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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Rabelais.

Louis XIV. ließ den Quintilian wieder zu ganz besondrer Geltung kommen. Pascalund Fenelon lernten von ihm und durch Rollins berühmtes didaktisches Werk (s. d.Art. Roll in) erlangte er in den Schulen höheres Ansehen als je vorher; übrigenshat sich der milde Rollin durch feine Bewunderung für ihn nicht abhalten lassen, diedem Domitian gewidmete Adulation in strengen Worten zu tadeln (un ssrivain,oaxabls äs xorksr l'sxotzs äs In Hatterts jusgu'a rssounaltrs xour äisu un smpörsurtsl gus Oomitien, statt äi^ns .äs blasxiremsr sontrs 4v8U8-6Iirist st sontrs svnLMss). Wie Friedrich der Gr., der Auctorität Rollins folgend, die Institutio oratoriain den preußischen Schulen zu ausgedehnter Benützung bringen wollte, zeigt die be-rühmte (in Schmidts Gesch. der Pädagogik III, 513 k. wiederabgedruckte) Cabinets-ordre an den Minister von Zedlitz vom 5. Sept. 1779 (vgl. den Art. Friedrich derGr. S. 544). Aber unfern Schulen hatte schon die Ausgabe Gesners vom Jahr1738 den alten Rhetor wieder näher gebracht. Die große Ausgabe Spaldings(1798 tk.) gab den auf Quintilian gerichteten Studien einen neuen Impuls, ohne docheine allgemeinere Benützung desselben in den Schulen herbeizuführen, so sehr auch die Weiseder Erklärung darauf hinlciten konnte. Die späteren Ausgaben waren mehr kritisch.Dadurch aber, daß das zehnte Buch wiederholt in besonder» Ausgaben (von Frotscher,Herzog, Herbst, Bonnell, Krüger) für den Schulgebrauch erschienen ist, scheint wenig-stens diesem, das freilich auch noch eigenthümliche Schwierigkeiten darbietet und selbstfür seinen historischen Theil gewecktere Köpfe verlangt, in einem weiteren Kreise Gel-tung gesichert zu sein. Stellt man die Frage, ob Ciceros rhetorische Schriften oderQuintilians Institutio höher zu schätzen, so kann die Bemerkung der Frau von Stasl(äs 1a Intteraturs I) benützt werden, daß man bei Quintilian mehr feine und neue Gedankenfinde als bei Cicero; aber doch hat jener auch wieder nichts, Was mit den Hauptab-schnitten im ersten Buche Ciceros vom Neduer verglichen werden könnte. UnsereGymnasialpädagogiker haben sich auf eine Würdigung Quintilians noch nicht sonderlicheingelassen.*) H. Kümmel.

N.

Rabelais. In demselben Jahre wie Luther, 1483, wurde Franz Rabelaisin der kleinen alten Stadt Chinon in Tourraine geboren. Er empfieng den erstenUnterricht in dem Benedictinerkloster Seuills bei Chinon, späteren im Kloster la-mette bei Angers und dann ans der Universität Angers. Dort machte er die Bekannt-schaft der Brüder du Bellay, von denen der eine, der spätere Cardinal, sein großerWohlthäter ward. Dies blieb freilich auch ziemlich der einzige Gewinn, den er mit-nahm, als er sich von dort zu den Franciscanern nach Fontenai le Comte in Unter-Poitou begab, daselbst Profeß that, die Weihen empfieng und (1511) Priester wurde.Hier im Kloster, sagt sein Biograph, brachte er die auf Schulen versäumte Zeit wiederein und studirte aus eignem Antrieb mit Eifer. Sein Wissensdurst begnügte sich nichtmit den Kenntnissen, die er von seinen Kollegen gewinnen konnte, denn selten wußtendie Mönche damals mehr als etwas Scholastik. Das Uebrige betrachteten sie alsEitelkeit. Rabelais konnte solchem Beispiele nicht folgen: er wollte den ganzen Kreisdes Wissens ausmessen, er wollte Grammatiker, Dichter, Arzt, Philosoph, Jurist,

*1 In formeller Beziehung kann für Schüler eine Vergleichung der Liceronischen ooxiaäicsuäi mit der Quintilianischen brevitas sehr belehrend werden. Vergl. VolAtlauä Diso,äs brevitats czuilitiliania, im Progr. des Ghmn. zu Schleusingen von 1848 . Auch die gram-matischen Verschiedenheiten zwischen Cicero und Quintilian lassen eine nützliche Behandlung zu.Sonst ist natürlich sehr genau zu scheiden, was Q. dem Schüler und was er dem Lehrer sein kann.

Kl.