aulus Vibius Mercurialis Librarius Votum solvit libentissimus merito, dann wieder: Genio tabularii publicorum bonorum (oder publici bono) Aulus Vibius Mercurialis Librarius Votum solvit laetus libens merito, lafse ich gleichfalls auf sioh beruhen und füge die mir allein als richtig und genügend erscheinende Lesung von Grotefend an. Nämlich: Genio tabularii Publici A. Vibius Mercurialis Alexandri Severi Librarius Votum solvit lubentifsime merito." — Dieser Votivstein ist für unsre Niederlafsung von Wichtigkeit, denn er besagt, dafs öffentliche Archive u. s. w. im Lager waren, giebt also Kunde von einer i37 einer ordentlichen und guten Einrichtung des Kastells, welches dadurch um so mehr Wichtigkeit erhält, Tab. X. zeigt ein von Dr. Hundeshagen als Jupiter restaurirtes Götterbild aus Marmor in natürlicher Gröfse. Herr H. schlofs auf einen Jupiter, weil an der rechten Wade des Gottes das Stück Flügel eines Vogels noch sichtbar ist, also der Adler des Donnerers sein möchte. Ich erkenne in dem Ganzen eher einen Aeskulap; sowohl Bekleidung als Haarwurf deuten mehr auf einen solchen; das Flügelstück könnte von einem Hahn, der ihm zu Füfsen stand, welche Darstellung auch nicht ungewöhnlich ist, herrühren, so wie auf der entgegengesetzten Seite die Cortina gestanden haben mag, wovon Spuren übrig zu sein scheinen. Da jedoch unsres Künstlers Ergänzung scharfsinnig und geistreich ist, so habe ich solche gern aufgenommen und im Steindruck wiedergeben lafsen. Auf Tab. XI. Fig. l\. ist die Rückseite der Figur zu sehen, woraus noch sprechender die dem Aeskulap gewöhnliche Bekleidung hervorgehen wird. Die Bearbeitung des Marmors ist meisterhaft zu nennen; Grofsartigkeit im Ausdruck und Leichtigkeit in Behandlung des Gewandes lafsen auf Anfertigung in Italien schliefsen, welches auch der dazu verwendete Marmor bestätiget. Dem Besten, was wir in Deutschland aus der Römerzeit gefunden, ist dieses zur Seite zu stellen. Ein zweifarbiger Onix von i" 4 /y/ Länge, i" n'" Breite und 6'U Dicke, dunkelblaüschwarzem Grund und weifsblaulicher Lage; in Letzterer die sich ansehenden, gegenüberstehenden Köpfe des Septimius Severus und Caracalla erhaben geschnitten, wenn auch nicht kunstvoll, doch treu und ähnlich den Köpfen auf Münzen dieser Kaiser. Tab. XL Fig. 6. zeigt die Darstellung in natürlicher Gröfse. Aufser den vorbeschriebenen vollständigen Steininschriften und Götterbildern, kommen noch mehrere Bruchstücke von Figuren, auch Reste von Inschriften auf Marmor, Sandstein und Kalkstein, Naturerzeugnifse der Rhein - und Lahngegenden vor, deren Lesung und Deutung nicht möglich wird, da 18 i38 theils nur einzelne Buchstaben und Worte, theils die Anfangsbuchstaben der Zeilen vorhanden sind: auf mehreren liest man ICT.; VIC; OR., so dafs man wohl schliefsen könnte, es sei darin entweder Victoria oder Victoriensis zu lesen, weil so viele andere Bruchstücke der Siegesgöttin in Stein und Erz, sich hier vorgefunden haben. Einige dieser Bruchstücke waren ursprünglich mit rother Farbe angestrichen, bei diesen sind die Inschriften mit Absicht ausgehauen und ausgekratzt. — Eben so wenig werden die auf Tab. XII. Fig. 2. und 4« abgebildeten Bruchstücke je entziffert werden, wenn nicht ein glücklicher Zufall — wie es hier schon öfters geschehen — das Fehlende noch herbei schafft. Soviel möchte übrigens aus Fig. 2. (1 nat. GröfseJ mit Gewifsheit hervorgehen, dafs es ein dem Jupiter gesetzter Altar war, wohin der Anfang IOV. deutet. Also auch dem Vater der Götter waren in Victoria Gelübdesteine gesetzt; und so könnten wir auch in unserm Kastell mit Schiller ausrufen: JVichts ist verloren, getreu hat es die Erde bewahrt. Auch die Penaten, sie stellen sich ein; es finden sich alle Götter wieder, warum bleiben die Priester nur aus? Den Caduceus schwingt der zierlich geschenkelte Hermes, Und die Victoria fliegt leicht aus der hakenden Hand. Die Altäre, sie stehen noch da, o kommt, o zündet, - Lang schon entbehrte der Gott, zündet die Opfer ihm an. Das Bruchstück einer Victoria Tab. XII. Fig. 1. ist aus Kalkstein. Die wenigen davon vorgefundenen Ueberreste, welche erst zusammengesucht werden mufsten, reichten jedoch hin zu der geistreichen Restauration; die Abbildung ist in i natürlicher Gröfse. Eigenthümlich ist der melonenartige Kopfputz; der Kopf trägt die Spuren eines ehemaligen Anstrichs von weifser und gelber Farbe. Hoffmann hielt diesen Kopf aus einer Mafse von Kalk mit geschlemmten Bachkieseln verfertiget, theilte die Ansicht an Heyne mit, und dieser liefs sie in den Gott. gel. Anz. abdrucken. Es ist aber keine Mafse, sondern ein *39 sehr harter, feinkörniger, mit kleinen Versteinerungen vermischter Kalkstein, der bei Mainz gebrochen wird. Merkwürdig die Bruchstücke einer Statue aus rothem Sandstein, welche in 4 natürlicher Gröfse auf Tab. XII. Fig. a. b. c. abgebildet sind. Die linke mit sechs Fingern versehene Hand dieses weiblichen Rumpfes hält ein eingewickeltes Kind----'einen wahren Wehselbälg, Waldteufel — während die Rechte das obere Stück eines Hirschgeweihes fafst. Da Hoffmann diese einzelnen Stücke nicht in Zusammenhang brachte und als zu einem Ganzen gehörig betrachtete, so schlofs er aus dem Stück Hirschgeweih auf eine Diana, welches wohl nicht anzunehmen ist, sondern eher war es vielleicht'die Statue einer Satyra mit einem kleinen Satyr im Arme, wie ähnliche Darstellungen in Montfaucon vermuthen lafsen. Der kleine recht artig gearbeitete Kopf, Tab. XII. Fig. 6. ist aus gelhem Sandstein und in f natürlicher Gröfse abgebildet; wahrscheinlich gehörte er einem Genius mit Inschrift an. Das Bruchstück eines Mithras Monumentes in Marmor Tab. XIII. Fig. 4., natürliche Gröfse, beweiset, dafs dieser Dienst in Victoria auch üblich gewesen ist. Das Bildwerk erscheint im Vergleich mit allem übrigen was hier gefunden sehr flach, schlecht und roh gearbeitet. Man sieht noch darauf den ganzen Stier, den Arm des Sonnengottes, der ihn mit dem Dolche tödtet, so auch die sich empor richtende Schlange und den am Felsen gelehnten Jüngling mit phrygischer Mütze und einer Fackel. Um diese Hauptgruppe scheinen nun noch die verschiedenen Stufen der Einweihung in diese Mysterien dargestellt gewesen zu sein, wie man es an, in Süd-Deutschland gefundenen, Monumenten sieht. Die kleinen Säulchen in Altarform, aus Tuffstein Tab. V. Fig. 5. in natürlicher Gröfse, mögen wohl aufser zum Tragen des Fufsbodens imHypocaustum — denn es wurden dergleichen mehrere hundert gefunden — auch noch bei dem Mithras Kultus gebraucht worden sein. Völlig Aehnliche in Form und Gröfse, fanden sich in einem Gewölbe zu Dormagen (Duromagus) I i4o bei Köln, wo an den Wanden die merkwürdigen grofsen Mithras-Monumente mit Inschriften standen, welche ich im Cotta'schen Kunstblatte No. 90. 