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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik des Alten Testaments.

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War dieser früher das Ziel gesteckt, Israel als Ganzes zu einem Volk zu erziehen, anwelchem der göttliche Erwählungsrath mit seinen Verheißungen zur Erfüllung kommenkönne, so handelt es sich jetzt nur noch darum, inmitten des bundesbrüchigen Volkes,dessen Masse die Erwählungsgnade verscherzt hat und darum dem Untergange geweihtist, einen Rest zu retten, der die Continuität zwischen der trostlosen Gegenwart unddem hinter dem Dunkel der Gerichte aufleuchtenden Heil vermitteln soll. Ein Geschlechtvon „Jüngern" Gottes (Jes. 8, 16.) soll erzogen Werden, bei dem das von der Mengeverworfene göttliche Zeugnis als heiliges Depositum eine gute Stätte findet, ein Ge-schlecht das, wie Jeremia (45, 5.) seinen Schüler Baruch ermahnt, im Hinblick aufden nahen Umsturz alles Bestehenden nicht große Dinge für sich begehrt, sondern buß-fertig sich bereitet, um bei der Zukunft des Richters die eigene Seele als Beute davonzu tragen, aber zugleich unverwandt den Hoffnungsblick auf das Ende der Wege Gottesgerichtet hält. Und weil dieses Ende nicht bloß Israels Verherrlichung ist, sonderndas Heil der Welt, zu dessen Herbeiführung Israels Erlösung den Weg bahnt, mitandern Worten, weil mit der messianischen Hoffnung das Bewußtsein der weltgeschicht-lichen Bestimmung Israels unzertrennlich verknüpft ist: so gewinnt im Lichte der Pro-phetie die pädagogische Aufgabe, während sie einerseits ihre Grenzen enger zieht, andrer-seits eine universale Richtung, freilich nicht die eines abstracten, die Nationalität ver-leugnenden Kosmopolitismus, sondern eine solche, die gerade in der treusten Pflege dernationalen heiligen Güter dem Interesse aller Nationen dient. Denn zu Israel sollensie ja einst alle kommen und sprechen: „bei dir ist Gott und ist sonst kein Gott mehr"(Jes. 45, 14.), und sollen von Zion das Gesetz des Herrn als Lebensordnung em-pfangen (2, 1—4.). Haben wir früher gesehen, wie in der israelitischen Erziehungdas Familieninteresse und das nationale sich durchdringen, so tritt jetzt das menschheit-liche hinzu. Nur in Israel ist es, wie v. Zezschwitz (S. 290 ff.) sehr gut ausge-sührt hat, inmitten des Völkerparticularismus der alten Welt zu einer relativen orga-nischen Verbindung der drei Hauptsactoren der Erziehung gekommen, „individuelle Er-ziehung, im Schoß der Familie geborgen, und doch von Gesetz und Hoffnung derNation getragen, gerichtet aber auf ein ZukunftSziel, an dem die Volkshoffnung mit demHeil der Menschheit zusammentrifst" (S. 300).

Von der Endzeit, auf welche die Prophetie den Blick richtet, erwartet sie auch dieUeberwindung des Gegensatzes, den die Pädagogie des Gesetzes in seiner ganzen Schwerezum Bewußtsein gebracht, aber nicht zu überwinden vermocht hat, des Gegensatzeszwischen dem heiligen Gotteswillen und der sündhaften Natur des Menschen. Einenneuen Bund wird Gott mit dem Volke schließen, nicht gleich dem mit den Väterngeschlossenen, der gebrochen worden ist, sondern einen solchen, in welchem die Unfreiheitdes Standes unter dem Gesetze aufgehoben wird, weil durch den göttlichen Geist, derin der versöhnten Gemeinde waltet, in allen ihren Gliedern das Gesetz verinnerlicht,und lebendige Gotteserkenntnis und Heiligung des Herzens und Lebens gewirkt wird(Jer. 31, 33. f.; Ezech. 36, 26.). Zwar ist eine relative Anticipation dieses Geistes-lebens der künftigen Gemeinde in der Prophetie gegeben, weswegen Joel 3, 1. ff. diekünftige Ausgießung des Geistes als ein Prophetenwerden aller geschildert wird. Aberdie Einwirkung des Geistes, die der Prophet erfährt, ist noch immer keine Ein-wohnung desselben, durch die ein neuer Lebensgrnnd im Menschen geschaffen, der Sameder Wiedergeburt in ihn eingesenkt würde. Der Geistesbesitz des Propheten bleibt immerein von außen gegebener, außerordentlicher; er ist nicht sein volles Eigenthum. Undebendeswegen reicht auch das innige Geineinschaftsverhältnis, das zwischen Gott unddem Propheten besteht, nicht hinan zu der Herrlichkeit der Kindschaft Gottes im NeuenBunde; den größten Propheten des Alten Bundes stellt Christus (Matth. 11, 11.) unterden Kleinsten in seinem Reiche.

Von der Theodidaskalie der messiani/chen Gemeinde soll auch das jugendliche Alternicht ausgeschlossen sein. „Eure Jünglinge sollen Gesichte sehen" Jo. 3, 1. „Sie sollen