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Nabelais.
uralten Märchen, welchem'Rabelais in seinem Roman folgt, daß der Riese die Glockender Notre-Dame-Kirche anshebt, um sie seiner Märe als Schellengeläut an den Halszu hängen; trotzdem finden seine Ausleger darin eine Anspielung ans die Ansprüche, welcheFranz I. an die Stadt in Bezug auf ein Halsband machte,- mit dem er Frau vonEstampes schmückte. Lassen wir sie dabei und freuen wir uns an dem kostbarenSpecimen damaliger Schulberedsamkeit, welche das 19. Cap. in der Rede des MeisterJonas Fochtelnburg bringt, des „bastantesten von der ganzen Facnltät," den diese anGargantua abscndet, um die Rückgabe der Glocken zu erlangen: Es heißt darin z. B.„— Scharms clouiiue, es sind nun schon an die achtzehn Täg her, daß ich an dieserschönen Rede spintisir und kau! Uoääito guao sunt Lnssaris Laosari ob cprurs sunt<lei üoo. Ibi fasst loxus (da liegt der Hase). Mein Treu ckomius, wann ihr beimir zur Nacht wollt essen irr camsra, bei dem Sanct Chrisam sllaritatis: uos kaoiernnsboiruin olrerrrbirr (wir werden uns die Nasen cherubinroth trinken) oxo ovoiäi umunxorsum ob o§o llabst liouum viuo. Aber von einem guten Wein kann man nitreden bös Latein. Wohlan äs parts äsi (äs pur Diorr) äuts uobis Alosüas uostras.Scharms her, ich schenk und übergeb' euch auch von unserer Facultät ein ssrrnouss äeUtino; rrtirraur, daß ihr uns unsre Glocken wollt geben. Vultis stiam ^Massivs?psräism vos Irudsbitis st uiiril ralstis."
Der Redner wird belohnt, die Glocken erhalten ihre alte Stelle wieder und Gar-gantna kehrt zu den Studien zurück. Erst läßt ihn Ponokrates, um die Verirrungseiner Vorgänger kennen zu lernen, bei seiner alten Weis und Gewohnheit bleiben.Sie ist geisttödtend, leib verwöhnend. Viel Schlaf, öfteres Essen, sinnloses Beten,„darnach studirt er ein leidig halb Stündlein, die Augen starr auf sein Buch gerichtet,aber sein Seel war in der Küchel." Einen guten Thcil des Tages verzettelte er mitSpielen, deren Rabelais 2t4 anfzählt, während der älteste deutsche Uebersetzer 586nennt; doch kehren oft dieselben Spiele unter vier, fünf verschiedenen Namen wieder;manches hat die Laune eingefügt; aber die meisten sind, wie es der Tendenz nach allesollten, Karten oder Würfel oder Bretspiele.
Nun greift Ponokrates verbessernd ein, doch mit langsanier sichrer Hand, die Naturberücksichtigend, welche eine plötzliche Aenderimg nicht leiden mag. Er sorgt erst fürdas Vergessen des Alten und erweckt dadurch, daß er seinen Scholar in gute Gesell-schaft führt, in diesem das Verlangen, besser für seine Ausbildung zu sorgen. Hier-nach ist eine gute Zeiteintheilung und eine Einrichtung, bei der keine Stunde verlorengeht, seine Hauptsorge. „Es erwacht' demnach Gargantua gegen vier Uhr des Morgens.Während man ihn abrieb, ward ihm eine Seite- ans hl. Schrift laut und vernehmlichhergelesen mit jeden Cap. schicklichem Fürtrag und war dazu ein junger Knab aus Baschcbürtig angestellt, Namens Anagnostes. Auf Anlaß und Inhalt selbiger Lcction erginger sich öfters im Gebet, Lob, Preis und Danksagung gegen den guten Gott, deß
Majestät und wunderbare Gericht ihm die Schrift offenbaret hätt'. Dann beschauten
sie sich den Stand des Himmels, ob er noch war, wie sie ihn Abends zuvor gemerkt,in welche Zeichen die Sonn' an selbigem Tag einträt', desgleichen der Mond."Während er angeklcidct ward, wurden die Lectionen des vorigen Tages mit ihm wie-derholt; er sagte sie auswendig her und ergänzte sie „durch allerlei praktische Fäll'undExempel aus dem Wcltlanf." Hierauf drei volle Stunden Unterricht und dann Spa-ziergang mit solchen Spielen, die den Leib so weidlich übten, als vorher der Seele
geschehen war. Heimkehr, frische Wäsche, und Erwartung der Mahlzeit, währenddessensie etliche Sprüche ans der Lcction hersagten, lieber dem Essen wurde ihm erst ansden alten Helvengeschichten vorgelesen; später begann ein lustiges Gespräch, sic „han-delten zuvörderst von Tugend, Kraft, Eigenschaften und Natur alles dessen, was ihnenbei Tisch serviret ward: vom Vrod, Wein, Wasser, Salz, Fleisch, Fischen, Früchten,Kräutern, Wurzeln und deren Zubereitung," wodurch er alle einschlagendcn Stellendes Plinius, Athenäns, Dioskorides, Julius Pollux, Galen, Porphyrius, Oppianus,