Oesterreich.
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Vertretung derselben eben in den westlichsten Theilen des Grenzgebiets, welche inausgedehntestem Maße der Volksschulen entbehren.
3. Die Volksschule kann sich aber auch des engsten Zusammenhangs mit derNationalität des Schulsprengels nicht entschlagen. Wenn in dieser Rücksicht früherhinder deutschen Sprache im Norden und der italiänischen im Süden der Alpen eine all-zugroße Bevorzugung zugewcndet wurde, so gilt seit dem Jahre 1848 als feststehenderGrundsatz, daß die Muttersprache der Schüler zugleich die Unterrichtssprache sein, inSchnlsprengeln gemischter Bevölkerung ein doppelsprachiger Unterricht crtheilt werdensoll. Nur in jenen Schulen, in welchen früher der deutsche oder italiänische Unterrichtbestand und einem wirklichen Bedürfnisse der Schulgemeinde entsprach, durfte derselbenicht vollständig beseitigt werden, selbst wenn die bezügliche Nationalität in der Schul-gemeinde in sehr geringem Maße vertreten war; der Gebrauch dieser ortsfremdenSprache als Unterrichtssprache kann aber selbst dann bloß in den oberen Elasten alter-nirend mit jenem der Muttersprache eintrcten.
In der einheimischen Bevölkerung (xopnlation cks ckroit) der deutsch - slavisch-italiänischcn Länder sind eilf Nationalitäten mit erheblichen Ziffern, 'sieben bis achtandere mit kleineren Bruchtheilen vertreten. Hieraus ergeben sich 23 Combinationenbezüglich der Unterrichtssprache, da der deutsch-kroatische und deutsch-serbische Unterrichtim Küstenlande, so wie der deutsch-polnisch-romanische in der Bukowina erloschen ist,der frianlische und ladinische aber dem italiänischen zugerechnet wird. Die nachfolgendeTabelle (S. 292) beleuchtet die in dieser Rücksicht stattfindenden Verhältnisse.')
Der deutsche Volksstamm erscheint im ganzen Kaiserstaate als derjenige, welcheram sorgsamsten bemüht ist, die Wohlthaten des öffentlichen Elementarunterrichts seinerJugend zugänglich zu machen, weshalb die Percentualziffer der rein-deutschen Schuleneine höhere zu sein pflegt, als jene der deutschen Bewohnerschaft eines mehrsprachigenLandes. Dies zeigt sich besonders in der östlichsten Vorbnrg mitteleuropäischer Gesittung,in der Bukowina, wo zum Theile selbst jetzt noch die deutschen Ansiedlungen die Haupt-trägerinnen des Volksunterrichtes sind. Nur dem rührigen Vordringen des italiänischenElements nach dem Norden mußte der deutsche Unterricht in Venetien fast ganz, in demKüstenlande und Süd-Tirol bis zu einem nicht unerheblichen Grade weichen.
Unter den Zweigen der großen slavischen Völkerfamilie hat sich der czechisch-mäh-rische mit der größten Energie ans die Primärschule geworfen. Den zweiten Platznimmt der polnische ein, und theils der frühere Zusammenhang aller BukowinerVolksschulen mit der katholischen Diöcesanbehörde zu Lemberg, theils der weit ver-breitete Gebrauch der polnischen Umgangssprache unter den Gebildeteren jenes weitentfernten Ländchens hat den polnischen Unterricht daselbst in der Volksschule stark ver-breitet. ^) Hierauf folgen die Slovenen, weiter die Kroaten, dann die Nuthenen, zu-letzt die Serben, deren Volksschule in einem viel höheren Grade der Eombination ihrereigenen Sprache mit der italiänischen sich gefügt hat, als dies bei irgend einem an-deren slavischen Stamme gegenüber der deutschen Sprache der Fall.ist.
Die Verbindungen der deutschen und der italiänischen Unterrichtssprache mit eineranderen spielen eine große Nolle im österreichischen Volksschulweseu; sie finden aber
9 Die letzte Volkszählung (vom 31. October 1857) hat zwar keine Nationalitäten conscri-birt, aber doch das Material zur Anwendung der Ergebnisse früherer Zählungen auf die Gegen-wart geliefert. 2u der factischeu Bevölkerung sind allerdings die in jedem Lande dem Haupt-Volköstamme nebengeordneten Nationalitäten regelmäßig etwas stärker vertreten, als in dersogenannten einheimischen; allein nur die letztere ist vorzugsweise maßgebend für die ethno-graphische Charakterisirnng der Schulgemeinde.
') Da es selbst in Galizien erst seit anderthalb Decennien gelang, das Ruthenenthum vondem Drucke des Vorurtheils, wornach die polnische Sprache als die Schriftsprache der Nuthenengelten sollte, zu befreien, so mußte sich der polnische Unterricht auch aus diesem Grunde in derBukowina stark verbreiten, deren nicht-deutsche Bevölkerung fast zur Hälfte ans Nuthenen besteht.