1821. näher beschrieben und erläutert habe. Dieses Gewölbe schien allein nur dem Mithrasdienst geweiht zu sein; alles darin Vorgefundene bezog sich darauf und also auch wohl die kleinen altarförmigen Steine. Dafs in unserm Kastell auch gröfsere Mithras-Monumente gestanden haben müfsen, beweiset ein gut gearbeiteter lockenvoller Kopf des Mithras mit phrygischer Mütze, von /^' Höhe, ohne die Mütze. — Das auf Tab. XIII. Fig. 5. in natürlicher Gröfse dargestellte Gebilde aus Marmor sollte wohl entweder die Flamme oder eine Fruchtverzierung auf einem Altare darstellen. Aus Tuffstein förderte man auch ausgehöhlte Tröge in runder und ovaler Gestalt zu Tage; so auch die Bruchstücke eines geschmackvoll gearbeiteten Bafsins, in Form einer Muschel, aus rothem Sandstein. Interefsant und lehrreich ist die Kunstruction der Mahlsteine aus porösem Mennicherstein von 1' 5" Durchmefser, a£4 Dicke des Steins. Auf der einen Seite konvex, auf der Andern konkav; beiderlei Flüchen sind sich parallel. Die Konvexität oder Konkavität der einen oder der andern Seite beträgt if". Dieser Stein lag Unten mit der konvexen Seite nach Oben gekehrt. Darüber lag nun ein zweiter Stein von demselben Stoff und gleichem Durchmefser nur f" dicker, in defsen untere konkave Seite, die konvexe Fläche des vorherbeschriebenen Steines genau pafste. Die obere Fläche des zweiten Steins ist am Rande auf 3" Breite horizontal; von da ist sie um f" vertieft, und läuft gegen das Centrum noch um \ u tiefer. Durch beide Steine geht im Centrum ein 1 1 2 " im Durchmefser haltendes rundes Loch. In der obern Vertiefung des oben liegenden Steins zeigen sich die Spuren eines über die Oeffnung gelegten Eisens, welches an beiden Seiten mit Blei — die Bruchstücke davon sind noch übrig — eingegossen war; dafselbe diente wahrscheinlich dem eisernen Holzen um welchen beide Steine gedreht wurden, zum obern Anhaltspunkte. i4i Aufs er einem vollständigen Exemplar wurden noch die Bruchstücke eines Zweiten gefunden. Diese Art Mahlsteine müfsen bei den Römern am Rhein allgemein gewesen sein, denn ich habe ähnliche in Bonn, Cleve, Xanten u. s. w. entdeckt, zum Theil mit Inschriften *). Seltener vorkommend ist dagegen die in Victoria entdeckte Reibschüfsel aus schwarzgrauem Mennicherstein, der härtesten Sorte, wie Eisen klingend; im gröfsten Durchmefser i' 2 1 - 11 , und 5" hoch. Das Innere dieses Steins bildet eine Aushöhlung und besteht aus zwei Halbrundungen; nämlich der gröfsern und flächern Ausrundung, in welche eine kleinere und tiefere sich senkt, die in ein durch den Boden gehendes zl^ im Durchmefser haltendes Loch endet. Diese Schaale scheint zum Zerreiben fliifsiger Mafsen gebraucht, welche dann durch das Loch im Boden ausliefen. Diesem Zweck entsprechen zwei kleine Vorsprünge die am obern Rande eingelafsen und befestiget gewesen sind. Der Reiber selbst mag die Gestalt einer Kugel, welche genau in die untere Aushöhlung pafste und verschiedene Bewegungen erlaubte, gehabt haben. Es wurden auch Schleifsteine von gelber und schwarzer Farbe gefunden, bis zu einer Liinge von 6 Zoll. *) Siehe: Die Denkmale germanischer und romischer Zeit in den Rheinisch- Westphälischen Provinzen. Stuttgardt 1823. 1. Band. Seite 107. sub. No. 652. 142 Die römischen Gräber bei Victoria. Ueber die Aufgrabung der römischen Grabstätten finden sich in Hoffmanns Papieren ebenfalls wenig befriedigende Nachrichten, welche jedoch der Justitz- rath Helfrich, dem die Entdeckung derselben hauptsächlich zu danken ist, vervollständiget hat. Im Sommer i8°4 wurde die Landstrafse zwischen Neuwied und Heddes- dorf aufs Neue ausgebefsert. Man nahm den Kies zum Ueberschütten derselben von der hart neben der Strafse, ungefähr 500 Schritte von Neuwied liegenden Höhe und fand darin in einer Tiefe von etwa 4 bis 5 Fufs neben Menschenknochen auch Gefafse. Hierdurch aufmerksam gemacht, ward eine sorgfältige Untersuchung veranstaltet. Wahrscheinlich lief die viä romana, welche vom Rheine ab nach Victoria, Romersdorf u. s. w. führte, und deren Richtung die zwei entdeckten Punkte in Neuwied und Heddesdorf angeben, nach uralter Sitte nicht weit von dieser Begräbnifsstätte vorbei. Elf Gräber wurden vollständig ausgegraben, von denen zehn, weibliche und das elfte einen männlichen Körper enthielt. Von Särgen fand man keine Spur; sorgfältig war reiner Flufssand für die Todten ausgesucht. Sie lagen ausgestreckt auf dem Rücken, in Reihen neben einander, die Füfse nach Westen, und den Kopf nach Osten und schienen nur in eine leichte Hülle gewickelt, der Erde übergeben zu sein. Hoffmann sagt darüber: „Die Körper waren in leichte Gewänder gehüllt, in die Erde gesenkt» Diese Hülle mufste natürlich bald vermodern und wieder zu Erda ^1 ■■^^■H ■ i43 werden, daher ich auch nichts anders als ihren Grundstoff, die reine Pflanzenerde finden konnte. Wo das Gewand einfach war, hatten die Ueberreste defselhen nur die Dicke eines Mohnblattes und ihr Durchschnitt die eines Zwirnfadens, wo sich aber Falten befanden, wie z. B. vor der Brust und oberhalb der Hüfte, war die schwarze Erde auch dicker und die Falten zeigten sich noch deutlich genug. Bei näherer Untersuchung des Stoffs war nicht der mindeste Unterschied an Farbe und Gehalt von der reinen Pflanzenerde, zu finden. Dieser dünne schwarze Strich in dem reinen Flufssande, war mein Wegweiser bei dem Nachsuchen und diente mir zum Beweise, dafs ich ganz nahe am Skelett sei. Auch diese Gräber zeigen die grofse Sorgfalt, welche die Römer auf lange Erhaltung der Gerippe ihrer Verstorbenen wandten, denn man fand deutlich dafs die Köpfe den Todten abgeschnitten *) und die Hirnhöhlen ganz mit Flufssand ausgefüllt waren." Das männliche Grab wurde durch Vorfinden eines vollständig erhaltenen Schädels, an welchem Hoffmann das Abschneiden vom Körper hauptsächlich wahrnehmen konnte, merkwürdig; Blumenbach erhielt denselben nebst den in Victoria gefundenen zum Geschenk. Durch eine sehr schöne edle Form zeichnete sich dieser im Grabe gefundene Schädel aus, und Blumenbach fand darin eine sehr grofse Aehnlichkeit mit dem Schädel von einem alten römischen miles praetorianus, den der Cardinal Borgia als Geschenk nach Göttingen gesendet hatte. i Hoffmann bemerkt bei Auffindung dieses vorgedachten männlichen Grabes: „Als