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Rabelais.
gewölb zu den Kräuterhändlern und Apothekern, untersuchten da aufmerksam die fremdenWurzeln, Blätter, Früchte, die Sämereien, Gummen, Salben, desgleichen, wie man sieverfälscht." Selbst Gaukler und Marktschreier mit ihren Gesten und Finten bliebenvon der Aufmerksamkeit des jungen Fürsten nicht ausgeschlossen und diesem wurde diefortgesetzte Uebung, die ihm anfangs beschwerlich schien, im Verlauf so leicht, süß undergötzlich, „daß es vielmehr als Kurzweil für einen König als eines Schülers Zuchtzu sein schien." Dennoch wurde ihm in jedem Monat an einem schönen HellenTage Vacanz gegeben, welche zu einer Landpartie benützt ward." (Cap. 23, 24.S. 72 bis 82.)
Noch einmal führt uns Rabelais in dem Pantagruel (2. Buch Cap. 7, 8) in dieSchule. Gargantua ist Vater des Pantagruel geworden, der nun seinerseits auf Reisen geht.Die Begegnung mit einem Limousiner, welcher die Franzensprach verhunzte, indem ernur in Fremdwörtern redete, entspricht der Rede des Jonas Fuchtelberger; das Ver-zeichnis der Spiele im Gargantua erhält ein noch gelungeneres Seitenstück in demKatalog der Bibliothek zu Sanct Victor, einer schonungslosen Verhöhnung der Schrift-steller aus der alten Schule. Die ausführliche Beschreibung von Gargantuas Studientritt in einem Schreiben vor unsere Seele, darin der Vater seinen Sohn zu fleißigemArbeiten ermahnt. Die Franzosen sind in dem Lohe dieses Briefes sehr beredt; abersie gehen nicht über die Wahrheit hinaus. „Vielgeliebter Sohn," hebt er an, „unterden Gnadengütern und Vorzügen, womit der allmächtige Protoplastes Gott die Naturdes Menschen in ihrem Ursprung begabt und ausgerüstet hat, scheint mir der vor allenherrlich und einzig zu sein, durch welchen sie in ihrem sterblichen Zustand schon eineArt von Unsterblichkeit zu erlangen und im Verlauf des flüchtigen Lebens ihren Namenund Samen zu verewigen befähigt wird. Welches durch unsers Leibes Abkunft imrechtmäßigen Ehstand geschieht, wodurch uns einigermaßen ersetzt wird, was wir durchunsrer ersten Eltern Uebertretung verloren haben: zu denen gesagt ward, weil sie nichtdes Schöpfers Geboten folgsam gewesen, so sollten sie sterben und durch Tod diese sowunderwürdige Bildung, darinn der Mensch erschaffen war, wiederum vernichtet werden."Er freut sich nun des Sohnes, in dem er überleben soll, erschrickt aber bei dem Ge-danken,, daß derselbe etwa vom Wege der guten Sitten abwiche und mag es nichtdenken, „daß der geringste Theil von mir, welches der Leib ist, überblieb und der beste,die Seel', die unfern Namen unter den Menschen im Seegen erhält, entartet und ver-kümmert wäre." Er sagt das nicht aus Mistrauen, verlangt nicht, daß Pantagrueldas gute Leben beginne, sondern daß er es fortsetze, und betheuert, stets gehandelt undgesorgt zu haben, als wenn ihm auf der Welt kein anderer Schatz wäre als seinesSohnes Tugenden, Zucht und Mannheit. Auch sein seliger Vater, hochgesegnetenAndenkens, hat viel für seine Ausbildung gethan, doch nicht mit günstigem Erfolge.„Ich könnt nicht solche Lehrer haben, wie du hast. Die Zeiten waren finster, schmecktennach der Gothengual und Barbarey, die alle gute Literatur zu Grunde gerichtet. Abermit Gottes Hüls ist den Künsten bei meiner Zeit ihr Licht und Ansehn wieder gegeben."So groß ist der Unterschied, daß er, damals der Gelehrteste seiner Zeit, heute zu denkleinen Schulsüchsen gehören" würde. „Anitzt sind alle Disciplinen wieder hergestellt,Griechisch, ohn' welches eine Schand wär', sich einen Gelahrten nennen zu wollen,Hebräisch, Chaldäisch, Latein." Die Buchdruckerkunst kommt zu Hüls. „Die ganzeWelt ist voll gelahrter Männer, hochbelcsner Lehrer, voll reichbegabter Büchersäl unddünkt mich, daß eine solche Beguemlichkeit der Studien, wie man itzo sieht, weder zuPlato noch Cicero Zeiten, noch Papiniani gewesen sei. Und wird sich künftig in Ge-sellschaft gar keiner mehr herfürtraun dürfen, der nicht in der Minerva Werkstatt rechtaus dem Grund polirt ist. Ich seh', es sind die Straßenräubcr, Stallbuben, Wag-häls und Henkersknecht itzund gescheiter als die Doctoren und Prediger zu meiner Zeit.Ja, was sag' ich? Selbst die Frauen und Mägdlein hat nach diesem Lob und Manna