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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik des Alten Testaments.

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sitätsstadt sehen.) Daß nun von den vorhandenen Resten der canaanäischen Stämmezu den Israeliten neben der Abgötterei auch edlere Culturelemente Übergiengen, istwahrscheinlich, wenn auch diese Einwirkung nicht so hoch, wie Ewald will, anznschla-gen sein wird. Aber es fehlt auch abgesehen hievon nicht an Zeugnissen, daß mancherleihöhere Kenntnisse unter dem Volk einheimisch waren. Hievon zeugt z. B. das Ver-fahren bei der der Austheilung der Stammgebiete vorangegangenen LandesaufnahmeJos. 18, 4—8. Ritter (Gesch. der Erdkunde, herausg. von Daniel, S. 7) findetdort die erste Landkarte erwähnt und erinnert hiebei daran, daß die hiezu erforderlichenKenntnisse aus Egypten mitgebracht werden konnten, wo Landesvermessung eine uralteSache war. — Daß in einer Zeit, in der nach Nicht. 8, 14. ein Knabe des Schrei-bens kundig war, es auch an Schriftstellerei nicht fehlte, läßt sich erwarten und wirddadurch bestätigt, daß die Bücher Josua und Richter augenscheinlich aus schriftlichen Auf-zeichnungen jener Jahrhunderte componirt sind. Die interessante Untersuchung Diestelsüber die Levitenstädte (in Heidenheims deutscher Vierteljahrsschrift Heft VI, S. 145 ff.)hat nachgewiesen, daß besonders in den Levitenstädten die geschichtliche Ueberlieferunggepflegt worden sein muß. Vor allem aber legt das Lied der Debora (Nicht. C. 5.)ein herrliches Zeugnis davon ab, welche Geistesbildung auch in jenen Jahrhundertenin Israel noch eine Stätte fand.

Unter den eigenthümlichen Erscheinungen der Richterzeit darf das Nasiräat hiernicht ganz unerwähnt bleiben. Das Gesetz 4 M. C. 6. kennt dasselbe nur als einfür eine bestimmte Zeit übernommenes Gelübde. Dasselbe bezweckt eine besondere Hin-gabe der Person an Gott, die, wie schon Philo erkannte, der Weihe des Priesterthumsverwandt ist. Der Nasiräer soll — darauf weist die Enthaltung von Wein und son-stigem berauschendem Getränk — stets die volle Klarheit und Nüchternheit des Geistesbewahren; er soll von dem, woran Tod und Verwesung haftet, unberührt bleiben, wes-halb er, wie der Hohepriester, nicht einmal an der Leiche der nächsten Angehörigensich verunreinigen darf; er soll endlich, was durch seinen Haarwuchs symbolistrt wird,seine Kraft und Lebenssülle ganz in den Dienst Gottes stellen. (S. das Nähere hier-über unter Nasiräat, in Herzogs theol. Encykl. Bd. X, S. 205 ff.) Die Richter-zeit nun zeigt uns zuerst in Simson und Samuel Beispiele eines lebenslänglichen,durch das Gelübde der Mutter herbeigeführten Nasiräats, wobei noch zu beachten ist,daß die Erziehung eines solchen Nasiräers bereits im Mutterleib beginnt, indem nachNicht. 13, 4. Simsons Mutter sich während ihrer Schwangerschaft ebenfalls des Weinsund sonstigen berauschenden Getränkes, sowie unreiner Speise enthalten muß. Beson-dern Dienst am Heiligthum schloß das Nasiräat nicht in sich. Daß Samuel schonals Kind zum Heiligthum gebracht und dort erzogen wurde, beruhte auf einem zumNasiräatsgelübde noch hinzugekommenen Versprechen der Mutter (1 Sam. 1, 11- 22.)— Daß das Nasiräat in der Richterzeit auch sonst vorkam, ist ans Am. 2, 11. zuschließen. Die Zerrüttung jener Zeit mag einzelne um so stärker getrieben haben,durch Nebernahme dieses Gelübdes dem Volk das Bild seiner heiligen, priesterlichenBestimmung vorzuhalten, woher es sich auch erklärt, daß AmoS a. a. O. in der Er-weckung solcher Gottverlobten eine besondere göttliche Gnadenerweisung an das Volksieht. Aber von Nasiräervereinen, aus denen dann, wie man schon angenommen hat,die Prophctcnschnlen hervorgegangen sein sollen, findet sich nirgends eine Spur; daraus,daß Amos a. a. O. Nasiräer und Propheten zusammenstellt, kann es nicht erschlossenWerden.

Die Entstehung der Pro pH etenschnlen ist vielmehr ans Samuel zurückzu-führen, mit dessen Wirksamkeit überhaupt eine neue Wendung der Geschichte Israelseintritt. Es war jene außerordentliche Zeit, da mit der Beseitigung der Bnndesladedas Nationalheiligthum seine Bedeutung eingebüßt hatte, und ebendadurch das Ansehendes Hohenpriesterthums, das unter Eli durch die Vereinigung mit der SchophetenwürdePSbag. Eiilyklopädie. V. 43