ich den Kopf mit feinen Werkzeugen vorsichtig von der Erde ent- blöfst hatte, entdeckte ich an der einen Seite defselben ein Loch neben der Suter, welche den Vorder- vom Hinterkopfe scheidet, und über diese Verletzung war die eiserne Spitze einer Lanze schief aufrecht gestellt. Aufser den starken, sehr wohlgebildeten Schenkelknochen, entdeckte man in diesem Grabe noch *) In Xanten soll man in römischen Gräbern Aehnliches gefunden haben. I i44 einige Korallen, (ähnlich den auf Tab. XXIX. Fig. 17. abgebildeten); eine schildförmige fibula aus Bronze; ein paar Glieder von einem eisernen Kettchen, woran ein Oehr von feinem Drathe und endlich zwei kleine Knöpfe." Es bleibt übrigens merkwürdig, dafs in und um Victoria die Römer ihre Todten begruben und keinen verbrannten, denn von Asche und gebrannten Knochen fand sich in keinem Grabe eine Spur. Die in diesen Gräbern gefundenen Gefeifse waren leer und nur mit Erde und Flufssand angefüllt. Wo ich seither noch Ausgrabungen von römischen Gräbern gemacht, fand ich es gemischt, bald verbrannt, bald begraben die Körper; letzteres seltener. Sowohl die Knochen, als die aufgefundenen Schmucksachen führen zu der Ueberzeugung, dafs die andern zehn Gräber dem weiblichen Geschlechte angehörten. Die Knochen, besonders die Schädel und Becken w r areii morsch, hatten durch Lage und Zeit sehr gelitten . und zerfielen beim Herausnehmen, Sehr zu bedauern ist, dafs sich nicht ein ganzer weiblicher Schädel erhalten hat. Das Merkwürdigste in diesen zehn Gräbern, habe ich auf Tab. XVIL Fig. 5. und Tab. XXVIII. Fig. 9. und 10. und Tab. XXIX. abbilden lafsen, und da es zu weitläuftig und auch zwecklos sein würde, die Eröffnung eines jeden Grabes einzeln durchzugehen, so beschränke ich mich auf die Beschreibung defsen, was sich vorgefunden hat im Allgemeinen, wobei ich noch anführe, dafs die ausgestreckt liegenden Körper stets auf das sorgfältigste von ■ der Erde entblöfst und diese abgeräumt wurde ohne die verschiedenen Alter- thumsgegenstände aus ihrer Lage zu bringen, wodurch sich denn ergab, dafs die Todten, mit all ihrem Schmuck versehen, waren begraben worden. Denn die Haar- oder sogenannten Nestnadeln lagen an der rechten Seite des Schädels längst dem Ohre mit ihrem Knopfe nach dem Unterkiefer hin; an den Ohren kleine Ohrringe; auf und neben dem Halse die vorgefundenen Perlen; vor der Brust die Fibulae und meistentheils lag auf jeder der Brüste eine derselben, wodurch hervorzugehen scheint, dafs auf jeder der beiden Brüste ein solches Schlofs getragen wurde, und zwar von völlig gleicher Arbeit, indem i45 vier Paar der Art gefunden worden sind; Agraffen verschiedener Form und Gröfse entdeckte man auf dem Bauche, wahrscheinlich dienten diese zur Befestigung des Gürtels; Armspangen waren über die Armknochen gezogen. In einigen Gräbern standen zwischen den Beinen kleine thönerne Schaalen von bläulicher Farbe und gewünlicher Form, Krüge dagegen stets zur Seite der Gerippe. Tab. XVII. Fig. 5. zeigt eine Schaale aus geschlagenem Kupfer in * natürlicher Gröfse. Das Metall ist f" dick, die Buckeln in der Randverzierung scheinen über eine Form hohl eingeklopft zu sein. Dieses Gefäfs stand zu den Füfsen eines weiblichen Gerippes, zu defsen Seiten zwei einhenklichte Krüge aus Thon, mehrere Glafscherben von eng- und weithalsigten Geftifsen, eine Schüfsei von rother Erde, mit dem auf den Boden eingedrückten Namen BETIOFECIT. gefunden wurden. Ferner ergaben sich vier Gräber mit vier Paar Fibeln. Auf Tab. XXIX. Fig. i; 2. 3. 4« i st von jeder Gattung eine abgebildet, welche, wie oben bemerkt, paarweise auf den Brüsten des Gerippes lagen. Dieselben sind aus schlechtem Silber gearbeitet; Fig. 1. 2. und 4« früher vergoldet gewesen, wovon noch deutliche Spuren übrig geblieben; auf ihren Rückseiten haben sie eiserne Charniere mit einem Dom zum Befestigen der Kleider. Bei Fig. 2. sind die über die obere Halbscheibe vorragenden Spiegel oder Augen von Glas mit untergelegter rother Folie; Fig. 3. ist mit Adlerköpfen verziert, deren Augen so wie die vier Kreise im untern Theil des Stils, ebenfalls von Glas mit untergelegter rother Folie verfertiget sind. Auf dem Becken des Gerippes, defsen Brüste mit den Fibeln Fig. 3. geschmückt waren, lagen Fig» 9. und 10. der Tafel XXIX, wohl Adler oder Falken vorstellend; Fig. 9. von Glafstücken mit unterlegter rother Folie, die mit Goldstreifen verbunden sind; Fig. 10. von Silber, stark vergoldet; Auge, Flügel und Schwanz, ebenfalls Glas, mit untergelegter rother Folie. Beide haben auf der Rückseite eiserne Charniere mit einem Dorn. — Gleiche Lage hatten die vergoldeten silbernen Gürtelfibeln welche unter Fig. it. und 12. abgebildet sind auf dem Gerippe, bei dem *9 i/ + 6 die Kleiderspangen Fig. 2. gefunden wurden. In der Mitte von Fig. 11. befindet sich ein kleiner dunkelbrauner Stein, die gröfsern Flächen umher sind Glas mit unterlegter rother Folie, ebenso auch das mittelste viereckige Feld und die acht Kreise an den vier Enden von Fig. 12. Form, Arbeit und Character dieser Schmucksachen zeigen ein spätes Zeitalter, vielleicht das vierte Jahrhundert, zu welcher Annahme auch noch die Korallen führen, welche in dem Grabe lagen, worin die Fibel Fig. 1. gefunden worden ist, und die ich auf Tab. XXIX. Fig. 17. habe abbilden lafsen. In der Gegend des Halses sammelte man diese künstlichen Korallen auf, welche verschieden von Stoff, Gröfse, Form und Farbe sind und wohl mit unsern Rosenkränzen verglichen werden können. Aehnliche fand man auch zerstreut im Kastell umher liegend. Die meisten sind theils Glasfufs, theils sehr hart gebrannte Erde. Von dem Armknochen eines weiblichen Gerippes zog man den aus massivem, aber sehr schlechtem, Silber gefertigten Ring ab, welchen Tab. XXIX. Fig. 6. zeigt; er hat noch seine völlige Elastizität und wiegt ^\ Loth. Daselbst fand sich auch ein kleiner zierlicher Ohrring aus Bronze, mit einer künstlichen blauen Perle, Fig. 13. Die beiden Enden des Bronzdrathes sind durch zwei Knoten fest zusammengeschürzt, woraus sich ergiebt, dafs der einmal in das Ohr gehangene Ring beständig, Tag und Nacht getragen wurde. Auf dem Bauche eines der Gerippe lag die auf Tab. XXIX. Fig. 5. abgebildete Kugel aus Bergkristall. Ihre Fafsung besteht in zwei sich rechtwinklicht schneidenden Meridianen von schmalem Silberbleche, die in eine kleine verzierte Büchse am Pole eingreifen. Diese ist an der Seite durchbohrt, um einen Drath oder eine feine Schnur durchziehen zu können. Das Ganze ein vortreffliches Abkühlungsmittel