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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Quintilianus.

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Vatcr entriß, der seinem Schmerze in der rührendsten Weise Ausdruck gegeben hat(instit. or. VI, Urooom.). Nach herkömmlicher Auffassung schon Dodwcll hat sieschloß Quintilian später eine zweite Ehe mit der Tochter des Rhetors Tutilius, auswelcher eine Tochter hervorgieng, bei deren Ausstattung nachher Plinius in seinerliebenswürdigen Weise sich betheiligte (opp. VI, 32). Aber diese ganze Annahme isteigentlich doch allein aus dem eben citirten Briefe abgeleitet, und da kann nichtunberührt bleiben, daß schon Gedoyn geneigt gewesen ist, in der Ueberschriftdieses Briefes tzuintiano zu lesen, während andre, wenn tjuintilia.no stehen bliebe,nicht an den berühmten Rhetor gedacht wissen wollen, der nicht als moäions kaoulta-tibu8 bezeichnet werden konnte und von Plinius wohl auch irgendwie als der dankbarverehrte Lehrer bezeichnet worden wäre (vgl. Spalding zu instit. or. III, I, 21 u.praok. XXXI, 8gg.).

Nach einer öffentlichen Wirksamkeit von 20 Jahren erhielt Quintilian (!m I. 89?)auf seine Bitten eine ehrenvolle Entlassung und es scheint, daß diese Verabschiedung,wie sie selbst der beim Waffendienste üblichen analog war, anch wieder zu der späterbei öffentlichen Lehrämtern festgehaltencn Norm das erste Beispiel gab. Nicht unwahr-scheinlich ist es, daß der Verlust der jugendlichen Gattin und des jüngern Sohnes ihnbestimmte, sich in die Stille znrückznziehn. Er gierig dann an die Ausarbeitung seinesvon ihm selbst wiederholt (instit. or. VI, Uroosin. VIII, 6, 76) erwähnten kleinenWerkes äo oausis oorruxtao olognontiao und wandte sich hierauf, den dringendenBitten seiner Verehrer und Freunde nachgebcnd, zur Arbeit an der Institutio orntoria,die ihn zwei Jahre (nach Dricsen 9294) beschäftigte; die Veröffentlichung dürftein das Jahr 95 gehören. Die früher von seinen Schülern ohne seine Zustimmungin die Oeffentlichkeit gebrachten zwei Schulhefte äo errto rlrotoriea, ein kleineres undein größeres, konnte er jetzt um so bestimmter verleugnen (Urooom. znm I. Buch).Die beiden unter seinem Namen erhaltenen Sammlungen von voolarnationos (einekleinere von 19 und eine größere von 145) sind für kulturhistorische Forschung gewißnicht ohne Werth, dürfen aber nicht auf ihn zurückgeführt werden; höchstens könnte diekleinere Sammlung aus seinem Kreise hervorgegangen sein, da ihre Ansdrnckswcisedoch z. Th. an seine Art erinnert (vgl. Piniol 171 k.).

Daß Quintilianus ein hohes Alter erreicht habe, ist wohl nicht zu bezweifeln;doch läßt sich das Jahr seines Todes nicht feststellen und wahrscheinlich geht Dodwellzu weit, wenn er das Ende dieses Lebens in die Zeit von 118120, also in die An-fänge der Regierung Hadrians verlegt.

Um nun die Institutio oratoria nach ihrer vollen Bedeutung zu würdigen, mußman sich mit lebendigem Sinne in die Nhetorenschulen jener Zeit versetzen, zu derenPraxis das Werk, so wenig es in der Form einen polemischen Charakter trägt, in einesehr beachtenswerthe Opposition getreten ist. Nach dem für die Jugendbildung ange-nommenen Stufengange hatte die Nhetorenschule die Thätigkeit der Grammatiker zurVoraussetzung, während sie selbst wieder in philosophischen Studien eine Ergänzungerhalten sollte. Hatten nun die Grammatiker die Aufgabe, nach dem Elementarunter-richte der Cramumtistao oder Intoratoros in die Kenntnis der griechischen und lateinischenSprache einzuführen und durch ausgedehnte Lectüre der Dichter und Historiker denSinn für Wohllaut und Schönheit der Darstellung zu bilden, dem Geiste aber einenReichthnm edler Bilder und großer Gedanken darzubieten, wobei sie zugleich die Schülerdurch mannigfache Hebungen im Erklären, Zergliedern, Umbilden und Nachbilder: denUebergang zu freierer Praxis gewinnen ließen; so lag es den Rhetoren ob, die Kunstder Rede zu rechter Aneignung zu bringen, nicht gerade durch Mittheilung von Theorie,worauf man sich in jener Zeit nicht sonderlich eingelassen zu haben scheint, sonderndurch zahlreiche Exercitien im schriftlichen und mündlichen Vortrage, wozu sie selbstdurch die von ihnen gehaltenen Declamationen die Muster gaben. Es war dabeimöglich, die zu behandelnden Stoffe so zu wählen, daß von allen Seiten das der