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Oppositionsgeist.
wenn so viel Freiheit gelassen wird, daß der Stümper offen stümpern, und danebender ernste, denkende Arbeiter in sicherer Ruhe ein Samenkorn für das Gedeihen kom-mender Generationen ausstreuen kann! Je mehr die französische Centralisationswuthin Deutschland eindringt, desto ausgebreiteter und desto gefährlicher wird auch derOppositionsgeist werden, der auch dann, wenn er geschickt und kräftig niedergehaltenwird, immer noch den ganzen Segen der Erziehung in Fluch zu verwandeln droht.
Der Verfasser der „Erziehungsresultate" (Hannover 1857) erzählt ausführlich einBeispiel von der 'Erregung des Oppositionsgeistes durch ein Verbot des Wirthshans-besuches. Ein neuer Dircctor wollte sich auszeichne» und nahm den Schülern durchVerbot und scharfe Controls eine vielleicht unziemliche, aber bis dahin maßvoll ge-brauchte Freiheit. Man zog sich zuerst aus den besseren Wirthshäusern in kleineKneipen zurück, und als die Verfolgung sich auch dorthin erstreckte, entstanden erst rechtschlimme Saufgelage auf Privatzimmern. Diese einfacke Geschichte hat sich gewißunzählige Male wiederholt und ist ein Typus für manchen ähnlichen Vorgang aufanderen Gebieten. Hätte der ausgezeichnete Director die alten Sitten wenigstens solange bestehen lassen, bis er sich in die Verhältnisse der Schule eingelebt und dasVertrauen der Schüler gewonnen hatte, so wäre die Abschaffung des Wirthshaus-besuches vielleicht ohne senc üblen Folgen vor sich gegangen. Alles kommt bei solchenEingriffen darauf an, ob der Lehrer ihre Nothwendigkeit aus seinem Zu-sammenleben mit den Schülern heraus empfunden hat und den Ucber-gang in den Zustand strengerer Ordnung innerlich mit ihnen durchlebenkann, oder ob dem Herrscherbcdürsuis, der Sucht nach Auszeichnung und dem Mecha-nismus einer kaltsinnig erfundenen Musterordnung rücksichtslos ein Opfer gebrachtwird. Wie sehr durch eine mechanische Disciplin originelle Charaktere zur Oppositiongereizt werden können, ist aus der Geschichte Schillers auf der Karlsschule hinläng-lich bekannt. Ein schönes Beispiel dagegen, wie durch besonnenes Eingreifen auchdie schlimmsten Ucbelstäude beseitigt werden können, wenn die rechte Persönlichkeit denSchülern entgegentritt, haben wir an I. M. Gesner. Als dieser im September17Z0 das Nectorat der Thomasschule in Leipzig übernahm, fand er den Unterrichtverwahrlost und die Schulzucht tief verwildert. Die Mehrzahl der Alumnen meldetesich als krank, oft auf Monate und Vierteljahre, um nichts zu thnu und die guteKrankenkost zu bekommen. Gesner besuchte jeden, der sich trank meldete, sorgte fürstrenge Diät; zeigte sich aber, wenn wirkliches Unwohlsein vorlag, um so liebevollerbesorgt. Schon nach dem ersten Jahre dankte der Stadtrath Gesner dafür, daß er350 Thaler weniger an die Apotheke zu zahlen gehabt habe. Gleichzeitig riß er dieSchüler fort durch eine fast stürmische Lebendigkeit des Unterrichtes, und erst 1733,als er gewiß mit allen Verhältnissen der Schule vollkommen vertraut war, erließ erneue Schulgesetze, durch Welche eine bessere Disciplin dauernd begründet wurde (Sauppe,Weimar. Schulreden S. 62 u. f.). Aehnliche Beispiele lassen sich zu Dutzenden an-führen. Schließen wir daher unter Verweisung auf die gesammle Geschichte der Pä-dagogik mit der summarischen Bemerkung: Egoistische Disciplin, einerlei ob sie schlaffoder scharf ist, reizt den Oppositionsgeist; unbefangene Hingebung an die Sache undLiebe zur Jugend lassen ihn nicht aufkommen, einerlei ob in der Disciplin im übri-gen die Strenge oder die Milde vorwaltet. A. Lange.
Ordnung. Die äußere Ordnung in der Schule soll hier betrachtet werdenals der Inbegriff derjenigen Einrichtungen, durch welche die Aufgaben derErziehung und des Unterrichts innerhalb der Schulgemeinschaft verwirklicht und erleichtertwerden können. Palmer faßt im IV. Abschnitte der „Evangelischen Pädagogik" dieganze Ausgestaltung des organisch gegliederten und nach innerem Gesetze sich entwickeln-den Schullebens unter dem Begriffe der „Ordnung des Schullebens" zusammen. Dazuist volles Recht vorhanden, da die Idee der Schule in ihrer Eigentümlichkeit eine Formdes Lebens schafft, welche ein bestimmtes Verhältnis zu allen berechtigten Mächten des