für die Hände. Auf einem Gerippe lag das aus weifsein Thon gebrannte und zierlich gearbeitete Täubchen, welches auf Tab. XXIX. Fig. 8- dargestellt ist. Fuchs in seiner Geschichte von Mainz berichtet uns, dafs er in und um Mainz öf- i47 ters dergleichen Tauben in Urnen gefunden habe, denen dann weder Münzen, Lampen noch sonstiger Schmuck beigegeben worden sei, meistens Soldaten der XXII. Legion, und fügt hinzu: „Die bei den Aschenurnen in den Grabstatten der alten christlichen Soldaten vorfindliche kleine, weifse Tauben gelten als alte und ächte Kennzeichen, der noch in heidnischen Zeiten begrabenen Christen." In dem Grabe, wo sich unsere hier abgebildete Taube fand, lagen in der Gegend der Ohren zehn Perlen, von denen je zwei und zwei zusammenhängen und also fünf Paare bilden; ich möchte solche für eine Art Glasarbeit halten, von grofser Künstlichkeit und Schönheit. Tab. XXIX» Fig. 14. zeigt diesen Schmuck. Fig. 15. und 16. auf derselben Tafel sind Zierrathen aus Glas, Fig. 15. grün mit weifsen Streifen, Fig. 16. von gelber Farbe ins Blaue und Grüne schillernd; sie lagen auf der Brust und mögen Umhängsel gewesen sein. Bei Fig. 15. fand sich der unter Fig. 7. abgebildete hohle Handring von zusammengetriebenem und verlöthetem Bronzblech. Er ist gleich wie der Ohrring Fig. 13., zusammengebunden. Aufser den abgebildeten Gegenständen fanden sich noch in diesen Gräbern: kleine Näpfe aus schwarzer und rother Erde; Bronzringe, Bruchstücke von kleinen eisernen Mefsern, welche, sonderbar genug, stets am Beckenkno- chen lagen; grofse Nadeln aus Silber bis 7^ lang, mit runden und viereckigen Köpfen versehen; Nadeln von Bronz und Eisen. — Eine kleine Stunde von diesem Begrabnifsplarz in der Richtung nach Engers zu, ward im vorigen Jahre ein Grab entdeckt, welches nach den Urnen zu urtheilen deutschen Ursprungs sein möchte. Es fanden sich nämlich unter sehr grofsen Arm- und Beinknochen mehrere tiefe und flache Schaalen von grobem, braunschwarzem Thon, nicht gebrannt, sondern an der Sonne getrocknet, durchaus mit denen übereinstimmend, welche ich in unbestreitbar deutschen Gräbern um Wiesbaden ausgegraben. In diesen Schaalen lagen ^Bl^l i48 mehrere dünne Armringe und eine Nadel von Bronze, (siehe Tab. XXVIIL Fig. 10. natürliche Gröfse), auch der höchstmerkwürdige, kunstvoll gearbeitete auf derselben Tafel Fig. 9. in | natürlicher Gröfse abgebildete Ring aus Bronze, wahrscheinlich ein Kopfring; x. zeigt den Durchschnitt. Ob das dünne Bronz- blech, welches den Ring bildet, und nicht dicker als starkes Schreibpapier ist, nur aus freier Hand in diese Schlingungen gedreht und geklopft, oder auf eine Maschine gezogen worden, vermag ich nicht zu bestimmen. Auf eine oder die andere Art gefertigt, bleibt es nach dem Urtheil kunsterfahrener Goldarbeiter, ein Meisterstück. Weder am Rhein, noch sonst wo in Deutschland sind mir ähnlich gewundene Ringe von dieser Dünnheit des Bronzblechs vorgekommen» Die Königliche Antiken Sammlung in Berlin bewahrt einen auf der Insel Mohn gefundenen Ring, der zwar in ähnlicher Art gewundeu, das Metall aber bei weitem dicker, mafsiver und fehr viel schwerer ist. — x49 Calidia. Licinia. Naeyia, Vespasianus. Augustus. Tiberius. Vespasianus. Domitianus. Nerva. Specielles Verzeichnifs aufgefundenen Münzen. Trajanus. Hadrianus. Antoninus Pius. A. Familien-Münzen. Silber. Rev. M. Calid. Q. met. cnfi. Figur in einem Triumphwagen. P. crassus. m. f. Stehender Krieger, mit der Rechten ein Pferd, in der Linken einen Spiefs haltend, zu den Füfsen Waffen. C. nae. balb. Figur in einem Triumphwapen. Oben LXXXVI. B. Kaiser - Münzen. a. Gold. ReV. Cos. III. fort. red. Stehende weibliche Figur. b. Silber. Rev. Imp. X. Zum Kampf gerüsteter Stier. G. L. caesares. Augusti. f. cos. desig. prin. juvent. Cajus und Lucius stehend, zwischen ihnen zwei Schiide und die Opferinstrumente. Pontif. maxim. Sitzende Frau. Cos. iter. tr. p. Sitzende weibliche Figur. Imp. XXII. cos. XVII. cens. p. p. p. Pallas stehend. Libertas publica. Stehende Frau, in der Rechten einen Hut, in der Linken einen Spiefs. Salus publica. Sitzende weibliche Figur. Fortuna august. Stehende Frau. Cos. V. p. p. s. p. q. r. optimo princ. Siegesdenkmal von Daci- schen Waffen. Felicitas aug. Stehende Frau. Tr. pot. Zwei in einander geschlungene Hände, einen Schlangenstab i5o Faustina senior. Marcus Aurelius. Antoninus Pius. Rey. Cos. III. Zwei in einandergeschlungene Hände, einen Schlangenstab haltend. w Cos. IUI. Stehende weibliche Figur, in der Rechten einen Steinbock, in der Linken einen Merkurstab haltend. Cos. IUI. Stehende Frau. Tr. p. XI. Stehende Frau. Cos......Stehende Frau, Aehren und Anker haltend. Consecratio. Scheiterhaufen. Augusta. Stehende Ceres. Concordia. Sitzende Frau. Tr. pot. X. cos. II. stehender Krieger. Tr. pot. XI. cos. II. Stehende weibliche Figur. Prov. Deor. Tr, p. XV. cos. III. Stehende Frau. Cos. III. Stehende weibliche Figur. Tr. pot. XI. cos. II. Stehender Krieger. Tr. p. VIII. imp. V. cos. III. Sitzende weibliche Figur. Pietas. Stehende weibliche Figur. Tr. p. VI. imp. IUI. cos. III. p. p. Stehende Frau. Nobilit. Aug. p. m. tr. p. XII. imp. VIII. cos. V. p. p. Stehende weibliche Figur. Apollini palatino. Apollo stehend im weiblichen Gewand. Fidei. Com. p. m. tr. p. XVI. cos. VI. Stehende Frau. P. m. tr. p. XVII. cos. VII. p. p. Stehende Frau mit Schlangenstab und Füllhorn. Desgleichen. Statt Schlangenstab eine Fackel. Joyi. desens. salutis. Aug. Jupiter stehend und sieben Sterne. Ceres. Ceres stehend. Leg. II. adjut. tr. p. cos. Der Legionsadler in der Mitte zweier Kriegszeichen, Leg. XX1III. gem. m. V. Tr. p. Desgleichen, Fortun, reduc. Stehende Frau, (dreimal) Monet. aug. Stehende weibliche Figur. Victor, aug. Vorschreitende Victoria. Lucius Verus. Lucilla. Com modus. Crispina. Sept. Seyerus. ■■■■M i5i Sept. Severus. Rev. Virtute aug. Stehender Krieger, in der Rechten eine kleine Victoria, in der Linken einen Spiefs haltend. P. m. Tr. p. III. cos. II. p. p. Pallas stehend mit Spiefs und Schild. Fortun. reduc. Stehende weibliche Figur. Tr. p. III. imp. V. cos Siegesdenkmal in der Mitte zweier Gefangenen. Part. Arab. Part. Adiab. cos. II. p. p. Zwei sitzende Gefangene mit rückwärts gebundenen Händen, zwischen ihnen ein Siegesdenkmal« Arab. Adiab. cos, II. p. p» Vorschreitende Victoria, in der Rechten einen Lorberkranz, in der Linken ein Siegeszeichen (2mal) Munificentia aug. Ein stehender Elephant. Herculi defens. Stehender Hercules unbekleidet, in der Rechten eine Keule, in