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Pädagogik des Alten Testaments.
er von der Verderblichkeit der ungöttlichcn Wege überführt werden muß. Wer sichso berathen und zurechtweisen laßt (wobei die göttliche Liebeszucht auch Verhängungvon Leiden anwendet, Spr. 3, 11. f.), und demnach von den Abwegen, auf welche seinnatürliches Gelüste und das böse Beispiel anderer ihn zu verlocken sucht, mit Ent-schiedenheit sich abkehrt, der ist eben hiedurch befähigt, den Geist der Weisheit zuempfangen, dessen Vehikel das Wort aus Gottes Munde ist (1, 23.; 2, 6.). Werdagegen im Eigendünkel die Zucht der Weisheit nicht auf sich wirken läßt, sie „haßt,"der erweist sich dadurch als Thor oder Narr der in seiner allen
Züchtigungen trotzenden Unverbesserlichkeit (27, 22. u. a.) unausbleiblichem Verderbenentgegengeht (12, 1.; 13, 18. f.).
Hiernach ist auch der Erziehung der Kinder ihr Gang vorgezeichnet. Sie zerfälltin zwei Stücke, Zucht (das Wort in engerem Sinne genommen) und Unterwei-sung, weshalb von dem Erzieher gefordert wird, daß er selbst sein Herz der Zuchtund seine Ohren den Worten der Erkenntnis hingebe (23, 12. Dieser Spruch bildetnämlich die Einleitung zu V. 13—16.; den Zusammenhang bestimmtOetinger richtig:„wie du dich selbst ziehst, so wirst du auch deine Kinder ziehen.") Bor allem soll derböse natürliche Hang des Kindes, „die Thorheit, die im Herzen des Knaben steckt"(22, 15.) durch strenge Zucht gebändigt werden. „Ruthe und Rüge gibt Weisheit;aber ein Knabe, dem freier Lauf gelassen wird, macht seiner Mutter Schande" (29, 15.Oetinger bemerkt zu dieser Stelle: „es wird der Mutter gedacht, weil die Mütteres gemeiniglich verderben, daß der Vater nicht mehr ziehen kann, wie er will.")Schläge, überhaupt ein angemessenes Mittel, um der Thorheit und Bosheit zu be-gegnen (10, 13.; 20, 30.), werden wiederholt für die Kinderzucht gefordert. An demKinde die Ruthe zu sparen, heißt es hassen, wogegen eben in scharfer Zucht die wahreLiebe sich kundgibt, weil dadurch das Kind vom Verderben errettet wird (13, 24.; 23,13. f.). „Züchtige deinen Sohn, so wird er dich erquicken und Wonne gewähren deinerSeele" (29, 17.). Dabei wird aber doch unterschieden, wo Zurechtweisung in Wortenund wo körperliche Züchtigung am Platze ist, „Schelten dringt tiefer ein bei dem Ver-ständigen, als wenn man einem Thoren hundert Schläge gibt" (17, 10.). „DenSpötter schlage, so wird der Einfältige klug; rüge einen Verständigen, so wird er Er-kenntnis verstehen" (19, 25.). — Die Erkenntnis nun, für welche die Zucht das Ver-ständnis öffnen soll, ist die sittlich-religiöse; die Unterweisung, von welcher dieSprüche handeln, hat gemäß dem früher Erörterten zur Aufgabe die Leitung zur Gottes-furcht und Gotteserkenntnis, woraus denn weiter die Einsicht in Recht und Gerechtigkeitund „jedes Geleise des Guten" sich ergibt. (Bergl. als Hauptstelle 2, 1—9.) Andas göttliche Wort ist die Jugend zu weisen. Als ein geschriebenes wird dieses Gottes-wort von der Spruchweisheit noch nicht geltend gemacht; vielmehr aus dem Mundeder Eltern tritt es dem Sohne entgegen; das Elterngebot hat die Auctorität des gött-lichen Gesetzes und auf seiner Erfüllung ruhen die der Erfüllung der göttlichen Gebotezugesagten Verheißungen. Bergl. was bereits oben über den Zusammenhang von 1, 8.mit B. 7. bemerkt worden ist; ferner 4, 3. f.: „ein Sohn bin ich gewesen meinemVater, ein zarter und einiger meiner Mutter" (d. h. es bestand bei mir das rechteVerhältnis, wie es zwischen Eltern und Kindern bestehen soll). „Er lehrte mich undsprach zu mir: dein Herz halte meine Worte fest, beobachte meine Gebote, so wirstdu leben." Weiter vergl. 6, 20. sf., wo zu beachten ist, daß dem Gebote des Vatersdie Lehre der Mutter coordinirt, also der letzteren die Theilnahme an der religiös-sittlichen Erziehung des Sohnes gesichert ist. In dieser Stelle wird, was 5 Mos. 6, 7.von der Bewahrung des göttlichen Gesetzes gesagt ist, auf die elterliche Unterweisungübergetragen: „binde sie auf dein Herz immerdar, knüpfe sie an deinen Hals; wenndu wandelst, soll sie dich geleiten; wenn du dich legst, soll sie dich behüten; wenn duaufwachst, soll sie zu dir reden" (oder vielleicht richtiger „dich sinnen machen," d. h.