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Nicmeycr.
bringen des vorigen Jahrhunderts rubricirt er nach den denselben eigenen Principienund Theorien in vier Schulen, die religiöse oder Franckesche Schule, die Schule derHumanisten, die der Philanthropisten, die der Eklektiker. Zn den letzteren, welche dasGute aller Schulen zu benützen und die Fehler derselben zu vermeiden suchen, ist Nie-meyer selbst zu zählen, wenn er es als den Zweck seines Werkes bezeichnet, „dazumitzuwirken, daß achtes Verdienst der Vorzeit, oder auch was besser geworden ist, an-erkannt, angehenden Erziehern und Lehrern der Jugend aber die Kenntnis des Vor-züglichsten, was über den Gegenstand in frühem und spätem Zeiten gedacht und gelehrtward, erleichtert und daraus eine feste, auf Erfahrung beruhende Regel des Erziehensund Lehrens aufgestellt würde." Mit Entschiedenheit sprach er sich unausgesetzt gegendie während seines langen pädagogischen Wirkens so oft mit Eclat auftretende An-maßung, die absolut gültige und allein richtige Methode und Lehrform gefunden zuhaben, aus, das Residuum von Wahrheit, das auch von solchen vorbeirauschcnden Er-scheinungen immer zurückbleibt, übrigens gerne schätzend und benützend. „Was der ZeitNoth thut," sagt er schon in der 6. Auflage, „scheint mir vor allem das Anfregenjeder straft und jedes guten Willens zu sein. Nicht an Formen sollen wir hängen;wir haben erlebt, wie bald der Geist aus ihnen verschwinden kann; nicht von demplötzlichen Umgestalten das Heil hoffen; nicht Seelen und Schulen stiften; sondern wirsollen, unbekümmert, ob neu oder alt, jedes Ding nach seinem innern Gehalt wür-digen u. s. w., und bedenken, daß es eben so wenig eine allein glücklich bildende päda-gogische Methodik, als eine allein selig machende Kirche geben kann." Wollte er auch(Aust. 5) nicht läugnen, daß die Pädagogik und Didaktik nach einer strengeren philo-sophischen Methode behandelt werden könne, als von ihm geschehen, so schien ihm diesesdoch zumal bei dem steten Wechsel der -Philosophie des Tages von geringem Nutzen,die Verbindung der transcendentalen und populären Methode aber in Einem Werkjedenfalls zweckwidrig. So war ihm die Erfahrung durchaus das Gebiet seiner Wissen-schaft. Dabei ist ihm aber die Erfahrung nicht ein bloßes Aggregat zufälliger Erschei-nungen, sondern das Material, durch dessen genaue Beobachtung und Prüfung, ver-bunden mit einer gründlichen Erforschung der menschlichen Natur und des ihr Gemein-samen die allgemeinen Regeln und Gesetze, die. festen Principien zu finden sind, nachwelchen die Erziehung, d. h. die absichtliche, nach Zwecken unternommene physische undgeistige Einwirkung auf den Menschen zur Beförderung seiner Bildung nach allen seinenAnlagen und Kräften geleitet werden muß, und welche sich sofort in ähnlicher Weisein ein wissenschaftliches System ordnen lassen, wie dies in der Anthropologie, Psycho-logie u. s. w. geschieht. Von dieser Basis aus hat sich Niemeycr sein pädagogischesSystem gebildet. Indem er Erziehung und Unterricht im engeren Sinne unterscheidet,ergeben sich ihm für Auffassung der Erziehungslehre oder Pädagogik folgende Haupt-gesichtspuncte: Was den einzelnen Menschen zum Menschen macht, das ist der ganzenGattung gemein. Es bildet den Charakter der Menschennatur. Daneben erscheintnoch in einem jeden eine eigenthümliche Anlage und Bildungsfähigkeit, welche denCharakter des Individuums bestimmt. — Die edelste aller Anlagen in dem Menschenist die Bernunftthätigkeit und was unzertrennlich damit zusammenhängt, das Vermögenden Willen durch Freiheit zu bestimmen. — Die Hervorbringung der ursprünglichenKräfte, sowie die Verthcilung in mannigfaltigen Maßen und Verhältnissen, ist lediglichdas Werk des Urhebers der Natur. Zu ihrer Ausbildung aber durch ihre Aufregung,Veranlassung, Richtung, sowie durch Wegräumung dessen, was ihre freie Wirksamkeithindern könnte, planmäßig mitznwirken, dies ist die Sphäre der Erziehung. Hieraufberuhen nun folgende Hauptsätze: 1. Die Erziehung kann nur entwickeln und bilden, nichtschaffen; 2. die Erziehung achtet die Eigenthümlichkeit des Zöglings; 3. der ganzeMensch ist Gegenstand der Erziehung; 4. höchster und letzter Zweck der Erziehung ist,das Menschliche (Humanität) im Menschen so vollkommen anszubilden, als es beijedem Einzelnen der Gattung möglich ist; der Erziehung für besondere Bestimmungen