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Philosophische Propädeutik.
war die Stufe des Anfanges, dessen Wissen noch so wenig umfangreich war, daß essich über seinen ganzen Umfang auSzndehncn und zugleich in ihm zu vertiefen ver-mochte. Aber mit der Erweiterung des Wissens, mit dem Wachsen der einzelnenWissenschaften in die Breite machte sich eine Theilung der Arbeit nöthig. Die Wissen-schaft gliederte sich in einzelne Wissenschaften, und als für sich bestehend sonderte sichvon ihnen ab die Philosophie. Wo diese Trennung, wie z. B. in der Psychologie,noch nicht vollzogen ist, da wird sie eiutreten, wenn sich das Wissen mehr und mehrerweitert hat, so daß auch hier das Princip der Arbeitstheilnng zur Geltung kommenmuß. Das Verhältnis, in dem die Philosophie zu jeder der übrigen Wissenschaftensteht, ist hiernach kein coordinirtes; sie ist vielmehr der Gesammtheit der übrigencoordinirt, insofern das Eintheilungsprincip nicht im Stoffe des Wissens, sondernin der Methode beruht, nach welcher dieser Stoff behandelt wird, übergeordnetaber, insofern sie, gleichsam eine Wissenschaft der Wissenschaften, die diesen zu Grundeliegenden und die von ihnen gewonnenen Begriffe zu ihrem Gegenstände hat und sozugleich Fundament und Vollendung alles Wissens zu werden bestrebt ist. Das Mittelder Erkenntnis ist ihr die Bearbeitung der Begriffe, jene eigenthümliche Art desDenkens, welche wir Spekulation nennen. Allerdings hat es Männer gegeben, diesich Philosophen nannten, aber alle Spekulation verwarfen und ihre Philosophie derspekulativen Philosophie, die sie in ihrem Rechte anzuerkennen sich weigerten, entgegen-setzten. Wir müßen ihnen das Recht ans den Namen der Philosophen bestreiten undkönnen in dem Ansdrucke „spekulative Philosophie" nur einen Pleonasmus erblicken,weil eben die Spekulation dasjenige Mittel der Erkenntnis ist, durch welches dasphilosophische Denken gekennzeichnet wird.
Nicht also der Stoff ist es, der die Philosophie von den andern Wissenschaftenunterscheidet, sondern die Art seiner Behandlung. Jeder Wissensstoff ist einer philo-sophischen Behandlung fähig, ja jede Wissenschaft muß in ihrer Vollendung von philo-sophischem Geiste durchdrungen sein. Dieser Geist erzeugt das Streben, die Einheitin der Mannigfaltigkeit, die Nothwendigkeit in dem anscheinend Zufälligen zu erkennen.Er bemüht sich, „jene Begriffe, die allen Wissenschaften Ordnung, Zusammenhang,Einheit ertheilen, heransznheben, nicht bloß um auch sic zusammengeordnet anfzustellcn,sondern um die innern Schwierigkeiten, die ein jeder von ihnen in sich trägt und durchdie Wissenschaften verbreitet, einzeln zu betrachten und, wo möglich, zu lösen." (Her-bart, a. a. O. S. 102 ff.) Das philosophische Studium der Wissenschaft läßt dieProbleme des philosophischen Denkens finden; die Spekulation unternimmt ihre Lösungund führt zur Philosophie als Wissenschaft. — Die Propädeutik der Philosophie liegtin dem philosophischen Studium der Wissenschaften. Die allgemeinen Begriffe derletzteren bieten der Philosophie den Stoff dar; die Lösung der in ihr liegenden Pro-bleme ist ihre Aufgabe. Den Antrieb, diese Lösung zu versuchen, giebt schon die Er-kenntnis der Probleme als solcher. Wer diese Erkenntnis wirklich erlangt hat, wirdentweder, ohne das Studium eines philosophischen Systems, selbst zu philosophirenbeginnen, oder in einem philosophischen Systeme die Lösung der entdeckten und, möchtenwir sagen, empfundenen Schwierigkeiten suchen. Beides, die Erkenntnis der Problemeund der Versuch ihrer Lösung, geschieht durch das Denken und nach den Gesetzen desDenkens. Die letzteren werden in der Betreibung eines jeden wissenschaftlichen Facheszuerst unbewußt und bei wiederholter Anwendung immer bewußter befolgt, und so liegtnicht nur die stoffliche, sondern auch die formale Propädeutik der Philosophie in demStudium der übrigen Wissenschaften, vorausgesetzt, daß dies in einer Weise betriebenwird, bei welcher sein propädeutischer Zweck und die Ansmündung aller Wissenschaftenin die Philosophie nicht aus dem Auge verloren wird.
Hat nun aber die Schule schon die Pflicht, ihren Zöglingen einen wissenschaft-lichen Unterricht zu ertheilen, der geschickt ist, eine Propädeutik der Philosophie zusein? Es kann nicht an Schulen gedacht werden, die mit der Wissenschaft als solcher