der Linken einen Bogen. P. m, Tr. p, V. cos. II. p. p. Stehender Genius. Profectis aug. Der Kaiser zu Pferd; in der Rechten einen Spiefs, Joyi conservatori, Jupiter sitzend, in der Rechten eine kleine Siegesgöttin, in der Linken einen Spiefs. Marti pacifero. Mars tritt mit dem rechten Fürs auf einen Harnisch, in der Rechten einen Zweig, in der Linken einen Spiels. Vota publica. Der Kaiser verschleiert steht vor einem Dreifufs, in der Rechten eine Opferschaale. P. m. tr. p, VI. cos. II. p. p. Der Sonnengott, auf dem Haupte eine Strahlenkrone, stehend mit zurückgeworfenem Gewand; die Rechte emporhaltend, in der Linken eine Peitsche. Vict. Augg. cos. II. p. p. Vorschreitende Victoria. (2 mal) Virt. augg. Der Kaiser stehend in der Rechten eine kleine Siegesgöttin, in der Linken Spiefs und Schild. Fundator pacis. Der Kaiser stehend mit verschleiertem Haupte, in der Rechten einen Zweig. (2mal) Vict. part. max. Vorschreitende Victoria. Justitia. Sitzende Frau. i52 Sept. Severus, Key. Moneta augg. Sitzende weibliche Figur, Part. max. p. m, tr, p. Villi. Zwei auf der Erde sitzende Gefangene, zwischen ihnen ein Siegsdenkmal, P. m. tr, p. VIII. cos. II. p. p. Vorschreitende Victoria, Restitutor urbis. Der Kaiser stehend vor einem Dreifufs, in der Rechten eine Opferschaale, in der Linken Aehren, P, m, tr, p, XII, cos, III. p. p. Stehender unbekleideter Genius, P, m. tr. p, XIIII, cos, III, p. p. Stehende Frau, P. m, tr. p. XVI, cos, III, p, p. Sitzende Frau. (2mal) Liberalitas Aug. VI, Stehende Frau, Indulgentia Augg, in, carth, Cybele sitzend auf einem Löwen, In der Rechten einen Blitz, in der Linken einen Spiefs, auf der Seite ein Felsen, welchem Walser entströmt, Paci aeternae. Sitzende Frau, S, P, Q. R, optimo principi. Der Kaiser zu Pferde. Julia Dom na, - Fortunae felici. Sitzende weibliche Figur, Hilaritas. Stehende Frau, (2mal). Felicitas. Stehende weibliche Figur, Pietas Augg, Eine Frau mit verhülltem Haupt stehend vor einem auflodernden Altar. Pietas publica. Eine Frau mit verhülltem Haupt stehend vor einem Altar, beide Hände emporhebend, Vesta. Vesta sitzend mit verschleiertem Haupt, in der Rechten eine Schaale, in der Linken einen Spiefs, (3mal) Garacalla, - Seveii. aug, pii, fil. Die Opfergefäfse. Destinato. imperat. Ochsenkopf und die Opferinstrumente. Marti victori. Mars vorschreitend. Miner. victrix. Pallas stehend bei einem Siegeszeichen. Mars victor. Mars vorschreitend. Imperii felicitas. Stehende Frau, Severi. pii. aug. fil. Der Kaiser im Kriegskleide stehend, in der Rechten eine kleine Siegesgöttin, zur Seite ein auf der Erde sitzender Gefangener. i53 Cai acalla. Plautilla. Geta, Macrinus. Elagab alus. Rey. Spes publica. Vorschreitende HofFnung. Vict. part. max. Vorschreitende Victoria. Vota suscepta. X. Der Kaiser mit verhülltem Haupt stehend, opfernd auf einem Altare» Pont. tr. p. VI. cos. Stehender Krieger, in der Hechten eine kleine Siegesgöttin, in der Linken einen Spiefs. Pontif. tr. p. VIII. cos. II. Stehender Krieger, unbekleidet, tritt mit dem rechten Fufs auf einen Helm, in der Rechten einen Zweig, in der Linken einen Spiefs haltend. (2 mal) Pontif. tr. p. XII. cos. III. Sitzende weibliche Figur. Marti pacatori. Stehender Mars. Moneta Aug. Stehende Frau, Pontif. Tr. p. X. cos, II. Der Kaiser in einem Kriegskleide stehend, in der Rechten einen Spiefs, in der Linken ein Parazonium. P. m. tr, p, XVI. cos. IUI. p, p. Stehende Frau. Liberal, aug. VIII, Stehende Frau, Venus victrix. Stehende Venus, zu ihren Füfsen Cupido, Concordia augg. Stehende weibliche Figur, Princ. juyentutis, Geta sich an ein Siegesdenkmal lehnend. Pontif. cos. Minerva stehend. Vota publica. Stehender Krieger, Liberalitas aug, V. Stehende weibliche. Figur. Spes publica, Vorschreitende Hoffnung. Pontif, max, Tr, p, cos. p. p. Stehende Frau, sich auf eine Säule stützend, Felicitas temp. Eine mit Ruderer angefüllte Galeere. Fides exercitus. Sitzende weibliche Figur zwischen zwei Kriegszeichen, in der Rechten einen Adler haltend. Jovi conservatori. Jupiter stehend, • Laetitia publica. Stehende Frau, (2uial) Libertas augusti. Die Freiheit sitzend. (3 mal) - Mars victor. Mars vorschreitend,, in der Rechten einen Spiefs, in der Linken ein Siegeszeichen, 20 i54 Elagabalus. Julia Paula. Rev. Temporum felicitas. Stehende weibliche Figur. r Liberalitas aug. II. Stehende Frau. P. m. tr. p. II. cos. II. p, p. Sitzende Frau. Abundantia aug. Stehende Frau aus ihrem mit beiden Händen empor gehobenen Kleide Geld schüttend, vor derselben ein Stern, (llmal) Liberalitas« aug. III» Stehende Frau, (2mal) Invictus sacerdos aug. Der Kaiser steht im Kriegskleide vor einem auflodernden Altar, in der Rechten eine Schaale, in der Linken einen Palmzweig, auf der Erde ein Ochs, zur Seite ein Stern. Invictus sacerdos. aug. Der stehende Kaiser hält eine Opferschaale über einen Altar, in der Linken ein Parazonium, P. m, tr, p, III, cos, III, p. p. Vorschreitende Victoria, auf einer Seite ein Stern. Fides militum. Ein Legionsadler zwischen zwei Kriegszeichen, P, m, tr, p. III. cos. III, p. p. Stehende weibliche Figur; zur Seite ein Stern. .-^s^^^,. P, m, tr, p. III, cos, III, p, p. Der Sonnengott mit umstrahltem Haupte vorschreitend, die Hechte emporgehoben, in der Linken eine Peitsche, auf der Seite ein Stern. (2mal) P. m, tr, p, IUI, cos, III. p. p. Der Kaiser im Kriegskleide steht vor einem Altare, in der Rechten eine Opferschaale, in der Linken einen Palmzweig, (4mal) Sacerdos dei solis Elagab. Der Kaiser in einem Kriegskleide, stehend vor einem Altar, in der Rechten eine Opferschaale, in der Linken einen Palmzweig, im Felde ein Stern, (2mal) Summus sacerdos aug. Der Kaiser in einem Kriegskleide, stehend vor einem Dreifufs, in der Rechten eine Opferschaale, in der Linken einen Zweig, vor demselben ein Stern, (4mal) Victoria aug. Vorschreitende Siegesgöttin, auf einer Seite ein Stern, Victoria antonini, aug. Vorschreitende Victoria, Victoria aug. Vorschreitende Victoria. Concordia, Sitzende Frau, vor ihr ein Stern, (2 mal) ■■ ■■ ^H i$5 Julia Aquilia S e vera. Julia Soemias, Julia Maesa, Severus Alex. Rev, Concordia, Die Eintracht am Altare opfernd; vor ihr ein Stern. Venus Caelestis. Venus sitzend bietet einem ihr zur Seite stehenden Kinde mit der Rechten einen Apfel dar. In der Linken hält sie einen Spiefs. (2mal) Desgleichen, Venus stehend, vor ihr ein Stern. (2mal) Fecunditas Aug. Sitzende Frau, die Rechte gegen ein beistehendes Kind aufstreckend, in der Linken ein Füllhorn. Juno« Juno stehend, in der