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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
Entstehung
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Rabelais.

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fällig und nur der deutsche Volkscharakter, wie die 150 gewaltigen Jahre, welchezwischen den Geburtstagen beider Gelehrten liegen, bekleiden unseren Landsmann mitder größeren Würde. Daß lebendigere Interesse gewinnt uns der Franzose ab.

Entscheidend für dieses Urtheil und für uns zunächst maßgebend ist das Hauptwerkseines Lebens, sein satirischer Roman Gargantua und Pantagrnel. Pantagruel,d. h. Buch 2 erschien zuerst, wahrscheinlich um 1534; dann folgte Gargantna, d. i.das erste Buch des Romans. Vollendet wurde das Werk zu Meudon, die letzte Partieerschien sogar erst nach dem Tode des Meisters. Es sind fünf Bücher, jedes mitbesonderem Prologus, einige mit Widmung. Das erste führt den besonderen Titel:Das unschätzbare Leben des großen Gargantua, Vaters Pantagruelis, weiland verfaßtdurch Meister Alcofribas, den Abstractor der Quintessenz; das zweite: Pantagruelder Dipsoden König in sein ursprünglich Naturell wiederhergestellt, nebst dessen erschreck-lichen Heldenthaten und Ebenthenern, verfaßt durch Meister Alcofribas Seligern, derQuintessenz Abstractor. Dazu kömmt noch ein Nachtrag:Treu wahrhaft untrüglichsPantagruelisches Prognostikenbüchlein auf das Jahr Immerdar zu Nutz und Warnungderer von Natur verstockten Grillenfänger neu verfaßt durch Meister Alcofribas er-meldten Pantagruels Erbtruchseß. Von der güldnen Zahl, non ckioitur: ich find diesJahr nichts davon trntz aller Calcnlation. Weiter ini Text: Vorts kcckium." Diesesumfangreiche Werk die mir vorliegende französische Ausgabe zählt 354 Seiten 4";die deutsche von Negis 958 Seiten 8°, ist ein geschichtlicher, philosophischer und satiri-scher Roman, der erste dieser Art, den man in französischer Sprache geschrieben hat.Rabelais läßt darin so zu sagen alle Ordnungen des Staates, alle Lagen des Lebensüber die lustigen Bretter ziehen und erlustigt uns also auf Kosten des ganzen mensch-lichen Geschlechtes. Das ist so wahr, daß es eine besondre Ausgabe mit folgendemTitel giebt:los oouvros äo rnaistrs Rranyois Rabelais ou bistoiro satiriguo cks sontoinps sous Iss norus cks Qaigantua RairtNArusl UauuiAo Xmsterckam 1663. 2 vol.in 12." (RsmanAart und Lloi ckolranneau: sckition variorum I. p. XX.) Dieser Titelhängt mit der Meinung zusammen, der Roman sei eine großartige Allegorie, darinjede Person, ja jedes deutlicher beschriebne Thier einen der französischen Großen bedeute,eine Auffassung, mit welcher wir uns hier nicht abzusinden haben. Uns beschäftigenallein diejenigen Partien, welche auf den damaligen Zustand des Unterrichts inFrankreich eingehcn.

Wir treten damit in eine jener gewaltigen Zeitperioden, da ein neuer Geist alteFormen zerschlägt, wo so zu sagen alle drei Zeiten, Gegenwart, Vergangenheit undZukunft, sich begegnen. Häßlich und widerwärtig genug war das Vergangene, das nochseine Herrschaft geltend zu machen suchte. In der Wissenschaft machten sich die Aus-läufer der Scholastik breit, Kleinigkeitskrämerei, SpitzsinKgkeit aller Art, geistlosesläppisches Haschen nach Witz, welchem zuletzt kein Object zu gering oder zu profanwar; dabei in der Darstellung die ärgste Geschmacklosigkeit, die es geben kann, gipfelndvorzüglich in Sprachmengerei und in einer Manie, die disparatesten Dinge herbeizu-schleppen, meist um mit einer Gelehrsamkeit zu prunken, welche gar nicht einmal dawar. Zu schweigen von der Unbekanntschaft mit aller Natur und Weltgeschichte, be-saßen die gelehrten Herren nicht einmal eine nothdürftige Kenntnis der Sprache, inWelcher sie ihre Snbtilitäten auskramten, der lateinischen. Inorsctibilo propo äiotu ost,sagt Freigius im Leben des Ramus, sock tamsn verum ot ockitis lidris proäitum, inparisionsi aoaäsmin ckootoros oxstitisso gut moräious tuorontur ao ckotsnckeronb,»egc> amat" bam oommoäam orationom ossw guamogo amo", ack oamguo psrti-naoiam oomprimonckam oonsilio publioo opus tuisso. Wir finden Belege für dieseine schlagende Beispiel auch in des Rrasmus onoomion Glorias in der Basler Aus-gabe von 1776 S. 158. Solchem Zustande der Wissenschaft entsprach derjenige desSchulunterrichts, welcher in den Händen unwissender und unfähiger Geistlicher lag undin Frankreich nicht viel anders war, als ihn die Darstellungen aus dem 16. Jahr-