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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Prüfung der Lehrer an höheren Schulen.

Vorschläge der westfälischen Directorenconferenz, vgl. 8 20 der württ. Verordn.) ohnebesonderes Quellenstudium genügt. Vielmehr hat auch in der Geschichte sich diePrüfung auf die Kenntnis und Behandlung der Quellen nach den neueren wissenschaft-lichen Methoden, namentlich auch betreffs deS Mittelalters, zu richten; andernfallswird der Geschichtslehrer zwar im Stande sein, ein bestimmtes geschichtliches Materialnach den neueren Hülfsmitteln einzuüben, allein zur Gewinnung der eigenthümlichmBildungsergebnisse des Geschichtsunterrichts in sittlicher und geistiger Hinsicht wird esihm an selbständiger Sicherheit und an Lebendigkeit der Anschauung gebrechen. Beidieser Formulirung der wissenschaftlichen Forderungen werden dann freilich nicht ebenviele Candidatcn die gleich hohe Bildung in der Philologie und in der Geschichte auf-weisen, wie dies die übrigens betreffs der sachlichen Erfordernisse einsichtige nassauischeVerordnung 9 ^.) ausnahmslos verlangt. Endlich ist hier noch das nicht selteneVorurtheil zu bekämpfen, als ob tiefere Gelehrsamkeit einem wirklich pädagogischenUnterricht in den Elementen einer Wissenschaft hinderlich sei. Allerdings zeigen mancheLehrer von ernsterem gelehrten Streben zuweilen wenig Neigung, sich von der Erör-terung wissenschaftlicher Ausgaben zu den Bedürfnissen des Elementarunterrichts scheinbarherabzulasscn, oder auch wenig Geschick, diese Bedürfnisse klar aufzufassen und praktischzu behandeln. Dies ist aber nicht nothwendige Folge ihrer gelehrten Bildung; sondernsie haben in dem ersten Falle noch nicht die rechte Liebe, in dem zweiten noch nichtdie rechte Einsicht und Uebung für den Jugendunterricht gewonnen. Vielmehr wirdderjenige, welcher seine Wissenschaft bis zu ihren Tiefen in gewißcm Grade beherrscht,vor den übrigen befähigt sein, durch das unbehinderte Schalten über das wissenschaft-liche Material auch für den elementaren Unterricht fruchtbringende Combinationen, neueBildungswcge und vereinfachende Methoden zu schaffen; und dies ist ein Vortheil, dervor der genügsamen Kenntnis hergebrachter wenn auch an sich nützlicher methodischerHandgriffe weit den Vorzug verdient. Beispielsweise wird in dem sprachlichen Unter-richt die Vereinfachung der Regeln und die Zusammenfassung der Ausnahmen unterbestimmte Gesetze und Analogieen, die fruchtbare Zusammenstellung und Verwcrthungvon Wortfamilien u. dgl. niemanden besser gelingen, als demjenigen, welcher hierbeivermöge seiner tieferen wissenschaftlichen Bildung vor Jrrthümern und Misgrisfensicher und vermöge seines weitern Gesichtskreises zugleich befähigt ist, das sprachlicheMaterial zur Aufnahme durch den jugendlichen Geist möglichst vorzubereiten und zuverarbeiten. Dasselbe gilt von der Mathematik; wer nur mit ihren Elementen ver-traut ist, wird meistens anch nur das vorgeschriebene Pensum in hergebrachter Weiselehren können; wogegen erst eine ausgedehntere und selbständigere Beherrschung desmathematischen Gebiets gestattet, gleichartige Erscheinungen und Vorgänge in den ver-schiedenen mathematischen Disciplinen in fruchtbare Verbindung zu setzen und durchHinzuführung neuer Gesichtspuncte einen wahrhaft anregenden Unterricht zu ertheilen.Hiernach ergiebt sich denn leicht, was von der neuerdings mehrfach gehörten Klagemancher Direktoren zu halten ist, daß die Universitäten zu ausschließlich auf die wissen-schaftliche Bildung und zu wenig auf die pädagogische Vorbereitung der CandidatenRücksicht nähmen. Daß aber durch die vorstehenden Erörterungen nicht einer bornirtenEinseitigkeit das Wort geredet werden soll, bedarf keiner Bemerkung; gerade die gründ-liche Aneignung einer Wissenschaft läßt uns die Nothwendigkeit ihrer Ergänzung durchandere Fächer erkennen und befähigt zugleich zur vorurtheilsfreien unv einsichtigenWürdigung anderer Wissenschaften und ihrer Forderungen. Auch muß ein bestimmtesMaß allgemeiner, wo möglich philosophischer Bildung von jedem verlangt werden, deran der schwierigen Aufgabe theilnehmcn will, die Jugenderziehung in einheitlicherWeise zu leiten.

Soll aber die Tiefe und Selbständigkeit der Bildung bei der Prüfung entscheiden,so folgt endlich für den allgemeinen Charakter der letzteren, daß bei den einzelnenWissenschaften eine wesentliche Scheidung zwischen künftigen Lehrern für Gymnasien