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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philologie.

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Damit war natürlich auch eine gewisse Unsicherheit im Betrieb und ein Auseinander-gehen der Richtung verbunden, sofern die einen die Philologie als den Inbegriff allesWissens ansahen, die andern sie auf Kritik, Grammatik und Exegese beschränkten, vieledie römische Seite des Alterthums vorwiegend cnltivirten, andere die pädagogische Brauch-barkeit dieser Studien hervorhoben, endlich eine herrschende Ansicht die Philologie wiedie Philosophie als eine Magd der Kirche und Theologie ansah. Als nun nach derMitte des vorigen Jahrhunderts große Dichter und Denker anfstanden, die nicht nurdurchdrungen waren von dem Geiste des antiken Humanismus, sondern auch wieWinkelmann, Lessing, Wieland, Herder, Schiller specicll mit den Denkmälern der altenKunst und Literatur sich zu thun machten, als dadurch ganz neue Anschauungen inUmlauf gesetzt, neue Standpuncte gewonnen wurden, so konnte es doch Wohl nichtfehlen, daß auch die Philologen eine Umschau hielten, ihre Stellung gegenüber von denTheologen, Philosophen, Historikern ins Auge faßten, eine überkommene, sich selbst nochnicht gehörig klare Thätigkeit in das Licht des Bewußtseins erhoben, das reiche Ma-terial znsammennahmcn und ordneten, das Ziel fest vorzeichneten und einer heimatlosenBetriebsamkeit eine feste, lichte und geräumige Wohnstätte bereiteten.

Dieser Schritt geschah durch F. A. Wolf in der bekannten, Göthe gewidmeten Abhand-lung: Darstellung der Alterthumswissenschaft nach Begriff, Umfang, Zweck und Werth.Hiebei ist eS von untergeordneter Bedeutung, ob der Begriff erschöpfend, die Gliederung,Rangordnung und Grenzbestimmung der einzelnen Disciplinen richtig und vollständig ge-geben ist. Das Verdienst besteht darin, daß der Gedanke hervorgctreten und zur Thatgeworden ist, das Gebiet der klassischen Philologie zu begrenzen und ihr eine bestimmteRegion in der Republik der Wissenschaft anzuweisen, wodurch einerseits unberechtigtePrätensionen gemäßigt, andererseits ihre wohlberechtigte selbständige Stellung nebenandern gesichert wird.

Hiernach ist die klassische Philologie in die Reihe der historischen Wissenschaftengestellt und zu einem wesentlichen Theil der Kulturgeschichte abgerundet worden. Nach-dem Wolf auf diese Art Bahn gebrochen, haben die namhaftesten Philologen derneueren Zeit, wie F. Kreuzer, A. Böckh, O. Müller, F. Nitschl die klassische Philologieunter dem üblich gewordenen Namen Alterthumswissenschaft anfgefaßt, ihren Begriff,Umfang und Zweck in analoger Weise bestimmt und in dem so begrenzten Gebiet sichselbst ihre besondere Aufgabe erwählt und man kann sagen, daß es keinen Zweigderselben giebt, welcher nicht in Deutschland durch fleißige, gründliche, scharfsinnige undgeistvolle Arbeiten vertreten wäre. Sprache und Alterthümer, Kunst und Mythologie,Geographie und Geschichte, Kritik und Exegese, Literatur, Epigraphik und Numismatik,griechische und römische Philologie sind mit einer Gleichmäßigkeit, Ausdehnung undTiefe bearbeitet worden, daß den Deutschen, wobei es erlaubt sein wird, schweizerischeund dänische Leistungen mit einznschließen, hierin kein anderes Volk an die Seite zustellen ist. Wir erwähnen nur die Namen von Männern, die ihrem Geburtsjahr nachnoch dein vorigen Jahrhundert angehören und zum Theil noch am Leben sind, I. H.Voß, F. A. Wolf, F. Jacobs, F. Crenzer, G. Hermann, Barthold G. Niebuhr,A. Lobeck, Fr. Thiersch, Fr. G. Welker, I. Becker, A. Böckh, C. Lachmann, O.Müller, welchen sich noch eine gute Zahl jüngerer Männer, auch solcher, die, ursprüng-lich ans anderen Gebieten zu Hause, philologische Gegenstände in hervorragender Weisebearbeitet haben, insbesondere Juristen und Historiker anrcihen ließen. Dabei darfjedoch nicht verschwiegen werden, daß es immer noch eine Anzahl von Philologengiebt, welche nach dem Vorgang von Gottfr. Hermann, die Philologie vorzugsweisevon der sprachlichen Seite anffassen, die von uns oben gegebene Ordnung der Di-sciplinen umkehren, die sprachlichen als die fundamentalen und Hauptfächer hinstellenund den realen einen rein subsidiären Charakter beimessen.

Insbesondere aber sind die praktischen Beziehungen noch zu erwähnen, inWelche die klassische Philologie in Deutschland mit dem Leben getreten ist. Zwar ist