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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philologie.

Theil in heftiger Fehde lebte, sowie das bekannteSiebengestirn" von Schülern RichardDawhes, Taylor, Markland, Tnnstall, Pearce, Tyrwhitt, Tonx beurkunden den von ihmbewirkten Aufschwung der philologischen Studien. Unter den englischen Philologen desvorigen Jahrhunderts nimmt eine gleich tonangebende Stellung ein Richard Pvrsonmit seiner Schule, den beiden Blomficld, Elmsley, Gaisford n. a. Die jüngerenPhilologen in England beschäftigen sich vornehmlich mit den griechischen Classikern,namentlich den Tragikern, und verbinden damit nach Bentleys Vorgang metrischeStudien. Neben dieser Thätigkcit für die sprachliche Seite der Philologie sind aberauch ihre antiquarischen Studien und Sammlungen (Arundel, Elgin, britt. Museum)und ihre Forschungen ans dem Gebiete der alten Geschichte (Ferguson, Gibbon, Gillies,Grote, Lewis) zu erwähnen, von welchen Grote und Lewis sich besonders durch eintieferes Eingehen aus die Ergebnisse deutscher Forschung auf diesem Gebiete bemerklichmachen.

Die classische Philologie nimmt jetzt noch als Bildungselemeut der höheren Volks-classcn in England eine fast ausschließliche Stellung ein. Die großen Staatsmännerdes britischen Volks sind nicht nur gewohnt, ihre öffentliche Reden mit den Sentenzender alten Schriftsteller zu zieren und ihre Mußestunden durch die Lectüre der altenClassiker zu würzen, sondern wir finden in ihrer Mitte auch solche Männer, die nebenden anstrengendsten und verantwortungsvollsten Berufsgeschäften noch Zeit finden, umsehr gründliche, gelehrte und scharfsinnige Untersuchungen über hochwichtige Gegenständeaus der classischeu Philologie anzustellen, so über die älteste römische Geschichte (Lewis),die homerische Frage (Gladstone). Die englische Nationalliteratur aber, mit der sich,was Selbständigkeit und Originalität betrifft, die Literatur keines der modernen Völkermessen kann, ist erfüllt von dem Marke des classischeu AlterthumS. Daß diese Nationdaneben auch auf dem Gebiete des praktischen Lebens, des Handels, der Industrie, derMathematik und Naturwissenschaft in erster Reihe steht, daß dieses Volk an politischerBildung dem übrigen Europa vorangeschritten ist, ist eine Thatsache, auf welche hin-zuweisen kaum nöthig wäre, wenn sie nicht zum Beweise diente, baß die Bildung aufdem Grunde des klassischen AlterthumS keineswegcs unpraktische oder einseitige Re-sultate ergeben muß.

Dieser eifrigen, gründlichen und vielseitigen Betriebsamkeit reihten sich, wenngleich mit weniger Genialität und bescheideneren Leistungen, die deutschen Philologenvom Ende des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an. Die Vertreter dieserStudien haben wir doch weniger mehr an Schulen, als an den Universitäten zusuchen, insbesondere in Tübingen (Martin Crusins und Nikodemus Frischlin), Heidel-berg (Friedrich Sylburg, Acmilius Portns, Janus Gruterus, Johann Freinsheim),Göttingen (Joh. Mathias Geßner, Christian Gottlob Heyne), Leipzig (Joh. Aug.Eruesti, Sam. Friedr. Nath. Morus, Joh. Jac. Neiske und Friedr. Wolfg. Reiz).

Diesen schließen sich an aus dem 17. Jahrhundert der geniale Abenteurer, CasparScioppiuS (Schoppe), der Gothaer Arzt Neinesius, der Diplomat Ezechiel Spauheim,der Schulmann Christoph Cellarins in Halle, endlich in Hamburg Joh. Albert Fabri-cius, der mit seinen großartigen literarischen Sammelwerken noch in das 18. Jahr-hundert herüberreicht. Manche deutsche oder schweizerische Namen von philologischemRufe treffen wir in Holland, wo sie ihre Bildung geholt und den Schauplatz ihrer Dichtig-keit gefunden haben (G. I. VossinS, I. F. Grouovius, Gräfe, Ruhnken, Myttcnbach).Eine stetig fortschreitende Entwicklung der deutschen Wissenschaft überhaupt, insbe-sondere der Philologie, hemmte der dreißigjährige slrieg, der mit den ihm vorangehendenschwülen Zeiten und der ihm folgenden Erschöpfung einen fast hundertjährigen Stillstandmit sich brachte.

Allerwärts aber hatte man bisher die classische Philologie, sei es in größeremoder beschränkterem Umfang, mehr nach einein traditionellen Instinkt, als mit klaremBewußtsein über Begriff, Zweck, Umfang und Stellung dieser Tüchtigkeit betrieben.