Rechten eine Opferschaale, in der Linken einen Spiefs, (2mal) Desgleichen, Außerdem ein zur Seite stehender Pfau, Pietas aug. Vor einem Altar stehende Frau, die Hände ausstreckend. Desgleichen, Vor dem Altar stehende Frau streckt nur die Rechte aus, in der Linken hält sie ein Rauchgefäfs. (3 mal) Pudicitia, Sitzende Frau, einen Schleier über ihr Haupt werfend, in der Linken einen Spiefs. (4mal) Saeculi felicitas. Die Göttin des Glücks stehend, opfert am Altar, vor ihr ein Stern« Libertas aug. Stehende Frau. Desgleichen» Vor ihr ein Stern. Liberalitas aug. Stehende Frau. P« m, tr, p. cos, p, p, Jupiter stehend. Desgleichen. Stehende männliche Figur im Kriegskleide, in der Rechten einen Zweig, in der Linken einen Spiefs, (4mal) P, m. tr, p, cos. p, p. Jupiter stehend. Desgleichen, Stehende weibliche Figur, (3 mal) P. m, tr, p. cos, p, p, Sitzende weibliche Figur, Desgleichen, Stehende Frau, P, m. tr. p, III. cos. p. p. Sitzende weibliche Figur, (3 mal) P. m. tr. p, cos III. p. p, Jupiter stehend, P, m. tr. p, V. cos, II. p, p. Stehende Frau, Desgleichen. Der Kaiser im Kriegskleide opfert an einem Altar, (2mal) ^^^^^■H 156 Severus Alex. Rev, P, m. tr, p, VI, cos, II, p, p. Vorschreitende weibliche Figur, in der Rechten eine Lorbeerkrone, in der Linken einen Spiels, (3mal) P. m. tr, p, VI, cos, p, p. Der Kaiser opfernd an einem Altar. P, m, tr, p. VI, cos, II. p, p. Stehende Frau, P, m, tr, p. VII, cos, II. p, p. Stehender Krieger, in der Rechten einen Spiefs, in der Linken ein Schild, Desgleichen, Mars vorschreitend, P, m, tr, p. Villi, cos. III, p, p. Der gerüstete Kaiser stehend, in der Rechten einen Spiefs, in der Linken eine "Weltkugel, (2 mal) P, m, tr, p, VII, cos, III, p. p. Vorschreitender Krieger, in der Rechten einen Zweig, in der Linken einen Spiefs, P, m. tr. p, X, cos, III, p. p. Der Sonnengott stehend, die Rechte erhebend, in der Linken die Erdkugel. (2mal) P, m. tr, p, XII, cos. III, p. p. Der Sonnengott vorschreitend mit erhobener Rechten, in der Linken eine Peitsche, (2 mal) Abundantia aug. Stehende Frau, (2mal) Aequitas aug. Stehende weibliche Figur, Annona aug. Weibliche Figur, mit dem Fufs auf das Vordertheil eines Schiffes tretend. (2mal) Annona aug. Stehende Frau mit verhülltem Haupt, in der Rechten Aehren, in der Linken ein Füllhorn, vor ihr auf der Erde ein Scheffel, (2 mal) Concordia, Eine sitzende Frau, in der Rechten eine Schaale, in der Linken ein Füllhorn. Fides militum. Stehende Frau mit zwei Kriegszeichen. Jovi propugnatori, Jupiter stehend, Mars uitor. Mars gerüstet vorschreitend, (2mal) Jovi ultori, Jupiter sitzend, in der Rechten eine kleine Siegesgöttin, in der Linken einen Spiefs. Pax aeterna aug. Stehende Frau, in der Rechten einen Zweig, in der Linken einen Spiefs» ^M^H 157 Severus Alex, Rev. Pax aug. Vorschreitende Frau, in der Rechten einen Zweig, in der Linken einen Spiefs, Pietas aug. Vor einem Altar stehende Frau, in der Rechten eine Opferschaale, in der Linken ein Rauchgefafs, (2mal) Provid. deorum. Stehende Frau, in der Rechten Aehren, in der Linken einen Anker, zu ihren FuTsen ein Scheffel. Providentia aug. Desgleichen. (4mal) Salus publica. Sitzende Frau, - Victoria gradiens. Vorschreitende Victoria, (5 mal) Perpetuitati aug. Stehende weibliche Figur, Spes publica. Vorschreitende weibliche Figur, Victoria aug. Stehende Victoria, Virtus aug. Vorschreitender Krieger, in der Rechten einen Spiefs, in der Linken ein Siegeszeichen. Concordia augg. Sitzende Frau, in der Rechten eine Opferschaale, in der Linken ein doppeltes Füllhorn, Felicitas publica. Sitzende Frau, Desgleichen. Stehende Frau, Juno conservatrix, Juno stehend, zu den FuTsen ein Pfau, (4mal) Venus victrix. Stehende Venus. (2mal) Vesta, Vesta verschleiert stehend, in der Rechten das Palladium, in der Linken einen Spiefs. (3 mal) Desgleichen. Die Güttin stehend, in der Rechten eine Opferschaale, in der Linken einen Spiels, Pax augusti. Stehende Frau. Providentia aug. Eine stehende Frau, in der Rechten einen Stab, in der Linken ein Füllhorn, zu den Füfsen eine Kugel. (2mal) Salus augusti. Hygea sitzend, füttert aus einer Schaale eine vom Altare sich aufwindende Schlange, (3 mal) Victoria aug, _ Vorschreitende Victoria, P. m, tr. p. II, cos. p, p. Der Kaiser stehend im Kriegskleide zwischen zwei Kriegszeichen. Concordia augg. Zwei ineinander geschlungene Hände, Barbia Orbiana. Julia Mamaea, Maximinus. B a 1 b i n u s. 'SSW» ^■■■■■■■■MHH^^Bi i58 Gordia nus III, Rev. Laetitia aug. n. Stehende Frau. Pietas augg. Opfergefäfse. Virtuti augusti, Hercules stehend, geschmückt mit der Löwenhaut, sich stützend auf seine Keule, Aeternitati aug. Der Sonnengott, mit umstrahltem Haupt, die Rechte emporgehoben, in der Linken eine Kugel, (3mal) Victoria aeterna. Stehende Victoria, in der Rechten einen Schild, in der Linken einen Palmzweig, zur Seite ein auf der Erde sitzender Gefangener, Jovi statori, Jupiter stehend, Securitas perpetua. Stehende weibliche Figur, sich auf eine Säule stützend. Fünf Münzen dieses Kaisers, wovon sich die Kehrseiten und die Umschriften nicht mehr mit Gewifsheit bestimmen lafsen, Liberalitas aug. II. Stehende Frau, Oriens aug. Stehender Sonnengott, Aequitas aug. Stehende weibliche Figur, Romae aeterna. Die gewappnete Roma auf einem Schilde sitzend, in der Rechten eine kleine Siegesgöttin, in der Linken einen Spiefs. Spes felicitas orbis. Vorschreitende Hoffnung, (3mal) Seculares augg. Eine Wölfin Zwillinge säugend, Annona augg. Stehende Frau, in der Rechten Aehren, in der Linken ein Füllhorn, zu den Füfsen ein Scheffel, Fides exercitus. Vier Kriegszeichen, Liberalitas augg, II. Eine stehende Erau. P. m, tr, p. VI. cos. p, p. Stehende Frau, Concordia augg. Sitzende Eintracht, Pietas augustor. Die Opfergeräthschaften, Principi juvent. Der Kaiser, in der Rechten einen Spiefs, in der Linken eine Kugel, Pannoniae, Zwei stehende weibliche Figuren sich die Hände reichend, zwischen ihnen ein Kriegszeichen, Gen, Ulyrici. Halbnackter Genius stehend, mit Opferschaale und Füllhorn. Philippus Pater Marcia O tacilla, Philippus junior. Trajanus Decius. ■ ■ 159 Heren. Etruscüs. - Trebonian. Gallus.