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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philosophische Propädeutik.

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zu mehreren spätern Stellen die vom Vers, dieses Artikels geschriebene Abhandlung imFestprogramme des Gymnasiums zu Coburg vom I. 1861:Die philosophische Pro-pädeutik in Verbindung mit dem mathematischen und physikalischen Gymnasialunter-richte".) Es kann uns eingewendet werden, daß eS dennoch Theile des gesammtenWissensgebietes gebe, deren Behandlung ausschließlich Sache der Philosophie sei, unddaß sich als Belege hiefür die Psychologie, die Ethik und die Aesthetik darböten. Aberfolgt denn daraus, daß die empirische Psychologie factisch in den Händen der Philo-sophen ist, oder daraus, daß in den philosophischen Kompendien die ganze Psycho-logie, die empirische und die specnlative, als philosophische Disciplin bezeichnet wird,mit aller Sicherheit, daß der empirischen Psychologie auf solche Weise ihre richtigeStellung im Ganzen der Wissenschaften angewiesen ist? Die Unterscheidung einerempirischen und einer rationalen Psychologie ist alt; hätte man den Charakter beiderimmer streng genug im Auge behalten, so würde es vielleicht ein längst praktisch an-erkannter Satz sein, daß die psychischen Erscheinungen, als unserer innern Natur an-gehörig, ebenso wohl ein Gegenstand naturwissenschaftlicher Forschung, wie philosophi-schen Denkens sind. Ein ähnliches Verhältnis findet zwischen der philosophischen Ethikund der religiösen Sittcnlehre, zwischen einer speciellen Kunstlehre und der allgemeinenPhilosophie des Schönen statt. (Vgl. Lazarus, das Leben der Seele, I.Bd., S. 42 f.) Wir können unsere Behauptung aufrecht erhalten, daß es keinen ausschließlich vonder Philosophie zu behandelnden Wissensstoff gebe. Die Philosophieliegt gar nichtaußer dem übrigen Wissen, sondern sie erzeugt sich mit demselben und in demselbenals dessen unabtrennlicher Bestandtheil" (Herbart,über philos. Studium" in denvon Hartenstein herausgegebencnkleinern Schriften," I. S. 101 f.). Mag derStreit der Systeme die Gemüther auch noch so sehr von der Philosophie abgewendethaben, immer hat man nicht aufgehört, von jeder Wissenschaft philosophischen Geistzu fordern. Die Methode des wissenschaftlichen Denkens ist die philosophische, und indiesem Sinne strebt jede Wissenschaft, Philosophie zu werden (vgl. Deinhardt, derGymnasialunterricht nach den wissenschaftlichen Anforderungen der jetzigen Zeit, S. 26 f.).Man begnügt sich nicht mit einer Gelehrsamkeit, welche einen noch so großen Schatzvon Kenntnissen anhäuft und ordnet; man sucht die Begriffe auf, vermöge deren wirdie Masse des Wissensstoffes beherrschen, und folgt der Aufforderung zum Denken, diein diesen Begriffen liegt. Die Reflexion erhebt sich über die Masse des Stoffs undfindet in ihr die Veranlassung zu einer denkenden, d. h. die Begriffe bearbeitendenBetrachtung desselben. Die allgemeinen Begriffe, welche die einzelnen Wissenschaftender philosophischen Behandlung darbieten, sind theils solche, welche von jenen voraus-gesetzt, theilö solche, die von ihnen erzeugt werden. Indem der philosophische Denkersie untersucht, erkennt er in ihnen Schwierigkeiten, die erbeseitigen muß; sie verwandelnsich für ihn in Probleme, die einer Lösung entgegensetzen. Die Allgemeinheit der zuProblemen gewordenen Begriffe, durch welche sie der Gedankenwelt angehören, die inihnen liegenden nur für das Denken vorhandenen Schwierigkeiten lassen eine Lösungder Probleme, eine Beseitigung der Schwierigkeiten nur durch das Denken zu. Diein Frage gestellten Begriffe werden entweder so, wie sie vor jeder philosophischen Be-trachtung gedackt wurden, festgchalten, oder sie müssen sich eine Umgestaltung, eineCorrectur gefallen lassen und führen im letzteren Falle zu einer neuen Auffassung desvon ihnen beherrschten Wissensstoffes. In diesem Sinne könnte man es als das Idealder einzelnen Wissenschaften und der Wissenschaft überhaupt ansehen, daß jede Wissen-schaft zugleich Philosophie ihres eigenen Wissens und daß die Philosophie in der Ge-sammtheit aller Wissenschaften enthalten wäre. Ein solches Verschmolzensein der Phi-losophie mit den übrigen Wissenschaften ist nur auf zwei Stufen möglich. Die einewird von dem sich entwickelnden Geiste in Wirklichkeit erreicht und muß von ihmüberwunden werden; die andere schwebt ihm als ein menschlicher Schwäche unerreich-bares Ideal vor, um so ferner, je mehr sich das Gebiet des Wissens erweitert. Jene