Druckschrift 
6 (1867) Philologie, classische - Reformation
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

Philosophische Propädeutik.

25

nichts zu thun haben. Auch solche Schulen können nicht gemeint sein, die, wie dieFachschulen, ihre Aufgabe in der bloßen Aneignung der für bestimmte Bernfsfächererforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten finden. Wir haben nur von Schulen zureden, die durch ihren Unterricht erziehen, den Menschen bilden wollen, und zwar nurvon den höheren, d. h. von denen, welche ihren Schülern eine auf wissenschaftlicherGrundlage beruhende und zu wissenschaftlicher Erfassung eines Gegenstandes befähigende1 Bildung geben wollen. Es sind nach dem jetzt herrschenden Sckmlorganismus die

Gymnasien und die (höheren) Realschulen, die wir in Betracht zu ziehen haben. (Vgl.Kern, die Concentration des Unterrichts und die Realschulen. Im Programm derRealschule zu Mühlheim a. d. Ruhr vom Jahr 1863, S. 11.) Sowohl daraus, daßdiese Schulen durch ihren Unterricht erziehen wollen, als auch aus ihrem wissenschaft-lichen Charakter folgt, daß ihr Unterricht darnach streben muß, Regsamkeit undSelbstthätigkeit des Geistes zu entzünden, dem Zöglinge die zum selbständigen Fort-arbeiten nöthige Energie und Gewandtheit des Geistes zu erwerben, denSinn füreignes, freies Forschen, für Selbstprüfnng, für Selbständigkeit des Denkens und Unter-suchens, für freie, auf die eigene Prodnctivität fortwirkende Beherrschung des Stoffs"zu beleben,das jnrars in vorba, das Annehmen und Nachbeten nach der Formel desPythagoreischen «vrös --x«, den Dogmatismus der Lehre einznschränken, mit einemWorte den mit wahrhaft wissenschaftlichem Streben untrennbar verbundenen philo-sophischen Geist zu erwecken (Zillcr, Grundlegung der Lehre vom erziehenden Un-terricht. S. 274 f.)., Was gelehrt wird, muß, obgleich es nur Theile der Wissenschaftsind, Stich halten den Anforderungen der strengen Wissenschaft, auch denen, die vomStandpuncte des philosophischen Denkens gestellt werden. Es müßen, um nur einBeispiel zu geben, im naturwissenschaftlichen Unterrichte nicht nur die sichern Resultateder neuern Naturforschnng, sondern auch die metaphysische Natnrbetrachtung Berück-sichtigung finden. Der Schüler muß den Sinnenschein als trügerisch erkennen, dieWidersprüche, in die er uns verwickelt, durchdenken und sich dadurchzum Aufbaueiner Gedankenwelt antreiben lassen, die der Erscheinungswelt zum Behuf des Ein-dringens in ihr inneres Wesen gegenübergestellt wird." (Ziller, a. a. O. S. 277u. S. 285 s.) Auf diese Weise erfüllt der Unterricht zugleich eine weitere An-forderung der Pädagogik, die sie darum stellt, damit die Vielseitigkeit des Gesammt-unterrichts nicht zur Zerstreuung werde, damit die Einheit des persönlichen Bewußtseinsbeim Schüler nicht unter der Mannigfaltigkeit des Wissens leide. Um diese Gefahrzu vermeiden und um dem einzelnen Wissen im Geiste des Schülers einen möglichstfesten Halt zu geben, muß alles Einzelne zu einem Ganzen, das der Schüler als einvon ihm Gewußtes, als sein Eigenthnm erkennt, verbunden werden. Es müßen, jemehr sich der Unterricht seinem Abschlüsse nähert, die Beziehungen der einzelnen Wissen-schaften zu einander und zu dem denkenden Geiste, es müßen endlich die Begriffe er-kannt werden, welche die Grundlagen alles Wissens bilden, d. h. die Behandlung mußimmer mehr von einem philosophischen Geiste durchdrungen und der Schüler an dieGrenze der Philosophie als derjenigen Wissenschaft geführt werden, die als die Wissen-schaft vom Wissen systematisch die Begriffe bearbeitet, welche Ausgangs- und Zielpunktealler einzelnen Wissenschaften bilden. Die Philosophie selbst ist so wenig ein Gegen-stand des Schulunterrichts, wie systematische Vollständigkeit eine Aufgabe desselbensein kann. Es bleibt der selbständigen Weiterbildung des Zöglings überlassen, wieweit er dem erweckten Verlangen Befriedigung schaffen will; die Schule schließt alsechte Erziehungsschnle ihre Arbeit mit der Erregung des Sinnes für ein weiteres,tieferes Denken; sie entläßt ihren Zögling nicht mit dem Bewußtsein, als ob er das,was ihn die Schule lehrte, schon ergriffen hätte, sondern mit dem Streben, seinWissen nicht nur zu erweitern, sondern vor allem auch zu vertiefen.

Zu diesem Ergebnisse unserer Ileberlegnng führte uns die Betrachtung des Gym-nasiums und der Realschulen als höherer Erziehnngsschulen. Für das Gymnasium