Rabelais.
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Stcrnkenner fein und er wurde eins nach dem andern durch beharrliche Anstrengungund ausgezeichnete Geisteskraft. Besonders waren es aber die Sprachen, denen eroblag. Latein und Griechisch hatte er schon als Franciscaner sich angeeignet, er cor-respondirte damals in griechischer Sprache mit Wilhelm Budäus, in dessen Brief-sammlung sich zwei an Rabelais gerichtete griechische Briefe finden. Später lernte erItalienisch, Spanisch, Deutsch, Hebräisch, Arabisch. Den Mönchen im untern Poitouwar um jene Zeit ein griechisches Buch noch eine Art von Hexenschlüssel und wer esführte, in ihren Augen ein Teufelsbeschwörer. So schauderten sie vor Rabelais undbeneideten ihn zu gleicher Zeit um sein höheres Wissen; sie haßten den, der durch seinbloßes Beispiel schon ihren Müßiggang, ihre Dummheit strafte, begriffen nicht, wieman in einem Kloster sich mit etwas anderem als Essen und Trinken und Singenbeschäftigen könne, und unterließen daher auch nichts, ihm sein Leben sauer zu machen.Nachdem er die Verfolgungen eine Zeitlang erduldet hatte, erbat und erlangte er vomPapste Clemens VII. ein Versetzungsbreve, das ihm (1524) den Uebertritt aus demFranciscanerorden in den der Dominicaner gestattete. Er wählte das Kloster zuMaillezais in Poitou, wo er mit Freunden der Reformation bekannt wurde; auchdieses aber verließ er, und zwar ohne Dispens, „warf die Kutte in die Nesteln" undführte ein wandernd Leben. Einen Rnhepunct bildet sein Verhältnis zur Universität,speciell zu der medicinischen Facultät von Montpellier, von welcher er akademische Gradeerlangt und der er so große Dienste geleistet hat, daß bis in die allerneneste Zeitjeder dasige Doctorand vor der Promotion Rabelais' Mantel anlegen mußte. Späterkam er nach Lyon; 1534 in du Bellays Gefolge — als Leibarzt und Bratenschneider— nach Rom, wo er in seinem religiösen Skepticismus nur noch bestärkt wurde; imfolgenden Jahre aber begab er sich noch einmal dahin und erlangte eine päpstlicheBulle, welche ihn von der Apostasie freisprach, und eine zweite, welche ihm erlaubte,eine Präbeude der Abtei St. Manr auznnehmen, durch deren damals schon beschlos-sene Auflösung er weltlicher Chorherr wurde. Endlich im I. 1545 erhielt er diePfarre zu Meudon bei Paris. Ueber die musterhafte Verwaltung der ihm anvertrau-ten Seelsorge sind alle Schriftsteller einig. Sie zeichnen ihn als einen Vater seinerBauern, als deren Leib- und Seelenarzt, als den Musiklehrcr ihrer Kinder. SeinHaus war allen Dürftigen offen, nur Frauen hatten keinen Zutritt. Es war derSammelplatz geistreicher und gelehrter Freunde, die ebenso von dem muntern Pfarrer,wie von der lieblichen Lage des Dörfchens angelockt, an schönen Tagen ans derHauptstadt zu ihm kamen und seines gastfreien Umgangs genoßen. Am 9. April 1553starb er zu Paris, wohin er sich hatte bringen lasten, im Kirchspiel St. Paul, zudessen Pfarrer er bereits designirt gewesen sein soll.
Schon bald nach seinem Tode ist seine Lebensgeschichte mit zahlreichen, größten-theils wohl geschichtlich nicht begründeten Anekdoten, durchwoben worden, welche soziemlich alle einen frivolen, zum Theil einen cynischen Charakter tragen, von der ersten,welche ihn als Substituten des Klosterheiligen in Fontenai le Comte vorführt, an,durch jene bekannteste, er habe sich die Mittel zur Reise von Lyon nach Paris da-durch verschafft, daß er einen Vergiftungsversuch gegen die ganze königliche Familiesimulirte, *) bis zu der haarsträubenden, nach welcher er sich sterbend einen Domino an-legen ließ, weil geschrieben stehe: lxmtä gut in äomino moriuntur. Jedenfalls sinddiese Anekdoten ein deutliches Zeichen für das Urtheil, das sich im Volke über den„lustigen Pfarrer von Meudon" gebildet hat. Ein richtiges Urtheil über ihn festzu-stellen, ist schwer; denn „von der Parteien Haß und Gunst entstellt schwankt sein Cha-
Merkwürdiger Weise reproducirt auch der jüngste deutsche Pantagrnelist vr. Arnstadt dieAnekdote in historischer Form, obgleich ihre Unwahrscheinlichkeit in die Augen springt. Wederwaren die Zeitverhältnisse damals dazu angethan, zu einem Wagnis cinzuladen, welches seinenUrheber geraden Wegs in die Bastille führen mußte, noch stand Rabelais jemals dem Hofe sonahe, wie jene Anekdote voranssctzt.