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Pädagogik des Alten Testaments.
21. 24.); als Volk des Gesetzes und der Verheißung, als Rüstzeug das göttlichen Heils.Dagegen verfällt es, wo es, der göttlichen Führung widerstrebend, eigene Wege wandeln,so zu sagen naturwüchsig sich entwickeln will, einem Gerichtsbann, unter dem es stattdes Bildes eines Gottesvolkes, das es in sich auszugestalten berufen ist, eben nur dieCarricatur desselben darstellt, und so für die Weltvölker, denen es es gleichthun wollte,ein Gegenstand der Verachtung wird.
Wir haben hiernach keine Veranlassung, der alttestamentlichen Pädagogik eineUntersuchung über die Natnreigenthümlichkeit der semitischen Völker als Einleitungvorausznschicken. Nicht als ob wir die Offenbarung zu dem Naturgrunde, auf dem sieoperirt, in ein bloß äußerliches, mechanisches Verhältnis setzen und die prästabilirteHarmonie zwischen der göttlichen Erwählung und der natürlichen Ausrüstung Israelsleugnen wollten. Man kann es im allgemeinen als richtig zugeben, wenn z. B. Gust.Baur (Gesch. der alttcstam. Weissagung Bd. I. S. 41 ff.) den Gegensatz indogerma-nischer und semitischer Geisteseigenthümlichkeit auf den Unterschied einer vorherrschendobjectiven und einer vorherrschend subjektiven Richtung znrückführt, die energische Con-centration der Subjektivität in dem innersten Grunde des Ich als den charakteristischenGrundzug semitischen Wesens bezeichnet und hierin nun (s. ebendas. S. 134) einenatürliche Prädisposition für die alttestamentliche Religion findet. Nur würde mandas Verständnis der letzteren gründlich verfehlen, wenn man als Aufgabe der Offen-barung eben dies betrachten wollte, eine bereits Vorgefundene Naturform mit göttli-chem Lebensinhalt zu erfüllen, oder bereits vorhandene Keime religiöser Erkenntnisund religiösen Lebens zur Entfaltung zu bringen. Vielmehr zeugt das A. T.von einem Gegensatz, in welchen die Offenbarung zu dem natürlichen Wesendes Volkes getreten ist, es zeichnet jene „energische Concentration der Subjekti-vität" als eine dem göttlichen Willen widerstrebende, durch strenge Zucht zu brechendeStarrheit des Eigenwillens („eine Sehne von Eisen ist dein Nacken und deine Stirnevon Erz" Jes. 48, 4.); es zeigt uns in Israels Geschichte einen fortwährenden Kampfzwischen dem göttlichen Princip und dem sündigen Hange des Volkes und spricht dieSchwere der in dieser Geschichte sich vollziehenden göttlichen Pädagogie in dem Worteaus: „Du hast mir Arbeit gemacht in deinen Sünden, hast mir Mühe gemacht mitdeinen Verschuldungen" (Jes. 43, 24). Wie sich in Israel, was Natnreigenthümlichkeitund was Werk der erziehenden Offenbarung ist, zu einander verhalten, das ist bereitsausgeprägt in der Person und der Geschichte seines Stammvaters, besonders in derErzählung von jenem nächtlichen Kampfe am Jabok, der den Wendepunkt seines Lebensbildet (1 Mos. 32, 24. ff.). In dem „Fersenhalter", der immerfort durch fleischlicheRänke der göttlichen Führung vergreist und Gott den zähesten Widerstand cntgegen-stellt, bis seine Widerstandsfähigkeit gelähmt wird, der aber auch dann nicht von Gottläßt, vielmehr, nachdem die natürliche Kraft gebrochen ist, durch Flehen (vergl. Hos.12, 5.) ihm den Segen abringt und so Israel wird, der durch die geistliche Waffeüberwindende Gotteskämpfer, ist beides der natürliche und der geistliche Charakter desBundesvolkes und der Gang seiner Geschichte vorgebildet. (Vgl. den Art. „Volk Gottes"in Herzogs theol. Realencyklopädie, Bd. XVll. S. 247 f.).
In der Darstellung der alttestamentlichen Pädagogik folgen wir im allgemeinendem Stnfengang der alttestamentlichen Geschichte, wobei es jedoch, um Wiederholungenzu vermeiden, angemessen sein wird, manches seinem Inhalt nach znsammengehörcndeohne Rücksicht ans den Unterschied der Perioden zusammenzufassen. Wir gehen demnachaus von dem patriarchalischen Zeitalter, das mit der göttlichen Berufung des The-rachiten Abraham beginnt und mit der Uebersiedlung der Familie Jakobs nach Aegyptenschließt. Diese Vorgeschichte Israels kommt hier nicht bloß deswegen in Betracht, weilin der Erwählung Abrahams und der Aufrichtung des Verhcißungsbundes die thco-kratische Bestimmung des Volkes wurzelt, sondern noch besonders deswegen, weil indem patriarchalischen Lebenskreis Israel seine Vorbilder gegeben sind und hier namentlich,