Druckschrift 
5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
Entstehung
Seite
659
Einzelbild herunterladen
 

Pädagogik des Alten Testaments.

659

trocken und fest zu machen (so Hieronymus und die Nabbinen; vergl. auch Kalsu. ckosankt. I, 7.), oder ob es ein religiös-symbolischer Act war, durch den gemäß dererhaltenden, vor Fäulnis schützenden Kraft des Salzes Hoffnung und Wunsch deslebenskräftigen Gedeihens des Kindes ausgesprochen wurde. Es ist schon vermuthetworden, daß der Ursprung der zu dem katholischen Taufritus gehörigen clatio salisauf diesen Gebrauch zurückzuführen sei. Daß in Bezug auf das neugeborene Kind nachpatriarchalischer Sitte ein der römischen Susception zu vergleichender Act der Aner-kennung von Seiten des Vaters erfolgte, läßt sich aus 1 Mos. SO, 23. (vgl. 30, 3.),Hi. 3, 12. nicht sicher abnehmen. Die religiöse Weihe des männlichen Kindes lagjedenfalls erst in der Beschneidnng, die nach 1 Mos. 17, 12. am achtenLebenstage zu vollziehen war, also nach Ablauf der Zeit, in welcher die Mutter(3 Mos. 12, 2.) und darum wohl auch das von ihr genährte Kind als unrein be-trachtet wurde. (Aus demselben Grunde wurden auch Thiere erst mit dem achten Tageopferfähig 2 Mos. 22, 29.; 3 Mos. 22, 27.). Nach anderer Ansicht (so Kurtz, Gesch.des Alten Bundes Bd. I. S. 187) wäre der Tag nach Ablauf des ersten sieben-tägigen Zeitkreises gewählt worden, um anzudeuten, daß mit der Beschneidung einneuer Anfang gesetzt sei. lieber den geschichtlichen Ursprung und die Bedeutungder Beschneidung möge hier nur folgendes bemerkt werden. Daß dieselbe Lei einigenVölkern Vorderasiens und Afrikas, aber, wie es scheint, nicht bei solchen japhetischenStammes, uralte Sitte war, darf als gewiß angenommen werden; daß Abraham die-selbe während seiner Anwesenheit in Egypten kennen lernte, ist nicht unwahrscheinlich,und es hat diese Vermuthung immerhin mehr für sich, als die der Erzählung 1 Mos.C. 34. widersprechende Hypothese, welche in der Beschneidung eine altcananäische Sittesieht. Uebrigens läßt sich für die alttestamentliche Bedeutung der Beschneidung ausder Vergleichung des heidnischen Gebrauchs kein sicherer Aufschluß gewinnen. Amwenigsten darf sie, wie häufig geschehen ist, in eine Linie mit den in den vorderasia-tischen Culten üblichen Verstümmlungen gestellt werden, als ob sie nur eine mildereForm der letzteren wäre. Es ist sogar gewagt, sie als heidnischen Gebrauch unterdiesen Gesichtspunct zu stellen, sofern jene Verstümmlungen die Aufopferung der Zeu-gungskraft zu Ehren der Gottheit bezweckten, der Beschneidung aber vielmehr die ent-gegengesetzte Wirkung, nämlich die Steigerung der Zeugungskraft, zugeschrieben wurde.(Philo, cts oireumois. II, 211.). Das Alte Test, aber gestattet diese Deutung derBeschneidung noch weniger, da nach ihm jede Verstümmlung ein Greuel ist, der vondem Bundesvolke ausschließt. (5 Mos. 23, 2.). Auch darauf, daß die Beschneidungin diätetischer Beziehung als der Reinlichkeit dienend betrachtet wurde (Hsroä. II, 31)ist im A. T. nirgends Rücksicht genommen; doch läßt sich hieraus um so leichter erklärendaß sie als N einigungssymbol verwendet wurde. Indem nämlich die Beschneidungnach 1 Mos. Cap. 17 das Abzeichen des von Gott mit Abraham und seinem Ge-schlecht aufgerichteten Bundes ist, indem sie so sehr als unerläßliche Bedingung für dieAngehörigkeit an den Verband des Bunvesvolkes gefordert wird, daß sie sogar auf diezum Hause gehörigen Knechte andern Stammes ausgedehnt und ihre Unterlassungmit Ausrottung aus dem Bundesvolke bestraft Werden soll: so ist ihre Bestimmungoffenbar die, die natürliche Unreinigkeit aufzuheben, die den Menschen zum Eintritt indie Bundesgemeinschaft mit Gott unfähig macht. Hat sie auch vermöge der Form, inder sie vollzogen wird, die besondere Bestimmung, die Fortpflanzung des Bundesvolkeszu heiligen, weshalb sie, wie bereits angedeutet worden ist, vor der Zeugung Isaaks,des Sohnes der Verheißung, eingesetzt wird: so wird doch durch den Act, der die ge-schlechtliche Function reinigt, zugleich die Weihe des ganzen in ihr culminircnden natür-lichen Lebens vollzogen. Sie ist, wie sie Ewald bezeichnet hat, ein Leibesopfer, beidem, wie dies auch bei andern Opferartcn vorkommt, der Theil für das Ganze eintritt.Daß aber durch sie vermöge des Blutes, das bei ihr fließt, der göttlichen Gerechtigkeiteine Sühne für die angeborene Schuld dargebracht werde, läßt sich, so ansprechend