Pädagogik.
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zugleich das Gefühl belebt, die Besonnenheit sowohl wie die Kraft des Wollens undHandelns von innen heraus fördern muß, unterliegt keinem Zweifel; doch muß zuge-standen werden, daß dieser Weg ungenügend ist, wenn mit Vernachlässigung der Hebungim Wollen und Thun selbst allein oder vorzugsweise auf ihm die Frucht der praktischenBildung gesucht werden sollte.
so. Nicht minder fälltauch die Kultur des Gefühls zunächst unter den psycho-logischen und anthropologischen Gesichtspnnct. Zuerst ist seine Abhängigkeit vom Er-kennen und Handeln hervorzuheben. Es wird erregt und belebt durch Anschauung,gemäßigt und beruhigt durch die Klarheit der Begriffe, durch die im Glauben erfaßteideale Wahrheit zur Freiheit der Liebe erhoben. In der Arbeit und dem Kampfe desHandelns und ihren Erfolgen findet nicht nur das Selbstgefühl Stärkung und Maß,sondern auch das auf das Wahre als solches sich beziehende Gefühl Belebung undBereicherung. Besonders großen und zum Theil unmittelbaren Einfluß auf das Gefühlübt die Geselligkeit, namentlich der gemüthliche, rein persönliche Umgang. Wo einmalpersönliche Neigung entstanden ist, wird nicht allein die Mitteilung des objectivenInnern, der Gedankenwelt, hcrvorgerufen und schon dadurch sowie durch das Bedürfnisder Uebereinstimmung eine Gleichheit der Gefühle eingeleitet, sondern auch unbewußtund unwillkürlich assimiliren sich Gefühle, Stimmungen und Neigungen; und dieserEinfluß zur Bildung, möglicherweise auch zur Mißbildung des gesammten noch nichtzur Freiheit gereiften innern Daseins ist um so größer, je jünger und unselbständigerder Empfangende ist. Wir stehen nicht an, diesen Einfluß als einen eigentlich anthro-pologischen und, in Bezug ans die frühesten Stadien des Lebens selbst als einen physio-logischen zu bezeichnen. Denn in dem Nervensystem und von da aus auch in andernFunctionen und Producten des leiblichen Lebens wird erfahrungsmäßig das Geistige inder Form unwillkürlichen Gefühls und unbewußter Tendenz niedergelegt, fixirt undaufbewahrt; und wenn nun ein Nerveneinfluß des einen auf den andern, namentlichdes Stärkeren und Gerechteren auf den Schwächeren und Unselbständigeren, im Ange-sicht so mancher Erfahrungen Wohl kaum bezweifelt werden kann, so dürfte es unläug-bar sein, daß nicht allein die Abstammung des Menschen und die Ernährung desSäuglings, sondern auch das persönlich-leibliche Berbundensein im täglichen Umgängeeinen Einfluß, gleichsam eine Art von Bezauberung auf das natürliche Seelenlebenausüben könne, und daß es auch in dieser Hinsicht nicht gleichgültig sei, in welcheHände und an welche Brust wir unsre zarten Kinder legen.
o. Von diesen psychologisch-anthropologischen Ziel- und Angriffspunkten der Er-ziehung schreitet die Methodologie zu den ethischen Zielpuncten fort, durch welchedie gesammte pädagogische Thätigkeit in Bezug auf Zweck und Ziel ihre Erfüllungempfängt. Wir meinen die Bildung zur Sittlichkeit, zur Religion, zur Schön-heit, endlich die Berufsbildung, welche letztere als allgemeine Forderung eineSacheder Sittlichkeit und der Religion ist, in der Ausführung jedoch nach der Mannig-faltigkeit der Lebensverhältnisse und der Begabungen engere Begrenzungen verlangtund der Erziehung in gewißen Lebensstadien eine besondere wiewohl mit den allge-meinen Zwecken derselben harmonirende Färbung giebt. In die Ausführung der sitt-lichen, religiösen und ästhetischen Erziehung hier näher einzugehcn, unterlassen wirnach den früher schon gegebenen Grundlagen und Andeutungen. Die Berufsbildungaber, abgesehen von ihren allgemeinen sittlichen und religiösen Beziehungen und vondem Einfluß der Erziehung ans Berufswahl und Selbsterkenntnis in dieser Hinsicht,überschreitet in ihrer Durchführung die Grenze dieses Hauptabschnittes und findet ihreBehandlung in dem jetzt folgenden Hauptabschnitte, der die gesammte Erziehungsthätig-keit unter besondern Voraussetzungen und in besondern gesellschaftlichen Kreisen undEinrichtungen betrachtet.
3. Von den Erziehungskreisen. Dieser Theil der Pädagogik ist in neuesterZeit (von Stoy) praktische Pädagogik genannt worden zum Unterschiede von der