Rabelais.
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guter Erkenntnis gelüstet." *) Nun erzählt er, wie er noch Griechisch gelernt habe und sichjetzt an Plato und Plutarch freue. Den Sohn verweist er auf „löblich Beispiel undlebendigen mündlichen Rath" seiner Lehrer. Von den alten Sprachen soll er Griechisch,Lateinisch, Hebräisch „wegen der hl. Schrifften", Arabisch und Chaldäisch lernen, den Stilim Latein nach Cicero, im Griechischen nach Plato bilden. „Von Historien müsst es nichtsgeben, das dir nicht all im Gedächtnis treu geläufig wäre." In freien Künsten, Musik,Arithmetik, Geometri ist der Vater selbst schon sein Lehrmeister gewesen; er soll weiterI gehen, auch Astronom! hinzufügen, aber die divinatorisch Astrologie und die Lullius-! lünste bei Seite lassen, „denn es ist eitel Unfug und Thorheit." Auch das bürgerliche
s Recht soll der Prinz kennen, den Text wörtlich, den Inhalt philosophisch auffassen.
„Anlangend die Kenntnis natürlicher Ding verlange ich, daß du dich darauf mit Fleißverlegest, daß kein Meer, See, Fluß noch Quell sei, davon du nicht die Fische wüßtest.Alle Vögel des Himmels, alle Bäum, Gebüsch und Sträuch der Wälder, alle Kräuterder Erde, alle Erz im Schoos des Abgrunds, alle Gestein, soviel das ganze Morgen-land und Mittag hegt, nichts müße dir verborgen bleiben." Weiter verweist er ihnauf die Kenntnis der andern Welt, d. i. des Menschen, die er ebensowohl durchSectionen, wie aus Büchern gewinnen solle. „Fange zu einigen Stunden des Tagesdie hl. Schrifften zu treiben an, erst griechisch das neue Testament und die Brief derApostel, dann hebräisch das Alte; mit einem Worte: tauche dich in ein Meer desWissens." Es sei dazu hohe Zeit, denn bald werde ihn der Ernst des Lebens dergelehrten Ruh und Zufriedenheit entführen. „Weil aber nach Salomos wahrem Wortdie Weisheit nicht kommt in die Seelen der Bösen und Wissen ohne Gewissen nichtsanders als der Seelen Tod ist, so sollt du Gott dienen, Ihn lieben, fürchten und aufihn dein ganzes Sinnen und Hoffen setzen, und stark im Glauben durch die Lieb', Ihmalso fest verbunden sein, daß dich die Sünd' ihm nimmermehr entreißen mag. Trau'nicht dem Jrrsal der Welt. Hänge dein Herz nicht an Eitelkeit, denn dieses Leben istvergänglich, aber des Herrn Wort bleibt ewig. Sei allen deinen Nächsten gern zuDiensten, liebe sie wie dich selbst. Ehre deine Lehrer, fliehe die Gemeinschaft derer,denen du nicht willst gleich sein, und die Gaben, die du von Gott empfangen hast,laß sie dir nicht umsonst verliehen sein. Und wenn du vollends dort alle Weisheiterworben zu haben spüren wirst, komm wieder zu mir, daß ich dich seh' und meinenSegen dir geb', eh' ich sterbe. Mein Sohn, der Friede und die Gnad unsers Herrensei mit dir. Amen. AuS Utopien am siebenzehnten des Märzmonates, dein VaterGargantua."
Klarer und einnehmenderhaben wir das Programm der Humanisten des 16. Jahr-hunderts, in 'oeren vorderste Reihen sich Rabelais hier stellt, kaum an einem zweitenOrt gefunden. Voran stand die Schrift; dann wurden die alten Sprachen wieder inihr Recht gesetzt, Cicero, Plato traten an die Stelle des Llammotraotus; verdrängtWurden astrologische und verwandte Nichtswürdigkeiten; dagegen Geschichte und Natur-beschreibung neu ausgenommen; letztere in einer Ausdehnung und in einer Methode, wiewir sie gleich vollendet bei keinem der deutschen Humanisten antrefsen; der Leib ward geübt;das Leben des Volkes in Politik, Gewerbe, Handel dem Zögling aufgeschlossen und endlichder Unterricht zur Erziehung des sittlich tüchtigen, des frommen Menschen erhoben, auch nachseiner methodischen Seite zu Vollkommenheit ansgebildet. Der Verfasser des Pantagruelbleibt nun bei dieser Expectoration nicht stehen, sondern zeigt in der Geschichte seinesHelden die Früchte solcher Erziehung. Neben der Unsittlichkeit Panurgs und der Roh-heit des Bruder Jean erhebt sich Pantagruels Charakter: besonnen, weise, gewandt,
Derselben Auseinandersetzung begegnen wir bei Luther in der Schrift an die Rathsherrn! aller Städte Deutschlands, daß sie christliche Schulen anfrichten und halten sollen. Anno 1524^ unter Nr. 10, 11 , 12 , 59, 83.
Päd,ig. Encyklopädie. VI.
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