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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Quintilianus.

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Geschichte des eigenen Volkes vor Augen, aus welcher Hunderte von Themen für wahregeistige Bildung sich gewinnen ließen, und doch mußten die Knaben über die Wölfintzcs Roninlns, über Numas Egeria, über die Schlange, die den Scipio geboren habenfall, schreiben. Man konnte in der passendsten Weise daneben die von den Knabenunter Leitung der Grammatiker gelesenen Klassiker benützen und ließ sich doch mit einergewißen Vorliebe auf die Wunderlichkeiten der Mythologie ein. Wählte man gleich-wohl für die Snasoricn historische Stoffe, so schien man am liebsten die pikanten zuergreifen, aber wenig darnach zu fragen, ob dabei Geist und Gemüth Nahrung erhalte.Oder konnte etwas andres als gespreiztes Phrasenwerk herauskommen, wenn der jungePersius dem Cato von Utica die Gründe für den Selbstmord nachzudenken hatte, oderder junge Juvenal dem Dictator Sulla Niederlegung der usnrpirten Gewalt empfehlenmußte? (?6l'8iu8 III, 45 I. u. äuvsnul I, 15 k.). Und nun gar jene Casuistik derControversien, bei welcher die unwahrscheinlichsten Verwickelungen, ja haarsträubendeGräuel zu besprechen waren und eine mit widerwärtigen Gestalten erfüllte Bilderweltdie Aufmerksamkeit beschäftigte! Fgst scheint es, als habe man, je näher die Schülerdem praktischen Leben kamen, um so geflissentlicher sie von der Wirklichkeit abgelenkt,die in der That dann, wenn die Jünglinge in sie einzntretcn hatten, ihnen garwunderlich vorkam (Llurtiul. VI, 19).

Solche Gebrechen hatte Quintilian vor Angen, als er die Schrift äs oausiseorruxtus slogusntius verfaßte, die nach Spaldings Erörterung (Vol. II, 424 sgg.vgl. Vruok. XXXIX) niemand mehr in dem viuloFus äs orutoridus wieder erkennenwird (s. auch Kiellstusät (jnusstion. xliiloi. sxse. ssxtum 6 8g. und VinioI 1728.).In einen ziemlich weit greifenden Gegensatz zu den Verirrungen der Zeit tritt eraber auch mit seiner Instituts«) orutoriu. Dabei können wir freilich nicht behaupten,daß er von Einseitigkeiten und Illusionen sich frei erhalten, daß er die der Beredsam-keit durchaus verderbliche Wandelung des Staatslebcns klar erkannt und darum einetiefer gehende Reform der Bildung überhaupt von der Schule aus versucht habe; abereine große und edle Reform hat er unternommen. Hier kommen nun, wie uns scheint,folgende Momente in Betracht. 1) Er faßt seine Aufgabe als eine wesentlichpädagogische und bekämpft schon damit die pedantische Routine und den auf äußer-lichen Effect berechneten Formalismus. Wie er nun bis auf die erste Entwickelung deskindlichen Lebens znrückgeht und gleich über die Grundlagen aller Bildung mit tieferEinsicht in das Notwendige und Förderliche sich erklärt; so hat er durch das ganzeWerk den pädagogischen Gesichtspunkt festgehalten und bis in das einzelne in dem zubildenden Redner den zu bildenden Menschen vor Augen gehabt, den Menschen,wie er im Zusammenhänge römischer Staats- und Lebensordnnng gedacht werdenkonnte. Es steht mit dieser allgemeinen Tendenz in engster Verbindung, daß er2) das größte Gewicht auf die sittliche Bildung legt. Er sagt in dieserBeziehung gleich am Anfänge seines Werks: orutorsm instituimus illum xsrkootuin,gui 0886 nisi vir lionu8 non xotost, iäsogus non äiesnäi inoäo sxiinium in so kuoul-tatsm, soä 0 INN 68 auimi virtuts8 oxi^imus; und hierauf kommt er dann immer wiederzurück, bis er am Anfänge des 12. Buchs, wo er alles, was den wahren Rednermache, znsammenfasscn will, mit dem stärksten Nachdruck jenen Gedanken wieder voran-stellen kann. Hier kehrt er nun auch seinen ganzen Zorn gegen die in den Dienst derTyrannen und Delatoren getretene Redekunst seiner und der vorausgegangenen Zeit;kenn diese meint er doch, wenn er fortfährt: 8i vis iiiu äiesnäi mulitium instruxsrit,uiüii sit publiois privutisgus rsdus xsrnioiosius ologusntiu, nosgus ixsi, gui proririii xurts contsrrs uliguiä llrcultutom äiesnäi eonuti sumus, possims mersumnräs rsdus dumunis, si lutroni oompuruinus duoo urmu, non iniliti sie. Es kann nunfreilich scheinen, daß er in Durchführung seines Princips nicht immer conseqnentgewesen sei, vielmehr hier und da bedenkliche Concessionen gemacht habe B. II,17, 36. III, 7, 25. IV, 2, 88 S. VI, 2,6. XI, 1, 58. XII, 1, 11 k. 3345 mit dem