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Philosophische Propädeutik.
dieselbe als wesentliches Bildungselcmcnt der höheren Volksclassen mehr als in andernLändern, durch den Einfluß, den die modernen Sprachen und die sogenannten Realienin den Schulen erlangt haben, in ihrem Besitzstand eingeengt, aber eben dadurch auchaufgefordert, sich mehr zusammenzunchmen, zu concentriren und auf ihrem Gebietkeinerlei Concessionen zu machen, insbesondere das früher vielfach vernachlässigte grie-chische Element zu seinem vollen Rechte gelangen zu lassen. Dagegen dürfen wir hiermit Nachdruck erinnern an die Stellung, welche die klassische Philologie in der perio- ^
dischen Presse in Deutschland einnimmt, an die Popnlarisirung der alten Classtkerdurch ausgezeichnete Uebcrsetzungen, an die Einführung antiker Tragödien auf unfernBühnen mit Anwendung moderner Musik, endlich an die regelmäßigen Versammlungendeutscher Philologen und Schulmänner, in welchen die Vertreter der klassischen Phi-lologie, ebenso wie die Theologen, Juristen, Volkswirthe und Naturforscher als einegeschlossene Macht auftreten.
Die Konsequenz und Kühnheit der Kritik, womit die klassische Philologie in Deutsch-land ihres Amtes wartet, hat für Wissenschaft und Leben in und außer DeutschlandWeitgreisende Folgen gehabt und Fragen zur Sprache gebracht, vor welchen die Urheberjener Kritik selbst znrückschrecken würden. Die Grundsätze und Methode, die RichardBcntley auf die Briefe des Phalaris angewendet, haben Wolf und Lachmann auf Homerund das Nibelungenlied, Niebuhr und Schwegler auf die römische Geschichte, Schleier-macher, Strauß, Baur auf die Quellen der heiligen Geschichte übergetragen. Indessenist auch hier reichlich dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
Hirzcl.
Philosophische Propädeutik. Jede Unterrichtsstufe muß, wenn das Neue andersnur durch Verbindung mit dem Alten verstanden werden kann, durch die vorher- I
gehende vorbereitet werden; der jedesmalige Unterricht muß zugleich Propädeutik fürden nachfolgenden sein. (Vgl. Stoy, Encyklopädie der Pädagogik. Leipzig, 1861. S. 67.)
Sowie sich aber die Erziehung nicht auf das elterliche Haus und die Schule beschränkt,sondern außer dem Hause und der Schule in den unabsichtlichen Einwirkungen despraktischen Lebens gleichzeitige und nachträgliche Ergänzung findet, so ergeht es auchdem Unterrichte und namentlich dem wahrhaft erziehenden Unterrichte, welcher sein Zielin der Erregung eines dauernden Strebens findet, das Gewußte zu erhalten undextensiv und intensiv zu erweitern. Daher bleibt selbst auf der höchsten Stufe einerSchule, welche ihre Zöglinge unmittelbar ins Leben entläßt, dem Unterrichte sein pro-pädeutischer Charakter. Im speciclleren Sinne bezeichnet man denjenigen Unterrichtals einen propädeutischen, der auf ein neues Lehrfach, welches erst auf einer höherenUnterrichtsstufe zu den früheren hinzutritt, vorbereiten, Empfänglichkeit und Befähigungfür dasselbe Hervorrufen soll. In diesem Sinne ist die Heimatskunde Propädeutik fürGeographie, Geschichte und Naturgeschichte, der geometrische Anschauungsunterricht (diegeometrische Formenlehre) Propädeutik für die Geometrie. Und dieser Sinn ist es auch,in welchem man von einer philosophischen Propädeutik spricht.
Daß jeder Unterricht seine Propädeutik verlangt, wenn er nicht auf der unmittel-baren sinnlichen Anschauung beruht, ist ein pädagogisch feststehender Satz; aber damit ^
ist nicht gesagt, daß ein neues Unterrichtsfach nicht seine Propädeutik in andernFächern finden könnte, daß es zur Erreichung des propädeutischen Zweckes immer einerbesonder» Lection bedürfe. Es entsteht die Frage, ob die Philosophie eine besonderePropädeutik verlange, oder ob dieselbe bereits in andern Fächern enthalten sei. Umsie zu beantworten, müßen wir mit einigen Worten das Verhältnis besprechen, inwelchem die Philosophie zu den andern Wissenschaften steht.
Die Philosophie ist kein Wissen außer und neben dem andern Wissen; sie hat sichnicht mit den übrigen Wissenschaften in die Gegenstände des Wissens getheilt. Sie ^
macht keiner Wissenschaft die von ihr genommenen Gegenstände streitig; aber sie behältsich das Recht vor, jeden Gegenstand auch zu dem ihrigen zu machen. (Vgl- hiezu und