Pädagogik des Alten Testaments.
653
alle überzeugenden Entscheidung; wie z. B. die Fragen, welche auf das Verhältnisder Erziehung zum Staat, zur Kirche, zur Gemeinde oder auf den Grad und die Formder Selbständigleit sich beziehen, die das Erziehungs- und Schulwesen in dem ihmeignen Gebiete anzusprechen haben. Der Theorie in Verbindung mit Geschichte undeiner nicht oberflächlichen Kenntnis der Gegenwart gebührt es allerdings, auch zurAufhellung solcher Puncte das Ihrige beizutragen. *) Ernst Möller.
Pädagogik dcs Alten Testaments. — Literatur. Die älteren biblischen Ar-chäologen haben von den in die Pädagogik einschlagenden Gegenständen vorzugsweisedas Unterrichtswesen ausführlich behandelt. Sie schließen sich hiebei an die Rabbinenan, die den Ursprung ihrer Schulformen in die älteste Zeit des Menschengeschlechtszurückverlegten, fast an jeden gefeierten Namen der Genesis etwas hierauf bezüglichesanknüpften, besonders in den Patriarchen ihre Bildungsideale verwirklicht sahen, weiteraber auch die folgenden Perioden der alttestamentlichen Geschichte mit ihren Lehr-anstalten ausstattetcn. Diesen rabbinischen Kram findet man am vollständigsten verar-beitet in einigen akademischen Reden von Jak. Alting: bistoria aoackorniainrn bo-braaarum; üistoria prornotionuin avackamioarnm upnck Usbraaos; skuckiosus Irabrasusu. s. w. habgedruckt im 5ten Bande seiner gesammelten Werke, Amsterd. 1687.S. 240 ff.), ferner in der ausführlichen Monographie des Georg Ursinus, ankigui-tstss Irobraioas soüolaskioo-aoaäsinioas 1703 (wieder abgedruckt in Ugolino's tkro-sauins antiguitatmin saoraruiri, vol. XXI). Weniges genügt, um diese Auffassungs-Weise zu charakterisiren. Die erste Unterrichtsanstalt ist nach ihr die sotrola äoinsstioaAdams; die nieder» Disciplinen werden sodann von den Kainiten, die höheren vonden Sethiten ausgebildet; der erste promovirte Doetor ist Henoch, denn sein Name be-deutet initiatus. Daß Japhet in Sems Zelten wohnen soll (1. Mos. 9, 27), willsagen, daß die Nachkommen Japhets in Sems Akademieen studiren werden. Unterden letzteren ragt besonders die von dem Erzvater Eber gestiftete hervor, auf welcherAbraham seine wissenschaftliche Bildung empfangen hat, und nach ihm auch Jakob,dem schon der Targnm des Oukelos, in dem er aus den Hütten 25, 27. ein Schul-haus macht, ein gutes Fleißzeugniß ausstellt. Daß Abraham sich des Unterrichtswesensangenommen hat, soll aus 14,14. erhellen, wo seine Knechte als „Geschulte" (2'2'l!N)bezeichnet werden. Zeigen sich doch, wie Ursinus hervorhebt, schon in der patriarcha-lischen Zeit Spuren schnlmäßigen Studiums der Logik, indem z. B. in dem WortAbraham's 18, 25. ein Syllogismus nach der Figur völarsnt enthalten ist u. s. w.—Solchen von unfruchtbarer Gelehrsamkeit strotzenden Erörterungen gehen zur Seite diepopulären Schilderungen der musterhaften Kinderzucht, die in den Häusern der Ur-undErzväter stattgefunden habe, Schilderungen, zu denen Hans Sachs in der bekann-ten „Komödie, die ungleichen Kinder Evä, wie sie Gott der Herr anredt" ein dichterischesVorbild lieferte, und in denen sich nun namentlich die Schulreden des 16ten und 17tenJahrhunderts zu ergehen lieben. (S. hierüber Löschte, die religiöse Bildung derJugend und der sittliche Zustand der Schulen im 16. und 17. Jahrhundert, 1846.S. 59 ff.). Eine Wendung in der Behandlung der Sache zeigt sich erst bei Bud-deus in der Irmtoria sool. V. T. (1715, 4te Ausl. 1744), womit auch desselben in-troäuotio aä lristoriain ptrilosoplriao Ilabrasornnr 1720 zu vergleichen ist. In demersteren Werke, welches den litoraium stncliis besondere Abschnitte widmet, werdenzwar noch die Fragen, wie es mit dem Schulwesen bei den Patriarchen, bei Israelwährend des Aufenthalts in Aegypten und während der Wanderung durch die Wüsten. s. w. gestanden habe, einer ernsthaften Untersuchung unterworfen; aber der rabbi-
*1 Die Ankündigung eines vierten Haupttheils von obigem Artikel ans T. 814, „überWerth und Bedeutung des theoretischen Studiums der Pädagogik" hätte von dem Unterzeich-neten getilgt werden sollen; ich bitte, dieses Bersehen aus einer größeren Reise, die ich zumachen hatte, ;u erklären und damit zu entschuldigen. Schmid.