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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
Entstehung
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Philologie, klassische. (Vgl. d. Art. Gelehrtenschulwesen, Gymnasium, Gym-nasium sein Verhältnis zum Christenthum zur Nationalität und zum praktischen Leben,mittelalterliches Schulwesen.)

Begriff, Gliederung, Geschichte. Was wir jetzt classische Philologie nennen,die Wissenschaft von dem Lebensgehalte der classischen Völker, wie derselbe in Schriftund Kunst niedcrgelegt ist, kann in den Tagen, da das Wort Philologie («xrloloxl«,^elöloxos, Y»1o1oyklv) entstanden ist, noch nicht gesucht werden, einmal weil von einerWissenschaft in jener Zeit noch nicht die Rede sein kann, sodann weil das, was wirjetzt aus den Denkmälern der Kunst und Schrift hcrvorsuchcn, damals in der Anschauungder lebendigen Gegenwart vorlag. Wir glauben nämlich, daß der Begriff der Philo-logie, wenn man ihm nicht eine nngemessene, historisch nicht berechtigte Ausdehnunggeben will, zu beschränken sei auf die Darstellung einer abgeschlossenen und fertigenCultur, die nur noch in Monumenten, sei es der Literatur oder der Kunst, wenn auchin ihren rohesten Anfängen, vorhanden ist. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit moder-nen Verhältnissen glauben wir nicht Philologie nennen zu dürfen. Studien über dengegenwärtigen Zustand moderner, im Munde des Volks lebender Sprachen mäßen wirhiernach folgerichtig ebenso gewiß auf ein anderes Gebiet verweisen, als Studien überreligiöse, politische, staatswirthschaftlichc, sociale, literarische, künstlerische Zustände derGegenwart. Eine Grammatik, ein Lexikon der jetzigen deutschen, englischen, französischen,spanischen Sprache halten wir uns nicht für berechtigt, ein philologisches Werk zunennen. Wir gewinnen durch diese Bestimmung des Begriffs den großen Vortheil, Phi-lologie und Sprachwissenschaft streng auseinanderhalten zu können, denn die Ansicht,welche G. Curtins ausspricht (Philologie nnd Sprachwissenschaft, Antrittsvorlesung inLeipzig 1862), das Verhältnis von Philologie und Sprachwissenschaft sei so zu bestim-men, daßdas Gebiet des allgemeinen Sprachforschers die Naturseite, das des philo-logischen die Culturseite der Sprache" sei, scheint uns nicht begründet.^) Wie sollteeine Sprachwissenschaft denkbar sein, welche die Culturseite der Sprache, oder einePhilologie, welche die Naturseite derselben nicht als ihr Gebiet anschen dürfte. Esist, wie er selbst sagt,da jede Sprache ein gewordenes Ganzes bildet, die eine Seitevon der andern unmöglich ganz zu trennen".Die wichtigsten Fragen lassen sich nurdann beantworten, wenn beides gleichmäßig in Betracht gezogen wird". Vielmehrscheint uns die Sache so zu liegen:

1) Die Sprachwissenschaft hat keinen andern Gegenstand als die Sprache. Aberdie Philologie will ein Volksleben erkennen und zwar ein nntergegangenes, das nurin Monumenten der Kunst und Schrift noch lebt. Hieraus ergiebt sich, daß die Philo-logie ein anderes, umfassenderes Gebiet vor sich hat nnd daß sic die Sprache nur

*> Vgl. auch die Polemik von Steinthal gegen diese Auffassung iuPhilologie, Geschichteund Psychologie" S- 17 ff. Tobler im Schweizer. Mus. 1865, 3. S. 193 214 schließt sich anden von Curtins aufgestelltcn Gedanken an, daß die Sprachwissenschaft das Naturleben, Philo-logie das Cnltnrleben der Sprache mehr im Auge habe (S. 210), und beachtet den (S. 194)Wolf in den Mund gelegten Gedanken,daß die Philologie das Verständnis des classischen Alter-thmns sei, als einer durch den organischen Zusammenhang von Sprache, Kunst, Religion nndSitte in sich abgeschlossenen Cnltnrperiode" zn wenig, in dem er (S. 195) die Sprache alsGegenstand nnd Hauptbestandthcil der Philologie betrachtet.

Pädaz. EncyktopSvic. VI.

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