- Volusianus. A cm ilianu s. Valerianus. Heren.Etruscilla.Rev. Fecunditasaug. Eine stehende Frau, in der Rechten eine Schaale, in der Linken ein Füllhorn, zu ihren Füfsen ein Kind. Spes publica. Vorschreitende Frau. Pietas augg. Weibliche Figur stehend. Libertas augg. Stehende Frau. Pax augg. Stehende Frau» Pax aeterna. Stehende Frau. Concordia aug. Sitzende Frau. Goncordia augg. Stehende Frau. Pax augg. Stehende weibliche Figur. Jovi conservatori. Jupiter stehend, in der Rechten einen Blitz, in der Linken einen Spiels, zu seinen Füfsen der stehende Kaiser. Apol. conservat. Apollo unbekleidet, stehend. P. m. tr. p. IUI, cos. III. p. p. Der Sonnengott vorschreitend, die Rechte erhebend, in der Linken eine Peitsche. Jovi conservatori. Jupiter stehend, Concordia exercit. Stehende weibliche Figur. Pietas Augg. Die zwei Kaiser opfernd. Zwei Münzen dieses Kaisers sowohl hinsichtlich der Umschriften als Kehrseiten ganz undeutlich. Germanicus Max. Ein Siegeszeichen zwischen zwei auf der Erde sitzenden Gefangenen. (2 mal) Virtus augg. Stehender Krieger. Salus augg. Hygea die Schlange fütternd. Jovi victori. Jupiter auf einem Fufsgestel! mit der Inschrift IMP. C. E. S. (Imperatori cum exercitu suo) in der Rechten die Siegesgöttin, in der Linken einen Spiels. Restitutions-Münze des Gallienus in Billon. Divo Tito. Strahlenkopf des Kaisers. Rev. Consecratio. Altar mit auflodernder Flamme. Gallienus. Salonina. Postumus, Rev. Juno regina. Juno stehend. (2mal) Oriens aug. Vorschreitender Sonnengott. Victoria aug. Vorschreitende Victoria, zu ihren Füfsen ein Gefangener i6o I Postumus. Nero, Trajanus. Hadrianus. Aelius Caesar. Antoninus Pius, Faustina senior. Marc. Aurelius. Ilev. Jovi propugnat. Jupiter stehend, mit der Rechten den Blitz schleudernd, auf der Linken den Adler tragend. c. Erz, a, Grofs-Erz. Roma. Die sitzende Roma. S. p, q. r. optimo principi. Stehende Victoria haltend einen Schild über einen abgebrochenen Palmbaum, auf ersterem die Inschrift: Vic. dac. Desgleichen, Dem Anscheine nach eine Brücke, unten S. c. P, m. tr. p. cos. III, Stehende weibliche Figur, S, c. Cos, II, Stehende Frau, -^ Felicitas aug. Stehende -weibliche Figur, in der Rechten einen Zweig, in der Linken einen Merkurstab, S, c. Vier Münzen dieses Kaisers, deren Umrifse und Buchstaben sich nicht mehr erkennen Iafsen, Tr, Pot. cos. II, Die Göttin des Glücks und die der Hoffnung stehend, Jovi statori. Jupiter stehend unbekleidet, S, c, Tr, pot. XIX, Stehende weibliche Figur, in der Rechten einen Legionsadler, in der Linken ein Kriegsfeldzeichen. Pietati aug. cos IUI, Stehende Frau^. in dec Rechten eine Kugel, in der Linken ein Kind, zu beiden Seiten zwei dergleichen, Liberalitas aug. Stehende weibliche Figur, S, c, Indulgentia aug. Sitzende Frau. Salus aug, cos. III. Stehende Hygea, S, c, Augusta. Stehende Frau. S. c. Aeternitas, Stehende Frau, in der Rechten einen Vogel, S, c, Imp, VI, cos, III, Die gewappnete Roma sitzend auf Waffen, Tr, pot. XIII. cos, II, Vorschreitender Mars. Vict. germ. imp. VI. cos, III. in einer Krone, Sp,.,, per, S, c. Vorschreitende Hoffnung. Goncord, augustor. tr. p. XVI. cos. III. M. Aurelius und L. Verus stehend reichen sich die Hände. (2mal) i6i Marc. Aurelius. Rev, Tr. Pot. cos. II. Stehende Pallas. Faustina junior, - Junoni reginae. Stehende Juno, zu den FüTsen ein Pfau. m Saluti augustae. Sitzende Hygea, mit der Rechten beschäftigt eine Schlange zu pflegen. Matri magnae, Ceres sitzend zwischen zwei Löwen» (2 mal) Hilaritas, Stehende Frau. Lucilla. C o m m o d u s. P a u 1 i n a. Venus. Venus stehend, in der Rechten einen Apfel, in der Linken einen Spiels. ♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦♦« Ein Siegeszeichen zwischen zwei Gefangenen. P. m. tr. p. XVII. imp. VIII. cos, VII. p, p. Sitzende Frau, zur Seite ein Stern, unten S, c, Primi decennales, cos, III, in einer Krone, Consecratio, Die Kaiserin, die Rechte erhebend, in der Linken einen Spiefs, steigt auf einem Pfau zu den Sternen. LUgUStUS. Agrippa. Tiberius. Germanicus. Caligula. ß, Mittel-Erz. Providern. Ein Altar. S. c, (3mal) Roma et aug. Ein Altar zwischen zwei Victorien. (3 mal) S, nonius «juintilianus III, vir. a, a, a, f. f«, in der Mitte S, c. Mit dem Stempel Tib, imp, versehen, M. salvius. otho, III, vir, a, a, a, f, f. in der Mitte S. c, Col. nem. Das am Baum gefefselte Krocodil; der Avers zeigt die Kopfe von Augustus und Agrippa. Neptunus stehend, in der Rechten einen Delphin, in der Linken den Dreizack, S. c, (2mal) Pontif. max. tr, pot, XXIIX. Eine Kugel mit einem dieselbe durchschneidenden Stabe, S, c. Desgleichen, Ein Schlangenstab, S, c. C, caesar divi, aug, pron. aug, p, m, tr. p. p, p, in der Mitte S, c. Vesta, Sitzende Vesta. 21 I ■■ IÖ2 Vespasianus. Claudius. Rev, S, c. Pallas vorschreitend. Liberias augusta. Stehende weibliche Figur. Nero. S. c. Vorschreitende Victoria mit einem Schilde, auf welchem S. p. q, r, (2mal) Pace terra marique parta janum clusit. Der geschlofsne Tempel des Janus, Aequitas augusti. Stehende Frau. Victoria augusti. Vorschreitende Victoria, in der Rechten eine Krone, in der Linken einen Palmzweig, S. c. S t c. Ein Adler im Begriff sich von ein,er Kugel in die Höhe zu' schwingen. (2 mal) >- Pax aug. Stehende weibliche Figur, ' - Felicitas publica. Stehende Frau, in der Rechten einen Schlangenstab, in der Linken ein Füllhorn. S, c, Fides, publica. Stehende weibliche Figur, S, c. Vorschreitende Victoria. Genio, p« r. Stehender Genius unbekleidet, haltend mit der Rechten eine Schale über einem Altar, in der Linken ein Füllhorn. S. c, Tr, p, cos, VIII. p. p. Vorsehreitende Pallas schleudernd mit der Rechten einen Spiels, in der Linken ein Schild, S, c. S. c. Stehende Frau. Tr. p. cos, VIII. des. Villi, p, p. Vorschreitende Pallas, S. c. Trajanus. - Tr. p. cos, II, Vorschreitende Victoria, in der Rechten ein Schild, worauf s, p. q. r, S. c, Tr. pot. cos, IUI. p. p. Desgleichen. Sieben Münzen dieses Kaisers, hinsichtlich der Umschriften und Darstellungen nicht zu unterscheiden, Hadrianus, - Adventus aug. Roma mit einem Helme bedeckt, reicht ihre Rechte dem mit einer Toga bekleideten ihr zur Seite stehenden Kaiser. S. c. Titus» Domitianus, i63 Hadrianus. S abina. Antoninus Pius, Rev. ^Salus aug. Stehende weibliche Figur beschäftigt sich mit Pflegung einer zu ihr aufstrebenden Schlange; unten cos. III, (2mal) Justitia aug. Sitzende Frau, Salus augusti. Sitzende Hygea; unten cos, III, (3 mal) - CS. Stehender Krieger, i- P, m. tr. p, cos, ni. Stehende Frau. Cos. II, Drei Kriegsfeldzeichen, Felicitas aug. Stehende Frau, S, c. Cos, III, Stehender Krieger, S. c, Moneta aug. Stehende weibliche Figur. Fortuna aug. Sitzende Frau, Concordia aug. Stehende Frau. S. c. (2mal; sehr abgeschliffen) Moneta aug. cos. Stehende weibliche Figur, S, c, Indulgentia aug. cos. IUI. Stehende Frau. Imperator II, Victoria eine Trophäe tragend. Pot. XXI. cos. IUI. Stehende Frau, in der Rechten Aehren, in der Linken ein Steuerruder, zu den Füfsen ein Scheffel, S, c. Tr. pot. cos. Eine mit dem linken Fufse auf dem Vordertheile eines Schiffes stehende Frau, in der Rechten ein Steuerruder, in der Linken einen Scheffel, Tr. pot. cos. III. Stehende Frau, S, c. Tr, pot, cos, III, Stehende Frau. S, c. Tr, pot, XIX, Stehende Frau, in der Rechten einen Legionsadler, in der Linken ein Feldzeichen. Imp. , . . Sitzende Frau, in der Rechten eine kleine Siegesgöttin, die Linke auf einen Schild stützend. Tr. pot, XX. cos. IUI, Jupiter stehend, S. c, G, p, r. tr, pot. Stehender Genius, S. c, Consecratio. Ein Scheiterhaufen, Zwei Münzen dieses Kaisers, hinsichtlich der Darstellung und Umschrift undeutlich. ■ p Faustina senior, Marc. Aurelius. Faustina junior. L. Verus. Lucilla. Commodus, Pertinax. Sept. Severus. 