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Pädagogik des Alten Testaments.
JseLel, darauf ausgieng, den Jehovismus, der bis dahin, wenn auch in abgöttischerForm, noch Staatsreligion gewesen war, gänzlich auszurotten und den Baals- undAscheracultus zu öffentlicher Geltung zu bringen. Zwar war eine gewaltige propheti-sche Persönlichkeit, wie die des Elia, auch vereinzelt stehend (1 Kön. 18, 22.), starkgenug, um die Anschläge der Königin zu vereiteln und die Bollwerke des Götzendiensteszu brechen. Aber das durch das Gottesgericht am Carmel aus seiner Unentschiedenheitund Schlaffheit aufgerüttelte Volk bedurfte einer nachhaltigeren geistlichen Weckung undPflege, die nicht bloß Sache eines einzelnen Mannes sein konnte, und die Treuenunter dem Volke bedurften äußerer Stützpunkte, die einen Ersatz boten für die ihnenabgeschnittene Gemeinschaft mit dem gesetzlichen Heiligthum und Gottesdienst in Jeru-salem. So wird die Neustiftung der Prophetenschulen, die wahrscheinlich auf Eliaselbst zurückzuführen ist, zu erklären sein. Ausdrücklich werden dieselben allerdings erstunter Joram, dem zweiten Sohn und Nachfolger Ahabs, erwähnt; doch kommt derName der „Prophetensöhne," der den Angehörigen Vieser Schulen gegeben wurde, be-reits in der Geschichte Ahabs (1 Kön. 20, 35.) vor. Auf einem ziemlich beschränktenGebiet finden sich drei Prophetenschulen und zwar gerade an Hauptsitzen der Abgötterei,zu Bethel (2 Kön. 2, 3.), zu Jericho (2, 5.) und zu Gilgal (4, 38.). Die letztgenanntewurde später (6, 1.) wegen Mangels an Raum in die Jordansaue verlegt. Aus 2,7. 16. f., wo je 50 Prophetcnsöhne erwähnt werden, ferner aus 4, 43., wornach dieZahl der in der Prophetenschule zu Gilgal Speisenden 100 betrug, endlich aus derNotiz 6, 1. erhellt, daß die Zahl der Jünger, die sich um Elia und später um Elisaschaarten, sehr beträchtlich gewesen sein muß. Auf eine Jüngerstellung nämlich undein derselben entsprechendes Abhängigkeitsverhältnis, wie es in der ProphetenschuleSamuels noch nicht sich findet, ist der Name Prophetensöhne zu deuten. WelcherArt diese Stellung war, laßt sich aus dem Verhältnis errathen, in welchem Elisa zuElia, seinem geistlichen Vater (2, l2.) stand. Elisa wird von Elia berufen (1 Kön. 19,19.),indem dieser seinen härenen Mantel, das Abzeichen des ernsten prophetischen Berufs(vgl. 2 Kön. 1, 8.; Sach. 13, 4.; Matlh. 3, 4.; 11, 8.; Hebr. 11, 37.) ihm zuwirft;er bleibt von da an in stetem Umgang mit Elia und dient ihm (1 Kön. 19, 21.) Auswas er hofft, zeigt seine Bitte, daß von Elias Geist ein doppelter Antheil auf ihnübergehen möge (2 Kön. 2, 8.); er erbittet sich also vor andern Prophetenjüngern denAntheil des Erstgeborenen an der geistlichen Erbschaft. Doch Elia erklärt, daß dieGewährung dieses Wunsches nicht in seiner Macht stehe, und gibt ihm nur ein Zeichen,an welchem er die göttliche Gewährung seiner Bitte erkennen könne. Und da er nunals Erben des Geistes Elias sich legitimirt (nicht wegen äußerlicher Ernennung zumNachfolger desselben), empfängt er die ehrfurchtsvolle Huldigung der Prophetensöhne(2, 15.). Wir sehen hieraus, daß die Erziehung und Unterweisung, welche die Pro-phetensöhne bei dem Propheten, an den sie sich anschloßen, fanden, der Dienst, zu demer sie in Angelegenheiten des prophetischen Berufs verwendete (vgl. 2 Kön. 9, 1. ff.),Wohl für das prophetische Amt vorbereitete, daß aber die Ausrüstung und Weihe fürdieses Amt eine freie Gabe Gottes blieb. Die Meinung Eichhorns, daß die Pro-phetenwürde von dem Vater auf den Sohn übergegangen sei und die Geburt ein Erb-recht für die Aufnahme in den Prophetenorden begründet habe, beruht auf einem gründ-lichen Misverständnis; wenn auch natürlich nicht ausgeschlossen war, daß der Sohneines Propheten ebenfalls zum Propheten berufen werden konnte, wovon indessen nurein älteres Beispiel vorliegt, das des Propheten Jehu, des Sohnes des Hanani (1 Kön.16, 1.). — Daß die Prophetensöhne ein paarmal geradezu Propheten heißen (1 Kön.20, 38.41.; 2 Kön. 9, 4.), ja daß 1 Kön. 20, 35. ff. ein Prophetensohn vermöge desan ihn ergangenen „Wortes des Herrn" in selbständiger prophetischer Auctorität auf-tritt, zeigt allerdings, daß der Unterschied zwischen Propheten und Prophetensöhnen einfließender war, berechtigt aber nicht, den Unterschied beider ganz zu leugnen. Die