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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Nabclais.

gütig. Er vereinigt seltne Vorzüge, unter denen die Verehrung für seinen Vater dergrößte ist.Niemals hat wol ein Schriftsteller der kindlichen Liebe und dem väterlichenAnsehn mehr Kraft, Würde, Tiefe gegeben als Rabelais. Im Angenblick, wo dieGesellschaft sich auflöste, hat Rabelais einen Vater gezeichnet, der seinen Sohn mitder einnehmendsten Güte, mit der uneigennützigsten Hingebung erzog und einen Sohn,durchdrungen von der zärtlichsten Liebe, der höchsten Ehrfurcht, der lebendigsten Dank-barkeit für seinen Vater," sagt Gnizot, der sich in den anualss ci'ääuoatiou III. p. ^25155 ausführlicher über diesen Punct äußert und den Versuch macht, die Be-hauptung, daß Pantagruel durch sein Beispiel den Segen guter Erziehung zeigen solle,mit zahlreichen Beispielen zu belegen.

Wir hätten nun nach der Wirkung, die Rabelais hervorgebracht hat, zu fragen,aber mit dem, was Ideen in der Welt Segensreiches stiften, ist es wie mit demPflanzensamen, den die Luft umherträgt: wir freuen uns der Blüten und Früchte,ohne den Gärtner zu wissen, dem wir sie zu danken haben. Mag also, was nichteinmal ganz der Fall ist, denn Franz I. hat unendlich viel für Frankreichs geistigeCultur gethan, Rabelais Wort ohne unmittelbare sichtbare Erfolge geblieben sein, so istes doch nicht verloren, wenn nur seine Gedanken in das gewaltige Arbeiten, Ringen undSchaffen seiner Zeit mit eingegriffen haben. Dafür aber, daß seine Stimme nicht einenAugenblick überhört wurde, haben wirBeweisegenug. AlsdasBuchPantagruel" erschienenwar, wurden gleich im ersten Jahre drei Ausgaben nöthig. Die seit zehn Jahren er-wartete Veröffentlichung des dritten Buchs erfolgte erst, nachdem mächtige Gönner desVers, vom Könige die Erlaubnis dazu erlangt hatten; die Sorbonne suchte das Buchzu unterdrücken, konnte aber die Einwilligung dazu vom König nicht erlangen. Alsdas betr. Buch ohne Wissen des Vers, veröffentlicht worden war, mußte er sich flüchten,um sich den Verfolgungen zu entziehen. Nachdem der König die Erlaubnis zum Ver-kauf des Buchs erthcilt hatte, wurde es sogleich in ganz Frankreich durch verschiedenerechtmäßige und unrechtmäßige Ausgaben verbreitet. Seitdem hat Rabelais nie auf-gehört, seine Landsleute zu beschäftigen. Michel Montaigne hat seine Gedanken weitergesponnen; durch ihn ist Rousseau auf Rabelais geführt worden, der ohne Zweifelunmittelbar aus ihm geschöpft haben muß und der im Emile den pädagogischen Theildes Gargantua und Pantagruel aufnimmt und ansführt. Aber auch Rabelais selbstward über seinen Schülern nicht vergessen; Negis verzeichnet 94 französische Aus-gaben II, S. XI-VII ff. Im Ausland erschien eine Menge Ilebersetzungen undNachbildungen. Die älteste und merkwürdigste ist die von Johann Fischart ge-nannt Menzer. Vielleicht ist dessenAnmanung zu christlicher Kinder-zucht" schon eine Frucht von seiner Beschäftigung mit Rabelais. DieseAnma-nung" ist 1846 von Vilmar in der Schulschrift:Zur Litteratur Johann Fischarts"Wieder ans Licht gestellt worden, ebenso 1849 von Below und I)r. I. Zaucher indemtrefflichen Büchlein: Joh. FischartS geistliche Lieder, christliche Kinderzucht und Lob derLauten. (Mebllicht ^ niemals herzlicher, zarter, lieblicher und doch zugleich eindring-licher und ernster über die Kinder und kindliches Leben, über Elternfrcude und Eltern-pflicht gedacht worden, als in diesem kleinen kaum zweihundert Verse fassenden, undbis vor kurzem unbekannt gebliebenen Gedichte Fischarts." Vilmar.) Seine Ueberar-beituug des Gargantua ist fast ein selbständig Werk. In der Kühnheit der Wortbildungüberbietet er das Original, in der Anwendung der Dinge auf heimische Zustände machter sich völlig von ihm frei, durch die geringere Anhäufung unzüchtiger Scherze, namentlichdurch die Vernichtung aller der Stellen, in denen der französische Priester mit der Bibelspielt und ihre Worte zu seinen Späßen mißbraucht, erhebt er sich über dasselbe. Aberdurch seine Ausführlichkeit und seinen Wortwitz vermehrt er die Schwierigkeiten, so sehr,daß Gervinus meint, ein Deutscher, der von Fischart ans Original gehe, wunderesich, daß die Franzosen dieses schwer fänden. Er wählte den Titel: Affentheuerliche,Raupengeheuerliche Geschichtklitterung: Von Thatcn und Rathen der vor kurtzen, langen