164 Aeternitas. Stehende Frau. S. c, Augusta. Ceres stehend, in der Hechten eine Fackel. Victoria aug« Vorschreitende Victoria. Saluti aug, cos. III. Stehende Hygea, S. c, (2mal) ...... cos. Stehende Victoria, Cos. II. Gewappnete Roma sitzend auf Waffen, in der Rechten eine kleine Siegesgöttin, in der Linken einen Spiefs. S. c. Imp. VI, cos. III, Roma mit einem Helm geschmückt, sitzend auf Waffen, die Rechte erhebend, die Linke auf einen Schild stützend, Tr. pot, XIIII, cos, II, Mars vorschreitend, Marti victori imp, VI, cos. III. Mars gehelmt, halb bekleidet, hält mit der Rechten ein Schild, auf welchem S. c,, in der Linken einen Spiefs, Pietas aug. Die Opfergeräthschaften. Saluti augustae. Sitzende weibliche Figur, unten S, c. Augusti pii fil. Stehende Frau. Fünf Münzen, aufser dem Umrifse des Kopfes und einzelner Buchstaben undeutlich. Imp. III. cos. II. Stehende Victoria. Tr. p. IUI. imp, II. cos. II. Mars yorschreitend, S, c, Pietas aug. Stehende weibliche Figur. S, c, •; P. m. tr» p, VHII. imp. VI. cos. IUI. p. p. Sitzende weibliche Figur. S, c. Liberal, aug. VI. p. m. tr. p. VII, cos. V, p, p. Stehende Frau, S. c. Temp, felic. p. m. tr. p, VIII, cos. Zwei Füllhörner, in deren Mitte ein Schlangenstab, . ♦•♦.,, Die gewappnete Roma auf Waffen ruhend. Opi, divin, tr. p. cos. II. Sitzende Frau, Saeculi felicitas. Stehende Frau, in der Rechten einen Schlangenstab, in der Linken ein Füllhorn. 165 Julia Domna. Alex. Severus. Philippus junior. Gallienus, Maximianus. Constaninus mag. Luna lucifera. Diana in einem zweispännigen Triumphwagen, Securitas perpetua, Pallas stehend. S, c. P. m, tr. p. VIII, cos. III. p, p« Der Kaiser in einer Quadriga, mit Zepter und Adler. Principi juventutis. Der stehende Cäsar. Salus augg. Hygea stehend, eine Schlange fütternd. Genio populi romani. Stehender Genius mit Opferschaale und Füllhorn. Zur Seite s, t.> unten p, tr. Genio pop, rom. Stehender Genius mit Opferschaale und Füllhorn. Gallienus, Postumus, Claud. Gothicus, Tetricus Pater, 7. Klein-Erz. Rev. Soli cons. aug, Pegasus.' Dianae cons. aug. Ein stehendes Reh, (2 mal) Neptuno cons. aug. Seepferd. Apollini cons. aug. Greiff. j .-• ....... Eine stehende Frau, in der Rechten ein Steuerruder, in der Linken ein Füllhorn. S. c. Sechs Münzen dieses Kaisers, aufser dem Kopfe und einzelner Buchstaben undeutlich. Pax equitum. Stehende Frau. Fides exerci. Stehende Frau, in Jeder Hand ein Feldzeichen haltend. Genius exerci. Stehender Genius. Consecratio. Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Consecratio» Altar mit auflodernder Flamme. Comes aug. Stehende Victoria, in der Rechten eine Krone, in der Linken einen Palmzweig. Virtus augg, Mars stehend. Pax aug. Stehende Frau. Aequitas. Stehende Frau^ Laetitia aug. n. Stehende Frau. i66 Tetricus filius. Constaninus mag. Constantius, Valentinianus senior. Spes publica. Stehende Frau, Soli invicto comiti. Stehender Sonnengott, zur Seite t. f. unten p. tr. Providentia caess. Befestigtes Lager, unten S, tre. Gloria exercitus. Zwei Krieger, in ihrer Mitte ein Feldzeichen, Securitas reipublicae. Vorschreitende Victoria, zur Seite a. q. r.; unten asisce. Desgleichen ohne Buchstaben, Gloria romanorum, Krieger, in der Linken eine Kriegsfahne, zieht einen knieenden Gefangnen bei den Haaren, l6'7 Schlufswort. Indem ich hiermit die Resultate der bis zum Frühjahr 1826 bei Neuwied unternommenen Ausgrabungen in ihrem Zusammenhange dem Publikum vorlege, hoffe ich keinem unwichtigen Beitrage zu den Alterthümern römischer Zeit in unserm Vaterlande, meine Aufmerksamkeit gewidmet zu haben. Besonders die architektonischen Aufnahmen, — welche ich angeordnet und wodurch endlich dieses schätzbare und ziemlich vollständige Lager genau und genügend in Grundrifsen, Aufrifsen und Durchschnitten, nebst Allem was darin gefunden, erscheint, — dürften sich, da sie einen umfafsenden Begriff von römischer Lagerkunst in Deutschland geben, einer allgemeinen Theilnahme erfreuen. Nachsicht und freundliche Beurtheilung glaube ich bei dieser Leistung um so mehr in Anspruch nehmen zu dürfen, als die Schwierigkeiten nicht unbedeutend waren, um aus den wenig geordneten Papieren Hoffmanns,— die ohnedem so höchst unvollständige Notizen über diese Ausgrabung enthielten, —■ etwas Zusammenhängendes und eine, frei von allen Hypothesen, eini- germafsen klare Anschauung zu geben. Sr. Durchlaucht der regierende Fürst zu Wied hat im Frühjahr und Sommer 1826 zwar unter der Leitung des Archivraths v. Rnopäus die Nachgrabungen mit Kostenaufwand fortsetzen lafsen, allein sie blieben undankbar und es fand sich nichts von einiger Wichtigkeit. Am Bemerkenswerthesten ist die Entdeckung einiger wohl erhaltenen Schmelz- oder Kalköfen, welche aufser der Umfangsmauer des Kastells, nach der Wiedbach zu, am Bergfufs, neben dem sogenannten Pfarrbusch lagen, und ihre ehemalige Bestimmung durch die Menge dort vorgefundener Kalkstein- i68 reste am wahrscheinlichsten zu erkennen gaben. Die im Schutte vorgefundene Münze in Bronze 2ter Grüfse von Antoninus pius, Scherben der rothen römischen Gefäfse und ein Spiefs wie deren auf Tab. XXII abgebildet worden sind, machen es, so wie die ganze Lage dieser Ofen, zur Gewifsheit dafs sie römisch sind und zum Kastell gehört haben. In dem innern Bereich des Kastells wurde bei den diesjährigen Ausgrabungen nichts gefunden, aufser die sehr wohl erhaltene Münze in Grofs-Erz von Alexander Severus, Rev. Jovi ultori. Jupiter sitzend, in der Rechten eine Victoria, in der Linken einen Spiefs; unten S. C. > Turpe est in patria vivere, et patriam ignorare. < /ATV//W JW^ AT^V" BERLIN, gedruckt bei L. Qu if.k. spk^t" V l 4