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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Quintilianus.

höheren Bildung Dienende hcrangezogen und verarbeitet werden konnte, und so ließsich dann auch erreichen, daß für die oratorische Behandlung des Verschiedenartigstendie Fähigkeit sich bildete. Freilich hieng gerade hier viel von der individuellen Ansichtund Neigung der Lehrmeister ab, wse denn gewiß M. Seneca ein andrer war alsPorcius Latro und Quintilian ein andrer als L. Seneca; immer jedoch ist unverkennbar,daß die bedeutenderen Lehrer bei der Menge der Schüler, welche zn ihnen sich drängten,bei der persönlichen Geltung, welche sie sich zu sichern wußten, bei der ganzen Stellungder Rhetorik, die für die meisten Zöglinge den unmittelbaren Uebergang in das Lebenherstellte, denn zn ernsterem Studium der Philosophie wandten sich immer nurwenige, einen mächtigen und zwar sehr wohlthätigen Einfluß üben konnten. UnterUmständen kam es in ihren Schulen Wohl zu einer Gymnastik des Geistes, die alleKräfte in Spannung setzte, eine vielseitige Benützung des durch Studium und LebenAngeeigneten möglich machte und auch die moralische Entwickelung förderte.

Aber die Resultate waren nur ausnahmsweise so erfreulicher Art. Im allgemeinenwird man sagen mäßen, daß die Rhetorik schon wegen der von der Ungeduld derEltern geforderten Verfrühung der Bildung weniger auszurichten vermochte als mandenken sollte. Das Alter freilich, in welchem die Knaben aus dem Unterrichte desGrammatikers zur Schule des Rhetors kamen, war nicht genauer bestimmt und auchQuintilian hat (II, 2, 1) nur zu sagen: guum aus in stucklm psrvknerit vires,nt, gnas prima essg xrascexta rlmtorum äiximns (II, 1, 8), msuts oonsogni pvssit,traäenäus kjns artis muAistris 68t. Indes spricht manches dafür, daß in vielen Fällenwenigstens die Anlegung der 1'vFN viriiis abgewartet wurde (s. Nn88on Ulinii minorisvita s^wst. 1709jj 19 8g.). Allerdings konnte auch in diesem Alter von Verarbeitungdessen, was vorher die Grammatiker dargeboten hatten, und von ausreichender Vor-bildung für die Aufgaben der Rhetorenschulen nicht wohl die Rede sein. Dies warum so weniger denkbar, als die Grammatiker, statt auf dem ohnehin schon so weitenGebiete der Studien, das ihnen überlassen war, ihre Schüler zu ruhiger und stetigerAneignung kommen zn lassen, nüt einer gewißen Eitelkeit in den Kreis der rhetorischenHebungen hinüberstrebten, indem sie z. B. bereits Suasorien arbeiten ließen. Dadurchgeschah es nun freilich, daß manche Schüler etwas später zu den Rhetoren übcrgiengen;aber diese glaubten nun wieder von den leichteren Hebungen absehn zu können undgleich mit der Deklamation beginnen, ja überhaupt auf diese sich beschränken zu können(Okolamark moäo kt 8cisntiam äkelumunäi wo taeultatkin tracksrs ollieii sui änennt.Instit. or. II, 1. 2). Eine gewiße Routine war dabei Wohl zu gewinnen; aber vonWahrer Bildung konnte kaum die Rede sein. Wenn die trefflichen Männer, welche dieErziehung des jüngern Plinius leiteten, es zulasten konnten, daß der vierzehnjährigeKnabe, wahrscheinlich zum Abschluß seiner Studien unter dem Grammatiker, einegriechische Tragödie verfaßte; so können wir ermessen, was minder einsichtige Männerals Resultate der rhetorischen Studien erwarten mochten. Wie viel bei solcher Ver-frühung herauskam, zeigt vielleicht am allerbesten Nero, der, kaum dem Knabenalterentwachsen, mit eingelernten Gerichts- und Prunkreden in lateinischer und griechischerSprache sich hören ließ und auch noch in der ersten Zeit seiner Regierung nicht ungernmit Deklamationen sich beschäftigte, während er für ernste Zwecke die Hülfe seinesMeisters Seneca nicht entbehren konnte.

Verfrühung führt immer zn Verbildung. Eine solche ergab sich aber besondersdaraus, daß man das Hauptgewicht auf äußere Gewandtheit, auf technische Geschick-lichkeit, auf mancherlei Kunstgriffe richtete, daß man oft auch sehr ungeeignete Stoffezur Behandlung wählte, daß man die Leistungen nach dem nicht selten erschlichenenoder erkauften Beifalle schätzen ließ. Die so entstehenden Nachtheile hat jenen Rhe-toren ihr Zeitgenosse Petronius eindringlich vorgehalten (vgl. cknn in 403 tk.); nochbedeutender aber ist dasjenige, was in derselben Richtung der Dialog von den Rednernsagt. Besonders wunderlich erscheint die Wahl der Themen. Man hatte die überreiche